Wir nehmen euch mit.
Bevor wir solche Anlagen „besichtigen“, schauen wir in der Regel genau hin, was sich hier vor langer, langer Zeit einmal zugetragen haben soll. Es gibt ja noch ein paar alte Bücher, wo man das nachlesen kann. Unseren Erfahrungen gemäß, wird in der Gegenwart immer nur ein Teil vermittelt und manches einfach weggelassen.



Corvey Höxter – „Erlesenes“ aus längst vergangenen Zeiten gegenüber dem, was wir heute erlebt haben
Nun, wir sind nicht überrascht. Es wird auch hier nur ein Teil der Geschichte „erzählt“. Kein Hinweis auf den berühmten Mönch Widukind, keine Erwähnung von Tacitus „Annalen“, und auch zu dem Schaffen August Hoffmann von Fallersleben als Bibliothekar auf Corvey hätten wir uns mehr Aufmerksamkeit gewünscht.



Das Corvey als sächsisches Kloster eng mit den Ottonen verbunden war, bleibt ebenfalls eher im Verborgenen. Ja, den Grundstein dieses Bistums legte vielleicht Karl der Große, die Äbte zogen ein, und aus wessen Stall die kommen, lässt sich auf so mancher Aufnahme nun mal nicht verbergen…
Mit der Errichtung der sächsischen Bistümer hatte Karl der Große den Grundstein für die Einbeziehung Sachsens ins Frankenreich gelegt. Aber die wirkliche Christianisierung sollte noch einige Zeit dauern. Eine kontinuierliche Missionierung begann erst unter Karls Sohn Ludwig dem Frommen.
Um 830 kamen Mönche (ihr wisst schon, einige dieser Kuttenträger) aus Corbie, einem bedeutenden nordfranzösischen Kloster, nach Sachsen, um durch ihr Vorbild des Betens und Arbeitens sowie der Pflege von Kultur und Wissenschaft Überzeugungsarbeit zu leisten. Ihr Kloster erhielt nach glücklosen Anfängen seinen festen Platz in hochwassersicherer Lage am Weserknie. Hier, in der Nähe des Hellwegs, entstand bei Höxter Neu-Corbie, Corvey.
Für lange Zeit sollte Corves das einzige Kloster in Sachsen bleiben, Zentrum der Missionsarbeit für den Norden.












Wie ein Fremdkörper mochte es in der Region gewirkt haben. Bedeutende Äbte sorgten für die Überlieferung der antiken Kultur. Aus der berühmten Klosterbibliothek stammt die einzige Handschrift der ersten Bücher von Tacitus „Annalen“.
Lange übten westfränkische Mönche bestimmenden Einfluss aus, und erst allmählich fasste der sächsische Hochadel hier Fuß. Doch im 10. Jahrhundert wurde Corvey ein sächsisches Kloster, eng mit dem Kaiserhaus der Ottonen verbunden. Hier schrieb der berühmte Mönch Widukind, vermutlich ein Nachfahre des legendären Sachsenführers, um die Mitte des 10. Jahrhunderts die erste Geschichte der Sachsen.
Und nun kommen wir zu
August Hoffmann von Fallersleben, ein bedeutender deutscher Germanist, Dichter und unter anderem auch Verfasser des „Liedes der Deutschen“ (Deutschlandlied). Er wirkte zuletzt als Bibliothekar in Schloss Corvey an der Weser, wo er auch starb und begraben liegt. Wir haben es heute besucht.





So auch die Bibliothek in Corvey, den hier war von Fallersleben ab 1860 als Bibliothekar des Herzogs von Ratibor und Fürsten von Corvey in Schloss Corvey tätig, einer ehemaligen Benediktinerabtei an der Weser. Er verbrachte seine letzten Lebensjahre in Corvey und ist dort auch auf dem alten Friedhof hinter der Abteikirche begraben.
Übrigens: Sein Sohn war ein begnadeter Maler. Einige seiner Bilder findet ihr in den Beitragsfotos.










Seine Begeisterung zur Weserregion können wir gut verstehen. Wir sind auch immer sehr gerne hier.
Hoffmann von Fallersleben schätzte die Landschaft an der Weser sehr und war stolz darauf, dort zu leben und zu arbeiten, wie aus seinen Schriften hervorgeht.


















Die Weser ist nicht nur „deutsch bis zum Meer“, wie es auf dem Weserstein in Hannoversch Münden geschrieben steht, sondern auch der Fluss der Märchen. Das liegt zum einen an der rührigen Vermarktung der Deutschen Märchenstraße, die seit mehr als 30 Jahren der Weser folgt und dabei so bemerkenswerte Märchenschauplätze wie Hannoversch Münden (Dr. Eisenbarth), Sababurg (Dornröschen); Polle (Schneewittchen), Bodenwerder (Baron von Münchhausen), Hameln (Rattenfänger) und Bremen (Stadtmusikanten) berührt. Und zum anderen liegt es an den sagenhaften Eindrücken, die man gewinnt, wenn man mit dem Rad oder besser noch mit dem Dampfer die Oberweser von Hannoversch Münden 44 Kilometer bis Bad Karlshafen oder die 135 Kilometer bis Hameln hinunterfährt. Es folgen noch viele schöne Flussabschnitte, bis die Weser sich bei der Markierung „Weser-km 366,72“ in die Nordsee ergießt, aber dies, also die Oberweser, ist zweifellos der schönste Teil.
Bis zu 300 Meter tief hat sich der Fluss zwischen Reinhardswald links und Brahmwald respektive Solling rechts eingegraben, bevor sich das Tal bei Höxter, Holzminden und dann wieder zwischen Hameln und Rinteln weitet, die Gebirgszüge Burgberg und Vogler passiert und schließlich zwischen Weser- und Wiehengebirge durch das 200 Meter tiefe Durchbruchstal der Porta Westfalica fließt. Was für ein lohnendes Reiseziel, diese Oberweser! Keine Flussbegradigungen, keine Schleusen, wenig Verkehr, wenn man einmal vom Strom der Radler auf dem Radweg R 99 absieht.
Wie die berühmten Perlen auf der Schnur reihen sich die Sehenswürdigkeiten aneinander: Die Fachwerk- und Drei-Flüsse-Stadt Hannoversch Münden, wo aus dem Zusammenfluss von Werra und Fulda die Weser entsteht, getreu dem alten Spruch: „Wo Werra sich und Fulda küssen, sie ihren Namen büßen müssen, und hier entsteht durch diesen Kuss, deutsch bis zum Meer der Weserfluss.“
Alexander von Humboldt, der die Welt gesehen hat, nannte sie eine der sieben schönstgelegenen Städte auf dem Erdenrund.
Und wenn wir schon mal dabei sind:
Einen Besuch wert sind neben Corvey auch die Klöster Bursfelde, die Reichsabtei, 822 von Kaiser Ludwig dem Frommen gegründet und Ausgangspunkt der Christianisierung Nord- und Osteuropas. Das hier versteckte Grab des Verfassers des Deutschlandliedes, Hoffmann von Fallersleben, ist ein Wallfahrtsort. Das Schloss Fürstenberg wiederum bietet einen wunderbaren Blick hinunter auf den Fluss, während die Sababurg, als von Rosen umranktes Dornröschenschloss prächtig herausgeputzt, mitten im Reinhardswald thront.
Nun, die unsägliche Abholzung für Windräder lässt sich dort allerdings nicht ausblenden.
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Kurz gesagt, es war ein kurzer, aber wunderschöner Ausflug.