Nicht grundlos wurden die Sprachen der Völker verändert, verkauderwelscht, ausgemerzt, oder wie in der Gegenwart „vergendert“. Und wenn man meint, es geht nicht übler, wird man eines Besseren belehrt und die sogenannte „einfache Sprache“ hält Einzug . Für all die Menschen, denen das altdeutsche Sprachgefühl noch vertraut ist, erscheint diese Entwicklung wie ein Graus. Indes wird unsere jüngste /jüngere Generation, die in diesen Irrsinn hineinwächst, die Verunglimpfung unserer Sprache als gegeben ansehen.
Es ist daher wichtig, über die Ursprünge unserer Sprache zu berichten. Ein Funken des Geschriebenen /Gesagten bleibt immer hängen und kann an die nächste Generation weitergegeben werden. Auch wir haben heute noch Zugang zu den alten Schriften, wenn auch nur in geringen und zumeist geänderten Auflagen.
In uns allen ruht das Ursprüngliche, wir müssen nur wieder lernen, dem auf die Sprünge zu helfen, um uns erinnern zu können. Und dazu ist jeder Impuls willkommen.

„Die Sprache eines Volkes ist der hellste Spiegel seines Gemütes und seines geistigen Lebens; wer sich der Sprache seines Volkes entfremdet, entfremdet sich seinem Volke selbst“, um es mit den Worten von Ernst Moritz Arndt zu sagen
(Im Kommentar findet ihr wie gewohnt, die dazu bereits verfassten Beiträge).
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Wenn eine Gruppe von Menschen auszieht, um andere Menschen zu entwurzeln /entvölkern, dann verfolgen sie ganz bestimmte Absichten. Daher verweise ich immer wieder darauf, dass sich das, was wir heute erleben, nur mit den Vorgängen aus der Vergangenheit entschlüsseln lässt.
Mit der Einführung des Mönchslateins, dieser unbelebten, starren Sprache der Kirche, die angeblich den Gelehrten, Reichen und Vornehmen vorbehalten war, legte man einen entscheidenden Grundstein und entfernte die Menschen immer weiter von ihren Sprachstämmen. Ab dato wurde eifrig gefälscht, geändert, gelöscht, verdrängt, versteckt.
Fest steht, und das lässt sich anhand der uns noch verbliebenen Überlieferungen aus dem Bereich der Linguistik nachweisen:
Der Indogermanische Sprachstamm ist, wie der wichtigste und verbreitetste, so der vollkommenste aller Sprachtypen. Wie die übrigen grammatisch entwickelten Sprachstämme, bildet er die Wörter aus Wurzeln und Affixen, welch letztere in der Regel der Wurzel nachfolgen. Die große Anzahl der Affixe, welche überdies in beliebiger Menge aufeinander gehäuft werden können, ihre innige Vereinigung mit der Wurzel zu einem vollkommen selbständigen, neuen Wort ermöglichen den charakteristischen Wort- und Bedeutungsreichtum der indogermanischen Sprachen. Auch die feine und mannigfaltige Gliederung der Sätze ist ihnen eigentümlich.
Indogermanisch ist eine große Sprachfamilie, die mehrere Sprachen umfasst, die von einer gemeinsamen Ursprache abstammen.

Auf den Beitragsfotos findet ihr eine Übersicht der Sprachstämme
1. Einsilbige Sprachen in Südostasien (indochinesischer Sprachstamm)
2. Malaio-polynesischer Sprachstamm
3. Drawidasprachen in Südindien
4.Uralaltaischer Sprachstamm
5. Bantu-Sprachstamm
6.Hamito-semitsischer Sprachstamm
7. Der Indogermanische Sprachstamm
8. Der amerikanische Sprachstamm
9. Der australische Sprachstamm
10. Die Mon – Anamsprachen

















Auch interessant – siehe Abbildung Verbreitung bestimmter Pflanzen und Tiere als Hinweis zur indogermanischen (indoeuropäischen) „Urheimat“.
(Nach L. Kilian, Zum Ursprung der Indogermanen, Bonn 1988.)

Aus dem Vorkommen von Worten für Planzen und Tiere, deren Verbreitung geographisch gebunden ist, können ehemalige Wohnsitze von Völkern als den Trägern von Sprachen ermittelt werden und aus der Sprachgeschichte die dafür in Frage kommenden Zeiten. So folgt aus den Worten für Laubbäume einschließlich der Buche in allen indogermanischen Sprachen, daß ihre Heimat nach Westen über die Ostgrenze der Buche Königsberg-Odessa hinausgereicht haben muß.
Aus dem Vorkommen und Fehlen bestimmter Wörter läßt sich ein Gebiet für die Urheimat der Indogermanen vor den Sprachteilungen und Abwanderungen beschreiben, das im gemäßigten Klima mit Winterschnee liegt, mit Wäldern und offenen waldfreien, steppenartigen Gebieten, das von der Nord- und Ostsee, dem Rhein, der Donau bis etwa zum Ural reichte.
Da in den slawischen Sprachen das Wort für Buche ein germanisches Lehnwort sein soll, kann das dafür vorhanden gewesene Wort bei der langdauernden Wanderung durch Gebiete ohne Buchen verlorengegangen sein. Das kann für Ostvandalen zutreffen.
Aus der Linguistik folgt die Entwicklung des Urindogermanischen ab etwa 10000 v.u.Z. des Altindogermanischen ab etwa 5000- 4000 v.u.Z. Nach den Abwanderungen zerfiel das Altindogermanische in die Sprachen der getrennten Völker. In ihren alten Kulturen entstanden um die Mitte des 2. Jahrtausends v.u.Z. Sprachdenkmale für das Indische, Hethitische sowie das Griechische (L. Kilian 1988).
Die Trennung der Satem- von den Centumsprachlichen hat vor Beginn der Broncezeit stattgefunden, da ein gemeinsames indogermanisches Wort für Bronce fehlt.
Auf Grund der grundsprachlich vorhandenen Worte lässt sich ein Kulturzustand vor der Entstehung des ortsbeständigen Ackerbauerntums erschließen, der schon behütetes Vieh und Hunde, Rinder, Schweine als Haus- und Zuchttiere kannte. Auch der Wagen war bereits entwickelt und das Rad war längst erfunden, wie auch Worte für Einzelteile wie Rad, Nabe, Achse und das Joch für Zugtiere zeigen. Worte für Siedlung und Haus sprechen gegen Nomadentum der Urindogermanen.
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Noch eine schöne Erzählung zum indogermanischen Wort für Salz:
Litauen rühmt sich vor der Welt:
Unsere Wälder sind so alt,
Wie sich die lebendigen Stränge fortsetzen
Von der Vorzeit bis zu mir!
Die Vögel kommen direkt aus dem Sanskrit
An den Ufern des Nemunas angeflogen,
Zwitschern, trällern schon von Morgen an
Auf den archaischen Zweigen.
(Algimantas Baltakis)
Die Suche nach der indogermanischen Urheimat in Europa begann, doch Europa ist groß – auch hier ist es nicht so einfach, die alte Wiege unserer Vorväter zu finden. Die vorsichtigeren Forscher suchten diese Wiege von Anfang an nicht weit von Asien entfernt, irgendwo im salzigen Mündungsbecken der Wolga.
Der griechische Gelehrte Klaudios Ptolemaios (ca. 90–168) nannte diesen russischen Fluss Ra. Dieser Name entspricht vermutlich den Flüssen, die in den heiligen indischen und iranischen Büchern erwähnt werden – Sanskrit Rasa, avestisch Ranha. Den indischen und iranischen Mythen zufolge umfließen diese Flüsse die Welt und befinden sich irgendwo im Norden, in den kälteren Ländern. Das könnten womöglich Erinnerungen an die alte Heimat der Inder und Iraner sein. Salz spielt hier ebenfalls eine sehr wichtige Rolle, denn viele indogermanische Sprachen haben ein gemeinsames Wort für Salz,
vgl.: lettisch sāls, altpreußisch sal, russisch solь, polnisch sól, lateinisch sal, griechisch háls, altirisch salann, gotisch salt, deutsch Salz, englisch salt, tocharisch sāle und andere.
Diese Bezeichnung für das Salz hat sich im Litauischen nicht erhalten. Es wurde vom Wort druskà verdrängt, dessen primäre Bedeutung ein bisschen war. Da Salz immer nur in kleinen Mengen gebraucht wurde, nahm das Wort druskà neben der Bedeutung kleine Menge auch die Bedeutung kleine Menge Salz an, und bezeichnete dann das Salz selbst.
Es ist an dieser Stelle sehr interessant, über die Herkunft des Wortes für Salz zu sprechen: Sie ist verbunden mit dem Gegenteil von Salz – Süße. Litauisch saldùs, süß‘ ist ein naher Verwandter des indogermanischen Salzwortes.
Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes saldùs war ‚schmackhaft, mit Salz gewürzt‘. Der Geschmack der Menschen änderte sich, man begann, Schmackhaftigkeit mit Süße, und nicht Salzigkeit, in Verbindung zu bringen und heutzutage ist jegliche Spur des Salzes im Adjektiv saldùs verwischt. Das indogermanische Wort für Salz
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Quellangaben /Literatur
Schröcke – Vor – und Frühgeschichte des ostgermanischen Raumes
Lothar Kilian, Zu Herkunft und Sprache der Prußen, Bonn, 1980.
Abb. Sprachenkarte (aus Meyers Konversationslexikon1896)
Abb. Sprachstämme
Abb. Verbreitung bestimmter Pflanzen und Tiere als Hinweis zur indogermanischen (indoeuropäischen) „Urheimat“.
Nach L. Kilian, Zum Ursprung der Indogermanen, Bonn 1988.
Beiträge:
– Die Magie der Sprache – zurück zum ältesten Stück der deutschen Literatur, den „Merseburger Zaubersprüchen“.
– Muttersprache
– Geschichten zur deutschen Sprache unter dem Einfluss sprachlicher Amerikanisierung
– Auf ein Wort zu unserer Muttersprache – sie hat es verdient erhalten zu bleiben
– Alles liegt in unseren Wurzeln: „Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen!“