Entdeckungen an einem Wochenende Anfang März 2025

Während andere dem Faschingstrubel frönen, räumen wir das Feld. Freitag zum späten Nachmittag (gleich nach Feierabend) sind wir mit unserem Bert vom Hof gefahren. Zunächst an unsere „Hausquelle“ zur Wasserbevorratung.

Von da aus weiter hinein in den Sonnenuntergang, unter einem eher schmutzigen Wolkenband bis ins Dunkel, aus der die bizarre Lichterflut unsäglicher Windräder an der A 31 auftauchte, die kein Ende nehmen wollte.

280 Kilometer weiter gelangen wir dann endlich an ein schönes Plätzchen mitten im Wald, an einem geschichtsträchtigen Ort. Stockdunkel ist es hier, aber wunderbar still. Aus der Ferne ruft der Waldkauz.

Am nächsten Morgen blinzelt uns in die Sonne zu und lockt nach draußen. Wir stehen am Fuße des Hohensteins im Weserbergland zwischen Bensen und Langenfeld. Im letzten Jahr sind wir bis nach oben gekraxelt – ein herausfordernder Aufstieg zu den Klippen des Hohensteins (auf knapp 400 Meter Höhe). Doch belohnt wurden wir mit einem herrlichen Blick. Er reicht über die Buchen- und Eichenwälder des Süntels bis weit über die Weser, im Norden bis zum Steinhuder Meer und im Südosten (vorausgesetzt klare Sicht) bis zum Harz. Auf dem Rückweg offenbarte sich dann ein Bärlauchparadies. Das war allerdings Ende März / Anfang April. An diesem Wochenende werden wir nicht fündig. Wir sind wohl etwas zu früh dran.

Dieses Mal nehmen wir eine andere Route. In dieser Umgebung gibt es jede Menge zu entdecken.

Los geht’s!

Oh, was haben wir denn da? Wir entdecken auf dem Weg eine uralte Linde auf einem ehemaligen heidnischen Kultplatz in Kathrinshagen.

Ich stand in ihr drin, es war ein außergewöhnliches Gefühl. Der Baum wirkt wie ein gewaltiger Kelch aus Stamm und Krone und sein hohler Stamm ist durch eine offene Seite begehbar. Aus Sicherheitsgründen wurden im Jahr 2006 einige Wipfeläste eingekürzt. Laut baumkunde.de soll die Linde 600-800 Jahre alt sein mit einem Stammumfang von 10 Meter und einer Höhe von 20 Meter.

Wir fahren weiter: Auf nur wenigen Kilometern liegen viele gepflegte Kriegsgräberstätten. Es ist alles sehr ursprünglich hier. Wohltuend ist auch der Blick in die Ferne auf eine wunderschöne Berglandschaft, unverbaut und frei von Windrädern.

Eine längere Wegstrecke führte uns zu den sogenannten Moosköpfen, einem Aussichtspunkt, von dem sich ein schöner Blick auf die Nordseite des Hohensteinmassivs eröffnet. In diesem Bereich finden sich einige Exemplare der als Waldbäume vom Aussterben bedrohten Eiben, die unter Naturschutz stehen. Die Eibe wächst sehr langsam und kann ein hohes Alter erreichen. Eibenholz gehört zu den härtesten und schwersten Hölzern, die in Europa wachsen. Da es sehr zäh und elastisch ist, verarbeiteten unsere Vorfahren Eibenholz für Pfeil und Bogen sowie zu Speeren.

Dann machten wir einen Abstecher durch das Dorf Langenfeld, der zum Wasserfall an der Höllenmühle führt, wo das Wasser des Höllenbaches 15 Meter in die Tiefe stürzt. Dieser Wasserfall ist damit der höchste natürliche in Niedersachsen, aber unseres Erachtens wenig spektakulär. Doch der Weg dorthin und die Atmosphäre waren sehr schön.

Weniger schön war der Anblick auf den Steinbruch, aber auch nicht uninteressant.

Und dann kamen wir an die Blutbachquelle…

Der Name rührt von einer blutigen Schlacht her, bei der sich im Jahre 782 auf dem Dachtelfeld die Franken und Sachsen gegenüberstanden. So wird hier der Ort vermutet, wo die für das 782 Jahr urkundlich bezeugte Schlacht zwischen den Sachsen unter Herzog Widukind und den Franken stattgefunden hat, in der ein großes fränkisches Heer vernichtend geschlagen wurde.

Ein eher unwegsamer, sumpfiger Pfad führt dorthin.

Ja, es war mystisch, nahezu unheimlich, als wir hier ankamen. Der fröhliche Vogelgesang von eben verstummte nahezu abrupt, als wir das Areal der Blutbachquelle betraten. Ich glaube nicht, dass die Bilder es so wiedergeben können, wie wir es empfunden haben. Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr die Steine in der Schlucht, die fein säuberlich wie aneinander gereiht erscheinen. Erkennt ihr auch so eine Art Mauer? Auch der Zugang zu der Quelle könnte darauf schließen, dass sich dahinter noch etwas anderes verbirgt. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Schillat Höhle. Ein Teil dieser ist als „Schauhöhle“ freigegeben. Der andere Teil der Höhle ist nicht zugänglich.

Nur wenige Meter weiter auf dem Rückweg, dann so: Plötzlich zwitscherten die Vögel wieder fröhlich und es tat sich eine wohltuende Lebendigkeit auf. Das soll jedoch nicht heißen, dass der Ort an der Blutbach /Totenbornquelle keiner guter war. Nein, gewiss nicht. Es war eine außergewöhnliche Stimmung, die wir so noch nicht kannten. Wir hätten dort auch noch eine Zeit verweilen könne, es wirkte auf uns wie verwunschen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass diese geschichtsträchtige Region auch im 15 /. 16. Jahrhundert von gezielten „Verschüttungen“ durch den Klerus nicht verschont blieb. (siehe dazu auch meine Beiträge zur geheimnisvollen Unterwelt und den Vertuschungsaktionen).

Im Süntel und Wesergebirge befinden sich einige interessante Höhlen. Die „Alte Höhle“ liegt in einem kleinen, aufgelassenen alten Steinbruch an der Straße von Langenfeld nach Segelhorst.

Am nächsten Morgen: Zunächst habe ich ein erfrischendes Fußbad am Blutbach genommen, dann sind wir noch einmal Richtung Hohenstein gewandert, haben die Sonne genossen und mehrere Versuche unternommen durch’s Portal (am Baumwächter) in die andere Welt „rüber zu machen“ Was der Vierbeiner wohl gedacht haben mag?

Da wir später mit Bert auf der A30 „wandeln“, gibt es Grund zur Annahme, dass es beim Versuch geblieben ist.

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Wissenswertes, das leider nichts Gutes verheißt.

Im Süntel trifft man immer wieder auf Überreste militärischer Anlagen. Mitte der 1960er-Jahre stationierte die niederländische Armee dort Flugabwehrraketen. Später übernahm die US-Armee die Stützpunkte, zu denen auch ein großes Munitions- und Treibstofflager gehörte. Dazu bald ausführlicher.

Einen mächtigen Steinbruch haben wir auch entdeckt. Was sich da auftat, ist nicht schön anzusehen.

Rückblick: Die Norddeutsche Naturstein Gesellschaft NNG hatte die bisher genehmigten Flächen im Steinbruch Segelhorst/Langenfeld weitgehend abgebaut. Beantragt wurde 2017 ein weiterer Abbau des Kalksteins auf einer Fläche von mehr als 11 Hektar – das entspricht einer Größe von rund  14 Fußballfeldern. Der Steinbruch würde damit immer näher an das Wohngebiet rücken. In Langenfeld gründet sich daher gerade eine Bürgerinitiative, die bereits Einwände zu dem Antrag beim Gewerbeaufsichtsamt in Hannover dargelegt hat. Auch das Auetal (Hattendorf, Antendorf und Rehren) wäre massiv durch den LKW – Verkehr belastet.

Gegenwart: Die Bürger wurden nicht erhört…, 2018 wurde die Erweiterung des Steinbruchs genehmigt. Die Arbeiten am Steinbruch sind in vollem Gange.

Der Riesenberg – Der Steinbruch zwischen Langenfeld und Segelhorst mitten im Süntel ist wie der Name des Berges besagt schon heute riesig. Nach der Erweiterungsgenehmigung wird sich der Steinbruch um die 2,5-fache Größe ausweiten. Die Kapazitäten reichen noch für mindestens 25 Jahre. InteressantIm Steinbruch befinden sich Schillat- und Riesenberghöhle.

Und die Lobbyisten der Steine- und Erdenindustrie werden nicht müde, den Aufschluß immer neuer Steinbrüche zu fordern und auch die letzten noch intakten Berge in den Kreisen Schaumburg und Hameln-Pyrmont zum Abbau freizugeben.

Zurück bleiben Steilwände, die zwar dem Uhu neuen Lebensraum schaffen, ansonsten aber auf Sicht dazu führen, dass die Kämme der Weserberge erodieren, die Wälder durch Austrocknung absterben, die Filterfunktion des Waldes fürs Trinkwasser nachlässt, sich möglicherweise Veränderungen im Mikroklima einstellen und Natur- und Erholungsräume für Mensch und Tier der am dichtesten besiedelten Region Niedersachsens für immer verloren gehen.

Und auch das darf nicht unerwähnt blieben: Leider auch in dieser (noch) ursprünglichen Region.

Europa im Umbau: Tunnel, Trassen, Windparkanlagen >. Hier Schaumburger Land, rund um den Hohenstein, im Naturschutzgebiet…. Bewohner schon lange in Aufruhr.

Wir haben mit einem jungen Mann aus dem Dorf darüber gesprochen.

Es ist schlimm…,, neben der Zerstörung der Umwelt, müssen voraussichtlich auch manche Häuser weichen. Enteignung auf dem Weg gebracht, alles für Euro-State…. Von Nationen zu Knotenpunkten…, es geht voran.

Mit diesem Wissen lässt sich meine Beitragsreihe „Europa im Umbau“ leider erweitern.


Quelle

https://www.hoefingen.net/suentel/langfeld.htm

https://www.rettet-den-suentel.de/2020/01/27/ver%C3%A4nderung-jan-2020-nov-2019/


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