Von der Seligsprechung der Unseligen und anderen „Preisungen“

Es wird geändert, verboten, aussortiert und gemaßregelt.

Wir leben in einer Zeit, in der „Jim Knopf“ von Michael Ende überarbeitet wurde, Karl May-Filme wegen unerwünschter kultureller Aneignung zurückgehalten, die Feuerzangenbowle mit Heinz Rühmann wegen einer Drehzeit aus dem dritten Reich gerügt und verbannt wurde (das geschah bereits vor drei Jahren), und ganz aktuell „Preisvergaben“ aus längst vergangenen Zeiten „überdacht“ und zurückgenommen werden.

Ups! Gleich 14 Schauspielern entzieht der Deutsche Filmverband die Ehrenmedaille.

Diese Vergabe von Klimbim , Medaillen und anderem mehr hat für mich persönlich keine Bedeutung. Ehre, wem Ehre gebührt. Dazu bedarf es keinem Hansel aus irgendwelchen „Filmverbänden“. Es bedarf lediglich der Menschen, die das Können und Tun derer zu schätzen wissen. Künstler spüren das. Der Applaus, die Wertschätzung und ein dankbares Publikum. Mehr braucht ein Künstler und Schauspieler nicht. Die Menschen mochten Heinz Rühmann, er war ein großartiger Schauspieler und auch ich mochte ihn in vielen seiner Rollen.

Ich frag mich, wann Loriot auf der Liste stehen wird? Nicht ist unmöglich. Denn schließlich war er ja ein Offizier der Wehrmacht.

Vielleicht erinnert ihr euch? Auch Maria Montessori wurde zwischenzeitlich als Rassistin eingestuft. Die Liste der zensierten Werke ist lang, und sie wird immer länger. Sowas hat System, es geschieht nicht grundlos oder aus einer Laune heraus. Nein, Verbote und Zäsur haben ihre Gründe. Ob sie berechtigt sind, steht auf einem anderen Blatt.

Zu den „Auserwählten“, die nun aus dem „System-Raster“ fliegen… zählen unter anderem die Regisseurin Leni Riefenstahl, der ehemalige Berlinale-Leiter Alfred Bauer, Regisseur August Arnold, Filmdiva Olga Tschechowa und Filmemacher Ludwig Waldleitner.

Hier war es das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ), welche zu folgender Erkenntnis gelangte: »NS-belastet« oder »NS-konform«, irgendwie so.

Hauptsache das Kürzel NS davor–, dann passt das schon.

Ach ja! Eine Ausnahme macht die Spio bei Hilmar Hoffmann ehemaliger Kulturdezernent in Frankfurt am Main. Er habe sich nach 1945 konsequent für eine kritische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit eingesetzt und künstlerische Gegenpositionen zum nationalsozialistischen Filmerbe gefördert. Das Präsidium der Spio wertet dies als Beleg, dass Menschen sich ändern können und entschied sich deshalb für eine differenzierte Bewertung.

Sind sie nicht großzügig? Diese zum Einsatz kommenden Bewerter?

Die Spio vertritt als Dachverband von 14 Berufsverbänden mehr als 1400 Firmen aus der deutschen Filmwirtschaft. Sie setzt sich dafür ein, den deutschen Film in Qualität, Vielfalt und internationaler Wahrnehmung zu stärken und seine Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Soso ….

Nun, über Qualität lässt sich ja bekanntlich streiten.

Demgegenüber erfolgen „Seligsprechungen“, oder einfach gesagt, es kommt zu Preisverleihungen. Zweifelhafte „geistige Ergüsse“ erobern den Markt. Siehe medial propagierte Bereicherungen wie „Die besten Weltuntergänge“ oder die „Neue Häschenschule“. Das eine „Werk“ stammt aus der Feder der Lebenspartnerin des ehemaligen Wirtschaftsministers, das andere unterliegt dem geistigen Spuk einer Mediengestalt aus dem komödiantischen Bereich.

Darüber hinaus erinnere ich mich auch an Verleihungen wie dem des Karls- oder Kalergipreises. Namen, die für etwas stehen. Karl der Große zeigte sich in der Geschichte weniger rühmlich. Besondere Verachtung erntete er als Sachsenschlächter. Doch das wird nicht erwähnt, und wenn, wird die Anzahl der Opfer nach unten korrigiert – dieses Prozedere ist nicht unbekannt, es hat bis heute Bestand.

Auch wurde unter den Fittichen Karls des Großen das Mönchslatein hoch gehalten, um die deutsche Sprache samt ihrer Werke auszumerzen. Viele Schriften blieben unter Verschluss oder wurden vernichtet.

Kalergi muss man, so denke ich, nicht weiter ausführen.

Heute steht der „Internationale Karlspreis zu Aachen für die Einheit Europas“.

——————————————————————

Ausführlich geht es weiter in den Beiträgen im Kommentar.

Es ist ja nicht so, dass uns diese Gangart, also Vorgehensweise von „Herrschenden“ fremd ist. Ganz gleich in welcher Epoche unserer deutschen Geschichte, die Methoden waren und sind nach wie vor in ihrem Grundgedanken fest verankert, immer nah einer Ideologie, von Propaganda untermalt.

Man muss nur hinter die Kulissen schauen, dann überrascht uns so schnell nichts mehr.


Hinterlasse einen Kommentar