Samstag, 22. März 2025: Der Postbote klingelt und drückt mir freundlich ein Päckchen in die Hand, wünscht mir noch einen schönen Tag und zieht von dannen. In der Tat, dieser Tag soll ganz besonders werden. Und das hat mit diesem Päckchen zu tun.
Ich öffne es neugierig, und was lese ich da…?

„Liebe Undine …, uns kam die Idee, deine Texte in diesem kleinen Büchlein zu bündeln, damit die Vergangenheit nicht vergessen wird“.
Wohltuende Zeilen, und ein in von Hand in Leder gebundenes Buch, dessen Vorwort darin, ich mit großer Aufmerksamkeit lese. Denn diese Zeilen tragen eine wichtige Botschaft in sich.

So schreibt der Buchbinder Marcus:
„Dieses Buch mit seinen Zeilen ist den Frauen, Kindern, Greisen, Verwundeten und Flüchtlingen gewidmet, die in dem Feuersturm ihr Leben gelassen haben.
…
Wir vergessen nicht“

Ein Buch, für die Nachwelt, ein Buch für all die guten Seelen, die sich noch finden sollen, und die Buchbinderei als Handwerk, dass mehr als nur eine beiläufige Beachtung verdient.

Das Tagebuch meiner Urgroßeltern ist in Leder gebunden. Es stammt aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, und schaut aus, als sei es nur wenige Jahre alt.
Meyers Konversationslexikon ist in Leder gebunden und wurde im Jahr 1896 erstmals so verlegt.
Viele Bücher, die mir meine Eltern aus den Beständen ihrer Vorfahren hinterlassen haben, sind in Leder gebunden und immer noch gut erhalten.

So überdauern Bücher die Zeit. Ich sage ja immer, dass jeder aus unserem Volk seinen Teil beitragen kann. Zum einen, um die Welt ein Stückchen besser zu machen, aber auch, um das Alte zu bewahren. Denn nur mit dem Wissen, was wirklich geschehen ist, lässt sich die Welt verändern – hin zum Guten und Beständigen.
Wie wir wissen, besaß unser Volksstamm so weit wir zurückschauen können, große Begabung in vielen Bereichen. Die Stämme der heidnischen Germanen waren bekannt für ihr handwerkliches Geschick, für ihre Ideen, für ihr Schaffen. Es waren Dichter, Sänger, Maler darunter, und es waren der Schmied, der Töpfer, der Baumeister, der Steinmetz, der Buchbinder, und viele mehr, die uns etwas hinterlassen haben. Auch wenn nach dem 15. Jahrhundert alles daran gesetzt wurde, diese Spuren zu verwischen. Wir werden immer wieder zu ihnen zurückfinden. Die Seele eines Volkes lässt sich nicht auslöschen.
Ich möchte dem nicht vorgreifen, denn ich weiß, dass es „nur“ ein Hobby von Marcus ist. Doch was wäre, wenn viele interessierte Menschlein unter uns, so ein Büchlein in der Hand halten könnten, und auf diese Art und Weise dem alten Handwerk, alten Weisheiten und unserem alten Wissen nicht nur nachspüren, sondern es auch erhalten und weitergeben könnten?
Wäre das nicht wunderbar?
Sehr dankbar bin ich Marcus auch dafür, dass gerade meine Texte zum Feuersturm von Dresden in diesem, in Leder eingebundenem Buch verewigt worden sind. Marcus Rathmann hat hier sorgfältig ausgewählt, denn auch aus den Reihen der Telegramseite „Unvergessene Helden“ finden sich wertvolle Beiträge über die schrecklichen Ereignisse.


Wertvoll, weil es die Wahrheit ist.
Und Marcus beendet sein Vorwort mit folgender Anmerkung: „Ich hoffe, dass die Autoren mit dieser Arbeit zufrieden sind. Ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie sich diese Arbeit gemacht haben.

Danke! Der Buchbinder Marcus Rathmann Anno 2025“
Lieber Marcus, dazu kann ich nur sagen: Oh ja, ich bin gewiss, dass die Autoren, die dieses Buch mit ihren Worten bereichern und gestalten konnten, nicht nur überaus zufrieden mit deiner fabelhaften Arbeit sind, sondern sehr dankbar, ein Teil dieser Arbeit sein zu dürfen.

Im Gedenken an unsere Vorfahren, Eltern, Großeltern und Urgoßeltern.
Liebe Meike, lieber Markus, ich bin euch unendlich dankbar für diese Überraschung. Denn die ist euch gründlich gelungen. Das Herz hüpfte vor Freude und Tränen schossen in die Augen.
Der liebe Marcus hat hier etwas Wertvolles hervorgebracht. Wir alle wissen, das all die Dinge von Hand gefertigt, in ihrer Authentizität unvergleichlich bleiben. Sie sind echt, greifbar, unverfälscht. Jedes Teil ist ein Unikat, es kommt nicht von der Stange und vor allem lassen sich Bücher wie diese nicht einfach mal so löschen, so wie es heute mit vielen, auf digitaler Ebene gespeicherten Schriften leider der Fall ist.





„Wenn kein Mensch mehr die Wahrheit suchen und verbreiten wird, dann verkommt alles Bestehende auf der Erde, denn nur in der Wahrheit sind Gerechtigkeit, Frieden und Leben!“ (Friedrich von Schiller 1759-1805)
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Und hier noch auf ein Wort zu dem alten Handwerk:
Das über 2.000 Jahre alte Handwerk des Buchbindens gibt es nach wie vor und ist heute viel mehr als das bloße Zusammenbinden einzelner Seiten, sondern schon nahezu eine Kunstform.
Bereits im 6. Jahrhundert band der irische Mönch Dagaeus erste Bücher und ist als erster namentlich bekannter Buchbinder anzusehen.
Das Buchbinderhandwerk war bis zum Ende des 15. Jahrhunderts ein freies Handwerk. Das heißt, dass jeder, der meinte ein Buch binden zu können, das auch tun konnte.
Mit der Einführung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg und das aufkommende Zunftwesen vor der Jahrhundertwende zum 16. Jh. verbesserte sich auch das Ansehen der Handwerkskunst des Buchbindens zusehends, zumal die Nachfrage durch ein höheres Aufkommen von Büchern immer weiter stieg. So fanden sich auch die Buchbinder, sowie viele andere Handwerker in einer Zunft zusammen.
Mit der aufkommenden Industrialisierung stieg die Nachfrage nach Büchern, jedoch wurde das gebundene Buch immer mehr zu einem Gebrauchsgegenstand der in hohen Auflagen und preisgünstig produziert werden sollte
Leder ist ein wundervolles Material. Früher wurden die Bücher ausschließlich in Leder und festes Leinen gebunden. Es fasst sich gut an, es riecht gut, und es schaut gut aus: Kurz: ein in Leder gebundenes Buch, ist ein Buch für alle Sinne.
Übrigens: Leinenbücher wurden schon von den Etruskern benutzt. Auf einem Steinsarkophag (4. Jh. v. Chr.) und einer Aschenurne könnten Leinenbücher bildlich dargestellt sein. Die Deutung der dargestellten Gegenstände bleibt aber unsicher. Erhalten ist ein originales Leinenbuch in etruskischer Sprache. Es handelt sich um den längsten etruskischen Text, der heute bekannt ist. Der 3,40 Meter lange Leinenstreifen wurde konserviert, weil er als Mumienbandage wiederverwendet wurde

Hier findet ihr die Texte, die in dem schönen Buch so wunderbar gebündelt wurden: