Heute wäre Udo Jürgens 91 Jahre alt geworden. Geboren am 30. September 1934 in Klagenfurt am Wörthersee, verließ er diese Welt am 21. Dezember 2014.

Merci, Genie!
Doch unvergessen bleiben seine Lieder, die schon immer irgendwie anders waren. Besonders. Es waren keine typischen Schlager oder Volkslieder, es war kein Pop, kein Jazz, kein Blues, kein Rock, es war ein wundervoller Mix von allem. Ich denke, kaum einem Künstler ist es auf musikalischer Ebene jemals so gut gelungen, nicht nur seiner Individualität und seinem Wesen einen solchen Ausdruck zu verleihen, sondern auch gewissen Vorgängen und Ereignissen.
Udo Jürgens war ein kritischer Mensch, und ja er hatte auch seine Fehler. Doch wer hat die nicht? Er hat dazu gestanden und sie in seinen Liedern benannt.

Wenn wir früher „17 Jahr blondes Haar …“, „aber bitte mit Sahne“ oder „Griechischer Wein“ vor uns her trällerten, wussten wir wenig bis gar nichts aus dem eigentlichen Leben eines Udo Jürgens. Heute, nachdem ich viel mehr aus seinem Leben erfahren konnte, von seinen Erlebnissen und tragischen Ereignissen, über seine Familie und sein enges Verhältnis zu seinem Großvater Heinrich Bockelmann, achte ich viel aufmerksamer auf den Inhalt seiner Texte. Und ja, das sollten wir alle einfach mal tun. Denn Udo Jürgens hatte uns viel zu sagen. Man muss nur gut hinhören. Ich gebe zu, einiges, oder das meiste darunter habe ich früher so nicht wahrgenommen.

Eine Art der Zusammenfassung, quasi ein Bündel seiner Botschaften aus vergangenen Jahren und seiner damit verbundenen kritischen Haltung finden sich in seinem Lied (text) „Der gläserne Mensch“ wieder. Es ist ein Lied, beseelt mit starken und mutigen Worten, Worte, die uns nachdenklich stimmen sollten.
„Wer es auch ist, der diese Welt
In seinen Händen hält
Hoffentlich merkt er irgendwann
Daß Glas zerbrechen kann …
Der Gläserne Mensch, gefangen im Netz
Regierungen spielen den Datentausch
Gefangen im Netz“
14 Tage nach diesem Lied starb Udo Jürgens plötzlich bei einem Spaziergang an einem Herzinfarkt. Was für ein seltsamer Zufall. Wir werden sein mutiges Wirken für die Menschheit immer in unserem Herzen als Andenken bewahren.

Ich bin gewiss, dass er ein mächtiges Wissen in sich trug und bewahrte.
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Bereits im vergangenen Jahr habe ich einen ersten, etwas längeren Beitrag über das Leben und über die Vergangenheit von Udo Jürgens verfasst. Auslöser waren damals die von meiner Mutter aufbewahrten Zeitungsausschnitte.


Ich denke, es tut gut an dieser Stelle, sich mit dem Leben und der Herkunft des beliebten Sängers ein wenig näher zu befassen, aber auch mit dem historischen Hintergrund. Dann wird das, was er uns in seinen Liedern, insbesondere „der gläserne Mensch“ mitteilen möchte, noch schlüssiger.

Aus seiner Biografie: „Am meisten quälten mich aber Albträume, die mich jahrelang jede Nacht mit so schrecklichen Geräuschen verstörten, dass ich in Schreikrämpfe ausbrach. Mama musste dann in meinem Zimmer alle Lampen anzünden und mir vorsingen. Musik war das Einzige, was mich zur Ruhe brachte.“
Wenn ihr mehr darüber erfahren möchtet, einen ausführlichen Beitrag gibt es wie gewohnt im Kommentar.
Ebenfalls erwähnenswert: Udo Jürgens hat in seiner autobiografisch gefärbten Familiensaga „Der Mann mit dem Fagott“ Großvater Bockelmann ein Denkmal gesetzt. Dem Enkel zufolge trieb den Bankdirektor allein die Liebe zum Frieden an.

Auch dazu findet ihr den vollständigen Beitrag im Kommentar.
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„Der ganz normale Wahnsinn,“ veröffentlicht im Jahr 2011 ist auch hörenswert. Ich lasse den Text einfach mal da. Das Lied könnt ihr euch auch auf youtube anhören.
Morgens aufsteh’n – Zeitung lesen
Klimawandel, Wirtschaft krankt
Die parteien sind bestechlich und
Auf Schalke wird gezankt
Kurse fallen, Meere steigen
Pleitegeier greift um sich
Alle haben volle Hosen – Aber ohne mich!
Nepper, Schlepper, Bauernfänger
Terror, Sex und Datenklau
Auf der Pizza falscher Käse
Schwermetall im Kabeljau
Die Regierung wird zum Hehler
Werte niedrig, Preise hoch
Doch ich singe „Halleluja“
Denn wir leben noch! Denn wir leben noch!
Das ist der ganz normale Wahnsinn
Wahnsinn, Wahnsinn!
Was alles da so läuft, man glaubt es nicht!
Das ist der ganz normale Wahnsinn
Wahnsinn, Wahnsinn! Mehr nicht – mehr nicht
Katastrophen in den Medien
Die Luft verdreckt, das Meer versaut
Bei den Großen, die uns führen, niemand mehr
Dem man vertraut keine Gelder für die Kinder
Aber Waffen sind okay
Alle reden nur vom Frieden und
Es spielt die Heilsarmee!
Dann noch Fernseh’n unterirdisch
Superstars, die tun mir leid
Nackte Deppen im Container
Weggezappt – schad‘ um die Zeit
Und ich gehe in den Keller
Dorthin, wo die Weine steh’n
Komm, genießen wir das Leben, denn
So kann’s nicht weitergeh’n,
So kann’s nicht weitergeh’n
