Zum Geburtstag Friedrichs des Großen (1712-1786)

Friedrich erhebt Preußen zur Großmacht, gewinnt Schlesien und baut durch den Erwerb von Westpreußen die Brücke zwischen den mittleren und dem östlichen Teil seines Staates. Die einzigartige Persönlichkeit dieses großen Monarchen und Feldherren, des Weisen von Sanssouci“ kann nur verstanden werden aus seiner schweren Jugend.

Er wurde am 24. Januar 1712 in Berlin geboren. Nach dem Willen des Vaters sollte er ein tüchtiger Offizier, ein sparsamer Wirt und ein guter Christ sein. Der Schwerpunkt der Erziehung lag, der Natur des Vaters entsprechend, auf dem militärischen Gebiet. Der hochbegabte Prinz jedoch empfand immer größeren Widerwillen gegen den geisttötenden Soldatendrill mit den ewigen Paraden und Besichtigungen. Seine Neigung gehörte ganz der Wissenschaft und Poesie, später auch der Musik, besonders dem Flötenspiel, in dem er bald Meister wurde.

Der Vater hielt den Kronprinzen für einen weichlichen Schwächling und Faulenzer, der keine Ahnung habe von den Pflichten seines künftigen Herrscherberufes. Ich Wirklichkeit war Friedrich weder weichlich noch faul noch weltfremd. Er war nur ganz und gar anders als der Vater und fühlte sich unter dessen Behandlung heimat- und wurzellos.

Mit allen Mitteln, oft brutalster Art, sucht der König, der sein Lebenswerk bedroht glaubt, den Kronprinzen in seine Bahn zu zwingen. Er prügelt den 17jährigen, auch vor aller Öffentlichkeit; er packt ihn an der Kehle, wirft ihn auf die Erde, zwingt ihn, ihm die Stiefel zu küssen.

Der junge Friedrich ist ganz verzweifelt. Immer tiefer wird die Kluft zwischen Vater und Sohn. Schließlich weiß Friedrich nur einen Ausweg: Fort aus dieser Hölle! Wohin?Zum Onkel nach England. Seine beiden Freunde die Leutnants Keith und Katte, wollen ihn begleiten. Das war 1730. Aber der Plan wird entdeckt . Keith gelingt es, zu entkommen, Katte wird festgenommen. In wahnsinniger Wut erfasst der Vater den Sohn bei den Haaren und schlägt ihm das Gesicht blutig. Er lässt ihn auf der Festung Küstrin bei magerer Kost gefangensetzen. Katte wird zum Tode verurteilt und hingerichtet. Friedrich unterwirft sich dem Vater und wird daraufhin begnadigt.

Er muss mehrere Jahre bei der Kriegs- und Domänenkammer in Küstrin arbeiten. Er tut dies mit großem Fleiß und sammelt dabei reich Kenntnisse und Erfahrungen in der Staatsverwaltung. Aber noch ein schweres Opfer gilt es zu bringen: Die Vermählung mit der ungeliebten Prinzessin Elisabeth Charlotte von Braunschweig, die ihm der Vater bestimmt. Als Regimentskommandeur in Neuruppin wohnt Friedrich mit seiner jungen Frau im Schloss Rheinsberg.

Die fünf Jahre bis zu seiner Thronbesteigung waren die schönste Zeit seines Lebens, wie er später erklärte. Die Mußestunden außerhalb des militärischen Dienstes verbringt er mit seinen geliebten Büchern, in geistvoller Tafelrunde, bei Tanz und Musik. Friedrich liest nur französische Bücher . In dieser Zeit beginnt er auch seinen Briefwechsel mit dem französischen Schriftsteller Voltaire, dem glänzenden Geist des Jahrhunderts. Seine Weltanschauung entwickelt sich immer mehr zum Skeptizismus, ein ursprünglicher Hang zum Wohlleben zu einem stoischen Heroentum.

Unerschütterlich sein – das ist das Leitmotiv seiner Gedichte.

Die Beziehungen zwischen Vater und Sohn sind äußerlich friedlich geworden, aber innerlich hat sich kaum etwas geändert. Friedrich hat gelernt, alles hinunterzuschlucken. Aber auslöschen wird er die Schmach und Schande, die sich an den Namen des verprügelten Kronprinzen hefteten.

Die Versöhnung brachte der Tod: Am Sterbebett des Vaters, auf der Schwelle zum eigenen Königtum, bricht Friedrich in dankbarer Anerkennung des väterlichen Lebenswerkes in die Knie.

Mit 28 Jahren bestieg Friedrich den Thron. Eine neue Epoche ist für Preußen angebrochen.

Bilder und Text aus „Deutsche Geschichte“ von Albert Thümmel


Eine Anmerkung, aufgrund vereinzelter Kommentare: Ja, selbst unter Beiträgen wie zu unserem alten Fritz, wird „gestritten“, was das Zeug so hergibt.

Nun, Friedrich als einen Kriegstreiber zu bezeichnen, ist das eine, der Vorwurf des royalen Werdegangs ein anderer. Die Frage, die sich darüber hinaus stellt, was wurde unter den Fittichen Friedrichs geschaffen? War es nicht so, als er 1772 bei der ersten Polnischen Teilung einen Teil Westpreußens als Wüste übernahm, ein blühendes Land hinterließ und Preußen eine günstigere Gestalt annahm?

Doch blicken wir zurück. Der erste und zweite schlesische Krieg. In dieser für Maria Theresia (Erzherzogin von Österreich aus dem Haus Habsburg) so schwierigen Lage bot Friedrich ihr seine Hilfe an, wenn sie ihm Schlesien abträte. Die Hohenzollern hatten zwar durch Erbverträge alle Ansprüche auf mehrere schlesische Herzogtümer, doch war die Rechtslage so strittig, dass nur die Macht entscheiden konnte. Maria Theresia lehnte trotz ihrer Bedrängnis mutig ab. Und nun brach Friedrich, nach seinen eigenen Worten, auf zum „Rendezvous des Ruhmes“. Er rückte in Schlesien ein und begann damit den Ersten Schlesischen Krieg (1740-1742).

Der oft erhobene Vorwurf, Friedrich habe damit einen Angriffskrieg geführt, trifft durchaus zu; auch der andere, dass er immer wieder Verträge gebrochen habe. Aber die anderen Mächte jener Zeit handelten nicht einen Deut besser. Der Unterschied bestand nur darin, dass Friedrich das Problem solcher politischen Unmoral schwer empfand und es oft tiefsinnig erörterte.

Nach den Siegen von Mollwitz (durch den Feldmarschall von Schwerin) und von Chotusitz gewann Preußen im Frieden zu Breslau Schlesien.

Nunmehr wurde Maria Theresia ihrer übrigen Gegner – Bayern, Frankreich, Spanien und Sachsen – leicht Herr. Es gelang ihr sogar mit Sachsen ein Bündnis gegen Friedrich zustande zu bringen.

Der Zweite Schlesische Krieg entbrannte (1744-1745): Die Preußen siegten bei Hohenfriedberg, Soor und Kesseldorf. Mit dem Sieg bei Kesseldorf schloss Fürst Leopold von Dessau seine Feldherrnlaufbahn, die ihm schon im Spanischen Erbfolgekrieg und im Nordischen Krieg zu europäischem Ruhm geführt hatte, glorreich ab.

Durch den Frieden von Dresden blieb Friedrich im Besitz von Schlesien. Mit Bewunderung schaute die Welt auf seine Taten. Sein Volk begrüßte den 33jährigen bei seinem Einzug in Berlin mit unendlichem Jubel als den „Großen“. Nun folgten elf Jahre des Friedens.

Der rasche Aufstieg Preußens erweckte Neider und Feinde ringsum. Friedrich war entschlossen seinen Feinden zuvorzukommen. Um aber nicht als Friedensstörer zu erscheinen, fragte er erst bei Maria Theresia an, ob er Krieg oder Frieden zu erwarten hätte. Da die Antwort unbefriedigend ausfiel, rückte er Ende August 1756 an der Spitze seiner Regimenter in Sachsen ein, dass gewiss nicht neutral geblieben war. Es ist kein Zweifel: Friedrich hat den Krieg eröffnet, um einem mit Recht gefürchteten Angriff zuvorzukommen. „Ich rufe den Himmel zum Zeugen an, dass ich unschuldig bin an allem Unheil, dass daraus entstehen wird.“

So entbrannte der dritte Schlesische Krieg.

Nachdem Maria Theresia 1780 gestorben war, bis zum letzten Atemzug voller Fürsorge für ihr Land, sagte Friedrich: „Sie hat dem Thron und ihrem Geschlecht Ehre gemacht. Ich habe zwar Krieg gegen sie geführt, doch bin ich niemals ihr Feind gewesen.“

Wer Friedrichs tiefste Gedanken über Herrscheramt, Staat uns Politik kennenlernen will, der greife zu seinem Testament von 1752.


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