Das Errichten einer Mauer – ein Beitrag aus „Der Letzte macht das Licht aus – Episoden aus einem geteilten Land (Teil III)

Am 13. August 1961 um 2 Uhr morgens fuhren Schützenpanzer an der rund 50 Kilometer langen Sektorengrenze auf, Soldaten der Volkskammer bildeten daraufhin eine lebende Mauer, Arbeitskolonnen rammten Betonpfähle, zogen Stacheldraht und errichteten spanische Reiter.

Das Entstehen der Mauer – eine Nachlese (mal anders). Möge sich jeder selbst seine Gedanken dazu machen.

1965 veröffentlichte der Politikwissenschaftler Arthur M. SCHLESINGER, einer der engsten Berater KENNEDYS, seine Erinnerungen an die Tage des Mauerbaus 1961. Darin wird berichtet, daß um die Zeit der Fulbright-Äußerung der US-Präsident selbst zu seinem Sonderberater Walt ROS TOW erklärt habe, CHRUSCHTSCHOW müsse sehr bald etwas gegen die Massenflucht aus der Sowjetzone über Berlin tun, und die USA würden nichts unternehmen, wenn Moskau und Ost-Berlin solche Schritte ergreifen würden. Diese Haltung KENNEDYS dürfte schnell im Kreml bekannt geworden sein. Mit diesem Wissen beschlossen die Warschauer Pakt-Staaten Anfang August 1961 auf ihrem Treffen in Moskau den Mauerbau. Ost-Berlin leitete dann am 13. August die Abriegelung des Ostteils der Stadt ein.

Angesichts der Tatsache, dass es bereits 1958 schon Pläne für einen Mauerbau gab, und dieses Vorhaben auch dem Westen bekannt war, lassen sich die folgenden Dokumente und Niederschriften noch besser verstehen:

„Sehr zeitnah hat das MfS (Ministerium für Staatssicherheit) über die interne Mei­nungsbildung sowohl bei den Westalliierten als auch in der West-Berliner und Bonner Politik informiert, was angesichts der weltpolitisch heiklen Situation nicht nur für die DDR-Führung, sondern auch für die Sowjets von eminenter Bedeutung war. In den Berichten werden zum einen die offiziellen Verlautbarun­gen westdeutscher, britischer, amerikanischer oder französischer Politiker sowie ein Teil der Berichterstattung der Westmedien zusammen­gefasst. Zum anderen werden Informationen aus wie es heißt „internen“ oder „verlässlichen“ Quellen, also von Agenten beschafftes Material, präsentiert. Nach einer sehr kurzen Phase der Unsicherheit wusste die Staatssicherheit schon nach wenigen Tagen, dass massivere westliche Gegenmaßnahmen nicht zu erwarten waren.“

„Im Laufe des 14. August wurde die Be­richterstattung entspannter. Jetzt stellte das MfS die Bereitschaft der Westmächte in Fra­ge, Forderungen der Bundesregierung und des Berliner Senats nach entschlossenen Ge­genmaßnahmen und Rückgängigmachung der Grenzschließung nachzukommen. Mit­arbeiter des britischen Geheimdienstes hät­ten die Auffassung geäußert, „dass man sich mit den gegebenen Tatsachen abfinden müs­se.““

„In einem weiteren Bericht wur­de die Information nachgeschoben, dass der amerikanische Stadtkommandant von Ber­lin, Albert Watson, bereits am 13. August bei führenden CDU-Politikern (u. a. Ernst Lem­mer und Franz Amrehn) mit einer zynischen Äußerung für Empörung gesorgt hatte: Bei der Grenzschließung – so Watson laut MfS – handle es sich „nur um eine Verkehrsbehinde­rung innerhalb Berlins“, „von der die Freiheit der Bevölkerung Westberlins nicht betroffen werde“. Das MfS vermutete, dass in diesem Zusammenhang „möglicherweise auch die verschiedenen widersprüchlichen Meldungen über den Grad der Einsatzbereitschaft der amerikanischen Streitkräfte in Westberlin zu sehen“ seien.“

Bald verdichteten sich in den Berichten der Staatssicherheit die Hinweise, dass mit keiner für die DDR in irgendeiner Form bedrohlichen Situation zu rechnen sei. Dass das MfS „Ent­warnung“ geben konnte, lag nicht zuletzt an Top-Meldungen aus „führenden Westberliner SPD-Kreisen“. Bereits am 15. August wusste die Staatssicherheit zu berichten, „Brandt habe sich mit den westlichen Kommandanten darü­ber geeinigt, dass alles unternommen werden soll, um von Westberlin aus keinerlei Anlass für weitere Komplikationen zu geben“ Aus gleicher Quelle meldete das MfS am 17. Au­gust, „dass Brandt erstmalig seit längerer Zeit zum Sitz der westlichen Militärkommandan­ten bestellt und ihm dabei klargemacht wurde, wer in Westberlin zu bestimmen hat. Brandt sei noch einmal darauf hingewiesen worden, dass die Westmächte ‚nur ihre Rechte‘ in West­berlin verteidigen würden.“

Interessant in diesem Zusammenhang ist die folgende Mitteilung (als Leserbrief ) von einer Berlinerin im Jahre 1961 verfasst: Darin teilte sie mit, dass einem von ihr auf eine Ost-Berliner Bustour geschickten US-Besucher der Ost-Berliner Führer auf eine Frage nach der Mauer erklärt habe, die DDR habe mit dem Bau der Mauer nichts zu tun gehabt, diese sei vielmehr auf Grund eines Übereinkommens zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gebaut worden.“

„Auch die vielfachen Behauptungen, die westlichen Geheimdienste seien vom Mauerbau überrascht worden, sind falsch. Richtig ist, daß sie Tage vorher genügend Informationen hatten, die auch ins Weiße Haus gelangten. »Am 9. August – vier Tage vor dem Mauerbau – vermuteten amerikanische Militärs in West-Berlin aufgrund von Agentenberichten über den Transport außergewöhnlich großer Mengen von Baumaterial und Stacheldraht im Raum Berlin, daß dort die Mauer gebaut werde“.

In einem Leserbrief über ein Gespräch mit einem früheren englischen Geheimdienstler wird das bestätigt: »Er erzählte, daß er im britischen Geheimdienst tätig gewesen sei. Zur Zeit des Mauerbaues sei er in Berlin gewesen.

Man habe nicht nur Tage vorher vom Zeitpunkt der Mauer gewußt, sondern darüber hinaus hätten sie zuverlässige Informationen gehabt, daß bei entsprechender Gegenwehr des Westens, etwa beim Auffahren von Panzern, der Mauerbau sofort gestoppt würde. Diese Nachrichten seien absolut zuverlässig gewesen. Er erinnere sich gut, wie deprimiert er und seine Kameraden gewesen seien, als dennoch beim Mauerbau selbst nichts geschehen sei, obwohl

die Informationen mit Nachdruck >nach oben« gegeben worden seien.

Dennoch unternahmen unsere Freunde und Verbündeten nichts gegen die »Zementierung« der deutschen Teilung.

Bekanntlich tat also „der Westen“ politisch gegen den Mauerbau „nichts“ – eines dafür umso ausgiebiger: Er dokumentierte ihn. Zahllose Fotografen und Kameraleute aus aller Welt, Presseagenturen, Beauftragte des Berliner Senats, Mitarbeiter von Verlagen, Privatleu­te – sie alle sorgten dafür, dass sich schon in­nerhalb weniger Tage ein riesiger Fundus an Bildmaterial anhäufte. Wie war damit umzu­gehen im Hinblick auf Auswahl, Moderation, Kommentierung?

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“!

Wir erinnern uns:

„ Im Zusammenhang mit der Errichtung der Berliner Mauer haben sich kaum ein Dut­zend Bilder unserem kollektiven Gedächtnis eingebrannt. Zu dem kleinen Kanon gehö­ren das Plakat mit dem Ulbricht-Porträt und -Zitat „Niemand hat die Absicht, eine Mau­er zu errichten …“, das von bewaffneten DDR-Organen abgeriegelte Brandenburger Tor, dramatische, mittels ver­knoteter Bettlaken erfolgte Fluchten aus hoch gelegenen Fenstern an der Bernauer Straße, an Laternenmasten sich hochziehende Menschen, die ihren Freunden und Verwandten im Ost­sektor zuwinken, zugemauerte U-Bahn-Stati­onen, sich gegenüberstehende Panzer der US-Army und der Roten Armee an der Friedrich­straße und natürlich das weltberühmt geworde­ne Foto des Grenzsoldaten Conrad Schumann, der mit einem kühnen Satz über den Stachel­draht den „Sprung in die Freiheit“ wagte. Mitte Juli 1962 kamen die erschütternden Bilder vom qualvollen Sterben Peter Fechters hinzu.

Wenn wir diesen Kanon Revue passieren lassen, nach einem gemeinsamen Nenner su­chend für das, was er beschreibt, so fällt auf, dass alle Bilder emotional hoch aufgeladen sind. Auf seine Weise hat jedes den Rang ei­nes „Zeugen der Anklage“. Gleichwohl wird niemand behaupten können, es handele sich um manipulierte Dokumente – dennoch ist die von ihnen ausgehende propagandistische Wirkung überaus stark.“

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1980 veröffentlichte der amerikanische Historiker CATUDAL als Stipendiat der »Stiftung Volkswagenwerk« ein Buch über KENNEDYS Haltung beim Mauerbau3 und kam darin zu ähnlichen Ergebnissen. Insbesondere habe der US-Präsident im Sommer 1961 über genügend Informationen verfügt, um daraus auf den bevorstehenden Mauerbau schließen zu können: »Es zeigt sich also, daß Präsident KENNEDY und andere hochrangige US-Offizielle durchaus scharfe Maßnahmen der DDR-Regierung (mit Erlaubnis und Unterstützung der Sowjetunion) gegen den Flüchtlingsstrom nach West-Berlin erwar-eten. Die Unterlagen weisen außerdem aus, daß dieselben Verantwortlichen erkannten, daß die Teilung Berlins – durch Stacheldraht und vielleicht eine Mauer – eine Möglichkeit war. Außerdem enthüllt diese Untersuchung, dass sich >JFK< und seine Berater dafür entschieden, dies hinzunehmen und diese

Botschaft – absichtlich oder unabsichtlich – den Russen mitzuteilen.

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Fazit: Die Aussage der westlichen Mächte „Wir wussten nichts davon!“ war reine Heuchelei. In Wirklichkeit gab es 1961 eine ausgesprochene Komplizenschaft Washingtons mit Moskau, und man wußte in den westlichen Hauptstädten durchaus Tage vorher Bescheid. Man hatte sogar praktisch den Sowjets grünes Licht für den Mauerbau gegeben.

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Weitere Beiträge aus der Reihe im Kommentar.

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Quelle

» Honore M. CATUDAL,Kennedy and tbeBerlin WallCrisis.ACase Study in U. J. DecisionMaking, Berlin-

Verlag Arno Spitz,Berlin 1980; dt.:ders., Kennedy in derMauer-Krise. Eine Fallstudiezur Entscheidungsfindung

in den USA,

Berlin-VerlagArnoSpitz, Berlin 1981

Der Grosse Wendig Rolf Kosiek Band 2 S. 663

» Dirk Schindelbeck Dr. phil., geb. 1952; Pub-lizist und Dozent an der PH Freiburg/Br.

Vgl. Wanderausstellung und Katalog des Hau­ses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (21. 5. 2009 bis Sommer 2011), Köln 2009, insbesonde­re den Beitrag von Elena Demke, Mauerbilder – Iko­nen im Kalten Krieg, S. 109–119. Eine semiotische Analyse derselben Fotos unternahm schon Gunter Holzweißig, Bilder im Westen, Sprachregelung im Osten. Die Darstellung des Mauerbaus in den deut­schen Medien, in: Unsere Medien – unsere Republik, Heft 2:1961: Getrennte Lebenswege, hrsg. vom Adolf Grimme-Institut in Zusammenarbeit mit dem Deut­schen Hochschulverband, Marl 1992, S. 20 f

50 Jahre Mauerbau APuZ (aus Politik und Zeitgeschichte) 61. Jahrgang 31-34/2011 – 1. August 2011.

Eure Kommentare zu diesem Beitrag:

Nichts geschieht, ohne lange Planung, die Wende war ja auch bereits 83 fertig geplant.

In der Politik gibt es keine Zufälle . Und ich verstehe auch nicht warum so viele Leute glauben das das nur passiert ist weil sie auf der Straße waren….Mauerfall…

Im Sommer 61 am 13. August da machten wir das Tor zu und keiner hat’s gewusst, Kampflied der Grenztruppen zum Glück Geschichte

Natürlich wusste der Westen ganz genau, dass die Grenze irgendwann gesichert wird. Der Abgang von fertig ausgebildeten Fachkräften wurde für den Sowjetstaat DDR zum existenziellen Problem. Es war also nur eine Frage der Zeit. Der Westen kalkulierte natürlich von Beginn an auf einen derartigen Zusammenbruch der DDR, was ja nicht falsch war, wie sich 1989 zeigte.

Die USA hatten ihr Minimalziel erreicht. Militärische Dauerpräsenz auf deutschen Boden und durch die Konfrontation auch den möglichen Kriegsschauplatz, weit weg der eigenen Hemisphäre. Die Sowjets ebenso. Die hatten also bereits ihre Abgrenzungen erzielt. Was die Deutschen damit machen, war denen völlig egal.

Die westdeutsche Betroffenheit eine beispiellose Heuchelei. Waren sie es doch im Mai 1949, die diese Entwicklung überhaupt erst möglich machte. Tja, Rosinen verderben den Charakter. Viele haben die Rosinen in der Trizone so weit eingeschoben bekommen, dass das Hirn mit verschwand (nicht alle, aber viele).

Das Adenauer der Spalter Deutschlands war, das blieb den meisten „Wessis“ bis heute verborgen. Besser gesagt, sie wollen es nicht wissen. Im Aufsaugen von Propaganda waren die Deutschen am Rhein schon immer braver. Schon bei den Römern, bei der Christianisierung, aber auch unter den Franzosen.

Was soll man sagen, der Ursprung dieser Teilung liegt mindestens im Ergebnis von 1918 ,ab 1945 haben sich die Siegermächte über ihre Beute gestritten,1918 war Deutschland zerschmettert, seit 1918 ist Deutschland kein selbstbestimmter Souveräner Staat mehr, alles was passiert entscheiden die West Alliierten, bis hin zum 2.Weltkrieg ,1925 war die NSDAP pleite, man hat sie mit Millionen US Dollar aufgepäppelt, weil man sie brauchte 1941 gegen Russland ,ab 1931 liefert General Motors wichtige Teile zur Herstellung von deutschen Mittelstreckenbombern Ju88 und Me und die Ford Werke bauen 100000 V8LKW für die Ostfront, StandardOil sicherte den Treibstoff, IGFarben stellte ZyklonB zur Judenvernichtung her , Hitlers Helfer, Ukrainische SS Division Gallizien, Baltische SS französische SS Skandinavische SS muslimische SS lettische SS italienische Faschisten Franco Faschisten rumänische Faschisten usw, Bei 170 Bombenangriffen auf Frankfurt am Main fiel nicht eine Bombe auf IGFARBEN, auf der Anklagebank saßen nur Deutsche Extremisten!!!!!!!!!!

Mitten im Krieg hat Amerika Deutschland fallen gelassen und die Russen unterstützt, daß ist die Herz-Land Doktorin von Lord Halford Mackinder Deutschland und Russland müssen immer gegeneinander Stehen damit sie sich gegenseitig Abschlachten müssen, der Eurasische Wirtschaftsraum muss immer gespalten sein, daß ist die Grundlage für die Herrschaft des Calvinistischen Imperialismus Der Angelsachsen über Europa, Spalte und herrsche, Julius Cäsar


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