Was hat es wohl auf sich, mit diesem Tag, und mit einem Trinkgelage, dass oft scherzhaft „Stephans Steinigung“ genannt wird? Dazu müssen wir ein wenig im Geschichtsbuch blättern, und dort auf alte Schriften zurückblicken.
Stephanus gehört zu den ersten Christen und lebt in Jerusalem. Er ist ein Mann, über den sich viele Juden ärgern. Denn er hält wenig vom Tempelkult und einer sklavischen Befolgung der Tora. Stattdessen verkündet er die frohe Botschaft Christi.
Sein Bekenntnis wird ihm zum Verhängnis
So gewinnt Stephanus viele Juden für die christliche Urgemeinde – und zieht den Zorn der Juden aus der Synagoge auf sich. Sie berufen schließlich eine Volksversammlung ein, vor der er sich verantworten muss.
In einem Heiligenbuch heißt es: „Nun hält Stephanus eine glänzende Rede vor dem Hohen Rat. Er beschämt darin auch die geschultesten der gelehrten Gesetzeslehrer. Er beweist ihnen die Halsstarrigkeit des auserwählten Volkes, das die Gnadenführung Gottes nicht erkannt hat“
Stephanus gibt vor dem Hohen Rat die ganze Geschichte des Volkes Israel wieder – von den Patriarchen über Moses bis zu Jesus. Seine Rede ist einer der längsten Monologe, der in der Bibel zu finden ist.
Wegen seines Bekenntnisses zu Jesus wurde Stephanus vom Hohen Rat (Sanhedrin) zum Tod durch Steinigung verurteilt. Die Vollstreckung fand außerhalb des Tores der Stadt Jerusalem statt. Er ist somit der erste Märtyrer, der Erzmärtyrer.

Im frühen Mittelalter wurde sein Tag mit Völlerei und Trinkgelagen – der sogenannten Stephansminne – gefeiert.
Karl der Große schritt ein und verbot das maßlose Zechen, allerdings mit wenig Erfolg.
Der Völkerkundler Lutz Mackensen schriebt dazu: „Es war also damals verbreitete Sitte, den Namen Stephan beim Trunk. ja sogar in der Trunkenheit auszurufen. Wir haben hier die ursprüngliche Form des christianisierten Minnetrunks vor uns, wie er aus vorchristlicher Zeit bekannt und beliebt war: Beim Gelage wurde das Gedächtnis eines besonders in Ansehen stehenden Heiligen (statt des einstigen Gottes) getrunken“.
Das Gelage zu Ehren des heiligen Stephanus führt die zur Julzeit gefeierten Sauforgien der Wikinger und anderer Heiden weiter.
Die Frage ist, welcher Gottheit das Trinken vorher geweiht war. An diese Stelle tritt nun der dritte der großen Götter des Nordens „Freyr“.

Er gehört zu dem friedlichen Göttergeschlecht der zaubermächtigen Wanen und waltete als Himmelsgott über Regen und Sonnenschein und damit über den Pflanzenwuchs auf der Erde. Er ist ein Gott des Friedens, der sein Schwert abgibt und – zur Julzeit – keine Waffen duldet. Daher wurde er auch geliebt von Göttern und Menschen, und man rief ihn um Frieden und Wohlstand an.
Seinen Anhängern erschien Freyr als ein schöner Jüngling, hoch zu Ross. Ein prächtiges Schwert war um seine Lenden gegürtet, ein Helm von einem goldenen Eberbilde überragt, überdeckte sein Haupt. Zu Beginn des Frühlings wurde sein Bild wie das der Nerthus in Deutschland durch die Lande gefahren, eine Priesterin hatte neben dem Gotte Platz genommen und lenkte den Wagen. Man glaubte, dass der Gott auf seinem Umzuge die Erde aus seinem Winterschlaf erwecke und zu neuer Fruchtbarkeit segne.

Mit der Christianisierung wurde Freyr durch Stephan, den Schutzpatron der Kutscher und Pferdeknechte, ersetzt. Den Überlieferungen nach wurde Stephanus (wie oben beschrieben) gesteinigt, und so wurde er auch der Schutzpatron der Maurer.
Sitten und Bräuche bis zum heutigen Tag:
In dem heiligen Erzmärtyrer lebt er als Pferdepatron weiter. Und daher findet mancherorts am 26. Dezember der sogenannte „Stepahnus-Ritt“ statt, ein Umritt über Feld und Flur mit kirchlichem Segen. Oder man ritt wie in Kärnten im Levanttal zwölf oder fünfzehnmal um die Kirche herum um die Wette.
Auch werden vielerorts immer noch die Pferde von den Priestern im Kirchhof an dem Tag gesegnet , und auch der Hafer, den die Rosse so gerne fressen, erhält den priesterlichen Segen.
In den (ehemaligen) östlichen Provinzen Deutschlands und in Teilen Polens werden Geistliche am Stephanstag, in Erinnerung an die Steinigung des ersten Märtyrers, mit Erbsen beworfen.
Außerdem wurden an diesem Tag die Pferde zur Ader gelassen, das Lecksalz gebenedeit und ein Zweig Kreuzdorn in die Tränke gelegt.
An dem Tag des heiligen Stephanus wird auch das Wasser geweiht und in heilendes „Stephanus-Wasser“ verwandelt; dass auch den Rossen zugute kommen.
Auch Flaschen mit weißem und rotem Wein, den Gläubige in die Kirche bringen, erhalten den kirchlichen Segen, schließlich ist er wichtig für die Stephansminne.
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Quelle
Wolf Dieter Storl – Magie der Sonnenwenden
Walhall die Götterwelt der Germanen – Doepler & Ranisch
Giebel Marion – das Geheimnis der Mysterien
Klein Diethard H – Wetterregeln, Bauernweisheiten und alte Bräuche
Nemenyi Geza – Götter, Mythen und Jahresfeste.
