Ich bin gerade dabei, unsere angedachten Ausflüge der kommenden Monate etwas näher in Augenschein zu nehmen. Es ist schon iwie verrückt: Auf der einen Seite, lese ich ganz allgemein über die Megalithkultur, auf der anderen Seite blättere ich bei Umberto Eco und zack, lassen sich Verbindungen herstellen. Aber lest selbst:
Wenige km westlich von Werpeloh (Emsland) befindet sich dieser neu errichtete Steinkreis. Ausgangspunkt der Konstruktion war ein sogenannter „Altarstein“, der bei Feldarbeiten zutage gefördert wurde. Angeblich soll zwischen dem Stein und diversen Steingräbern im näheren Umfeld eine Verbindung existieren(Pater Matthäus). Der Steinkreis ist das Ergebnis einer Arbeit von Pater Matthäus Bergmann, der es sich nicht nehmen ließ, sein neu geschaffenes Werk mit einer „schwarzen Madonna“ zu „christianisieren“. Eine aufgestellte Tafel liefert weitere bizarre Informationen,

Der Steinkreis Werpeloh gehört zu den Sehenswürdigkeiten der „Straße der Megalithkultur“, obwohl er natürlich sehr viel neuer ist als die vielen umliegenden historischen Megalithgräber. Baubeginn des Steinkreises war 2002, Eröffnung im Jahr 2004.
Geplant und erbaut wurde der Steinkreis von dem Kapuziner-Pater Matthäus Bergmann, der zu dieser Zeit Pfarrer in der Franziskus-Gemeinde des Dorfes Werpeloh war, unter Mithilfe einiger Mitbürger aus dem Ort selber.
Der zentrale Altarstein wurde bei Bodenarbeiten zu Tage gefördert. Forschungen haben ergeben, daß dieser Stein in der Megalithkultur eine besondere Bedeutung gehabt haben muß. Sogenannte „Fernvisierlinien“ lassen auf eine Verbindung zu vielen Steingräbern in der näheren Umgebung schließen. Auch die Form und die Oberflächengestaltung des Steines deuten auf eine frühere Funktion als Altar- und Opferstein hin.


Mit dem Wissen und der Symbolik der nordischen Naturreligionen, aber bestimmt von christlichem Denken, vermittelt er eine Art ganzheitliches Gottesverständnis. Der Weststein enthält eine Grotte, die mit 944 Amethysten ausgekleidet ist. In dieser Grotte befindet sich eine schwarze Madonna, die Pater Matthäus (aus dem Franziskanerorden) selber aus Assisi aus einem Abbruchhaus mitgebracht und eigenhändig restauriert hatte.

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So viel zu dem Steinkreis, den wir noch nicht besucht haben., aber jetzt ganz oben auf unserer Reiseliste steht. Und darüber, insbesondere über die Symbolik der schwarzen Madonna, erinnerte ich mich an eine Stelle aus dem „Foucaultschen Pendel“ von Umberto Eco. Dort bin ich dann auf folgendes gestoßen.
Was nur, hat es mit dieser Schwarzen Madonna auf sich, die ein Pater des Kapuzinerordens genau an dem Fundort des Steinkreises platzierte?
Der „Weg“, das Wissen dazu, führt über die Keltischdruidischen Linie
„Und über diese gelangt man zur Idee der Jungfrau. Die ersten Jungfrauen, die in Europa auftauchen, sind die schwarzen Jungfrauen der Kelten. Bernhard von Clairvaux lag einmal als junger Mann in der Kirche von Saint Voirles auf den Knien vor einer schwarzen Jungfrau, und sie preßte aus ihrer Brust drei Milchtropfen, die auf die Lippen des künftigen Gründers der Templer fielen. Daher die Romane über den Gral, als Deckmantel für die Kreuzzüge, und die Kreuzzüge, um den Gral wiederzufinden. Die Benediktiner sind die Erben der Druiden, das weiß doch jeder.« »Aber wo sind diese schwarzen Jungfrauen dann geblieben?«
Sie wurden aus dem Weg geräumt von denen, die daran interessiert waren, die nordische Tradition zu verdunkeln und die keltische Religiosität in die mediterrane Religiosität zu überführen, indem sie den Mythos der Maria von Nazareth erfanden. Und wo man sie nicht verschwinden lassen konnte, wurden sie verwandelt und denaturiert, wie die zahlreichen schwarzen Madonnen, die man noch immer dem Fanatismus der Massen darbietet.

Doch wenn man die Bilder der Kathedralen richtig liest, wie es der große Fulcanelli getan hat, sieht man, daß diese Geschichte in klaren Lettern erzählt wird, und in klaren Lettern wird auch das Verhältnis dargestellt, das die keltischen Jungfrauen mit der alchimistischen Tradition templerischen Ursprungs verbindet, die aus der schwarzen Jungfrau das Symbol der Urmaterie macht, an welcher die Sucher nach jenem Stein der Weisen arbeiten,
…. der, wie wir wissen, oder wir oft genug vermittelt bekamen, nichts anderes ist als der Gral.
In Chartres hat man die Krypta zugemauert, die in jenen unterirdischen Raum führt, wo sich die ursprüngliche heidnische Statue noch befindet, aber wer gut sucht, kann in der Kathedrale noch eine schwarze Jungfrau finden, Notre-Dame du Pilier, skulpiert von einem noch odinistisch geprägten Kanonikus. Die Statue hält den magischen Zylinder der großen Odinspriesterinnen in der Hand, und zu ihrer Linken ist der magische Kalender dargestellt, auf dem einst ich sage einst, denn diese Skulpturen haben sich leider nicht vor dem Vandalismus der orthodoxen Kanoniker retten können – die heiligen Tiere Odins zu sehen waren: der Hund, der Adler, der Löwe, der Weiße Bär und der Werwolf.“
(Auszug aus „Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco. Kap. 20. S. 169)
Das ist noch längst nicht alles, aber die Geschichten dazu, würden den Rahmen sprengen. Es ist ja jetzt schon wieder so viel Lesestoff.
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Noch ein paar Infos am Rande:
Auch die Übernahme früherer Kulte, wie der der Muttergöttin Erde oder der Isis, führte zur „Umwandlung“ von Statuen, die mit der Erde oder der Nacht verbundene Gottheiten darstellten, in Mariendarstellungen, ohne jedoch die originellen Farbe der Jungfrau Maria zu verändern.
Während der Kreuzzüge trugen zahlreiche religiöse Orden, insbesondere die Karmeliter und Franziskaner vor allem, sowie Ritter dazu bei, diese Darstellungen der schwarzen Madonnen in den Westen zu bringen. Vor allem die Templer schätzten das Hohelied, zu dem ihr Gründer, der heilige Bernhard von Clairvaux, einen Kommentar verfasst hatte. Hier sprach er von der Braut nigra sed formosa (Ct 1,5), „schwarz, aber schön“,
Zum Pater Matthäus Bergmann
Er wurde am 6. August in Altharen an der Ems geboren, als eines von elf Kinder der Schmiedemeisterfamilie Bergmann. Nach dem Abitur 1953 trat er in den Kapuzinerorden ein und erhielt den Ordensnamen Matthäus. Am 21. März wurde er in Münster zum Priester geweiht. 1973 wurde er zum Pfarrer der St. Franziskusgemeinde in Werpeloh berufen. In seiner über 30jährigen Wirkungszeit setzte er sich für Kirche und Dorf gleichermaßen ein. Die Gemeinde verlieh ihm 200? die Ehrenbürgerwürde. Krankheitsbedingt beendete er sein Wirken in Werpeloh 2003. Er verstarb am 22. April 2008 im Kapuzinerkloster in Münster.