aus der Reihe „Der Letzte macht das Licht aus“- Episoden aus einem geteilten Land“. (Teil IV)
Ich zitiere zunächst aus den Schriften meiner Mutter:
Die Zeit in der DDR von 1945 bis 1989 war eine Zeit ohne Rechte. In Rechtsbeugung, Willkür und Folter mit Zuchthausstrafen und Mord für jene, die, die Wahrheit kannten und aussprachen und für Ausreisewillige.
Die Diktatur des Proletariats in der DDR, war eine Regierungsform, bei der man zu allem gezwungen wurde, was nicht verboten war. Sie war eine Regierung, bei der man in Gefahr geriet zu sitzen, wenn man nicht hinter ihr stehen wollte. Und ein Staat, in dem das Halten von Papageien lebensgefährlich war.
Die DDR war ein Land, in dem man die Ergebnisse der nächsten Wahlen aus dem Panzerschrank der Regierung stehlen konnte. Kommunismus ist Geschichte einer Illusion.
Ohne Verhör, ohne Verfahren wurden in der Diktatur DDR Angeklagte verurteilt.
Der Rechtsanwalt mußte das gleiche wie Staatsanwalt u. Richter sagen. Für die SED stand fest, dass Richter; Staatsanwälte und Rechtsanwälte gleicher Meinung sein müssen wie Dachdecker. (Stand so im „Neuen Deutschland”.)“
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Aus dem Leben eines Künstlers und Zeitzeugen » » Manfred Krug (im Kommentar ein Beitrag)

Er selbst blickte seit mehr als 20 Jahren nicht mehr in seine umfangreichen Stasi-Akten mit den Berichten über seine Bespitzelungen in der DDR: „Ich habe nicht gewusst, wie viele in meiner Umgebung damit zu tun hatten. Es war ein System der Erpressung und Belohnung.“
Auch das gehört zum Lebensweg von Manfred Krug: Kurz vor Kriegsende wurde Manfred Krug aus Furcht vor den Russen zu seiner Großmutter Lisa nach Duisburg geschickt. Hier erlebte er einen der schweren Bombenangriffe auf Duisburg mit, worauf seine Mutter die sofortige Rückkehr nach Hennigsdorf veranlasste. Beide Zugreisen unternahm er trotz seines Alters und der kriegsbedingten chaotischen Verhältnisse allein. In Hennigsdorf erlebte er das Kriegsende.
„Vielleicht schreibe ich noch ein Buch darüber“, erwähnte er einmal.
Manfred Krug, den meisten von uns bekannt aus seiner Rolle als „Tatort-Kommissar“ oder in „Spur der Steine, erhielt in der DDR 1976 nach seinem Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns Berufsverbot und konnte 1977 in den Westen übersiedeln.
(Zu Wolf Biermann komme ich noch zum Ende des Beitrags, unter anderem mit Aussagen des Sohnes von Manfred Krug).
Über seine Bespitzelungen durch die Stasi (insbesondere in Künstlerkreisen) hat der einstige „Tatort“-Kommissar schon in früheren Jahren öfter berichtet.
„Ihre Filme wurden verboten, ihre Bücher verbannt, ihre Auftritte untersagt. Im Jahre 1965 begann mit dem „Kahlschlag“-Plenum der SED-Führung eine beispiellose Unterdrückung der DDR-Künstler. Regisseure, Schriftsteller, Musiker und Theatermacher waren von der neuen Eiszeit in der Kulturpolitik betroffen. „Nihilismus“, „Pornografie“ und „Skeptizismus“ warfen die Hardliner um Erich Honecker den Kulturschaffenden vor. Zu den prominentesten Opfern gehörte Regisseur Kurt Maetzig, der mit seinem Liebesdrama „Das Kaninchen bin ich“ in „offizielle“ Ungnade fiel.
Der Film wurde 1965 auf dem vom 15. bis 18. Dezember dauernden 11. Plenum des SED-Zentralkomitees zusammen mit fast einem ganzen Jahrgang von DEFA-Filmen verboten. „Das Kaninchen bin ich“, erzählt von einem Mädchen, das nicht studieren darf, weil sein Bruder wegen „staatsgefährdender Hetze“ im Gefängnis sitzt. Die junge Frau verliebt sich dann unwissentlich in den Richter, der für das harte Urteil verantwortlich ist, und entlarvt den Mann als feigen Opportunisten.
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Hausverbot für Künstler
Die rigide Kulturpolitik hatte auch Folgen für Regisseur Frank Beyer (einst ein treuer Diener des Systems und ehemaliges Antifa-, als auch FDJ-Mitglied).
Sein mit Manfred Krug prominent besetzter Film „Spur der Steine“ über den Konflikt zwischen einer Bauarbeiter-Brigade und einem Parteisekretär wurde 1966 nach nur wenigen Aufführungen verboten. Einer der vielen Keller- oder Regalfilme, die statt auf die Leinwand zu kommen in den Tiefen des Archivs verschwanden. Beyer erhielt „Hausverbot“ bei der DEFA. Erst nach der Wende konnte „Spur der Steine“ wieder im Kino gezeigt werden. Beyer erinnerte sich nach dem Mauerfall an die damaligen Drohungen der Partei: „Wer die Hand gegen die Arbeiterklasse erhebt, dem wird sie abgehauen.“ Der Filmemacher kommentierte das 1991 so: „Wir haben doch nur den kleinen Finger erhoben zu einer Wortmeldung.“
„Bestimmten“ Künstlern wurde vorgeworfen, die Realität falsch, zu kritisch und schwarzseherisch darzustellen. Anleitung durch die Partei unterwarf – also jede Form von Individualismus war dieser Funktionärskaste, die alles auf eine kontrollierbare Linie bringen wollte, ein Dorn im Auge“, sagt Autor und Deutschlandfunk-Redakteur Marcus Heumann, der für sein Audiofeature „Das Kahlschlag-Plenum“ Originaltöne des Plenums und Gespräche mit Zeitzeugen zusammengestellt hat.
Auch für Musiker begann eine Eiszeit. „Im Prinzip hat das 11. Plenum die gesamte, noch relativ junge Beat-Szene der DDR auf einen Schlag ins Jenseits befördert“, sagt Heumann. „Alle Bands, die englische Texte sangen, wurden rundweg verboten. Es wurden auch böse Tricks angewandt. Die Amateurmusiker haben dann einfach alle ihren Einberufungsbefehl bekommen – an möglichst weit entfernt und weit auseinanderliegende Orte. Damit waren die Bands erledigt. Zudem wurde ein Musikerberufsausweis eingeführt. Jeder, der in der DDR eine Bühne betreten wollte, musste vor einer staatlichen Kommission ein Probevorspiel ablegen.“
Hier sei hinzuzufügen, dass „ausgewählte“ (auserwählte) Künstler, (angeblich überwacht) wie Udo Lindenberg oder Bruce Springsteen aus dem Westen ihre Auftritte hatten. Nur 16 Monate nach Springsteens (spektakulärem) Auftritt fiel dann die Mauer…, so ein Zufall aber auch.


Der „Liedtext von „Sonderzug nach Pankow“, abgespielt im Jahr 1983 auf der DDR Bühne von Lindenberg durfte so auch nur von einem Lindenberg verbreitet werden.
Eine Verbreitung des Liedtextes in der Öffentlichkeit stellte allerdings eine Straftat der Beleidigung dar. So manchem „Funktionär“ war das Nach-Trällern ein Dorn im Auge. Trotz alledem wurde das Lied im ganzen Land in Diskotheken gespielt. Nach einer Disco-Veranstaltung im Bezirk Cottbus werden zwei 26- und 27-jährige „Schallplattenunterhalter“ sogar zu je fünf Monaten Haftstrafe verurteilt.
Wie so mancher Film, war auch so manches Lied ein gefundenes Fressen, um unliebsame Bürger von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Die „Macher“ selber mussten nur selten büßen.
Zu Lindenberg schreibe ich jetzt nichts weiter. Auf wessen Seite er steht, und wessen Brot er frisst, ist ja bekannt.
Zurück zu Manfred Krug
Im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ rechnet Manfred Krug, mittlerweile Schauspieler im Ruhestand, mit dem Fernsehen ab: „Es wird immer blöder. Das Fernsehen ist zwar ein Massenmedium, und es muss auch Triviales geben. Aber der Zuschauer darf doch nicht jeden Vor- und Nachmittag mit Sülzsendungen und trostlosen Serien abgefüttert und geistig unterfordert werden.“ Dafür zahle der 71-Jährige, der vor allem durch seine Rollen als „Liebling Kreuzberg“ und Hamburger „Tatort“-Kommissar Stoever enorme Popularität erlangte, nicht seine Fernsehgebühren.“
Vor allem ARD und ZDF kriegen ihr Fett weg: „Die Öffentlich-Rechtlichen haben eindeutig einen Bildungsauftrag, der über das hinausgehen muss, was die Privaten über Werbung eintreiben. ARD und ZDF können sich doch nicht an dem Verblödungswettbewerb beteiligen und gleichzeitig große Sendungen über die PISA-Jugend bringen. Das ist einer Sendeanstalt nicht würdig, die per se Geld von jedermann nimmt“, so Krug gegenüber der Zeitung.
Für die heutigen Serienschauspieler empfand Krug nur noch Mitleid: „Viele Akteure in Serien quälen sich heutzutage mit flachen, völlig sinnentleerten Texten ab. Ein Schmarren, der kaum noch zu ertragen ist.“
Ein Comeback vor der Kamera schloss er daher kategorisch aus: „Ich wollte als Schauspieler mit 65 in Rente gehen. Das ist mir gelungen, und ich habe es dem Publikum nett erklärt. Ich wollte ein Pensionär sein wie jeder andere auch, und nicht jede Nacht auf- und ablaufen und dabei die Texte auswendig lernen. Das war mir einfach zu viel.“
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Der Sohn des verstorbenen Schauspielers Manfred Krug, Daniel Krug, rechnet stellvertretend für die Familie in einem offenen Brief mit dem Liedermacher Wolf Biermann ab, wie der SPIEGEL in einer Ausgabe berichtet.

Anlass war dessen veröffentlichter Novellenband „Barbara“, in dem es im Kapitel „Zwei Selbsthelfer“ auch um den populären Sänger und Schauspieler geht. Krug junior sah darin seinen Vater verunglimpft und warf Biermann vor, „verkaufsfördernd schnell noch die Macken deiner Protagonisten ins Rampenlicht“ zu zerren, um den „Bodensatz deiner geschwätzigen Tagebücher“ zu verwerten, „bevor dein eigener Stern erlischt“.
Den Einstieg in das Kapitel, in dem Biermann den Namen Krug verschieden deutet, kritisiert er als „so originell wie Hunderte anderer Einfaltspinsel, billig und beschissen gequirlt“.
Krug junior unterstellt, Biermann habe mit dem Verfassen der Anekdoten über Krug so lange gewartet, bis sich der drei Jahre zuvor verstorbene Krug selbst nicht mehr dazu äußern könne. „Beim Lesen des Textes wird man ihn nicht los, den Mief von Neid und Retourkutsche für zu wenig erwiderte Aufmerksamkeit und Liebe“, schreibt Daniel Krug in Anlehnung an seinen Vater. „Sag, kesser Schreiber, vor einigen Jahren – als er noch gut im Saft stand – hinderte dich die schiere Angst vor seinen unberechenbaren Reflexen?“
Der Sohn des 1977 von der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelten Schauspielers stört sich vor allem daran, dass die meisten von Biermann wiedergegebenen Geschichten über Krug aus dritten Quellen stammen.

Eure Kommentar dazu:
Ich finde das nicht besonders lustig, dass Du Manfred Krug und Biermann in einem Post nebeneinander stellst! Biermann war in meinen Augen ein „Verräter“, der sich zu seinem Vorteil selbst als Dissident inszeniert hat. Nebenbei erwähnt: Bruce Springsteen gehört nun mal definitiv gar nicht hierher.
Antwort: “ ich bin mir schon bewusst darüber, dass in einem solchen Beitrag mit einer doch recht hohen Wortzahl, manches überlesen wird. Daher seien mir an dieser Stelle folgende Hinweise erlaubt:
Zum Vorwurf eines Nebeneinanderstellens“: siehe zweiten Absatz »»Manfred Krug, den meisten von uns bekannt aus seiner Rolle als „Tatort-Kommissar“ oder in „Spur der Steine, erhielt in der DDR 1976 nach seinem Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns Berufsverbot und konnte 1977 in den Westen übersiedeln. ««
Zum Hinweis Biermann war ein „Verräter“, der sich zu seinem Vorteil selbst als Dissident inszeniert hat.: siehe ebenfalls zweiter Absatz »»(Zu Wolf Biermann komme ich noch zum Ende des Beitrags, unter anderem mit Aussagen des Sohnes von Manfred Krug) ««
So auch der letzte Absatz: »»„Der Sohn des verstorbenen Schauspielers Manfred Krug, Daniel Krug, rechnet stellvertretend für die Familie in einem offenen Brief mit dem Liedermacher Wolf Biermann ab, wie der SPIEGEL in einer Ausgabe berichtet. ««
Ich denke, darüber wird deutlich, wie ein Biermann „tickte“.
Zum Vorwurf Bruce Springsteen gehöre nun mal gar nicht hierhin:
Mit dem Wissen, dass bereits 1983 die „Wende“, der „Mauerfall“ eine beschlossene Sache war, besiegeln gerade Künstler wie Lindenberg und Springsteen diese Tatsache. Man karrte Künstler aus „dem Westen“ heran, um den Menschen in Mitteldeutschland zu suggerieren, dass die Künstler aus dem Westen besorgt um die Freiheit und den Frieden seien und sich dafür lautstark auf den Bühnen Mitteldeutschlands einsetzen. Man „läutete“ quasi die „Wende“ ein.
Dass es dann ein Lindenberg und ein Springstein waren, hat noch ein anderes Beigeschmäckle.
Abschließend möchte ich festhalten, dass in dieser Beitragsreihe über mehrere Episoden aufgezeigt werden soll, wie man sich gewisse Vorgänge aus der Zeit zwischen 1949 bis 1989 in etwa vorstellen kann. Ich versuche dabei weitgehend frei von Bewertungen einzelner Personen zu bleiben.“