Wie schon in der vergangenen Woche nach unserem Besuch der Klosteranlage Corvey berichtet (den gesamten findet ihr im Kommentar):
Es ist nicht das erste Mal, dass wir auf Ungereimtheiten stoßen. Immer wieder verliert sich die uns aus bekannten Kreisen eifrig gelehrte und unter großer Mühe propagierte Geschichte in Widersprüche. Ganz gleich wo sich längst Vergangenes auftut, wenn man genauer hinschaut, stellen sich Fragen. Denn so mancher Fund, einzelne Dokumente und vieles andere mehr, können Aufschluss geben. Man darf also und vor allem sollte man nicht alles abnicken, was uns in staatlichen Anstalten wie Museen und anderen (Ver)- bildungseinrichtungen suggeriert werden soll.

Wie erklärt sich, dass über den germanischen Anfängen ein Dunkel liegt, mit dem verglichen die Anfänge von Rom und Hellas lichte Klarheit sind? (Mommsen).
Wie ist es zu erklären, dass unsere Vorfahren angeblich, noch keine Schrift kannten, um die Geschicke ihres Lebens auf Papier zu bringen zu einer Zeit, in der Rom einen Cäsar, einen Vergil und einen Augustus hatte?
Was ist unter den germanischen „Heldenliedern“ zu verstehen, die der Frankenkönig Karl gesammelt und Ludwig der Fromme vernichtet haben soll? Sollten diese „Lieder“ vielleicht altdeutsche Geschichtsquellen gewesen sein?
Nachgeschlagen bei Wilhelm Kammeier zur Fälschung der urkundlichen Quellen des deutschen Mittelalters:


Das Ergebnis seiner Untersuchung kann man nur als verheerend bezeichnen. Dass die „Dokumente“, auf denen unsere Geschichtsschreibung über die Frühzeit und das Mittelalter fußt, zu einem erheblichen Teil Fälschungen sind, wird inzwischen von der Geschichtswissenschaft nicht mehr bestritten; umstritten ist lediglich noch, wie groß dieser Anteil ist – ein Umstand, den die meisten Geschichtslehrer verschweigen.
Wilhelm Kammeier, geboren am 3. 10. 1889, begann seine Arbeit der Geschichtskritik im Jahre 1923. Im Frühjahr 1926 lag ein 292 Seiten umfassendes Manuskript, „Die universale Geschichtsfälschung“ vor, das jedoch keinen Verleger fand. Die Fachwissenschaftler, besonders die Preußische Akademie der Wissenschaften zu Berlin, lehnten eine Kenntnisnahme ab, da Kammeier als promovierter Jurist nicht zur Gilde der Geschichtsforscher gehörte. Wenn man sich vor Augen führt, was in jenen Jahren nach dem 1. Weltkrieg alles geschrieben wurde – wie wild die Phantasie ins Kraut schoß – kann man sogar die Ablehnung verzeihen. Hätte einer jener Herren Gelehrten hineingeschaut in das Manuskript, wäre er ganz sicher gefesselt gewesen und hätte sich für die Publikation eingesetzt, möchte man annehmen.
Kammeier hatte mit seiner Aufklärungsarbeit noble Beweggründe: Die Fälschung der Geschichte sah er als große Gefahr für unsere Kultur, weil die Fehlschlüsse aus diesem Wissen neuen Konfliktstoff bergen. Aufklärung hielt er für äußerst wichtig. 1935 erschien sein erstes Buch, der 2. Band entstand in den Jahren 1936 bis 39. Eine Anerkennung durch die Nationalsozialisten war ihm nicht beschert.
Zur Fälschung der Geschichte des Urchristentums – Fragen über Fragen
Auch Wilhelm Kammeier, ein Rechtsanwalt und Notar (1889-1959), stellt hier alles in Frage, woran wir heute glauben, wenn es um Kirchengeschichte, und eigentlich die deutsche Geschichte insgesamt ab dem Mittelalter geht. Die Vorzeit können wir da gleich weglassen, sowieso.
Rom im Mittelalter nur ein Sauhaufen, keine Stadt?
Die Evangelien alle aus einer Quelle ?
Widersprüche in den Quellentexten voller Absicht reingenudelt?
Und gar kein Originaldokument, keine originale Urkunde bis zur Renaissance der Humanistenfälschergilde überhaupt und irgendwo?
Alles absichtsvoll gefälschte Verderbnisse, um der quasi philosophischen Kunstreligion einer frisch aufkeimenden katholischen Kirche die „historische“ Legitimität zu fabrizieren?
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Bis zum Krieg war Kammeier in Hannover als Rechtsanwalt und Notar tätig. Als Soldat geriet er in Gefangenschaft und konnte nach der Entlassung seine Frau und treue Mitarbeiterin Lotte in Arnstadt in Thüringen wiederfinden. 1942 hatte Kammeier eine kleine Schrift über die Entstehung der Kirche veröffentlicht, die er nun weiter ausarbeitete. So entstand bis 1956 der dritte Band, „Die Fälschung der Geschichte des Urchristentums“, den die Kommunisten der DDR jedoch nicht veröffentlichen wollten (er erschien erst 1981/82 in Husum). Kammmeier wurde wie ein Staatsfeind behandelt und starb 1959 an Unterernährung in Arnstadt, wo er begraben liegt. Seine Frau und Schwester lebten dort noch zwei Jahrzehnte im größten Elend. Lotte Kammeier starb 1979.
Wer Kammeiers Werke noch nicht vollständig auf dem eigenen Bücherregal stehen hat, sollte dieses Buch erwerben. Und wer noch einmal diese lückenlose und beispielhafte Beweisführung liest, wird immer besser verstehen, daß Kammeiers Vorarbeit unersetzlich war für alle heutigen Anstrengungen der Geschichtsrekonstruktion.
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Quelle
Wilhelm Kammeier – Die Fälschung der deutschen Geschichte
Auszüge aus unterschiedlichen Beiträgen vom Schweizer Chnopfloch
Aus Notizen über den Autor, wie sie hauptsächlich vom Verleger der Neuauflage, Roland Bohlinger, im Anhang des Buches gegeben werden
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