„Wenn keine Narren auf der Welt wären, was wäre dann die Welt?“, fragte sich einst Johann Wolfgang Goethe

Unternehmen wir an dieser Stelle einen Schwenker: Raus aus den „politischen Sphären“ und hin zu einer fast vergessenen Welt naturmagischer Bräuche. Zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Winter und Frühling – wir feiern die Zeit, die mit dem Erwachen der Natur im Frühling einhergeht.
„Den ganzen Februar hindurch zieht die alte Göttin in der Gestalt der Percht oder Berta mit ihrer Geisterschar durchs Land. Die Menschen werden davon mitgerissen und feiern jetzt Fastnacht, Fasching, Karneval und andere Narrenfeste. Es ist die Urkraft der Wildnis und des Waldes, die in der Gestalt von Naturgeistern, Teufeln und Hexen über die kultivierte, zivilisierte Welt herfällt.“
Diese Kreaturen der ungezähmten Wildnis regen zum lustvollen Treiben an.
Das Wort Fastnacht hat nichts mit Fasten zu tun, wie es uns die Kirchendoktrin glauben machen will. Es kommt vom neuhochdeutschen Wort faseln (mittelhochdeutsch: vaselen) und bedeutet gedeihen, fruchtbar machen. Schon Bonifatius, der angelsächsische Missionar und sogenannte Apostel der Deutschen, der die heiligen Eichen umhauen ließ, verdammte in der Synode von Liftinae in Belgien (745) diese „unflätigen Feste im Februar“.
Die germanischen Stämme nutzten diese Zeit, um böse Geister zu vertreiben und den guten zu huldigen, sie markierten den Übergang von Winter zum Frühling, mancherorts auch mit einem Heidenlärm. Wie bei allen heidnischen, also unseren ursprünglichen Festen, stand und steht die Natur im Mittelpunkt mit einem naturmagischen Segen aus Blüten: Nelken, Tulpen, Rosen und Veilchen. Naturrituale, um das Neujahr zu begrüßen, Fruchtbarkeitskulte, um den Frühling anzulocken.

Auch interessant dazu:
Heidnische Bräuche wie das Vertreiben von Winterdämonen zur Sonnenwende oder das Begrüßen des fruchtbaren Frühlings wurden im Laufe der Zeit nur argwöhnisch von der christlichen Kirche akzeptiert. Sie setzte alles daran, diese Festlichkeiten zu übernehmen und mit christlichen Werten und Bräuchen zu überlagern – wie auch die Fastnacht.
Fasnacht wurde erst nach dem Jahre 1200 unter dem Einfluß des frommen Mittelalters ihrem Herkunftssinn widersprechend zu Fastnacht umgewandelt, nachdem das Konzil von Benevent im Jahre 1091 den Beginn der österlichen Fastenzeit auf den Mittwoch vor Sonntag Invocavit festgesetzt hatte. Den ältesten schriftlichen Nachweis für die Form Fasnacht finden wir in Wolfram von Eschenbachs Parzival aus dem Jahre 1206. Er schreibt im VIII. Buch in der 8. und 9. Zeile des 409. Verses: Das diu koufwip ze Tolenstein an der vasnaht nie baz gestriten
Habt ihr noch Fragen?
Warum gibt es eigentlich drei Namen für das närrische Treiben? (Fasnacht, Fasching, Karneval).
>> Unser oberdeutsches Wort Fasnet ist gleichbedeutend mit Fasnacht. Fasnacht aber kommt über Faselnacht von faseln her. Fasnacht nennen wir die Tage von Dreikönig oder, im engeren Sinne, die Zeit von Donnerstag vor Quinquagesima bis Aschermittwoch. Fasnacht bezeichnet also einen Zeitabschnitt und nicht nur einen Tag oder eine Nacht.
>>Das bajuwarische Wort Fasching hat sich aus Fa-Schank gebildet.
>> Das Wort Karneval will der Würzburger Professor Hermann Müller im Jahre 1844 aus carrus navalis — Schiffswagen ableiten.
Für die frühen Anfänge dürfen wir aber wohl sagen: in Ursprung und Sinn sind Fasnacht, Fasching und Karneval dasselbe.
Wann war eigentlich die erste Weiberfastnacht?
Das war vermutlich im Jahr 1733. Da wollten die Jesuiten die Auswüchse zur Karnevalszeit durch spezielle Fastnachtsspiele überwinden.
Die Kuttenträger waren stets zugange, um alles Ursprünglich auszulöschen oder in ihrem Sinne zu verwenden: Auf einigen der Fotos (Zeichnungen aus dem 16. Jahrhundert) gibt es einige kuriose „Objekte“ zu entdecken. (ausführlich dazu »siehe Beitrag im Kommentar)

Wenn ihr noch mehr über die Bräuche dieser „närrischen“ Zeit erfahren möchtet – die Beiträge dazu, findet ihr wie gewohnt im Kommentar.
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Literaturverweise
Wolf Dieter Storl-Magie der Sonnenwenden
Hegau Zeitschrift für Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte Heft 1 / 5. Jahrgang / 1960
Bild /Beitragsfoto: Pixabay
Auszüge aus Wikipedia
Henrike Stein (11. Februar 2021). Kuriose Objekte: Der etwas andere Karnevalszug. Blog Zeitenblicke – Frühe Neuzeit Uni Köln. Abgerufen am 27. Februar 2025 von