Schlesien, dem Heimatboden ist die Seele genommen

Aus der Dokumentensammlung des Erzbistums Breslau, herausgegeben von Dr. Johannes Kaps München 1952, übernehme ich die dort geschriebenen Worte „zum Geleit“.

„Wir katholischen Bischöfe können nicht länger schweigen zu dem furchtbaren Lose der mehr als 10 Millionen Ostdeutschen deren Vorfahren größtenteils vor schon sieben bis achthundert Jahren im Ostdeutschen gesiedelt und den Boden urbar gemacht haben. Es handelt sich um die Deutschen in Schlesien, in Ost- und Westpreußen, in Pommern, im Sudetenland, aber auch in Ungarn, Rumänien, Südslawien u.s.w.

Alle diese Menschen sind nach gewaltsamer Vertreibung aus ihrer angestammten Heimat bedroht, ohne dass sie ihr Hab und Gut mitnehmen können, ohne dass ihnen in Westdeutschland eine ausreichende und menschenwürdige Existenz gegeben werden könnte.

Millionen sind von diesem entsetzlichen Schicksal ereilt. In Schlesien allein dürften es mehrere Millionen sein. Die Austreibung ist mit furchtbarer Brutalität, unter Nichtachtung aller Menschlichkeit erfolgt.

Auch nachdem der hohe Kontrollrat die zwangsweisen Aussiedlungen abgestoppt hat, haben sie keineswegs aufgehört. Die zurückbleibenden Deutschen aber werden so furchtbaren Drangsalierungen unterworfen, dass sie genötigt sind, das Land zu verlassen, sofern sie nicht durch Untertauchen in fremder Nationalität Schutz finden.

Die Weltöffentlichkeit schweigt zu dieser furchtbaren Tragödie. Es ist, als sei ein eiserner Vorhang vor diesen Teil Europas niedergelassen. Seit wann ist es erlaubt, aus einem Kriegsgeschehen heraus, an Unschuldigen sich zu rächen und Verbrechen durch Verbrechen zu sühnen? Man soll die wirklich Schuldigen zu unerbittlicher Rechenschaft ziehen. Aber wer will das Massensterben von Kindern, Müttern, alten Leuten verantworten? Wer die Verzweiflung so vieler Tausender auf sich nehmen, die in ihrem entsetzlichen Elend ihrem Leben selbst ein Ende machen?

Wir bitten und flehen, die Weltöffentlichkeit möge ihr Schweigen brechen, diejenigen, die die Macht in den Händen haben, möchten verhüten, dass Macht vor Recht gehe und das aufs neue eine Saat ausgestreut werde, die nur neues Unheil in sich bergen kann.

Im Namen der Gerechtigkeit und der Liebe erheben wir unsere Stimme für unsere Landsleute im Osten. Wir bitten die Gläubigen in ihren Gebetenen immer wieder dieser Not zu gedenken.“

Kanzelverkündigung der westdeutschen Bischöfe

Köln, den 30. Januar 1946

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„Schlesien lebt und wird überleben, auch wenn heute fremde Gewalt Macht über Schlesien ausübt. Vertreibung und Annexion sind zwar historische und politische Realitäten, aber sie schaffen kein neues Recht.“ (Albert Schmitt, ein Pfarrer aus Grüssau im Mai 1945)

Nun angesichts der Tatsache, dass sich die Weltöffentlichkeit eher von den Tatsachen distanziert, als sie zu benennen, möchte ich noch etwas „loswerden“:

Ich finde es nach wie sehr traurig als auch verblüffend, wie sich eine Mehrheit deutscher Bürger zu den Ereignissen und zu dem unsagbaren Leid des eigenen Volkes äußert und die Verbrechen gegen das eigene Volk zu verharmlosen vermag und darüber hinaus eine Richtigstellung ablehnt und die zahlreichen Erlebnis-Tatsachenberichte nur bedingt wahrnimmt.

Meine Frage: Waren das keine Menschen für diejenigen? Oder warum rehabilitiert man vehement die Taten der Alliierten und Besatzer?

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Anmerkung zur Dokumentensammlung: Hier findet man die Leiden der Deutschen in Schlesien nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in beglaubigten Augenzeugenberichten, gesammelt von einem katholischen Prälaten noch in den frühen Jahren der frischen Erinnerung. Wer der allgegenwärtigen PC-Geschichtsfälschung fundiert widersprechen möchte, bekommt hier das notwendige Basiswissen in hieb- und stichfester Dokumentation von einem völlig unverdächtigen Herausgeber geliefert.

Morgen lesen wir dann weiter vom Schicksal der Schlesier, vom Todesmarsch der Breslauer Mütter und über den Kampf um Breslau.


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