Ich hätte dazu noch etwas zu sagen.
Und nun nähern wir uns der Zeit, die ich aus eigener Erfahrung heraus beschreiben kann.
Ein von mir sehr geschätzter fb Freund schrieb vor einigen Tagen: „Man mag über die DDR Zeit sagen was man will, ich bin glücklich eine Kindheit zu dieser Zeit erfahren zu haben (natürlich wäre eine Kindheit in einem unzerstörten und ungetrennten Land in seinen alten Grenzen noch schöner gewesen). Das Beste, was wir hatten, war nie viel, deswegen war das wenige so gut, dass wir es heute zu schätzen wissen und es alle Zeiten überdauern wird.“

Das trifft es sehr gut. Auch ich empfinde so.
Nachdem wir uns nun langsam an diese Zeit hier herangetastet haben » siehe Beiträge im
Kommentar: „Der Letzte macht das Licht aus- Episoden aus einem geteilten Land“, unternehme ich mal einen Versuch, wie ich persönlich diese Zeit des „Umbruchs“, davor und darauf erfahren habe.
Voran führen möchte ich noch, dass ich mir oft in meinen Gedanken zurückbringe, wie meine
Mutter das wohl alles erlebt haben muss. Denn schlussendlich bedeutete dieser beginnende Umbruch in den 1980er Jahren nichts anderes als die „Übersiedlung“ vom System der Belohnung und Erpressung in das System der Belohnung und Erpressung.

Ich weiß, dass sie zu DDR Zeit arg darunter gelitten hat, nicht über Schlesien, und damit verbunden, auch nicht über die schlimme Zeit der Vertreibung sprechen zu dürfen, u. v. a. mehr,
Auch muss es eine Herausforderung für sie gewesen sein, angesichts ihrer persönlichen unschönen Erlebnisse mit den Sowjets, als wir in der Schule in Russisch unterrichtet worden sind. Die bereits im ersten Beitrag erwähnten Schikanen seitens der Staatssicherheit, haben meine Eltern tapfer ertragen. Auch an mir ist das Geschehen nicht spurlos vorbei gegangen.

Als meine Eltern im Jahr 1983 übersiedelten, blieb ich in der DDR zurück. Von meiner Familie war niemand mehr im Land. Ich fühlte mich nun denen zugehörig, die versuchten, das verbliebene Gute im Land zu bewahren. Die Aktionen liefen alle über die evangelische Kirche. Ja, wir dachten damals tatsächlich etwas bewirken zu können. Mit dem Wissen von heute .., saßen wir allerdings mit unseren Feinden am Tisch. Leute, die schon längst Entscheidungen getroffen haben, über die wir noch sinnierten.
Im Jahr 1988 wurden die Leutchen immer weniger am Tisch. Die Treffen waren aufgeheizt, ein Gegeneinander herrschte vor. Einige wählten den Weg über Ungarn …, andere schlossen sich mit anderen Gruppen zusammen. Eigentlich war alles nur noch ein riesiges Durcheinander. Irgendwie traute keiner mehr dem anderen über den Weg. Das war ja vorher auch schon so, nur jetzt nannte man es beim Namen und ging aufeinander los.
Wie sich das Leben auf der anderen Seite Deutschlands gestaltete, war den meisten unter uns bewusst. Man hat ja drüber „gesprochen“. Konsumorientierte Menschen, Ellenbogengesellschaft, Kapitalisten halt. Viele der Übersiedler hatten ja auch Westverwandschaft. So wie unserer Familie auch. Die lebten alle in Hamburg.
Die „Revolution“ in meiner Heimat habe ich nicht miterlebt. Da war ich längst über alle Berge, irgendwo in Niedersachsen gestrandet, baute ich mir mit meinen zwei Kindern ein neues Leben auf.
Auch der Mauerfall ging an mir vorbei. Ich war mit anderen Dingen beschäftigt. So wie viele andere Menschen auch, die geblieben sind, und plötzlich vor dem Nichts standen. Über`n Tisch gezogen.., hat man sie. Uns natürlich auch.
Im Grunde genommen, fasst dieser Beitrag die zuletzt genannten Themen zusammen.
– Das Staatssicherheitssystem.
– Die „friedliche Revolution“., oder sollte ich besser schreiben die „geplante“?
– Der Fall der Mauer. Über diesen Fall haben wir schon in Teil II gelesen.
– Die Wiedervereinigung.
Im Kommentar findet ihr wie gewohnt, die bisher dazu verfassten Beiträge. Vielleicht sieht man jetzt den einen oder anderen Beitrag noch in einem anderen Licht.
Jeder von uns hat diesen Umbruch auf seine ganze eigene Art und Weise erfahren. Jeder von uns hat Entscheidungen getroffen / treffen können. Ob sie richtig waren? Ja, wer weiß das schon? Ich für meinen Teil habe über dieses Chaos hinweg auf den wohl besten Ehemann auf der Welt treffen dürfen.
Und ja, auch ich hatte eine wunderschöne Kindheit, an die ic h mich gerne zurückerinnere.


Und so schließe ich diesen Beitrag mit den bereits am Anfang erwähnten, überaus wertvollen Worten vom Peter:
„Das Beste, was wir hatten, war nie viel, deswegen war das wenige so gut, dass wir es
heute zu schätzen wissen und es alle Zeiten überdauern wird.
Eure Kommentar zu diesem Beitrag
Der wohl wichtigste Kommentar stammt vom Ersteller der einleitenden Worte, von Peter Gast: „Es ist nur ein Satz, oder zwei, wenn es sein soll: ….weißt du, nein du weißt es nicht, woher auch, aber ich komme gerade von einem Klassentreffen, und ich bin, ziemlich besoffen von den vielen Getränken die ich gar nicht mehr gewöhnt bin, gleichzeitig von den vielen alten Fotos, den vielen Gesprächen, den vielen alten Kameraden und Kameradinnen, auf eine gewisse Weise „high“ und nun ist das erste, was ich mache, wenn ich nachts nach Hause komme, als einziger der gelaufen ist, nein, getorkelt vielmehr, dieses vermaledeite Faceook zu öffnen, und deinen Text zu lesen, in dem ich erkenne, dass lediglich ein nebenbei gemurmelter Kommentar von mir so haften blieb, dass er wie ein Stück Brennholz im wärmendem Feuer aufgenommen und verarbeitet wurde. Dieser jene 8.11. wird mir so bedeutungsvoll, dass ich ihn gleich wieder abwerten und vergessen mag, nicht dass er mir noch diese Schlaflosigkeit bereitet, die andere dazu animiert ganze Bücher zu schreiben.“
>>>> Hier noch einmal seine einleitenden Worte, sein wertvoller Satz: Seine einleitenden Worte: „Man mag über die DDR Zeit sagen was man will, ich bin glücklich eine Kindheit zu dieser Zeit erfahren zu haben (natürlich wäre eine Kindheit in einem unzerstörten und ungetrennten Land in seinen alten Grenzen noch schöner gewesen). Das Beste, was wir hatten, war nie viel, deswegen war das wenige so gut, dass wir es heute zu schätzen wissen und es alle Zeiten überdauern wird.“ <<<<
09.11. Der Schicksals Tag der Deutschen 1918,1923,1938,1989
Dazu muss ich sagen, die Kindheit im Westen zur damaligen Zeit war auch in Ordnung, das ganze ging erst in der Jugend los, als man begriff, hoppla so frei sind wir gar nicht, gerade Nationale Aktivisten, merkten das sehr schnell, was die Stasi im Osten, war der Verfassungsschutz hier. Es ist kein schönes Gefühl wenn man mit 17 Jahren, eine Hausdurchsuchung an seiner Lehrstelle hat, das Glück war nur das mein Chef, doch ein sehr guter Mensch war. Ansonsten wäre es das gewesen und es war nicht die letzte, da kam noch viel, ich weiß, im Westen ist es am BESTEN, nur nicht für alle, das ist heute auch noch so. Das gute im Osten dürfte das Leben unter Deutschen gewesen sein, das wurde im Westen schon um 1980 immer seltener. Was bleibt ist zu sagen, Freiheit in dieser Republik gibt es nicht!;(
In einer Republik kann es niemals Freiheit geben , mein Lieber. Und ich weiß nicht, ob die Deutschen jemals so etwas wie Freiheit leben und kennen durften.
Auch ich bin ein Kind von vertriebenen Schlesiern und auch wir haben viele Verwandte im ehemaligen Osten der Republik, – bin in Erfurt geboren – war als Kind JEDES Jahr (mit meiner Oma) in den großen Ferien in der ehemaligen DDR und fand es wirklich sehr schön dort, eben weil es so wenig gab – aber alle das Wenige sehr zu schätzen wussten.
Wir hatten in unserem kleinen 600- Seelen-Dorf die schönste, unbeschwerteste Kindheit und Jugend, die man sich nur vorstellen kann. Einmal im Jahr (meist während der Getreideernte) gabs Melonen. Nein, wir haben nichts vermisst. Unnötigen Überfluss und maßlosen Konsumrausch haben wir erst ab November 1989 kennengelernt.