Eine Würdigung!

Eine Würdigung der Schlesier und der Soldaten Opfer, vor deren Größe wir in Andacht verstummen, sowie der schlesischen Bauern und der Unternehmungen der Deutschen Reichsbahn.

Nicht nur Breslau gehört in dieses Bild, auch der schlesische Bauer sei hier gewürdigt. Man hatte sich Ende März auf Grund der in einem Teil Schlesiens gefestigten Lage zur Frühjahrsbestellung entschlossen, auch in den frontnahen evakuierten Räumen. Aus dem Restteil des Kreises Grottkau ist es bekannt, dass diese Frühjahrsbestellung Ende April unter schwierigen Bedingungen und Gefahren für die Bauern bis dicht hinter der Front gelungen ist.

Hier hat man nicht zu rechten und zu richten, ob dieser Entschluss denn angesichts der Gesamtlage richtig oder falsch war. Dagegen sollten wir alle gerade heute anerkennen, dass man diese Bestellung noch unter solchen Erschwerungen gewagt hat. In jener Zeit bevorstehender Auflösung und drohenden Zusammenbruchs war das eine letzte große Tat des schlesischen Bauern. In treuer Hingabe an die Heimaterde.

Ebenfalls zu würdigen sind die Unternehmungen der Deutschen Reichsbahn.

Es waren Züge zu fahren für: Flüchtlinge, Kohlen für Wirtschaft und Hausbrand, Dienstkohlen, Truppentransporte, Verwundete, Versorgung der Truppe, Industriegüter, dienstliches und wirtschaftliches Räumungsgut, Verlegung von Reichsbahndienststellen.

Nun muss man sich vorstellen, dass alle Eisenbahntransportbewegungen jedweder Art nur laufen können, wenn außer der Garantie aller rein betrieblichen Funktionen (Lokomotiven, Kohle, Wasser, Signale, Weichen, Brücken, Tunnels, Zugpersonal und dergleichen) auch der Wagenumlauf nicht stockt. Andernfalls fehlt es bei den einladenden Abgangsbahnhöfen sehr bald an genügendem und passendem Leermaterial.

Wenn nun in Schlesien im Januar und Anfang Februar 1945 die gleichzeitige Bewältigung aller Aufgaben unmöglich blieb, so war eine der Ursachen der mangelnde Wagenumlauf. Und dieser wurde durch die erheblichen Betriebsstörungen verursacht, welche die anglo-amerikanische Luftwaffe in anderen Teilen des Reiches in wachsendem Maße anrichtete.

Zudem hatte der anglo-amerikanische Luftangriff auf Dresden am 13. und 14. Februar bewirkt, den Görlitzer Verschiebebahnhof Schlauroth vorübergehend völlig zu verstopfen.

Der Reichsbahn und den schlesischen Eisenbahnern zur Ehre sei es gesagt, dass niemand seinen Posten ohne Befehl verlassen hat. Wie der Soldat hat der Eisenbahner seine Pflicht getan.

Unter sehr großen Schwierigkeiten hat der schlesische Eisenbahner Großes geleistet – Die große Strecke Görlitz-Glatz-Oberschlesien, bis zum Ende des Kampfes in Betrieb, hatte für die Führung bei der langen Behauptung Schlesiens entscheidende Bedeutung – Täglich 6 Kohlenzüge aus dem Rybniker Revier bis Ende März und täglich 12 Kohlenzüge aus dem Karwiner Revier bis Ende April – Über 1.7 Millionen Flüchtlinge wurden befördert.

Im weiteren Verlauf der Schlacht ist am 23./24. März die «Festung» Neiße verloren gegangen, während die schließlich hinter den starken Biele-Abschnitt zurückverlegte Front südlich Neiße ebenso hielt, wie die nach Osten gerichtete Kampffront nördlich Neiße.

In der am 15. März beginnenden Schlacht hat die Heeresgruppe den Raum CoselOppeln-Grottkau-Neiße-Neustadt verloren.

Aber war es nur der Raumverlust? Weit schwerer wog abermals der Verlust an Soldaten, schweren Waffen und Material. Mehr noch als die 344. Division und die 18. SS-Panzergrenadierdivision hatten die Divisionen des 56. Panzerkorps (Korpsgruppe Schlesien) gelitten, die 168. Division und die 20. SS-Division, welche aus estnischen Freiwilligen bestand.

Außerdem waren infolge fehlender Voraussicht und mangels rechtzeitiger Anordnungen wiederum Trecks mit Frauen, Kindern und Greisen mitten in die Schlacht geraten.

Nachdem der Feind von Mitte April ab die Front der Lausitzer Neiße durchbrechend auf die Südfront Berlins angetreten war und am Südflügel der Heeresgruppe auch die Mährische Pforte endlich aufgestoßen hatte, bestand die Frage, welche Aufgabe der Kampf in und um Schlesien nun noch habe. Die einfache Antwort lag wohl auch damals auf der Hand: es mussten noch weiterhin die Flucht-Straßen der durch das Protektorat nach Westen ziehenden Trecks geschützt werden.

Einer der ,berühmtesten‘ Trecks war der ,Richthofen-Treck‘, welcher nach seinem Führer Baron Freiherr von Richthofen benannt wurde. In diesem Treck flüchteten ungefähr 700 Menschen Richtung Westen. Sie wurden von Tieffliegern beschossen und hatten dadurch Mitreisende und auch 12 Pferde verloren, doch sie haben es geschafft und sind angekommen.

Als zweite Aufgabe nach dem Schutz der Treckstrassen bestand die Pflicht, möglichst viel deutsche Truppen dem feindlichen Zugriff zu entziehen und damit vor den Drangsalen böser sowjetischer Gefangenschaft, vor Demütigung, Krankheit und Siechtum, ja Tod zu bewahren.

Der Schlesier und der Soldaten Opfer, vor deren Größe wir in Andacht verstummen, haben jenen nach Westen ziehenden Millionen Schlesiern den Weg in die Freiheit und zu neuem Leben gerettet. Wessen entsetzte Augen Brand und Blut, Tod und Grauen überfallener Heimstätten, zusammengeschossener und niedergewalzter Trecks gesehen, wessen schmerzende Ohren zum Himmel schreiendes Leid gehört haben, wird nun ermessen können, vor welch grausamem Tod und vor wieviel Not der Kampf um Schlesien mit seinen Opfern die in die Freiheit Ziehenden bewahrt hat.


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