Heute, am 6. Dezember poltert es auf der Treppe, es poltert im Haus, es ist gewiss der „heilige Nikolaus“

Weihnachtsmann, Nikolaus, Samichlaus oder Ruprecht – wie immer man ihn nennen mag.

Gestern haben wir über den Archetypus des alten Weisen gelesen, der sich seinen Weg in die Bilderwelt fast aller Kulturen bahnt.

– Bei den Indern sind es die die weißbärtigen Risis oder der Schöpfergott Brahma

– In Teilen des nördlichen Europas ist es eine Erscheinung des weisen Zauberers Odin

– Bei den Kelten ist es Merlin, der Zauberer, der mit einem Wolf und einem Hirsch im Eichenwald haust und der als Ratgeber und Lehrer an der Tafelrunde König Artus erscheint

– Im alten China begegnet er uns in Gestalt eines Laotse, dessen Name „alter verehrter Meister“ bedeutet, und der uns lehrt, dass das Universum in sich harmonisch ist und keiner Kontrolle oder erzwungener Verbesserung bedarf.

Es heißt, Laotse kam schon als Greis mit weißem Bart und runzeliger Haut zur Welt

Folgt nun ein historischer Streifzug? Wohl eher nicht.

Der Weihnachtsmann /Nikolaus hat keinen historisch belegbaren Anfang. Er ist ewig, ein Archetypus. Er ist Teil der Ewigkeit, so wie die Sonne, der Jahreszyklus und die Natur an sich an der Ewigkeit teilhaben und keine menschlichen Erfindungen sind. Jede Gesellschaft und jede Zeit schmückt diesen Archetypus auf seine eigene Art und Weise bildhaft aus. Es sind kulturspezifische metaphysische Bilder, die dazu geschaffen sind, unsere Seele in Resonanz zu bringen und uns helfen das Mysterium zu verstehen.

Und so geschieht es Jahr für Jahr

Wenn das Jahr zur Neige geht, kommt er von weit, weit her, um Haus und Hof und vor allem die Kinder zu segnen.

Nach Carl Gustav Jung , dem großen Schweizer Seelenforscher, personifiziert dieser Archetypus, den aus der Dunkelheit hervortretenden Logos, der in die Herzen der Menschen schaut und prüft, ob sie gütig oder hartherzig sind.

Dieser Alte wohnt weit abgelegen im Verborgenen – im tiefen Wald, in der menschenleeren Taiga, auf einem verschneiten Berg oder am Nordpol – und zur Zeit der Wintersonnenwende, wenn die Geisterwelt der Menschenwelt ganz nahe rückt, bringt er seine Gaben.

Für die alten Germanen war er der Zauberer und schimmelreitend Schamanengott Odin. In den Nordländern, auch in Nordamerika, kommt er ja, wie ein Schamane auf einem Rentierschlitten daher gebraust.

Psychedeliker sehen den rot Bemäntelten sogar als eine Personifizierung des Fliegenpilzes. Der rote Pilz mit den weißen Tüpfelchen wurde ja bekanntlich während der Wintersonnwendtage von den nordischen, slawischen, sibirischen und kanadisch-indianischen Schamanen als Sakrament eingenommen, um im Trance mit den Göttern, Ahnen und Zwergen zu kommunizieren.

In der Antike, wie auch später in der Renaissance, wurde der alte, weise Geist mit dem Planetengott Saturn identifiziert. Er trägt in seinem Sack die Saaten und Samen der Zukunft. Ihm zu Ehren wurden in den Wintertagen die orgiastischen Saturnalien gefeiert.

Die Christen sehen in dem Weihnachtsmann den Heiligen Nicholas, dem Bischof von Myra (heute in der Türkei), dessen Todestag der 6. Dezember gewesen sein soll. Der große Heilige hat sein ganzes Vermögen der Kirche geschenkt, er war mildtätig und hat viele Wunder vollbracht. Als unerbittlicher Gegner des heidnischen „Irrglaubens“, fällte er eine der Abgöttin Diana geweihten Baum – ein Aspekt, der ihn für mich eher unsympathisch macht.

Sankt Nicholas war für die mittelalterlichen Menschen ein wichtiger Heiliger. Er wurde zum Schutzpatron der Russen, Kroaten und Serben; für viele Kinder wurde er Namensgeber – Klaus, Nicklaus, Miklós, Nils und (weiblich) Nicole, Nina, usw. – und er gilt als Beschützer der Seefahrer, Kaufleute, Bäcker, Getreidehändler, Prostituierte und andere.

Der niederländische Sinterclaas, der Luxemburger Zinniklos und der schweizerische Samichlaus beziehen sich auf diesen Heiligen.

Diese Urbilder nehmen in jeder Epoche und jedem Volk ihre jeweils kulturspezifische Form an.

Kinder und einfache Leute , oft auch Tiere, insbesondere die Haustiere – hellsichtigen Hunde und Pferde – erkennen noch die Archtetypen, die durch die vergänglichen Erscheinungen hindurchschimmern können.

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Ich danke Wolf Dieter Storl (der hier als Quell genannt sein soll) für diese wundervolle Inspiration und wünsche nun all meinen lieben (Mit) Lesern einen zauberhaften Nikolaustag. Oder wie auch immer ihr diesen nennen mögt.


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