Ich verbinde unsere Erfahrungen aus den Erlebnissen unserer Reisen immer gerne mit anderen Erkenntnissen, die in einem Zusammenhang stehen.

Warum das „Buttern“, die Essgewohnheiten der Eskimos und allerlei Wissenswertes zur Rentiermilch irgendwie auch mit unserem „Chlosterinspiegel“ im Zusammenhang stehen, das erfahrt ihr hier:

„In den 1980er und 1990er Jahren kam es in der Medizin zu einer regelrechten Cholesterinhysterie. Herzkreislaufbeschwerden – Schlaganfall, Herzinfarkt und durch Bluthochdruck verursachte Nierenerkrankungen – gelten als die Haupttodesursache in den westlichen Ländern, und dafür wird das Blutfett (Cholesterin) verantwortlich gemacht. Um der „Arterienverkalkung“ vorzubeugen, versuchte man bei älteren einen gesunden Cholesterinspiegel herzustellen, indem man sie routinemäßig medikamentös mit blutfettsenkenden Mitteln behandelte – für die Pharmaindustrie ein Milliardengeschäft.
Viele dieser Lipidsenker haben unangenehme Nebenwirkungen, von Kopfschmerzen und Schlafstörungen über Muskel- und Gelenkbeschwerden bis hin zu Leber- und Nierenschäden. (Langbein et al 2004: 654). Sie senken nicht nur das „böse“ LDL-Cholesterin, sondern auch das „gute“ HDL-Cholesterin und schwemmen fettlösliche Vitamine aus.
Neuere Studien zeigen inzwischen, dass es gar keinen Zusammenhang zwischen Cholesterin und Herzinfarkte gibt (Poller/Warmuth 2003: 83) Das bestätigt auch der ethnologische Vergleich: Eskimos essen traditionell vor allem fettiges Fleisch, haben aber trotzdem einen niedrigen Cholesterinspiegel. Auch die ostafrikanischen Hirtenvölker nehmen Unmengen tierischer Fette zu sich, leiden aber – solange sie sich an ihre überlieferte Kost halten – nicht an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Nicht nur das. Der Körper braucht Cholesterin und stellt Cholesterin selbst her. Die Aufgabe dieser fettähnlichen Substanz ist es, die Zellmembran zu stabilisieren. Es schützt die roten Blutkörperchen vor dem Zerfließen, wird für den Neuaufbau von Immunzellen gebraucht, hält die Isolierschicht der Nervenzellen zusammen und ist ein wichtiger Bestandteil der Muttermilch.
Aus Cholesterin werden wichtige Hormone hergestellt, die Sexual- und Stresshormone, Vitamin D, die Gallensäuren zur Fettverdauung und die Lipoproteine für den Fetttransport im Blut. Kein Wunder also, dass bei Naturvölkern Fett als das köstlichste aller Nahrungsmittel gilt.
Vielleicht sind es also gar nicht die Cholesterine, die unser Herz-Kreislauf-System kaputt machen, sondern der Dauerstress, das Gehetztsein in dem sich immer schneller drehenden Hamsterrad der Konsumgesellschaft, das uns aus unserem Rhythmus bringt.“
Daher: „Ur“ – immer schön im Rhythmus der Natur!
Bei unserem Besuch im Jämtli Museum Östersund haben wir auch so einiges Interessante über die Milch der Rentiere erfahren dürfen.
Die süßliche Milch des Rentiers hat einen hohen Fettgehalt. Rentiermilch enthält wenig Wasser (67,3%). Der Fettgehalt ist mit 18,1% sechsmal höher als der von Kuhmilch. Der Gesamteiweißgehalt beträgt 10,5%. Mit 1,5% ist der Gehalt an Milchzucker dreimal geringer als in Kuhmilch. Die Inhaltsstoffe sind an den hohen Energiebedarf der Kälber angepasst. Die hohen Fett- und Eiweißgehalte garantieren ein rasches Wachstum der Kälber, die bereits Stunden nach der Geburt selbstständig sein müssen, um der Herde zu folgen.
Achja, die bezaubernden Rentiere. Wisst ihr noch? Mehr als einem dieser Tierchen sind auf unserer Reise gen Norden begegnet.

Rentiermilch wird in geringen Mengen zu Butter und Käse verarbeitet. Die Produkte werden hauptsächlich in die östliche Mongolei exportiert und in Schweden und Finnland auf Märkten und in Restaurants verkauft.

Pohccovuosta oder Renost: Ein sehr haltbarer Käse, der in Stücke geschnitten von den Samen in heißen Kaffee getunkt wird. Leipäjuusto:
Der hohe Anteil an leicht verdaulichen Proteinen fördert den Aufbau der Muskulatur. Nach Gewichtsverlusten als Folge schwerer Erkrankungen kann Rentiermilch als Stärkungsmittel genutzt werden. Der hohe Fettanteil und Kaloriengehalt erleichtert den Ausgleich des Gewichtsverlustes.
Und es geht doch nichts über gute, frische Butter.

Dazu fällt mir noch dieser schöne Text von Adolf Sachs ein:
„Das Butterfass
Die Herstellung der guten, frischen Butter lag meist in den Händen der fleißigen Erzgebirgsbäuerinnen. Die Milchvieh-Haltung war im Gegensatz zur Ebene kleiner. Es war somit eine ganzjährige Einnahmequelle aus den Milchprodukten.
Die für die Butterherstellung vorgesehene Milch wurde entweder in einem Butterfass gestampft oder in einer Zentrifuge geschleudert. Dadurch wurde die fettreiche Milch (Schmetten) und die Magermilch getrennt. Anschließend wurde die Butter in „Butternappeln“ eingeformt. Das waren runde gedrechselte oder geschnitzte Holzschalen.
Aus dem Rest der Milch wurde Quark gewonnen, der in einem Leinensack gefüllt und mittels Quarkpresse (Quarkquetsche) seines Wassergehalts weigehends dadurch entzogen. Dieses grünliche Wasser (Molke) nannte man Schotten. An warmen Sommertagen war ein kühler Trunk Schotten oft willkommen.“

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Quelle
Wolf Dieter Storl: Auszug aus Borreliose natürlich heilen S.81/82
(Langbein; 651 et al 2004)
