Der lange Weg zum Frieden …

Angesichts so mancher Fantastereien aus alliierten wie auch aus fanatisch-nationalistisch geprägten Kreisen, schlagen wir auch hier das Geschichtsbuch auf.

Im Kommentar findet ihr dazu wie gewohnt einige bereits in der Vergangenheit von mir verfasste Beiträge, beruhend auf einigen unserer zahlreichen Reisen an diese Orte, die Auskunft geben können.

Zur Untermauerung ungerechtfertigter Hoheitsansprüche auf Schlesien wird von polnischer und leider auch oft von bundesdeutscher Seite behauptet, die über Jahrhunderte in Schlesien regierenden Fürsten seien eine polnische Dynastie gewesen.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass zwischen den Polanen um 1000 n. d. Zt. und den heutigen Polen ethnische Unterschiede bestehen und dass die Bezeichnung >Piasten< eine spätere polnische Zutat ist. Es ist ziemlich sicher, dass das erste Herzogs- und Königsgeschlecht Polens aus einem skandinavischen Adelsgeschlecht stammt, das zusammen mit dem Fürsten- und Königsgeschlecht des Reiches von Nowgorod und Kiew – den Ruriks – bei Oslo beheimatet war.

Der erste chronistisch nachweisbare Herrscher, heute meist MISEKO genannt, wird in den zwei erhaltenen Urkunden seiner Zeit DAGO oder DOGO genannt, was ein rein nordischer Name ist, der in den späteren slawischen Sprachen nicht nachweisbar ist, weshalb man richtiger vom Geschlecht der Daglinger spricht. Auch für andere, heute als polnisch bezeichnete Adelsgeschlechter ist die wikingische Herkunft nachgewiesen, selbst von polnischen Forschern. Sie kamen als DAGOS Gefolge, als dieser von den Polanen ins Land gerufen wurde.

Ähnliches kam in den Stammesherzogtümern zwischen Elbe, Saale und Weichsel wiederholt vor. Grabfunde wikingischer Art aus jüngerer Zeit belegen das, ebenso die aus der damaligen Zeit erhaltenen bildlichen Darstellungen mit Wikingerschiffen, Schwertern und anderem nordischen und anderem nordischen Kulturgut, besonders eindrucksvoll an der Bronzetür zum Gnesener Dom.

Blättern wir im Geschichtsbuch noch einmal kurz zurück (ab etwa 879): Alle späteren Großfürsten und Fürsten stammten von Rurik und seinen Brüdern Sineus und Truwer ab. Die germanischen Namen wurden später slawisiert – z. Bsp.: aus Helga wurde Olga, aus Johann Ivan

Die Nachkommen der Ruriks regierten bis 1598.

Letzte Rurikiden:

• Ivan III. 1462-1505

• Wassili 1505-1533

• Ivan IV 1533-1584

• Fjodor 1584-1598 – mit ihm erlosch die Dynastie der Rurikiden.

Erwähnenswert ist, dass Rurik Alt Ladoga zu seiner Hauptstadt machte. Alt Ladoga liegt am Südufer des Ladogasees. Festungen, Kirchen und Ruinen erinnern noch an den Glanz der Ruriker. Das Gebiet ist touristisch nicht erschlossen, aber es gibt Museen dort und sowohl die hölzerne als auch steinerne Festung wurde restauriert.

Nach einigen Jahren der Wirren, begann 1613 die Dynastie der Romanows. Anastasia kam aus einem ehemaligen Fürstenhaus der Ruriker.

Gewiss ist es für einen nationalbewussten Russen wenig erfreulich zu lesen, das der Chronist Nestor aus dem Jahre 862 über das Treiben ihrer slawischen Vorfahren berichtete: „Da war keine Gerechtigkeit unter ihnen, und es erhob sich Stamm gegen Stamm, und Zwistigkeiten waren unter ihnen, und sie huben an, selbst einander zu bekriegen. Schließlich sprachen sie bei sich: ‚Lasset uns einen Fürsten suchen, welcher uns regiere und gerecht über uns richte.‘ Dann gingen sie übers Meer zu den Warägern, zu den Rus .

Das schrieb der geheimnisvolle Mönch Nestor Anfang des 12. Jahrhunderts, im Höhlenkloster zu Kiew und er nannte es „Erzählung von den vergangenen Jahren“.

Im 20. Jahrhundert allerdings zeitigte diese Chronik ungeahnte Folgen. Ihretwegen verloren sowjetische Professoren den Lehrstuhl und wurden in den Gulag verschleppt.

Und so muss es sich wohl zugetragen haben: Um 820 kamen von Südschweden und von der Insel Gotland her germanische Krieger und Händler, die sich Vaeringjar (Gefolgsleute) oder Waräger nannten. Sie bildeten einen Teil der allgemeinen normannischen Expansion, die sich bis in den Mittelmeerraum erstreckte. Ihr geschlossenes Auftreten imponierte den notorisch zerstrittenen Stämmen Nordrusslands offenbar. Im Jahre 862 kam laut Nestor eine Delegation von „Slawen“ und Finnen zu dem Warägerhäuptling Hrørikr (berühmter Herrscher), den sie „Rurik“ oder „Rjurik“ nannten.

Die vornehmsten russischen Fürstengeschlechter (Obolenski, Dolgoruki, Gortschakow, Wolkonski, Lwow, Gagarin, Schuiskij und Tatischtschew) führten ihre Ahnenreihe auf den Stammvater Rurik zurück und waren sehr stolz darauf.

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So in Lexika, Lehrbüchern, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. 4. 1991.

H. JÄNICHEN, Die Wikinger im Weichsel- und Odergebiet, Leipzig 1938.

Zusammenfassende Übersicht in: Helmut SCHRÖCKE, »Die norwegischen Daglinger in Polen«, Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Nr. 3/ 1991, S. 28-33; ders., Slavi, Slawen, Ostgerma- nen, Kor- und Frühgeschichte des Ostraumes, Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1993. SCHRÖCKE, ebenda,

Jochen WITTMANN, Die Daglinger-»Piasten« und ihre germanische Kontinuität, Verlag Dam- böck, Ardagger 1990.

„Der Große Wendig“ Band 1 S. 523

Diese Karte fügte Theodore N. Kaufmann (1919-1978) seinem Buch „Germany must Perish“ seiner Wunschvorstellung über die völlige Aufteilung Deutschlands unter dessen Nachbarn bei.


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