Was noch im Januar von 81 Jahren geschah…

Eigentlich wollte ich heute den Beitrag zu den Ereignissen von „Katyn“ fertigstellen. Doch dann „stolperte“ ich über ein anderes, noch weniger bekanntes „Geschehen“.

Oft gehen unter den großen Tragödien nach 1945, die es dank vieler Erlebnisberichte in die Öffentlichkeit geschafft haben, vielfach andere geschehene Ereignisse „verloren“.

Die Welt weiß alles über den Deutschen vorgeworfenen Verbrechen, aber wenig über die Verbrechen an Deutschen.

Über die Erlebnisberichte meiner Mutter, niedergeschrieben in meinem Buch „Das Bernsteinfenster“, weiß ich, wie es zugegangen ist, damals, als die sogenannten „Befreier“ auf den Weg gebracht worden sind.

Nur wenige kennen die wahren Vorgänge. Wer weiß also um den Massenselbstmord von Wildenhagen im Jahre 1945?

Wildenhagen ist ein Dorf unter vielen, wo solche Schicksale zu beklagen sind.

In Wildenhagen, einem Dorf östlich von Frankfurt an der Oder im heutigen von Polen verwalteten Gebiet Ostdeutschlands, geschah am 3 1 . Januar 1 945 Schreckliches. Als die Sowjets heranrückten, deren Grausamkeiten bekannt geworden waren, nahm sich ein Viertel der Dorfbevölkerung das Leben. »Mütter und Großmütter töteten ihre Kinder und Enkel, mit allem, was gerade greifbar war: erhängten sich an Schnüren,

schnitten Pulsadern auf oder griffen zum Beil.

Zigtausende deutscher Frauen, die nicht früh genug fliehen konnten, gingen in Ostdeutschland mit ihren Kindern in den Selbstmord, um sich und ihren Kindern das sichere Schicksal zu ersparen, das seit dem sowjetischen Massaker von Nemmersdorf im östlichen Ostpreußen Ende 1 944 bekannt war. Dieses Thema ist leider für die meisten beamteten deutschen Historiker kein Thema.

Den von mir verfassten Beitrag zu Nemmersdorf setze ich in den Kommentar.

Erstaunlicherweise berichtete am 29. April 2005 um 21 Uhr das WDR-Fernsehen mit einem Bericht von Carmen EcKARDT über die Vorgänge in dem Dorf Wildenhagen beim Einmarsch der Roten Armee. Ein eher seltenes Beispiel für die Medien über die furchtbaren Geschehnisse.Die Filmdokumentation stützt sich unter anderem auf das gleichnamige Reportagenbuch von W. NowAK (Eichborn, Frankfurt/M. 2008).

Es gab viele solche Verzweiflungstaten. Carmen ECKARDT berichtet von einer nahe gelegenen Stadt, in der eine Menschenmenge einfach gemeinsam ins Gaswerk ging und den Hahn aufdrehte.

In dem Ort Demmin ertränkten sich rund 900 Einwohner (von 1 5 000) aus Angst vor den Russen in den Flüssen Peene und Tollense. Während der DDR-Zeit wurden die Demmin-Toten ebenso verschwiegen.

Der FAZ-Rezensent meint selbst, dass diese Menschen nicht einfach von »der GoEBBELS-Propaganda« fanatisiert worden seien und dem Bild vom sowjetischen >Untermenschen< blind geglaubt hätten. Sie haben wohl eher das auf sie Zukommende realistisch gesehen und wollten ihre Kinder und sich vor den Folgen bewahren.

Und ja ich weiß, es werden vermutlich auch hier wieder einige Empörte boshafte Kommentare hinterlassen.

Aber ist es denn nicht so, dass wir Deutschen vor die Gräber anderer Völker zum Trauern und Buße tun ziehen, oder anders ausgedrückt „gezerrt“ werden, um unsere Schuld zum 1000 Mal zu bekennen, während all die, die sich gewiss alles andere als rühmlich und menschlich aufgeführt haben, von ihren Sünden und Taten freigesprochen worden sind und bis heute darauf zählen dürfen, dass die Deutschen zahlen…, bezahlen für Taten, die sie gar nicht begangen haben. Ein „Phänomen“, dass seit dem Vertrag von Versailles Bestand hat.

Bis heute werden Schulklassen an bestimmte Orte „gekarrt“, mit dem Ergebnis, dass sie sich anschließend für ihr Volk, ihre Großväter und Großmütter, für ihre Urgroßeltern zu schämen haben.

Diese Schulkassen finden sich gewiss nicht an den Orten ein, wo so viel Tragisches, wie das hier Erwähnte von Wildenhagen geschehen ist. Etwas unvorstellbares, denn das ist es, vor allem dann, wenn man die Erlebnisberichte zu lesen bekommt. Aber darüber wurden die Deutschen zum Schweigen verurteilt. Und so gelangen immer nur „kleckerweise“, Bruchstücke über das wahre Geschehen in die Öffentlichkeit.

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Rolf Kosiek „Der Gross Wendig Bd. 4 S.477

Lorenz ]ÄGER, »Als die Russen kamen«, in: Frankfurter Al/gemeine Zeitung, 29. 4.

2005.


Soeben fand ich diese Nachricht in meinem Postfach. Ich finde sie sehr interessant, und möchte sie euch nicht vorenthalten. Zu Wildenhagen:

„Ich habe hier einen Sachzeugen, eine Granathülse von (eingeprägt) 1943, weiß der Teufel, wie die vor/bei Kriegsende hier im sonst friedlichen Tal gelandet ist, die war von meiner Großmutter zur „Signalglocke“ umfunktioniert worden. Unten verläuft auch heute noch die Hauptbahnlinie, wie 1945.

Jedes Mal, wenn ein Russentransport anhalten mußte, weil die Strecke verstopft war, sind von dort die Muschiks „ausgeschwärmt“; Frauen und Mädchen mußten zusehen, wie sie das Weite gewinnen und sich im Wald und zwischen Felsen verstecken konnten.

Die nötige „Vorwarnzeit“ wurde gewonnen, indem die Einwohner alles, was Lärm machen konnte, unternahmen, wenn wieder ein Transport in Sicht kam und so hallte eine unverkennbare Geräuschkulisse dem Zug voraus, hier eben mit besagter „Signalglocke“; Haus und Hof wurden eilends verlassen um wenigstens das Leben und die Unversehrtheit zu schützen, bis die Lokomotivpfeife die säumigen Soldaten zum eiligen Verlassen des Areals und zum Aufsitzen nötigte und die Frauen zögernd und vorsichtig wieder heimkehren konnten.

Das Ding hat also real dutzende Leben retten helfen hier im Dorf bei Pirna.“


Eine Antwort zu “Was noch im Januar von 81 Jahren geschah…”

  1. Eine Cousine meiner Oma lebte mit Familie in Demmin. Sie hat gesehen, wie die Rotarmisten vor ihrer Augen vergewaltigten, alle Frauen aus dem Hause. Sie war klein, sonst hätten sie auch „verspeist“. Dies blieb bis zu ihrem Tod als Trauma und ihr Hass auf die Sowjets war nie geklungen. Es muss ein furchtbares Erlebnis sein, zusehen zu müssen wie die eigenen Schwester und Mutter vergewaltigt werden, von einer Horde Männer, die sich lüstern wie kranke Tiere jegliche Seele töten.

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