„Wohl ist alles in der Natur Wechsel, aber hinter dem Wechselnden ruht ein Ewiges“
(Goethe im Gespräch mit Kanzler Friedrich von Müller, 15. Mai 1822)
Wenn Roggenblume, Mohn und Rade in Blüte stehen, und ein Pferd mit buntbebänderten Kränzen durchs Land zieht – ja, dann feiern wir das Ursprüngliche.

Aus der Beobachtung des Wachstums schloss der Urmensch auf Wesensgleichheit zwischen sich und der Pflanze, er maß ihr eine der seinigen ähnlichen Seele bei. Auf dieser Grundvorstellung beruht der Baumkultus nordischer Völker.
Ich bin gewiss: Eine tiefe Naturverbundenheit und der absolut freie und feste Wille zum gegenseitigen Miteinander ist nie verschwunden
Nun steht das Pfingstfest an – alles christlich, oder was?
Im Wonnemonat Mai entledigt sich der Sonnengott seines Bärenfells – er hat seine Initiation als wilder junger Bärenkrieger im finsteren Wald hinter sich und steht nun da, in strahlend jugendlicher Gestalt , als Sonnenkrieger.
Es ist die Zeit des Schmückens von Quellen oder Dorfbrunnen mit Blumen und Zweigen. An Birkenstämmchen flattern bunte Bänder und die Häuser und Ställe werden mit grünen Birkenzweigen und Blumen verziert. Das Vieh wird das erste Mal herausgetrieben, so ist es auch das Fest der Hirten. Sogenannte Pfingstlümmler, das sind in Laub gekleidete Burschen, werden herumgeführt. Sie verkörpern die neuen Wachstumsgeister. In manchen Gebieten wird auch das Vieh bekränzt.

Junge Burschen vom Kopf bis zu den Füßen mit Feldblumen behangen, ziehen von Hof zu Hof – der Thauschlepper spricht folgenden Reim:
„Wir bringen einen bunten Jungen ins Haus,
Wer ihn sehen will, der komme heraus;
Die Blumen haben wir für uns gepflückt,
Da haben wir ihn mit ausgeschmückt:
Und hätten wir uns noch eher bedacht,
so hätten wir ihn noch besser gemacht;
Sechs Eier, sechs Dreier, n’Stück Speck,
So gehen wir gleich wieder weg.“
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Vor dem Fest der Lebensfreude:
„Wohl ist alles in der Natur Wechsel, aber hinter dem Wechselnden ruht ein Ewiges“
(Goethe im Gespräch mit Kanzler Friedrich von Müller, 15. Mai 1822)

Insbesondere die Zeit zwischen Beltane und der Sommersonnenwende lässt uns hautnah miterleben wie nahe wir unseren Bäumen, Tieren und Nutzpflanzen stehen. Wie sehr wie sie verehren.
Das Wachstum und die Fruchtbarkeit wird bejubelt mit der Bitte um eine gute Ernte. Bis zur Sommersonnenwende, dem Fest der Ekstase und Visionen, ist es nun nicht mehr lang.
Es gibt auch einen Zug, einen Wettlauf zu Fuß oder einen Wett-Ritt, der vornehmlich in den Regionen der Mark und Sachsens stattfindet.
Wenn die Roggenblume, Mohn und Rade in Blüte stehen, und ein Pferd mit buntbebänderten Kränzen durchs Land zieht – ja, dann feiern wir das Ursprüngliche.
Die Kelten unterteilten das Jahr in vier Abschnitte, die sie jeweils mit ihren vier größten Feiertagen Imbolc, Beltaine, Lughnasadh und Samhain begangen. Erst mit dem 5. Jahrhundert, durch die Bekehrung, tragen die Festen andere Namen.
Das Pfingstfest, welches dem christlichen Glauben nach, die Ausgießung des heiligen Geistes am fünfzigsten Tage nach Ostern feiert, ist das eigentliche Sommerfest, und die Pfingstgebräuche sind, wie bereits vermerkt größtenteils Feierlichkeiten mit denen man den Mai begrüßte. Diese Feierlichkeiten eben, die in christlicher Zeit auf Pfingsten übergingen, weil die Feier der erneuten Ausgießung des Naturlebens sich leicht an die der Ausgießung des heiligen Geistes anlehnen konnte.
