Als ich begonnen habe, Beiträge wie diese zu „Breslau“ zu verfassen und dank der Erlebnisberichte meiner Mutter immer tiefer in das damalige Geschehen eintauchen konnte, ging es mir nicht immer gut.
Wenn man die vielen Dokumente mit den Erlebnisberichten vor sich liegen hat, wenn man von dem ungeheuren (geschürten) Hass gegen die deutsche Bevölkerung liest, aus dem ein unbeschreibliches Leid hervorging, und zugleich das gegenwärtige Weltgeschehen beobachtet, dann ist dieses Wissen um das Geschehen und über die damit verbundenen Absichten fast unerträglich und ich halte inne, verharre in Gedanken, lege den „Stift“ nieder, und setze mich in die Sonne und träume von guten Zeiten.
Was damals vor sich gegangen sein muss, welche Gedanken die Menschen wohl in sich getragen haben, all das lässt sich nur schwer begreifen. Was sie verloren, nur erahnen.

Wer je das Glück hatte, seinen Sommerurlaub in Schlesiens Bergen zu verbringen oder beim Skisport die Schönheiten des in Schneereichtum und glitzerndem Rauhreif strahlenden Hochgebirges zu genießen, wird noch heute von der Gastlichkeit der Gebirgsbauden schwärmen. Auch deren Küche und Keller waren berühmt. Denn die Feinheiten österreichischer und böhmischer Küche hat der Schlesier in Jahrhunderten weitergepflegt.
Der Kampf um Schlesien begann am 12. Januar 1945 rund 200 Kilometer ostwärts der deutschen Reichsgrenze in den Ostbeskiden und an der Weichsel, er endete in Nordmähren zwischen Brünn und Olmütz, in den schlesischen Gebirgen und in Nordböhmen und Sachsen an der Elbe mit der bedingungslosen Kapitulation am 8./9. Mai 1945, also nach vier Monaten ununterbrochener schwerer Kämpfe.

Als sich im Februar 1945 die Russen und ihre polnischen Hilfstruppen der schlesischen Hauptstadt näherten, wurde diese am 15.2. zur Festung erklärt (wie auch Glogau und Oppeln). Während der dreimonatigen Belagerungszeit kamen 40 000 Menschen vor Hunger und Kälte um. 70 Prozent der Stadt fielen dem Feuer der sowjetisch-polnischen Artillerie zum Opfer. Nachdem die Festung am 6. Mai (vier Tage nach Berlin) kapituliert hatten, richteten die Besatzer unter den Überlebenden ein Blutbad an. Die Polen, die am 9. Mai die Verwaltung Breslaus übernahmen, vertrieben die meisten der damals 200 000 deutschen Einwohner.


Im Zuge der im Herbst 1944 angeordneten großen Befestigungsarbeiten im deutschen Osten, waren in Schlesien außer den großen durchlaufenden Stellungsarbeiten an der Landesgrenze die folgenden Städte und Gebiete zu Festungen erklärt worden, die sich auch bei einer russischen Einschließung weiter zu verteidigen hatten:
1. Breslau
2. Glogau
3. Oppeln
4. Das oberschlesische Industriegebiet als Festung Oberschlesien
Zuerst (Mitte Januar) konnte die Stadt und Festung Breslau die ihr eigentlich militärisch zugedachte Aufgabe innerhalb der deutschen Front erfüllen. Zum Monatsende trat sogar eine gewisse Ruhe im Festungsgebiet ein. Dies führte zu einer starken Rückwanderung der Breslauer Bevölkerung aus ihren Evakuierungsgebieten im Riesengebirge, den Bezirken Schweidnitz und Hirschberg, die einerseits die Gefahr vorüber glaubte, in der Masse aber bei der hastigen Evakuierung zurückgelassenes lebensnotwendigen Hausrat herausholen wollte
Doch der am 8.2.1945 in Gang kommende russische Angriff aus den Oder-Brückenköpfen von Steinau und Brieg führte am 12.2. 1945 zur endgültigen Einschließung der Stadt.
Nunmehr kämpft die 269. Division zum Schutz Breslaus westlich der Oder – Sie bricht mit Teilen nach Süden durch – Die 208. Division, eine neue Reserve, kämpft gegen den bei Brieg über die Oder vordringenden Feind – Die 17. Division verzögert die Einschließung Breslaus von Westen her – Auch sie durchbricht mit Teilen den Einschließungsring nach Süden – Auch südlich Breslau fechtende Panzerdivisionen können die Einschließung Breslaus nicht verhindern – Mitte Februar ist Breslau eingeschlossen, und der Feind besitzt die Autobahn als schnelle Verkehrslinie von Niederschlesien nach Oberschlesien.
Mitte Februar nun war dies die Lage in Mittel- und Niederschlesien: Breslau und Glogau waren eingeschlossen Um ihre Mauern begann ein schwerer Kampf. Die Oderverteidigung war misslungen. Am nördlichen Rande des Vorgebirgslandes – inmitten der weithin schauende und sichtbare Zobten – krallten sich unsere Soldaten in schlesische Heimaterde, um nun hier einen neuen Wall zu bilden.
Rund 40 000 Soldaten und eine Einwohnerzahl zwischen 150 000 und 200 000 Seelen wurden durch eine russische Armee von 12-13 Divisionen, also von einer vierfachen Überlegenheit eingeschlossen. Die Verbindung der Stadt zur Außenwelt wurde auf den Luftweg beschränkt. Die Kämpfe vor der Einschließung hatten an den Munitions- und Betriebsstoffvorräten der Festung bereits erheblich gezehrt, sodass die Munitionslage der Verteidiger bereits in den ersten Tagen ernst wurde.

Mit Lebensmitteln und sonstigen Vorräten war die Stadt reichlich versorgt, unter anderem befanden sich bei Beginn der Belagerung 16 000 Schweine in den Kühlhäusern der Stadt.

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Gut zu wissen:
Die schlesischen Festungen Breslau, Glogau, Glatz, Neisse und Cosel haben seit ihrer Gründung zwischen den Jahren 1000 und 1355 zahlreiche Stürme und Belagerungen erlebt. Polen, Hussiten, Schweden, Wallensteinsche Truppen, Österreicher und Franzosen mit bayerischen und württembergischen Verbänden haben unter wechselndem Erfolg um diese wichtigen Plätze gekämpft.
In den Unglücksjahren 1806/1807 hielten Breslau und Glogau nur einen Monat stand, während Neisse, Cosel und Glatz vier bis fünf Monate der französischen Belagerung trotzten.
Von Schlesien aus wurde der Befreiungskrieg 1813-1815 eingeleitet. Am 17. März 1813 erließ König Friedrich Wilhelm III. in Breslau den Aufruf «An mein Volk», nachdem er bereits am 10. März das «Eiserne Kreuz» gestiftet hatte.
Volle hundert Jahre ist Schlesien dann vom Kriege verschont.
Das Versailler Diktat von 1919 indessen griff mit Gebietsabtretungen hart in Schlesiens Gestalt und Leben ein. Ohne Abstimmung wurden an Polen Teilstücke der Kreise Namslau, Gr. Wartenberg, Militsch und Guhrau, ländliche Gebiete, abgetrennt.
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Bisher dazu verfasst: siehe Kommentar
