… von erhaltenem Brauchtum, von den Anfängen der Weiberfastnacht und einer „jesuitischen Zeichensammlung“
Ab heute geht es in manchen Teilen Deutschlands „närrisch“ zu.
Zu Fasnacht /Karneval habe ich ja bereits zu Beginn der Woche einen recht ausführlichen Beitrag eingebracht, wo wir ein bisschen mehr über die Ursprünge dieses Brauchtums erfahren konnten. Ihr findet diesen wie gewohnt im Kommentar.

Was ist übrig geblieben, von der ursprünglichen Tradition in unserem Land? Und wann war eigentlich die erste Weiberfastnacht?
Schwerpunkte des Karnevals sind in Deutschland das Rheinland, Rheinhessen, Südhessen, das Münsterland, die Lausitz, Franken (vor allem in der Region um Würzburg) und Baden-Württemberg (ohne Altwürttemberg, siehe auch Schwäbisch-alemannische Fastnacht), sowie in Luxemburg Diekirch, Echternach und Remich, in der Schweiz Basel und Luzern, in den Niederlanden Limburg und Nordbrabant.
Nach „Umdeutung“ des heidnischen Brauchtums durch den Klerus und im Zuge der Zwangschristianisierung, erweist sich bis heute der Karneval als Sinnbild katholischer Mentalität. Während ältere Fasnachten in Südwestdeutschland sich nach wie vor in katholischen Gebieten finden lassen, führte ein regelrechter Fastnachtsboom in den 1990er Jahren auch in protestantischen Gegenden die Fastnacht ein. In der Schweiz hat Basel einen Sonderstatus: Die Stadt feiert trotz des seit Jahrhunderten vorherrschenden Protestantismus eine alte, traditionelle Fastnacht (Basler Fasnacht). Auch in Winterthur konnte sich die Winterthurer Fasnacht trotz Reformation und Verbot halten.
Im nördlichen Rheinland bis zum Niederrhein wird der hochdeutsche Karneval mundartlich als Fastelovend (Fastenabend) oder Fasteleer bezeichnet, mit örtlich eigenständigem Brauchtum (Altweiber-Karneval = Aaalwiever-Fastelovend = kleiner Fastabend). Gefeiert wird von Altweiberdonnerstag über Nelkensamstag und Rosenmontag bis zum Veilchendienstag.
In Düsseldorf und den niederrheinischen Städten wie Krefeld, Duisburg, Mönchengladbach, Kleve oder Wesel wird der so genannte Hoppeditz zu Grabe getragen. Dieser war ursprünglich eine typisch niederrheinische Narrenfigur. Dieser Schelm oder Hanswurst hatte Ähnlichkeit mit Till Eulenspiegel und den mittelalterlichen Hofnarren. So wird berichtet, dass es im 18. und 19. Jahrhundert am Niederrhein der kleinen Leute Brauch war, in der Nacht auf Aschermittwoch ausgerüstet mit Stangen, an denen Würste hingen, durch die Straßen zu laufen und lustige Lieder zu singen.
Und kulinarisch? Fett bezieht sich einerseits auf fettreiche Speisen, bei denen besonders Schweinefleisch und Speck beliebt sind. Andererseits auf Gebäck, welches in Fett ausgebacken wird. Fettgebackenes wie Berliner Pfannkuchen, Krapfen, welches überwiegend süß zubereitet wird, ist international in verschiedenen Varianten verbreitet. Häufig anzutreffen sind regionale Rezepte mit ebensolchen Bezeichnungen, die sich jedoch häufig in der Rezeptur ähneln. Eine weitere Zutat, welche in Faschingsspeisen häufig vorkommt, sind Hülsenfrüchte, besonders Erbsen und Bohnen, die als Zeichen der Fruchtbarkeit gelten (siehe auch den Brauch um den Erbsenbär).
Wie man unschwer erkennen kann, lässt sich unser heidnisches Brauchtum nicht in Gänze auslöschen. Vieles wurde weitergeführt, wir müssen es nur wieder sichtbar machen, und begreifen, dass auch dieses närrische Treiben mit den Vorgängen aus der Natur eng verbandelt ist. Es ist und bleibt ein uraltes heidnisches Winteraustreibungsritual.
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Wann war eigentlich die erste Weiberfastnacht?
Das war vermutlich im Jahr 1733. Da wollten die Jesuiten die Auswüchse zur Karnevalszeit durch spezielle Fastnachtsspiele überwinden.
Die Kuttenträger waren stets zugange, um alles Ursprünglich auszulöschen oder in ihrem Sinne zu verwenden: Auf den Fotos (Zeichnungen aus dem 16. Jahrhundert) gibt es einige kuriose „Objekte“ zu entdecken.

Zu erkennen sind eine Vielzahl von Männern mit Masken und Kostümen, Akrobaten, ein Tamburin-Spieler links und ein Bogenschütze rechts. In der Mitte tragen die Maskierten Lichterfackeln, ein Mann (eventuell in Mönchskutte) schäkert mit einer vornehmen Dame.
Zwei besonders kuriose Szenen:
Auf der linken Blattseite kniet ein maskierter Mann mit ausgestrecktem Bein, einem Messer in der linken und einer Art Sonnenschirm in der rechten Hand. Er blickt auf einen Mann in auffallender Kostümierung mit Federhut, der scheinbar von einem weiteren Maskierten kastriert wird – Oder ist dies etwa eine frühe Darstellung des deutschen Brauchs des Krawatte-Abschneidens an Weiberfastnacht?
Ein weiteres Kuriosum ist die Figur des Landsknechts am äußeren rechten Bildrand. Der Mann im prunkvollen Kostüm mit einem großen Federhut hält einen überdimensionalen Spieß, auf dem ein Huhn und mehrere Würste zu erkennen sind und an dem vermutlich ein Schankgefäß hängt. In seiner Tasche befinden sich zudem ein Fisch und ein Vogel. Bevor also in der Fastenzeit auf Fleisch und Co. verzichtet werden sollte (Karneval von lat. carne vale = Fleisch, lebe wohl), fand am „Fastelovend“ noch einmal ein üppiges Mahl statt (vgl. Cornelis, Christoph Jamnitzer, S. 80–82, Kat.-Nr. 15).

Der groteske Karnevalszug stammt aus der umfangreichen Sammlung des ehemaligen Kölner Jesuitenkollegs. Die Zeichnungssammlung entstand im 18. Jahrhundert und wurde vor allem durch Schenkungen, Stiftungen und eigene Aufträge erweitert. Sie hatte enzyklopädischen Charakter und beinhaltete sowohl religiöse, mythologische und historische Themen als auch zum Beispiel Genre-Szenen, Akte oder eben Karnevalsdarstellungen (vgl. Venator, Bildanspruch und Wirklichkeit, S. 24). Warum gerade diese Zeichnung in die jesuitische Sammlung gekommen ist, konnte (noch) nicht abschließend geklärt werden.

Auf ein interessantes Kapitel der Zeichnungssammlung verweist der Stempelaufdruck „Col.“ in der rechten oberen Bildecke des Skizzenblatts: Als die Franzosen im Oktober des Jahres 1794 in Köln einmarschierten und sich der kölnischen Kunst- und Kulturgüter bemächtigten, brachten sie unter anderem die Zeichnungen des Jesuitenkollegs nach Paris. Dort wurden die Werke mit dem Stempel „Col.“ markiert, der die Herkunft aus „Cologne“ kennzeichnete. Nach dem Ende der französischen Herrschaft 1815 wurden lediglich rund 500 Zeichnungen nach Köln zurückgegeben. Bis heute befinden sich Teile der jesuitisches Zeichnungssammlung in Pariser Institutionen.
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Quelle.
Auszüge aus Wikipedia
Henrike Stein (11. Februar 2021). Kuriose Objekte: Der etwas andere Karnevalszug. Blog Zeitenblicke – Frühe Neuzeit Uni Köln. Abgerufen am 27. Februar 2025 von https://fnzkoeln.hypotheses.org/7653