> ein kurzweiliges Allerlei aus altem Wissen, Bräuchen und Mythen
„Hartenau, Johanniskraut,
du goldnes Blut der Sonne: so man dich nur kurz erschaut,
Dieses Lied stammt von Klaus Maleiner, einem österreichischen Botaniker, den Wolf Dieser Storl auf einer seiner Reisen (im Jahr 2014) kennengelernt hat. Dazu schreibt er: „Für die Indianer ist ein solches Lied ein persönliches Geschenk des Pflanzengeistes. Das hatte ich auch von Bill Tallbull, dem Cheyenne-Pflanzenschamanen erfahren. Es ist wie ein Schlüssel zum Wesen der Pflanze: Jedes Mal, wenn man es singt, verbindet man sich erneut mit diesem Wesen und kann es um Hilfe bitten. So ein Lied ist wie eine Telefonnummer, die einem ein Freund gibt: wenn man die Nummern richtig eingibt, dann entsteht die Verbindung.“
„Nun bricht sie an, die heilige Zeit, die 12 Tage dauert. Am 21. Juni, dem Tag der Sonnenwende, oder am Tag des heiligen Johannes am 24. Juni war es ein allgemeiner Brauch ein großes Feuer zu entzünden, zu feiern, tanzen, singen, schmausen, Holunderküchlein zu essen und nur mit einem Gürtel aus Beifuß bekleidet über die Glut von der einen Jahreshälfte in die andere zu springen.

Im Mitsommer drängt es Mensch und Vieh hinaus auf die bunten Wiesen. Die Sommerlinden blühen und duften nach Honig, die Bienen summen, die Erdbeeren werden reif. In mystischer Teilnahme geben sich die Menschen dem Licht und der Feuerkraft hin.

Oft liest man, die Menschen hätten die Sonnenwendfeier entzündet, um Dämonen abzuwehren. Diese Umdeutung erfolgte aber erst im Mittelalter. Denn in dieser Zeit herrschte viel Angst. Die „kleine Eiszeit“ war im Anmarsch, es wurde unbeständiger und kälter. Das bedeutete, dass die Anbauflächen sich verringerten und vielerorts Hungersnot herrschte.“
Ursprünglich jedoch war das Sonnenwendfeuer kein Ausdruck der Angst, sondern der Lebensfreude. Sein Entfachen diente dazu, mit der Sonne, dem Lebensquell, in Resonanz zu gehen und ihr auf ihrem Höhepunkt Beistand zu leisten. Schon die Megalith-Menschen kannten dieses Fest, denn viele keltische Steinsetzungen sind so aufgestellt, dass Licht und Schatten die Sonnenwenden wie auch die Tagundnachtgleichen genau anzeigen.
Denken wir dabei nur an die fast 4000 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra.

Sie erlaubt die Annahme,, dass man in der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur nicht nur die Sterne genau beobachtete, sondern auch in der Lage war, die Sonnenwenden präzise zu berechnen. So konnte die Scheibe waagerecht gelegt und auf eine Erhöhung (Mittelberg) gerichtet, als Kalender zur Verfolgung des Sonnenjahres genutzt werden.

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Das Fest der Lebensfreude – Goethe im Gespräch mit Kanzler Friedrich von Müller am 15. Mai im Jahre 1822:
„Wohl ist alles in der Natur Wechsel,
aber hinter dem Wechselnden
ruht ein Ewiges.“
Und hier lassen wir noch Rudolf Steiner zu Wort kommen: „ Im Sommer – so die Geistesschau Rudolf Steiners – träumt die Erde in den Kosmos hinein, so wie der Mensch, wenn er schläft, im Winter ist sie wach. Das Johannisfest ist ein freudiges, euphorisches Miterleben des „Mitsommertraums“ von Mutter Natur.“
Unsere europäischen Vorfahren feiern es mindestens seit der Jungsteinzeit.
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Wusstet ihr, dass die am Johannistag gesammelten Kräuter – meistens sollen es neun an der Zahl sein – als besonders heil- und zauberkräftig gelten? Sie wirken gegen Blitz und Feuergefahr und gegen Hexen und Teufel, wenn man sie in Haus und Stall aufhängt, damit räuchert oder sie als Tee verwendet.
Die Liste dieser Kräuter ist lang. So seien an dieser Stelle nur einige genannt:
Frauenmantel, Beifuß, Dost, Arnika, Gundermann, Schafgarbe, Margerite, Nelkenwurz und natürlich das gelbblühende Tüpfel-Johanniskraut. Die Pflanze blüht üppig. Sie ist ein wahrhaftes Lichtkraut.
Hartenau und Dill macht das Gewitter still.
Eisenkraut und Hartenau – brennt’s an! Dass sich das Gewitter stau.
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Und zum Abschluss noch ein paar zusammenfassende Gedanken zur Sommersonnenwende:
Das Licht, die Reinheit, gilt auch als Symbol der sittlichen Reinheit und des guten Rechts; daher mahnt ein in manche Sage gekleidetes Sprichwort: „Die Sonne bringt es an den Tag“, das heißt das Unrecht, das Verbrechen, z. B. den Mord, der sich tief verborgen und sicher wähnt.
Der Sommer beginnt bei uns am 21. Juni, weil der nördliche Wendekreis der Sonne am meisten zugekehrt ist. Vom 21. Juni an wendet sich der Sonnenstrahl nach dem Süden des Äquators: Sommersonnenwende, bei uns am 21. Juni der längste Tag, dann nehmen die Tage ab.
Am 21. Dezember ist die Wintersonnenwende und von dem Tage an werden die Tage allmählich länger, bis zur Sommersonnenwende am 21. Juni. Die Germanen feiern diese Marke im Kreislaufe der Zeit als Fest des lichten Sonnengottes Baldurs und gedenken zugleich Freyrs. Beide sind die Lichtgottheiten.
Wie Freyr ist auch Baldur, ebenfalls Odins Sohn, ein Gott des Lichtes, der Sonne, doch in vielfach abweichender Richtung; so wird nicht der Erntesegen wie auf Freyr-Frô, sondern der Frühling auf ihn zurückgeführt; er ist das aufsteigende Licht des wachsenden Jahres und muss daher sterben, wann das Jahr sich neigt, wann die Tageslänge nicht mehr zunimmt, sondern abnimmt, und die Nacht dem Tageslicht zu obsiegen anhebt; also zur Sommersonnenwende, ungefähr zwischen dem einundzwanzigsten und dem vierundzwanzigsten Juni;
„Es zeigten uns die Einheimischen, wo die Sonne ihre Ruhe halte“, so lautet die Erkenntnis aus einem Bericht des griechischen Astronomen Pytheas während eines Besuches in Norwegen um 330 v. u. Z. Darüber wird deutlich, wie wichtig die Himmelsbeobachtung für das germanische Volk war.
Damals, als sich Glaube und Erkenntnis noch nicht widersprachen
Sonnenwarten konnten zugleich Sonnenheiligtümer sein, und die ernste Sonnenbeobachtung zugleich eine frohe Sonnenwendfeier.
Darüber erweist sich der Urgrund der germanischen Sonnenwendfeier: beobachtendes Wissen, ordnen des Verstandes und gläubiges Vertrauen. Den Menschen nordischen Blutes war Klarheit, Wissen und Erkenntnis innerstes Bedürfnis.
Feste wie die Sonnenwendfeier sind nichts anderes als Ausdruck einer überlegenden, aus sich selbst schöpfenden Lebensweise und Weltanschauung.
Die Bräuche, mit denen man auch heute noch in Skandinavien die Sonnenwende, dort Mittsommer genannt begeht, gehen auf uraltes germanisches Brauchtum zurück. Leider sind sie in unseren Breitengraden kaum noch anzutreffen.
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Ganz gleich, wo ihr dem Fest des lichten Sonnengottes Baldur, dem schönsten und freundlichsten der Asen-Götter, gedenkt, ich wünsche euch eine gute Zeit!

Heil und Segen
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Quelle:
Felix Dahn Walhall
Fritz Martini Germanische Heldensage
Germanitaothala
„Die ;Magie der Sonnenwenden“ / „Einsichten und Weitblicke „ Wolf Dieter Storl
Bilder. Private Aufnahmen, Wikipedia und Pixabay
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Infotafel
Himmelscheibe von Nebra
Die Himmelsscheibe von Nebra ist eine 3600 Jahre alte Bronzescheibe mit goldenen Verzierungen, die als älteste konkrete Himmelsdarstellung der Welt gilt. Sie wurde 1999 am Mittelberg bei Nebra in Sachsen-Anhalt entdeckt und zeigt astronomische Phänomene wie Sonne, Mond, Sterne und das Sternbild der Plejaden. Die Scheibe ist ein wichtiges Zeugnis der bronzezeitlichen Weltanschauung und wurde 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe erklärt.
Aunjetitzer Kultur
Verbreitung vom Nordharzgebiet über Mitteldeutschland und Böhmen und Mähren bis nach Niederösterreich und Schlesien;
Die Aunjetitzer Kultur gilt als eine der wichtigsten Kulturen der Frühbronzezeit in Mitteleuropa und hat wichtige Erkenntnisse zur damaligen Lebensweise, Technologie und Bestattungspraktiken geliefert.