Zum Gedenken an unsere Toten aus der größten Schiffskatastrophe der Geschichte – in der Nacht zum 30. Januar 1945.

Als die Ostsee zu einem Meer der Hoffnung wurde, sich aber die Hölle auftat, das war ein Tag, der darf und sollte nie vergessen werden.

„Die Tragödie der Flüchtlingsschiffe“ – den mir vorliegenden Ausführungen zufolge starben 1944/45 über 40 000 Menschen auf der Ostsee.

Der Untergang der Gustloff am 30. Januar 1945 forderte über 9000 Tote.

Ein sowjetisches U-Boot versenkte die mit Flüchtlingen und zahlreichen Verwundeten überladene SOS Wilhelm Gustloff. Tausende von Menschen versanken mit dem ehemaligen Kdf-Schiff in der eisigen Ostsee. Heinz Schön (dazu morgen mehr) beweist: Über 9000 Tote.

Die Zahl der Toten der versenkten Gustloff (9000 Tote) war höher als die der Titanic (1500 Tote). Einen Film darüber (ähnlich der Titanic) gibt es meines Erachtens jedoch nicht.

Wir schreiben das Jahr 2026:

Mediale Präsenz? Fehlanzeige!

Publikation aus den öffentlich-rechtlichen Reihen? Fehlanzeige!

Gedenkfeiern am 29. oder 30. Januar 2026 für Schulklassen? Fehlanzeige!

Warum nur, beklagt der Deutsche seine Toten nicht?

Heute, am 29. Januar, blicken wir noch einmal 81 Jahre zurück, zurück auf diese scheußlichen Tage, die für unsere deutschen Landsleute voller Leid und Schmerz waren, auf Tage, Wochen, Monate und Jahre, in denen eine Tragödie in Fortsetzung ging und grausam endete. Die Kriegsverbrechen /Nachkriegsverbrechen an den Deutschen sind nie geahndet worden. Die Täter wurden nie belangt.

Die meisten Gräueltaten auf Befehl der Alliierten und ihrer Gefolgschaft an der deutschen Bevölkerung werden bis heute verschwiegen. Die Zahl der ungeklärten Verbrechen verläuft sich ins Uferlose.

Zur Erinnerung an den Untergang der Wilhelm Gustloff – zum Gedenken, verbunden mit Erlebnisberichten, unter einer Anzahl merkwürdiger Fakten

„In den letzten 12 Monaten des Zweiten Weltkrieges wurde die Ostsee zu einem „Meer der Hoffnung“ für mehr als zwei Millionen Menschen aus Ost- und Westpreußen, Danzig und Pommern. Frauen, Kinder und alte Menschen verließen aus Angst vor der anrückenden Roten Armee ihre Heimat. Sie flohen über Land, Eis und Meer. Am 25. Januar 1945 gab es als letzten Fluchtweg nur noch den Weg über die Ostsee. In den Ostseehäfen von Memel bis Kolberg suchten die Menschen nach rettenden Schiffen. Mehr als eintausend Handels- und Kriegsschiffe, vom Fischkutter bis zum Passagierschiff, vom Vorpostenboot bis zum Schweren Kreuzer wurden zur der Flüchtlingsrettung und zum Abtransport von schwer verwundeten Soldaten eingesetzt.

Deutschen Seeleuten gelang es unter Einsatz des eigenen Lebens bis Kriegsende in einem einmaligen Unternehmen mehr als zweieinhalb Millionen Menschen über die Ostsee zu retten.

Während, wenn auch wenige, amerikanische Historiker diese „Unternehmen Rettung“ nach Kriegsende als „größte Rettungsaktion der Seegeschichte“ bezeichnen, wurde im Nachkriegsdeutschland über diese humanitäre Leistung deutscher Seeleute der Mantel des Schweigens ausgebreitet. Bis heute!

Ein weiteres Foto zeigt eine Zeichnung wie verzweifelte Passagiere später in den Rettungsbooten ein Torpedoboot ansteuern.

Dazu kommentiert auf meinen ersten Beitrag zu „Als die Ostsee zu einem Meer der Hoffnung wurde – und sich die Hölle auftat“ ein Leser auf meiner Website:

„Vergessen wir bitte nicht, dass die heutigen „Freunde“ auf hilflos im Wasser treibende Überlebende Zielschiessen betrieben. Ähnlich den Alliierten Tieffliegern mit ihren Bordkanonen im Raum Frankfurt am Main.“

Nein! Wir vergessen nicht. Dieses Unrecht, dass mit einer solchen Hartnäckigkeit und Vehemenz verschwiegen wird, das kann und darf man nicht vergessen.

(Zu den Tragödien der deutschen Regionen Schlesien und Sudetenland habe ich bereits einige Beiträge veröffentlicht).

Noch einmal zur Erinnerung: 40 000 Menschen starben 1944/45 auf der Ostsee. Über 1000 Rettungsschiffe wurden eingesetzt – 250 gingen verloren – wurden von sowjetischen U-Booten versenkt, liefen auf Minen, von sowjetischen, britischen und amerikanischen Flugzeigen bombardiert und Jagdflugzeugen beschossen, getreu dem Befehl: „Versenkt die Deutschen“.

Auch Lazarettschiffe waren Angriffsziele.

Bekannt wurden in Deutschland nur die großen Schiffstragödien mit mehreren tausend Todesopfern: „Wilhelm Gustloff“, „Steuben“ „Goya“ und „Cap Arcona“.

Erlebnisbericht – aus den Dokumentationen des Heinz Schön:

„Die Hölle von Hela“. Ich zitiere:

„Vom 10. bis 14. April 1943 erlebte ich an Bord des Dampfers „General San Martin, der auf Hela-Reede ankerte, um Flüchtlinge aufzunehmen und sie nach Kopenhagen zu bringen, „die Hölle von Hela“. Immer wieder wurden wir von sowjetischen Flugzeugen angegriffen. Doch wir hatten Glück. Bombenvolltreffer erhielten die in Sichtweite von und liegenden zwei Schiffe, das kleine Lazarettschiff „Posen“ und der Dampfer „Moltkefels“. Beide Schiffe brannten sofort lichterloh, Frauen und Kinder liefen als brennende Fackeln über Deck, kamen in den Flammen um, erstickten im Rauch, ertranken in der Ostsee und sanken mit dem Schiff auf den Grund der Ostsee.

Das Schicksal von Menschen auf untergehenden Schiffen auf der Ostsee stehen im Mittelpunkt meines Buches: „Wer weiß schon Genaueres über das Ende des Frachters „Consul Cords“, des Dampfers „Göttingen“, des Frachters „Androß“, des Dampfers „Moltkefels“, des Dampfers „Orion/Hektor“, des Dampfers „Karlsruhe“, um nur einige zu nennen, nicht zuletzt auch der großen Passagierschiffe „Steuben“, „Goya“ und „Cap Arcona“? „

—–Zitat /Ausführung /Niederschrift des Heinz Schön – Ende.—–

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Quelle: Nach dem Buch des Jaueraners Heinz Schön: “Die Tragödie der Flüchtlingsschiffe“

Heinz Schön gilt als einer der besten Kenner der Vorgänge im Ostseeraum 1944/45. Er war Zeitzeuge dieses Ereignisses und Archivar über die südliche Ostsee. Im Jahr 1986 verlieh ihm Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Bundesverdienstkreuz. Hein Schön selbst überlebte den Untergang der Wilhelm Gustloff 1945.

Einen weiteren Beitrag findet ihr im Kommentar

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Ab hier zitiere ich aus den Aufzeichnungen, festgehalten in Band 3 „Der Grosse Wendig“ zum Untergang der Gustloff:

… „Nun geschahen merkwürdige Vorgänge, die zu der großen Katastrophe fuhren sollten.

Am 29, Januar 1945 fiel bei der 9. Sicherungs-Division auf, daß die »Wilhelm Gustloff< Dampf aufmachte und Vorbereitungen zum Auslaufen traf. Korvettenkapitän LEONHARDT von der 9. U-Boot-Division versuchte verzweifelt, das Auslaufen der >Gustloff< zu verhindern, da er noch nicht in der Lage war, einen ausreichenden Geleitschutz zu gewähren.

Nur ein, zwei Tage später hätte er sichere Geleitzugkräfte zur Verfügung stellen können. Doch das akzeptierte der Kommandeur der 2. ULD genauso wenig wie auch den eindringlichen Bericht von LEONHARDT über die Feindlage in der östlichen Nordsee. Eine merkwürdige Eile zur Abfahrt trat immer deutlicher hervor.

Gleichzeitig mit dem Auslaufen der »Wilhelm Gustloff< hatte am 30. Januar 1945 das sowjetische U-Boot »S-13< unter Kapitän MARINESKO die Höhe von Heia erreicht. MARINESKO entschloß sich, >S-13< auftauchen zu lassen und auf seine Beute zu warten.

Gegen 18 Uhr erschien plötzlich ein Funkmaat mit einem Funkspruch auf der Brücke der »Wilhelm Gustloff »Auch das noch. . .« kommentierte dieser das Papier, aus dem er den Text überflogen hatte, »ein aus mehreren Fahrzeugen bestehender Minensuch verband läuft uns in geöffneter Formation mit zwölf Seemeilen Fahrt genau entgegen!«

Kapitän PETERSEN stellte fest, daß dies Kollisionsgefahr bedeutete, und befahl Positionslichter zu setzen, bis der Verband vorüber sei. Dies tat er gegen den energischen Widerspruch anderer Offiziere auf der Brücke, die entschieden gegen das Setzen der Positionslichter waren. Schon vorher hatte es heftige Auseinandersetzungen wegen PETERSENS Anordnung gegeben, bei anbrechender Dunkelheit Seiten- und Dampferlichter zu setzen. Es ging darum, ob die Gefahr einer Kollision oder der Entdeckung durch ein feindliches U-Boot größer war.

Dabei setzte sich der zweite Offizier Paul VoiJ.RATH, ein erfahrener Handelsschiffsoffizier, durch, der die Auffassung vertrat, daß es vollkommen genüge, mit der schwach brennenden blauen Lampe über dem Heck zu fahren. Nun aber wurden die vollen Positionslichter gesetzt, das grüne an Backbord, das rote an Steuerbord.

Die Folgen sollten fatal sein.

Zu diesem Zeitpunkt war das große Passagierschiff bereits ins Verderben gerannt. Kapitän A. j. MARINESKO sah sein Opfer mit brennenden Positionslichtern geraume Weile auf sich zukommen, und gegen 21 Uhr lag >S-13I genau richtig in Angriffsposition. Dann lief ein russischer Torpedo auf die »Gustioff< zu.

Dumpf grollten Explosionen durch die See.

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Ich möchte euch in diesem Zusammenhang die weitere Ausführung von Friedrich Georg, veröffentlicht im „Grossen Wendig“ Band 3 auf der Seite 639 nicht vorenthalten:

Unter Würdigung aller merkwürdigen Fakten muß gefragt werden, ob die »Wilhelm Gustloff< nicht in die Falle gelockt wurde. Sollte das ehemalige Flaggschiff der NS-Propaganda als Symbol für den bevorstehenden Untergang des Dritten Reiches am Jubiläumstag der Machtergreifung durch die NSDAP versenkt werden?

War nur eine Fehleinschätzung der Gefahr durch U-Boote an dem vorzeitigen Auslaufen der »Wilhelm Gustloff< ohne Geleitschutz schuld, oder wartete das sowjetische U-Boot >S-13< möglicherweise gezielt auf den einstigen Paradedampfer der KdF?

Welche Stelle und welche Einheit setzte den schicksalhaften Funkspruch an die >Gustloff< ab, oder wurde er überhaupt auf der >Gustloff< empfangen?

So wissen wir, daß gegen 20 Uhr nur noch verstümmelte Funksprüche (Störung durch wen?) von dem todgeweihten Schiff empfangen werden konnten, während der ominöse Funkspruch noch kurz vorher gegen 19 Uhr 30 auf die Brücke gekommen sein soll. Es ist bis heute nicht gelungen, eine offizielle Quelle für den mysteriösen Funkspruch zu finden, dessen Existenz von überlebenden Offizieren auf der >Gustloff< einhellig bestätigt wurde.

War dies alles Teil eines perfiden Geheimdienst-Unternehmens unter Mithilfe von deutschen Helfern?

Etwa 9500 Opfer der Katastrophe, darunter mit Sicherheit mehr als 5000 Kinder, zahlten den Preis. Falls es dabei um eine Propagandawirkung ging, war das »Unternehmen Gustloffc für seine Urheber ein totaler Fehlschlag, da der deutsche Wehrmachtbericht, Presse und Rundfunk

den Untergang der »Wilhelm Gustloffi verschwiegen.

Niemand erfuhr lange Zeit die Bilanz der >Gustloff<-Katastrophe, auch nicht nach Kriegsende. Hatte man Angst vor Tausenden von Deutschen als »unschuldigen Opfern<? Noch viel schlimmer war dann noch die Vorstellung, daß herauskommen könnte, es sei bei der Katastrophe nicht

alles mit rechten Dingen zugegangen.

Erst 53 Jahre nach dem Ereignis wurde durch die Arbeit von Heinz SCHÖN, einem Überlebenden des »Gustloff<-Untergangs, die brutale Wahrheit bekannt, wie viele Opfer wirklich in der Ostsee elendig ertranken.

Der Tatsache, daß 9343 Menschen beim Untergang der »Wilhelm Gustloffc als der größten Schiffskatastrophe in der Geschichte der Menschheit ertranken, wurde dennoch so gut wie keine Publizität gegeben, ganz im Gegensatz zu dem Rummel, den der Untergang des Luxusschiffes »Titanic* im Jahre 1912 bis heute verursacht hat. Wie viele Bücher, Filme, Ausstellungen sind seither der »Titanic« gewidmet worden und wie viele den Opfern der »Wilhelm Gusdoff<?“

Friedrich Georg

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Wenn ihr den ganzen Text dazu lesen möchtet: Band 3 könnt ihr euch als PDF herunterladen unter » Rolf Kosiek, Olaf Rose Der Grosse Wendig«

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Weitere Quellangaben:

Cajus BEKXER, mFlucht übers Meer,

Stalling, Oldenburg

1 9 6 4 , S . 1 8 0 – 1 8 3 (Frage der Abfahrt).

2

Heinz Schön SOS Wilhelm Gustloff. Die größte Schiffskatastrophe der

Geschichte, Motorbuch, Stuttgart 1 9 9 8 .


An dieser Stelle möchte ich euch diesen überaus ehrenwerten Kommentar eines freundlichen Lesers nicht vorenthalten.

Nachruf auf die Toten der „Wilhelm Gustloff“!

Herzlichen Dank an Wolfgang Dornbach für diese Worte:

„Heute vor 81 Jahren, am 30. Januar 1945, gegen 21.00 Uhr, versank die „Wilhelm Gustloff“ in den eisigen Fluten der Ostsee.

23 Seemeilen vor der pommerschen Küste trafen Torpedos eines sowjetischen U-Bootes ein Schiff, das bis zum Rand gefüllt war mit Verwundeten, Frauen, Kindern und Flüchtlingen aus Ostpreußen – Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und dem sicheren Tod an Land.

Rund 9.000 von ihnen überlebten diese Nacht nicht.

Sie erfroren, ertranken, schrien im Dunkel der Ostsee – und wurden still.

Es war die größte Katastrophe der Seefahrtsgeschichte. Und sie ist bis heute eine der am meisten verschwiegenen.

Während andere Opfer des Zweiten Weltkriegs – zu Recht – Mahnmale, Gedenktage, Schulbücher und öffentliche Rituale erhalten haben, bleiben diese deutschen Toten oft namenlos, randständig, unbequem. Ihr Leid passt nicht in das gewünschte Geschichtsbild. Ihr Tod stört die einfache Erzählung von Tätern und Opfern.

Doch wer unschuldige Menschen aus dem Gedenken ausklammert, begeht ein zweites Unrecht.

Wer Leid relativiert, weil es „auf der falschen Seite“ geschah, verrät den Anspruch auf Menschlichkeit.

Und wer meint, dass Kinder, Frauen und Verwundete weniger betrauert werden dürfen, weil sie Deutsche waren, hat aus der Geschichte nichts gelernt.

Gedenken ist kein Freispruch für Schuld.

Aber es ist ein Mindestmaß an Anstand.

Die Toten der „Wilhelm Gustloff“ verlangen keine Rechtfertigung. Sie verlangen Erinnerung.

Still. Würdevoll. Ohne ideologische Scheuklappen.

81 Jahre später schulden wir ihnen wenigstens das:

Nicht das Schweigen.

Nicht das Wegsehen.

Sondern ein ehrliches, menschliches Gedenken.

Denn wer entscheidet, wessen Leid erinnerungswürdig ist, hat bereits aufgehört, aus der Geschichte zu lernen.“


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