Die Robinie von Xanten.

Hier, auf einem Hügel in der dicht bewaldeten Hees steht dieser wunderschöne alte Baum. Und dazu gibt es sogar eine Sage:

„Die Rubinie des Siegfried

Hoch oben auf dem Fürstenberg, unweit des heutigen Krankenhauses St. Josef in Xanten, steht ein Baum, den nur wenige kennen – eine uralte Robinie, deren knorrige Äste sich wie runenartige Finger in den Himmel recken. Sie ist über 250 Jahre alt, doch ihre Wurzeln reichen tiefer als die Zeit selbst – zurück in die sagenumwobene Welt der Nibelungen.

Die Einheimischen nennen sie flüsternd die Hüterin des Schlafes. Denn unter ihrem Baldachin aus dunklem Laub, so erzählt man sich, habe einst der unbesiegbare Siegfried von Xanten seine letzte Nacht vor der folgenschweren Jagd im Odenwald verbracht.

In jenen Tagen, als Drachen noch durch urzeitliche Wälder krochen und alte Götter durch die Nebel der Rheinauen schritten, kehrte Siegfried heimlich an seinen Geburtsort zurück. Er mied den Königshof, sprach mit keinem Menschen, sondern zog allein zum Fürstenberg, dorthin, wo einst eine Kultstätte der alten Römer gewesen sein soll. Dort ruhte einst der junge Siegfried von Xanten.

Die Nacht war kühl, und über den Rhein zogen schwere Nebelschwaden. Doch im Traum erschienen Siegfried uralte Geister – vielleicht Wotan selbst, vielleicht das Wispern der Erde. Sie sangen ihm von Macht und Verrat, von goldenen Ringen und blutigem Stahl. Als er erwachte, fühlte er sich gestärkt, als habe ihm die Erde selbst neue Kraft verliehen.

Was er nicht wusste: Die Erde hatte seine Kraft aufgenommen. Nicht verloren, sondern geteilt. In seine Tiefe fließt seit jener Nacht nicht nur das Wasser, sondern auch ein Hauch von Siegfrieds Stärke, Mut – und vielleicht sogar ein Teil seiner Seele.

Die Jahre vergingen. Die Menschen vergaßen. Das Hospital St. Josef wuchs am Fuße des Hügels, und niemand beachtete mehr einen heranwachsende Robinie. Doch manche sagen, dass der Wind dort oben eine andere Sprache spricht. Dass Kinder, die dort spielen, plötzlich ungewöhnlich kluge Gedanken äußern. Dass Kranke, die dort spazieren geführt werden, sich stärker fühlen, als sie sollten.

Einige behaupten, die Rubinie flüstere in den Nächten Siegfrieds letzte Gedanken. Und wer ihr bei Vollmond die Hand auf die Rinde legt, könne für einen kurzen Moment spüren, was es heißt, unbesiegbar zu sein.

Doch Vorsicht: Die Kraft des Helden ist kein Geschenk. Sie prüft, ob du ihres würdig bist. Und wenn nicht – so flüstert der Wind – nimmt der Baum etwas von dir mit.

Und so steht sie noch heute dort, hoch oben auf dem Fürstenberg, die Robinie des Siegfried – Wächterin einer alten Macht und Zeugin einer Nacht, in der Legende und Wirklichkeit“

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Achja, In diesem hier erwähnten Hospital kamen unsere Jungs zur Welt.


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