Es wird ordentlich gehustet im Land, über Bauchweh geklagt, die Augen brennen, es zwickt und zwackt – was kann man tun?


Aufgrund der schlechten Luftverhältnisse, beruhend auf dem schmutzigen Wolkenband, dass sich über große Teile Europas erstreckt, und den damit verbundenen gesundheitlichen Beschwerden, noch ein paar Worte und Wissenswertes zur Königskerze und anderen „Mittelchen“ aus der Natur.

Die Königskerze (übernommen von einem lieben Leser):
„Wie viele Jahre bin ich wohl acht- und bewusstlos an ihr vorbeigegangen, ohne ihrem Ruf zu lauschen? Viele Male bewunderte ich ihre samtweichen Blätter mit den Händen, und Spötter sahen in ihr lediglich einen Klopapierersatz. Das mag auch gehen, ist aber ihre eigentliche Berufung eine viel höhere. Wer an der derzeitigen nicht vorhandenen Luftqualität leidet, oder allgemein an Asthma, Keuchhusten, Halskratzen, usw., dem sei unbedingt ans Herz gelegt, die getrockneten und zerkleinerten Blätter der Königskerze zu rauchen. Erfahrene Drehtabakraucher mischen einfach 50/50 an ihren Tabak, oder rauchen sie pur. Nichtraucher könnten eine kleine Pfeife verwenden und sie pur ohne Tabak rauchen. Das rauchen der puren Königskerze löst sogar heftige Asthmaanfälle nach etwa zehn Minuten, ganz ohne Nebenwirkungen oder Rausch. Ich empfehle nichts, was ich nicht selber probiert und für gut befunden habe. Meine Erfahrungen mit der Königskerze sind beeindruckend genug, dass ich sie hier erwähne. Asthmalösend, lockert die Lunge, entspannt die Atmung, lockert auch festen Husten und Keuchhusten.“
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Ich ergänze nach der Heilkunst nach der Hildegard von Bingen:
„Die Königskerze ist warm und trocken und etwas kalt, und wer ein trauriges, schweres Herz hat und eine heisere Stimme, koche sich die Königskerze mit Fleisch oder mit Fischen oder mit „Kuchen“ ohne andere Kräuter, und er esse das oft, und es stärkt sein Herz und macht es fröhlich.
Aber auch wer in der Stimme und in der Kehle heiser ist und wer in der Brust Schmerzen hat, der koche Königskerze in Fenchel in gleichem Gewicht mit gutem Wein, und er seihe das durch ein Tuch und trinke es oft. Durch diesen Trank wird er die Stimmer wiedererlangen und seine Brust wird geheilt.“
Rezept: Die Blätter und Blüten der Königskerze zu gleichen Teilen mit Fenchel in Weißwein aufkochen, mit 1 Eßl Honig anreichern, abschäumen, dann abseihen und heiß trinken
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Und hier kommt Wolf Dieter Storl zu Wort:
Die Königskerze ist eine uralte Heilpflanze, die bereits die Germanen zur Sonnenwende verehrten.

Um sich vor bösen Geistern und Dämonen zu schützen, wurde sie verräuchert. Noch immer gilt sie als Symbol für ein langes erfülltes Leben.
Es heißt, Amulette aus ihrer Wurzel am Körper getragen, schützen vor bösen Kräften und Unholden.
Die Bauern schätzten die kleinblütige Königskerze als Wetterpflanze. Sind die Blätter am Boden der Blattrosette dicht, so wird es Schnee vor Weihnachten geben. Wenn dagegen die Blätter im oberen Teil üppig wachsen, schneit es erst zum Jahresanfang. Anhand der Blütenspitze wurde vorausgesagt, wie das Wetter wird: neigt sie sich nach Osten, gibt es schönes Wetter, neigt sie sich nach Westen, wird das Wetter schlecht.
Von dem Gelehrten Gallier Marcellus aus Bordeaux erfahren wir, dass die Königskerze – keltisch, gallisch die „Leuchtende“ genannt -von den Kelten besonders verehrt wurde. Siegehört dem Himmel und dem Licht und war Teil der Sommersonnenwendrituale. Keltisch scheint auch der Brauch, die Königskerze durch die Flammen des Mitsommerfeuers zu streichen und dann auf der Stalltür zu befestigen oder unter das Bett zu legen.
Das würde alle bösen Geister fernhalten. Beim Sammeln dieser Leuchtblume sagten die gallischen Heilkundigen:
„Zuoberst der Himmel
zuunterst die Erde
in der Mittel das Heilmittel.
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Noch mehr Wissenswertes:
Die Königskerze bildet den Mittelpunkt des Kräuterbuschens oder Kräuterwisch oder Würzbüschel, der an Maria Himmelfahrt am 15.August in Bayern geweiht wird.
„Der stolze Rachenblütler gilt als Zepter der Mutter Gottes. Wunden und Geschwüre würden sofort heilen, heisst es, wenn man sie mit dem ährenartigen gelben Blütenstand berührt und dabei den Segensspruch spricht : Unsere Liebe Frau geht über Land/ Und hat den Himmelsbrand in ihrer Hand!
Königskerzenblüten haben sich als milde Expektoranzien bei Katarrhen der Luftwege bewährt, vor allem, wenn diese mit erheblicher Schleimhautreizung einhergehen. Die enthaltenen Schleimstoffe besitzen eine reizmildernde Wirkung, indem sie die Bereiche, in denen das Schleimhautepithel angegriffen ist, einfach abdecken.
Dem nicht genug: Das so genannte Königsöl soll bei Ohrenschmerzen, Furunkeln am Ohr sowie Ekzemen und chronischen Entzündungen im Gehörgang helfen. Zur Herstellung werden frische Blüten in einem verschließbaren Glasgefäß mit kalt gepresstem Olivenöl bedeckt und unter täglichem Umschütteln drei Wochen lang stehen gelassen.
Der Name Königskerze weist auch auf die Verwendung als Fackel hin. Dazu wurden die abgeblühten Blütenstände in Pech oder Harz getaucht. Ein in manchen Gebieten bis heute erhaltener Brauch besteht darin, abgeblühte Blütenstände in Wachs zu tauchen. So erhält man die sogenannten Wetterkerzen, die bei Gewitter angezündet Unheil abhalten sollen.
Wie schon beschrieben: Die Königskerze ist eines der wichtigsten Sonnwendkräuter. Besonders um die Zeit der Sonnenwende haben alle diese Kräuter eine besonders hohe Heilkraft.
Und sie trägt viele Namen. So wird sie auch Brennkraut, Blitzkerze, Donnerkerze, Fackelblume, Frauenkerze, Goldblume, Himmelsbrand, Kerzenkraut, Marienkerze, Neunmannskraft, Schafschwanz, Unholdkerze, Wetterkraut, Wollkraut und Zottich genannt. Für mich ist ihr schönster Name die Königskerze.
Sie wächst gerade und stolz, kann bis zu 3 Meter hoch werden und königlich ja majestätisch ist ihre Erscheinung und Ausstrahlung.
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Und ich mag sie so gern, diese alten Geschichten, die uns überliefert wurden:
Auf seiner zehnjährigen Irrfahrt kam Odysseus auch zur Insel Aiaia, wo die sagenumwobene Circe lebte, die üblicherweise ihre Gäste in zahme Wölfe und Löwen verzauberte. Für die Mannschaft des Odysseus hatte sie sich jedoch etwas anderes ausgedacht und verwandelte die Männer in Schweine. Da half Götterbote Homer dem leidgeplagten Seefahrer und gab ihm unter dem Namen „Moly“ eine Königskerze mit. Die schützte ihn vor Circes Zauberkraft, sodass Odysseus unbeschadet mit schwertreichen Gesten die Dame überzeugen konnte, seinen Männern wieder die ursprüngliche Gestalt zu schenken.
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Noch ein paar Ideen:
Des Holunders Heilkraft sei auch nicht zu verachten. Der Brauch Holunderküchlein zu essen, geht bis in vorchristliche Zeiten zurück. Im Allgäu wurde einst der Schmalz, in denen die Küchlein gebraten wurden, als Heilsalbe verwendet. Die übrig gebliebenen, gesammelten Blüten liegen an einer schattigen Stelle im Haus auf Papier und trocken. Im Winter, wenn es wieder Grippe- und Erkältungszeit ist, werden sie gute Dienste leisten, denn ein Holunderblütentee ist ein wirksames Mittel gegen Viruserkrankungen und hilft das Immunsystem anzuregen.
Und wenn ihr einfach nur müde, kaputt und euch wie „erschlagen“ fühlt, dann wirkt ein Mix von Fenchel, Galgant, Kampher, Habichtskraut, Fenchel und Veilchen manchmal Wunder. Die Hildegard Tropfen sind mit Honig veredelt und erhalten so ihren unverwechselbaren Charakter.

