Nach Weihnachten – die zwölf heiligen Tage im Jahreswechsel

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“

„Außer dem Lichterbaum

im Weihnachtszimmer

steht der riesige Lichterbaum des Sternalls vor uns.

Er leuchtet uns auch auf dem Pfade

zum neuen Jahr“

(Herbert Fritsche)

Von Wintergeistern, Raunächten, Narrenfesten, einem Heidenlärm., drei heiligen Frauen und dem Blick voraus – zum Frühlingskreis

Es war einmal …, auf ein Wort zum Abschied des Jahres

Heidenlärm zur Jahreswende – was hat es damit auf sich?

Die Zeit der heiligen Nächte von Weihnachten bis in den Januar hinein ist die Übergangszeit vom alten zum neuen Jahre. Es ist eine besonders ausgezeichnete Zeit, voller geheimnisvollen, segenwirkenden, aber auch verderblichen Zaubers und deshalb erfüllt von Sitten, zu denen von der Steinzeit bis auf die jüngste Vergangenheit alle Zeiten beigesteuert haben.

Der Jahreswechsel stellt den zweiten Höhepunkt unseres winterlichen Sonnenwendfestes dar. Am 31. Dezember wird gefeiert! Übermütig, feuchtfröhlich und ausgelassen.

Am 6. Januar erfolgt dann der dritte Höhepunkt des Wintersonnenwendfestes: Am 6. Jänner gehen die Heiligen drei Könige von Haus zu Haus, um Segen zu bringen. Wer weiß, dass diese drei Heiligen Männer sich von den viel ursprünglicheren „drei heiligen Frauen“ abgeleitet haben? Die drei heiligen Frauen wurden im keltischen Brauchtum „ Ambeht, Borbeht, Sonnbeth“ genannt. Da sie und ihre Kraft auch durch die Christianisierung nicht verdammt werden konnten, wurden sie umbenannt in: Katharina – Barbara – Margarete. In folgendem Spruch werden sie beschrieben:

>„Katharina mit dem Radl (stellt des Jahresrad dar)

> Margarete mit dem Wurm (stellt den Drachen, urweibliches Prinzip, dar)

> Barbara mit dem Turm.“

Erst durch die Christianisierung wurde aus diesen drei starken, mächtigen Frauen, die die Gesamtheit des Universums darstellen, die zurückgehen auf die dreigestaltige Göttinnen-Verehrung, die männliche Version mit den drei Königen.

——————————-

Nach der Jahreswende folgt also eine stille Zeit. Wir müssen uns einleben in das neue Jahr und einfühlen in die Befürchtungen und Verheißungen. Die im alten Jahre gestellten Schicksalsfragen haben, vor allem in der Neujahrsnacht, ihre Beantwortung gefunden. Waren unsere Fragen richtig gestellt, und sind die Antworten richtig gedeutet worden? Unter diesen Zukunftsgedanken treten wir ins neue Jahr ein und verhalten uns wartend und still.

So sind die Menschen der germanischen Stämme zu allen Zeiten in den ersten Wochen des neuen Jahres gar still und in sich gekehrt gewesen.

—————————-

Zum Ende eines Jahres veranstalteten die Germanen Feuerzeremonien. Somit geht auch die Tradition des sogenannten Silvesterfeuers auf die Germanen zurück.

An diesem Abend beginnt eine weitere Raunacht. Wohnräume und Stallungen werden geräuchert. Anschließend versammelt man sich zur inneren Rückschau. Daraufhin folgt das Abendessen. Die Zeit bis Mitternacht vertreibt man sich nach alter Sitte mit dem „Losen“, also dem Erforschen der Zukunft. Bleigießen gehörte zu den Losbräuchen und ist bis heute beliebt.

Und warum spricht man dann vom Heidenlärm?

Dass es an Silvester kracht, geht auf heidnische Gebräuche zurück. Feuerwerk und Glockengeläut um Mitternacht stammen noch aus dem vorchristlichen Glauben.

Und deshalb wird viel Lärm gemacht: Der Heidenlärm soll böse Geister fernhalten, denn zur Jahreswende öffnen sich die Tore zwischen den Reichen der Lebenden und der Toten. Daher schlug man mit Schellen und Peitschen. Zudem zündete man Holzräder an, die dann über die Wege rollten, um böse Geister mit viel Licht und Krach zu vertreiben. Ungeliebte Vorfahren mit „bösem Geist“, also schlechtem Charakter, die zu Lebzeiten zum Beispiel besonders gehässig, gewalttätig oder gierig gewesen waren, sollten somit an der Teilnahme an den Feierlichkeiten und eventuellen Störungen derselben gehindert werden.

Die Feuerfeste zum Jahreswechsel gehen auf die Germanen zurück.

Erst im Jahr 1582 ergab sich die namentliche Assoziation des Jahresendes mit „Silvester“ (dt. Waldmensch, von lateinisch silva Wald).

Auch wenn der Name auf einen kirchlichen Ursprung schließen lässt, reichen die Wurzeln der Jahresendfeiern viel weiter zurück. Dass wir heutzutage das Neujahrsfest mit dem Namen Silvester in Verbindung bringen, geht auf Papst Silvester I. zurück, der am 31. Dezember 335 n. u. Z. starb.

Bekannt sind auch die ausschweifenden Feierlichkeiten mit denen die Römer das neue Jahr begingen.

Doch das Anzünden von Feuerwerk zum Jahreswechsel hat unbestritten seine Wurzeln in germanischen Brauchtümern.

Dem Ursprung nach, nimmt die Feier zum Jahreswechsel ihren Beginn zur Wintersonnenwende. Im germanischen Volksglauben ist das dann auch die Zeit, wenn Odin /Wotan mit seinem wilden Heer durch die Lüfte saust. Die Dunkelheit und den Schrecken der Nächte versuchte man mit Lärm und Feuer zu vertreiben.

Später, Im Mittelalter benutzte man dann Pauken und Trompeten, in der Renaissance schoss man mit Böllern, Gewehren und Kanonen. Heute sorgen unsere Feuerwerkskörper für den Lärm, aber für ein einzigartiges Spektakel. Die ersten Feuerwerke wurden bei Hofe in die Luft geschossen. Später durfte das gesamte Volk das neue Jahr mit den Himmelsraketen begehen.

————————————

Bedeutungsvoller als die Feuerzeremonien zum Jahresende und die Tage des stillen Januar, ist der Tag der Lichtmesse ab dem 2. Februar.

Mit diesem Tage beginnen die Feiern, welche die Germanen seit der Bronzezeit abhalten, um das ihrige beizutragen, der langsam zunehmenden Kraft des Lichtes zum Siege zu verhelfen. Dabei ist nicht an die Verehrung eines Sonnengottes zu denken, sondern der Sonne schlechthin, von der alles Leben und Gedeihen aus der Erde abhängig ist.

Seitens des Christentums wurde auch hier der Versuch unternommen, diese altheidnische ersten Sonnenfeier aus dem Gedächtnis der Menschen zu löschen, indem der Klerus selbst eine Lichtfeier an ihre Stelle setzte. In den Tempeln wurden die Kerzen vom Priester geweiht, und die Gemeinde zog Marienlieder singend um das Gebäude.

————————————————

Werfen wir einen Blick voraus – der Frühlingskreis

Doch wenn auch dieses altgermanische Sonnenfest, von christlicher Begehung überdeckt, haben sich an diesem Tag der Lichtmesse die Menschen ihren Brauch erhalten, der wohl in ähnliche ferne Vergangenheit zurückführt wird, wie die alte Sonnenfeier.

So übte noch über eine lange Zeit in Groß-Berndten die Bauersfrau( zuweilen noch heute) den Zauber, dass sie einen Wagenreif auf den Hof legt oder auch wohl nur einen Kreis auf dem Hofe zieht und das Futter für die Hühner dort hinein streut. Dieser Brauch gibt die Gewissheit, dass die Hühner das ganze Jahr hindurch in das Nest und nicht abseits ins Heu oder Gras legen.

—————

Ich halte es an dieser Stelle wie Schiller, und wünsche euch keinen „guten Rutsch“, sondern vielmehr alles erdenklich Gute für das neue Jahr!

Gut zu wissen: Der Wunsch „Guten Rutsch“ oder „Einen guten Rutsch ins neue Jahr!“ ist etwa ab 1900 im deutschsprachigen Raum zu hören. Möglicherweise geht er auf das jiddische Wort «rosch» zurück, was «Anfang» bedeutet.

Hans Weigel schrieb in seinen Leiden der jungen Wörter (1974): »Schiller hat Goethe keinen guten Rutsch gewünscht, Liszt hat Wagner keinen guten Rutsch gewünscht, auch in den Briefen Rilkes an seine Freifrauen, Gräfinnen und Fürstinnen fehlt jede Andeutung des glückhaften Rutschens in die neuen Jahre.«

—————————————

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,

An keinem wie an einer Heimat hängen,

Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,

Er will uns Stuf ’ um Stufe heben, weiten.

Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise

Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,

Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde

Uns neuen Räumen jung entgegen senden,

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

(Hermann Hesse)


Hinterlasse einen Kommentar