Leseprobe!

Für all die, die kaum eine oder nur wenig Vorstellung davon haben, was sich hinter dem Bernsteinfenster verbirgt.

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Auszug aus dem Buch „Das Bernsteinfenster“

Das Bernsteinfenster

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Klara Undine Fall

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Von Friedel und dem Wellenmädchen, und einem Fenster zur Vergangenheit

Geschichten hinter erlebter Geschichte aus den Jahren 1923–1948

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Gewidmet meiner Mutter in liebevoller Erinnerung

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Inhalt

Einleitung /Vorwort

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ERSTER TEIL

Aus Friedels Kindheit

Vorgeschichte

– Versailler Vertrages

– Gebietsabtrennungen

– Beschreibung des Raubes der Kolonien

Die Zeit vor 1933 – ein weiterer geschichtlicher Rückblick

– Wissenswertes zur Ostgrenze

– Schlesien

Die Zeit zwischen 1932 und 1940

– 1932 – Der Tiefstand ist erreicht

– 1933 – Hindenburg übergibt die Macht an Hitler

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Friedels Schulzeit

– Alltag in Görlitz

– 1935 – Im Kindererholungsheim Kamin in Pommern

– 1936 – Olympiade in Deutschland

– 1938 Politische und geschichtliche Ereignisse

Historisches auf einen Blick: 1936 – 1941

– Friedels persönliche Erlebnisse (Friedel hat’s erlebt)

– September 1939 – Bromberger Blutsonntag

– 1940 – der Krieg weitet sich auf Nord- und Westeuropa aus

– 1941 – die USA erklärt Deutschland den Krieg

Friedels Berufsschulzeit

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ZWEITER TEIL

Die Zeit zwischen 1942 und 1945

– 31. Januar 1942 – Einberufungsbefehl

– Dienstbeginn in Breslau

– Unterricht/ Arbeit am Fernschreiber/Prüfung

– Kaserne Gießen

– Einsatz in Berlin

– Sonderurlaub

– Vier Wochen auf der Isolierstation

Genesungsurlaub in Görlitz

– Zurück in Berlin

– Einsatz nach Ostpreußen

– 18. Januar 1943 – Ankunft in Königsberg

– Antritt Dienststelle Hauptquartier „Amt Anna“

– Erholungszeit in Zakopane / Krankenstation Krakau

– Kuraufenthalt in Bad Rabka

– Erste Begegnung mit Joop – eine wundervolle Zeit in Bad Rabka

– Abschied von Bad Rabka, Wiedersehen in Görlitz, Ankunft im Hauptquartier

– Verlobung mit Joop

– Wieder beim Dienst

– Marschbefehl nach Berlin Zossen-Weihnachten 1943

– 1944 Marschbefehl nach Gießen, Abschied von Zossen und weiter nach Verona

– Bombenangriffe, schwere Detonationen und Mordanschläge von Partisanen

– Mai 1944 – eine Zeit, wo Trauern wenig Platz hat

– Abschied von Verona – ein letzter Händedruck

– Einbruch der Russen und Ankunft der ersten Flüchtlinge in Görlitz

– Bevor der Befehl kam

DRITTER TEIL

Kriegsende und eine Befreiung, die keine war!

– Eine Zeit voller Gewalt und unmenschlicher Vorgänge

– Begegnung und Abschied voller Elend und Trauer

– Abschied von den Kameraden

– Auf dem Weg nach Eisenach und weiter nach Unkeroda

– Wieder zurück in Görlitz – verheerende Zerstörungen und die Sorge um das tägliche Brot

– Erneut Abschied von den Eltern

– Bilder des Grauens auf der Rückkehr nach Görlitz

– Wieder daheim

– Zurück in Görlitz – es herrscht Chaos und ein unvorstellbares Maß an Grausamkeiten

– Vom Erleben und Überleben

– Unterwegs nach Weimar – anschließende Tauschgeschäfte

– Ein kurzes Resümee zum späteren Umgang dieser Ereignisse aus den Reihen der Politik

– Unter dem Joch der Sowjets – so geht es weiter

– Eine Anstellung unter schwierigen Bedingungen

– Was unmöglich schien, wurde geschafft

– Die Verzweiflung war groß

– Der Winter von 1945/46

– Tätigkeiten auf Anordnung und zwei erwähnenswerte Ereignisse

– Erleben und Überleben unter dem Dogma der Kommunisten

– Anmerkungen zur politischen Lage

– 1945/46 – Erwähnenswertes

– 1946 – die traurige, graue Welt war für einen kurzen Moment auf einmal hell

– Die Gedanken drehten sich nur um das Eine: „Was essen wir morgen?“

– Das Land lag in Trümmern und die Medien verbreiteten täglich neue Lügen

– Tatsachen

– Die Beutezüge gehen weiter: „Gegen Kraft hat Recht keine Wirkung.“

– Erlebnisse mit den „Genossen“

– Zeitsprung

– 1946 und die Jahre darauf: Enteignungen, Lügen und Raubzüge

– Das Jahr 1947

– Der Winter 1947/48

– Zeitsprung

– Rückreise und Hochzeit mit Paul

– Gedankengänge 104

– Einzug in ein Zimmer, der Alltag begann

– Zwischen 1948 und 1949 – das Leben ging weiter, der Hunger und das Sterben auch 105

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– Nachtrag

– Anhang /Nachwort

– Abkürzungen / Hinweise und Angaben zur Quelle

Quellen / Verweise / Bildmaterial


Einleitung

„Des Menschen Seele

Gleicht dem Wasser:

Vom Himmel kommt es,

Zum Himmel steigt es,

Und wieder nieder

Zur Erde muß es,

Ewig wechselnd.“ (Goethe)

Kennt ihr die hellen lodernden Wellen, Töchter der Ran? Leise erbebend schwellend und hebend ziehn sie die Bahn.


Entspannt lehnt Friedel sich in ihrem Sessel zurück. Ein letztes Mal greift sie mit ihren gealterten Händen nach dem Stift, der vor ihr auf einem kleinen Tisch liegt. Ihre Blicke schweifen aus dem Fenster hin zu dem Baum, der ihr über die letzten Jahre zu einem vertrauten Begleiter und stummen Zuhörer geworden war – ein alter Baum, der gewiss viel zu erzählen weiß. Sie selbst schaut auf 101 bewegte Jahre ihres Lebens zurück, auf all das Erlebte und die damit verbundenen Ereignisse, die sie versucht hat, in Worte zu fassen. Erlebtes, was den Generationen danach unfassbar erscheinen mag.

Noch einmal beugt sie sich nach vorn über den Tisch, greift nach ihrem Stift und schreibt.

Später finden sich auf einem Briefkuvert folgende Worte:

„Die Sonne sank, der Abend naht. Der Abendstern mit goldenem Schein blickt in die bewegte Welt hinein. Bald ist es wieder Nacht . Es wird gleich Dunkel.“

Dieses Zitat nach Hoffmann von Fallersleben sollten ihre letzten geschriebenen Zeilen auf dieser Seite der Welt sein. Behutsam legt sie den Stift aus der Hand – ein letztes Mal. Das Säuseln der Blätter des alten Baumes vor ihrem Fenster verstummt. Friedel schließt ihre Augen am 17. März 2024 für immer. Sie schläft ein, in der Hoffnung, dass all ihr Wissen über das Erlebte in gute Hände gelangen möge.


Doch sollte es nicht lange dauern, und ein Wellenmädchen steigt hilfreich aus dem Meer empor, um Friedels Erbe vom sandigen Boden auf dem Meeresgrund mit sanfter Hand zum Ufer zu leiten. Geschichte für Geschichte. Die Sagen und Legenden um die Mädchen der nördlichen Meere sind weit verbreitet. Ähnlich wie die Walküren sind diese Wellenmädchen Naturgottheiten und im weitesten Sinne sogar Großmütter des Menschengeschlechts. Dem Wellenmädchen Ona sind die vielen Geheimnisse, die auf dem Grund des Meeres ruhen, vertraut. Immer wieder gelangen irdische Geschichten auf den Meeresboden. Nach langer Zeit hat Ona wieder eines der Bernsteinfenster geöffnet – wie so oft auf der Suche nach Verborgenem, aber auch nach neuen Geschichten, welche die Menschen mit in ihr Meeresgrab genommen haben. Schon bald wird sie fündig und entdeckt etwas Außergewöhnliches.

Und so hat es sich dann weiter zugetragen: Das Wellenmädchen Ona hebt aus den Wogen des Meeres eine ihr bis dahin noch unbekannte und geheimnisvolle Sammlung an Urkunden, Niederschriften und Fotos. Andächtig stöbert sie in diesen Dokumenten, betrachtet die alten Fotos, liest in den Tagebüchern (manches darunter noch aus dem beginnenden 18. Jahrhundert) und verschlingt förmlich die Niederschriften dieser Menschen.

Über Monate hinweg studiert Ona die Inhalte der „Schriftstücke“. Nach und nach begreift sie, was für einen großen Schatz sie da gehoben hat. Ein ungewöhnlicher Nachlass, doch von unschätzbarem Wert. Viele Menschen der Kriegsgeneration haben geschwiegen, weil sie das Erlebte nicht in Worte fassen konnten; weil sie auch einiges verschweigen mussten, und so mancher wollte einfach nur vergessen. Als Wellenmädchen greift sie immer wieder die Geschichten von den Seelen der Ertrunkenen und Gefallenen auf. Vieles darunter deutet auf etwas Bedrohliches, Gewaltsames hin.

Waren hier gar Seelenräuber am Werk? Ona versucht, sich durch die Fülle an Niederschriften, Dokumenten und Tagebucheinträgen zu lesen, oder besser gesagt zu „wühlen“. Auch wenn Friedel ihre Lebensgeschichte akkurat chronologisch verfasst hat, erscheinen immer wieder Querverweise, Hinweise, Erklärungen, die in einem direkten Zusammenhang zu den damaligen Ereignissen stehen, aber noch sorgfältig aneinandergefügt werden müssen. Während Ona zunächst die Schriften nur „überfliegt“, läuft ihr ein leichter Schauer über den Rücken. Aus ihren verklärten Augen tropfen dicke Tränen und ein anderes Mal zieht ein mitfühlendes Lächeln über ihr Gesicht. Dabei stößt sie einen tiefen Seufzer aus. Friedel hat in ihren Memoiren nicht nur ihr eigenes Leben von Kindheit an beschrieben, sondern auch alles Weltgeschehen aus der Zeit, in der sie gelebt hat. Da wurde das Wellenmädchen sehr betrübt. Ona hat Fragen, da ist noch so Vieles, worüber sie Auskunft bekommen möchte.

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Erster Teil

Aus Friedels Kindheit

„Im Inflationsjahr 1923 wurde ich am 5. Januar in Görlitz (Niederschlesien) geboren. Meine Eltern wohnten zu dieser Zeit in der Kunnerwitzer Straße in einer Parterre-Wohnung. Mein Vater hatte gerade Arbeit bei der Reichsbahn gefunden. Von der untersten Stufe hat er sich später bis zur Mittelstufe eines kleinen Beamten hochgearbeitet. Meine Mutter war Hausfrau, übernahm aber hin und wieder Näharbeiten. Mein Bruder war bereits 9 Jahre alt.

In der Weimarer Republik (gegründet 1919) kam es ab 1922 zu einem rasend steigenden Währungsverfall. Die gesamten Spareinlagen des Volkes wurden vernichtet und das mittlere Bürgertum um seinen Besitz gebracht. Ihren Höhepunkt erreichte die Inflation im Jahr 1923 infolge der Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich. Frankreich nahm sich das Gebiet als Pfand für die nicht bezahlbaren Reparationsleistungen Deutschlands. Am 15. November 1923 gelang es schließlich dem Reichswährungskommissar, die Inflation zu beenden und durch Schaffung der Rentenmark im Wert von einer Billion zu stabilisieren. Im November 1923 waren die Preise für einen Liter Milch auf 300 Milliarden, ein Pfund Zucker auf 700 Milliarden, ein Pfund Butter auf 2,5 Billionen Mark gestiegen. Inflation ist ein andauernder Prozess der Geldentwertung, der sich durch den stetigen Anstieg der Verbraucherpreise (der Inflationsrate) bemerkbar macht. So stieg allein zwischen Oktober und November 1923 in Deutschland der durchschnittliche Wochenlohn eines Arbeiters um das 68fache auf 16,55 Billionen Mark!

Die Not der Eltern bekamen auch die Kinder zu spüren. In dieser unruhigen Zeit, die mit großen Sorgen meiner Eltern verbunden war, wuchs ich heran.

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Vorgeschichte

Zitat: „Der israelische Botschafter in Bonn, Asher Ben Nathan, antwortete auf die Frage, wer 1967

den Sechs-Tage-Krieg begonnen und die ersten Schüsse abgegeben habe: „Das ist völlig belanglos. Entscheidend ist, was den Schüssen vorausgegangen ist. So hat jede Geschichte auch eine Vorgeschichte.“

Bei einem ersten „Umblättern“ vermutet Ona, dass die nun folgenden Kapitel recht umfangreich ausfallen werden, insbesondere die zur deutschen Vorgeschichte.

Versailler Vertrag 1919

Vorgeschichte: Am 28.6.1914 werden der österreichische Thronfolger und seine Frau in Sarajewo von einem Serben erschossen. Dieses Verbrechen und die allgemeine Feindseligkeit, die zwischen Österreich-Ungarn und dem Königreich Serbien bestand, führte zum Ersten Weltkrieg. Am 28.7.1914 erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Am 30.7.14 befiehlt Russland Gesamtmobilmachung gegen Österreich-Ungarn und gegen Deutschland, das im Bündnis mit

Österreich-Ungarn stand. Darauf erklären Frankreich und England, die im Entente mit Russland verbunden waren, Deutschland und Österreich-Ungarn den Krieg. Die drei großen Gegner waren mit ihren 262 Millionen Einwohnern und 5,7 Millionen Soldaten von Anfang an weit überlegen. Auf beiden Seiten schlossen sich im Lauf des Krieges weitere Staaten an. Als am 16. April 1917 die USA auch noch Deutschland und Österreich-Ungarn den Krieg erklärten, war die Niederlage nicht mehr aufzuhalten. Der Eintritt Amerikas in den Ersten Weltkrieg war nicht das Ergebnis des deutschen U-Boot-Krieges – Versenkung des amerikanischen Schiffes “Lusitania”, das seit

Am 18.11.1918 kam es zum Waffenstillstand. Zuvor hatte der Kaiser am 9.11.1918 dem Thron entsagt und ging nach Holland ins Exil. Bei dem anschließenden Notenausgleich über die Friedensbedingungen zwischen Deutschland und den Siegermächten (Mai/Juni 1919) wurde von Deutschland die Anerkennung der alleinigen Kriegsschuld erzwungen. Ministerpräsident Philipp Scheidemann und sein Kabinett traten daraufhin zurück. Aber in der Nationalversammlung stimmten die Abgeordneten mit 237 Stimmen gegen 144 Stimmen für die Unterzeichnung des Vertrages. Der Außenminister der Weimarer Republik, Hermann Müller, und der Verkehrsminister Johannes Bell setzten am 28.6.1919 ihre Unterschrift unter den Versailler Vertrag, einem Schandvertag, wie er damals genannt und heute noch so gesehen werden muss.

Der amerikanische Diplomat George F. Kennan sagt heute dazu: „…in der Tat ein Frieden, der schon die Züge der künftigen Tragödie trug”. Es war der Wunsch, Deutschland für immer zu schwächen und als wirtschaftlichen Konkurrenten auszuschalten. 269 Milliarden Goldmark Reparationsleistung sollte ein Volk aufbringen, das total am Boden lag, dessen Bevölkerung hungerte. Kriegsmaterial, aber auch sämtliche Maschinen aus den Fabriken mussten an Frankreich und England abgeliefert werden.

Dazu kamen die Gebietsabtretungen (ohne Abstimmungen):

Elsass-Lothringen bekam Frankreich. Da Deutschland nicht mehr zahlungsfähig war, besetzten die Franzosen und Belgier 1923 das Ruhrgebiet. Sie raubten das Geld der öffentlichen Kassen, erhoben Grenzzölle und Steuern und besetzten Gruben, Hüttenwerke und Fabriken und wie schon in den anderen besetzten Gebieten (Rheinprovinz, Rheinpfalz, Saarland) bestraften die Okkupanten willkürlich Männer, Frauen und auch Kinder mit Schlägen, Misshandlungen, Verurteilungen zu Geldstrafen, Gefängnis und Ausweisungen. Vielerorts geschahen auch Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen, Reiter jagten die Deutschen von den Bürgersteigen und schlugen sie mit Peitschen. Ausgewiesen wurden mehr als 120 000 Menschen, die nichts mitnehmen durften und denen sofortige Hilfe gegeben werden musste. Geschehen im Westen durch Franzosen und Belgier und im Osten durch Polen. Von den Polen wurden eine Million Deutsche vertrieben, viele ermordet.

Die Provinz Posen und der Großteil der Provinz Westpreußen ging an Polen. (Das 1919 neu gegründete Polen wurde hauptsächlich aus deutschen Gebieten errichtet). Das Memelland bekam Litauen, Eupen-Malmedy wurde, entgegen den ursprünglichen Zusicherungen, Belgien übergeben.

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Drei Raubkriege gestattete sich der französische König Ludwig der XIV (1638–1715). Gegen Spanien, die Niederlande und auch gegen Deutschland. Neun Jahre lang mussten die Deutschen die Verheerung ihrer schönen Städte und Dörfer ertragen! Die Franzosen nahmen Flandern mit den Städten Lille und Dünkirchen, die Grafschaft Burgund sowie das Elsass mit Straßburg ein, dann begann die Verwüstung der Pfalz. Es kam zum Widerstand des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. 1688 mussten sich die Franzosen zurückziehen, fielen aber immer wieder im Land ein und wurden 1693 endgültig geschlagen. Auf dem Rückzug hinterließen sie eine schreckliche Spur der Verwüstung. Zerstörte Städte, Burgen und Schlösser, abgebrannte Dörfer, nicht nur in der Pfalz, auch in anderen Regionen. Zerstört wurden auch Mannheim, Speyer mit dem Kaiserdom, alle Burgen an Mosel und Mittelrhein. Die Stadt Heidelberg wurde in Schutt und Asche gelegt, auch das Schloss. Seit 1693 ist die Anlage eine Ruine. Frankreich hatte seine Grenzen ostwärts auf deutsches Gebiet in den Jahrhunderten verlegt, deutsche Gebiete und Städte vereinnahmt.

Im Dreißigjährigen Krieg fielen Schweden und Franzosen ins Reich ein. Die Franzosen okkupierten im Westen deutsches Land, die Schweden sahen die Chance, ihr Land auf Nordosteuropa zu erweitern. Die geschwächten deutschen Truppen waren nicht mehr in der Lage, Widerstand zu leisten. Die Besatzer eigneten sich große Gebiete des Reiches an! Schweden: Vorpommern mit Rügen und einem Teil Hinterpommerns. Als sich 1805 die Schweden im Kriegszustand mit den Franzosen befanden, besetzte, plünderte und verwüstete Napoleons Heer diese Gebiete. Erst im Zuge der Befreiungskriege wurde Pommern 1815 von den Franzosen befreit und kam zu Dänemark, die es für 3,5 Millionen Dollar Preußen zurückgaben.

Soviel zur Geschichte an der West- und Nordgrenze Deutschlands in den laufenden Jahrhunderten.“

Wissenswertes zur Ostgrenze:

Das Wellenmädchen staunt: „Jetzt geht es noch viel weiter zurück in der Geschichte!“.

„Im Osten waren es Slawen, die in die Gebiete der Germanen eindrangen. Der ostgermanische Stamm der Burgunder lebte 200 vor unserer Zeit bis ca. 450 unserer Zeit im heutigen Ost- und Westpreußen. Sie wanderten, bis auf wenige Zurückbleibende, weiter bis in die jetzige Rhônegegend, gründeten dort das Burgunderland mit der Hauptstadt Lyon. Ab dem 9. Jahrhundert kamen Slawen in die ehemaligen Ostgebiete der Burgunder. Es entstanden kleine Siedlungen, slawische Dörfer und später auch Städte. Die Städte bestanden aus einer Anzahl nackter Hütten, meist in der Nähe einer hölzernen Burg. Aber es gab im 9. und 10. Jh. auch eine Zuwanderung von Germanen. Die Wikinger kamen in diese Gebiete, legten einige Orte und Handelsniederlassungen an. Und als der Deutsche Orden 1226 und deutsche Siedler von Herzog Kasimir ins Land gerufen wurden, entstanden in den Jahren von 1230 bis 1291 bereits über 100 deutsche Städte und Dorfgemeinden, u. a. die bekannten Orte Danzig, Thorn, Kulm, Elbing, Marienburg, Graudenz, Memel, Königsberg, das Ermland und Samland, die Halbinsel Hela und viele feste Burgen.

1410 wurde der Deutsche Ritterorden von den Polen überfallen und bei der Schlacht nahe Tannenberg von den Polen geschlagen. Die Polen besetzten die von den Deutschen geschaffenen Gebiete, Städte und Dörfer.

1466 musste der Deutsche Orden umfassende Gebietsabtretungen an Polen anerkennen. Da die Regionen und Städte rein deutsche Bewohner hatten und von Deutschen das Land urbar und die Städte erbaut wurden und die Polen auf den Fleiß und die Schaffenskraft der Deutschen nicht verzichten konnten, bestand die Oberhoheit der Polen anfangs nur formell.

1569 erhielt Brandenburg einen kleinen Teil Westpreußens als Lehen vom Deutschen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (zu dem auch Polen gehörte). Ab 1618 gehörte Westpreußen ganz zu Brandenburg und schied 1657 aus der Lehenshoheit Polens aus.

Als um 1765 in Polen bürgerkriegsähnliche Zustände ausbrachen, baten die polnischen Herzöge Friedrich den Großen, ihnen seinen Bruder Prinz Heinrich zum König zu geben (Der König von Polen, August der III. von Sachsen, war im Oktober 1763 gestorben, sein Sohn 2 Monate später.).

Friedrich der Große wusste, dass dieser Schritt schwere Folgen haben könnte, denn in Russland regierte nicht mehr Peter der III., sondern seine Frau Katharina, die bereits über Polen Macht ausübte. Und sie hatte einen polnischen Grafen für die Krone Polens ausersehen. Aber unter seiner

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Historisches auf einen Blick: 1936 – 1940

14.3.39 Slowakei wird unabhängig

15.3.39 Deutschland besetzt das 1919 gegründete Tschechien

16.3.39 Gründung des Reichsprotektoriats Böhmen und Mähren

23.3.39 Das Memelgebiet bekommt Deutschland zurück

15.10.38 wird der Personalausweis KENNKARTE mit Fingerabdruck ausgestellt.

Am 7. November 1938 erschoss der Jude Herschel Grünspan (Herschel Grynszpan) in Paris in der

deutschen Botschaft Legationsrat Ernst von Rath. Das war der Auslöser für die Reichskristallnacht

am 9.11.38. Bei dieser Aktion wurden hauptsächlich Schaufensterscheiben von jüdischen Geschäftsinhabern eingeschlagen. In Görlitz war es ein Geschäft in der Hospitalstr., das ich nach der Tat selbst gesehen habe. Splitter eingeschlagener Glasscheiben lagen auf den Auslagen, aber es hat keiner geplündert und es hat auch fast keiner gewusst, dass das ein jüdisches Geschäft war. Vermutet wurde von allen versuchter Einbruch. Nach diesen Vorfällen verließen einige tausend Juden Deutschland. Schon im Jahr 1933 waren von den 600 000 in Deutschland lebenden Juden ca. 170 000 ins Ausland gegangen.

Bekanntgabe vom 16. November 1938: “Unter den Berliner Juden besitzen 894 ein Vermögen über 300 000 RM, 125 eine Million RM, der reichste Jude hat 12 Millionen RM angemeldet. Obwohl die Juden nur 3,8% der Berliner Bevölkerung stellten, befindet sich 60% des Berliner Grundbesitzes in ihren Händen.“

1936 war in Spanien der Bürgerkrieg

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Friedel hat’s erlebt:

„Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen am 1. September 1939 erklärten am 3. September 1939 Frankreich und England Deutschland den Krieg, dem sich die Commonwealth- Staaten Australien, Neuseeland, Kanada, Südafrika und Indien anschlossen.

Hier darf nicht unerwähnt bleiben, dass aus diesen Ländern Tausende junge Freiwillige später auch auf deutscher Seite kämpften. Es gab viele Franzosen, die die Beistandsverpflichtung Frankreichs gegenüber Polen nicht für richtig hielten. Es entstand eine Legion von freiwilligen Franzosen, die auf der Seite der Waffen-SS in Russland kämpfte. Aus Australien, Neuseeland, Kanada, Südafrika(in der Einheit eures Vaters waren auch einige) kamen zuerst die Söhne der Deutschen als Freiwillige ins Land, bald danach auch viele andere. Spanien schickte mehrere große Einheiten.Und dann kamen die vielen Freiwilligen aus den Niederlanden, Norwegen, Schweden.

(Übrigens: Der schwedische König hatte gute Verbindung zu Hitler, er bekam von ihm ein teuresAuto geschenkt.) Sie kamen aus Dänemark und vielen anderen Ländern, auch aus Indien. Es waren Moslems dabei (sogar in der Einheit von eurem Vater). Inder habe ich mit einer Kameradin in Verona kennengelernt. Eine große Einheit, die der Onkel von Arafat anführte, war ebenfalls zur Hilfe geeilt. Sie trugen die Uniform der SS, nur die Spiegel hatten eine andere Farbe. Ihre Einsätze lagen hauptsächlich in den KZs (Name der Truppe weiß ich nicht mehr, vielleicht kann man den aus den geheim gehaltenen Dokumenten erfahren). Vor einiger Zeit hat sogar eine Zeitung davon berichtet. General Wlassow mit seiner russischen Armee gab ebenfalls Deutschland seine Unterstützung. Im Hauptquartier gab es die Dienststelle “Fremde Heere Ost”. Hier wurden die Einsätze mit den Offizieren der verschiedenen Einheiten besprochen und festgelegt und die Meldungen von den erfolgten Einsätzen über Funk, Fernschreiben und Telefon empfangen.

Nicht vergessen, Frankreich und England hatten Deutschland am 3. September 1939 den Krieg erklärt und damit überhaupt erst die Voraussetzung für den Zweiten Weltkrieg geschaffen. Auch war Deutschland zum Ärger Englands und Frankreichs wieder wirtschaftlich stark und dies ohne Kolonien und ohne jegliche Hilfe aus dem Ausland.

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Die westlichen Besatzer sahen das Hinsiechen der Menschen und erkannten, dass Mangelernährung

nicht nur den Körper, sondern auch das Hirn schwächt und dass man eine Kuh, die man weiter

melken will, nicht schlachten darf. Denn nur mit der deutschen Intelligenz erreichten sie große

Fortschritte in Wissenschaft und auf anderen Gebieten.

Deshalb gab es den Marshall-Plan, aber auch erst, nachdem Tausende an Hunger gestorben waren.

Der Winter von 1945/46

Es war einer der kältesten Winter des 20. Jahrhunderts, minus 25 Grad! Die Lieferung von Kohle

fiel aus. Im Herbst hatten viele schon im Löns- und Kreuzkirchenpark und natürlich auch in vielen

anderen Anlagen erst Äste gesammelt, dann Zweige abgebrochen und später auch Bäume gefällt.

Frauen, manchmal mit ihren Vätern, Großvätern und Kindern waren damit beschäftigt, Heizmaterial

heranzuschaffen. In Görlitz lebten zu dieser Zeit über 100 000 Menschen. In manchen 5-

Zimmerwohnungen hausten oft 30 Personen. Beheizte Kachelöfen brachten zwar Wärme, aber das

wenige Heizmaterial musste auch gleichzeitig zum Essen kochen und Warmwasserzubereiten

genutzt werden. Viele Kachelöfen blieben ungenutzt stehen, kleine eiserne Öfen wurden aufgestellt

(die es natürlich nur auf dem Schwarzmarkt oder … ? gab).


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