Stauffenberg – das Attentat vom 20. Juli 1944 – ein Resümee mal anders

(den vollständigen Beitrag findet ihr wie gewohnt im Kommentar)

Ich erinnere mich: In der Schule war Stauffenberg der Held. Er war die Person, dem es fast gelungen wäre, ein ganzes Volk zu „befreien“. So erklärte man es uns. Auch die spätere Hinrichtung der Attentäter war ein großes Thema. Junge Menschen sind empfänglich für solche „Geschichten“.

„Man muss auch die andere Seite betrachten“ Ein Satz, der zu DDR-Zeiten zuweilen strafbar war,wenn man ihn wagte auszusprechen.

Darüber entstehen allerdings diese Halbwahrheiten, die uns bis heute mehr und mehr einholen. So blieb der Attentäter Stauffenberg unangetastet und der große Held. Hintergrundwissen war nicht erwünscht. Darüber zu schreiben oder zu reden ist immer noch ein Tabubruch.

Doch meine Mutter wurde 101 Jahre alt. Ich weiß, dass es ihr größter Wunsch war, die Wahrheit nach außen zu tragen. Nach all ihren Erlebnissen und dem Wissen, dass sie bewahren konnte, ist es meine Pflicht, diesem /ihrem Wunsch nachzukommen.

Einigen hier ist bekannt, dass meine Mutter von 1942 -1944 als Nachrichtenhelferin (u.a. auch im Hauptquartier Berlin Bendlerstr.) tätig war. Sie kannte Stauffenberg vom „Sehen“ und aus einigen Unterhaltungen heraus.

Hier ein Auszug aus den Niederschriften meiner Mutter zu Stauffenberg und dem Ereignis des 20. Juli 1944.

– Ich zitiere:

„Es muss auch hier weit in die Vergangenheit zurückgeblickt werden, um die wahre Geschichte zu erkennen.

Wer waren eigentlich die Adligen?

Sie dienten Fürsten, Königen und Kaisern vor allem im Kriegsdienst und erhielten für ihre hervorragenden Leistungen im Kampf gegen die Feinde Gebiete, Anwesen (Ritter)-güter usw., anfangs als Lehen, ab dem 18. Jahrhundert als Besitz, dazu gehörte die Erhebung in den Adelsstand.

In Friedenszeiten bewirtschafteten die neuen Adligen, Grafen usw. ihre Güter, arbeiteten im „Staatsdienst“. Im Krieg dienten sie und ihre Söhne als Offiziere, Heeresführer und Generalstabsoffiziere, ihre Töchter als Krankenschwestern dem König und Kaiser. Sie wurden schon als Kinder zum Kriegshandwerk erzogen durch Väter, ältere Brüder und Kadettenschulen. Dann kam die Ausbildung im Militärdienst. Abgang als Reserveoffizier war Pflicht! Berufsoffizier war Tradition. Immer waren sie die ersten, die bei Auseinandersetzungen (Kriegsfall) pflichtbewusst zur Verfügung standen.

Sie waren auch beim Aufbau der Wehrmacht sofort dabei, und sie schworen bei der Vereidigung nicht dem Kaiser, sondern einem ehemaligen Gefreiten, mit vollem Bewusstsein: Gehorsam. Als der Krieg ausbrach, erfüllten sie mit großem Einsatz als Heerführer, Kommandeure und dergleichen ihre Pflicht. Sie ließen sich Orden für ihre Verdienste anstecken, arbeiteten trotz Behinderung durch schwerste Verwundungen bei den hinter der Front liegenden Stäben, beim Oberkommando der Wehrmacht und im Hauptquartier.

Wir, meine Kameradinnen und ich haben einige als arrogante Personen im Hauptquartier kennengelernt. Nicht uns gegenüber, sondern ihren nichtadligen Kameraden. Frau von Moltke und Frau York von Wartenburg sprachen das in den 1990er-Jahren in einem Interview mit den Worten aus: „Wir wollten eine Monarchie wiederbeleben“, und sie nannten die Namen der Personen, die für die Bildung einer Regierung nach dem Tod Hitler.s schon feststanden.

Auf die Frage, ob sie Wissen oder Verbindung zu einer Personengruppe hatten, die auch das Ziel Hitler zu stürzen verfolgte, antworteten sie: „Nein, wir waren auch nicht daran interessiert!“

Die Adligen wollten natürlich auch ihre Güter und Anwesen retten, die zu einer Prozentzahl in Schlesien, Ostpreußen, Westpreußen, Pommern und Ostbrandenburg lagen, denn sie ahnten (wussten?), dass diese deutschen Provinzen bei Sieg der roten Horden in die Hände von Menschen fallen würden, die nicht in der Lage sind das von Deutschen Erschaffene zu erhalten und sie selbst keine Anwesen mehr besitzen werden.“

Und weiter schreibt sie:

„Damals (1944) wusste fast jeder, dass mit Hitlers Tod keinesfalls das Ende de Reiches einhergehen würde; denn dafür gab es genügend andere Personen aus seinem Umkreis, die sofort die Führung übernehmen konnten und wollten, außerdem stand der größte Teil der Bevölkerung hinter der Regierung und die ständigen Bombardierungen brachten nicht den von Siegern gewünschten Hass auf die Führung, sondern auf sie, die Bombenwerfer, die ihre Städte verwüsteten und ihre Mütter und Kinder töteten.

Was einem Claus Schenk von Stauffenberg und den anderen Verschwörern doch nicht entgangen sein kann.

Trotzdem nahm er eine B.ombe, fuhr damit zum Hauptquartier, nutzte seine Position aus, die er mit dem Erfolg, der ihm anvertrauten und vier Jahre zum Kampf geführten Soldaten errungen und dafür Orden empfangen hatte, legte die Aktentasche mit der B.ombe während einer Besprechung unter den Tisch und verschwand. Er wusste genau, dass bei der Explosion auch andere Anwesende getötet werden. Und so war es auch.

Dazu werfen wir einen Blick auf das jüngste Urteil des Verfassungsgerichts: Es ging um den Abschuss von Passagierflugzeugen bei Gefahr von Anschlägen. Deutschlands Richter verwerfen diese Idee „Man dürfe Menschenleben zugunsten anderer nicht opfern, das ist verfassungsfeindlich!“

Das Attentat (20.Juli 1944) war Mord! Und Mord verjährt nicht. Beim Bombenanschlag im ostpreußischen Führerhauptquartier starben:

† Regierungsrat Dr. Heinrich Berger

† Generalmajor Heinz Brandt

† Generaloberst Günter Korten

† General der Infanterie Rudolf Schmundt

Schwerverletzte:

Oberst im Generalstab Nikolaus von Below

General der Flieger Karl-Heinz Bodenschatz

Vizeadmiral Hans-Erich Voß und sieben andere.

Sowie neun Leichtverletzte.

Hier wurden bewusst Menschen geopfert. Was sagen die heutigen Richter dazu? Sind das für sie keine Opfer?

Wenn es um die Verschwörer des Widerstandes gegen H.itler geht, verstummen die Stimmen. Wer könnte es wagen, Kritik zu üben an Claus von Stauffenberg und den Widerständlern um ihn, die von den Medien als mustergültige moralische Personen dargestellt werden.

Interessant war das Interview mit dem Sohn Stauffenbergs in einer Sendung „Ich trage einen großen Namen“ (jeden Sonntag um 18.15 Uhr SWR). Der Sohn, Generalmajor der Bundeswehr im Ruhestand (der Tradition treu geblieben). Auf die Frage, ob das Attentat, wenn gelungen, eine Veränderung gebracht hätte, kam die Antwort: „Nein, dafür waren zu viele andere da, die die Zügel in die Hand genommen hätten.“


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