Lust auf einen historischen Wirtschaftskrimi? Dann empfehle ich euch das Buch von Günter Ogger: Kauf dir einen Kaiser!
So wandeln wir zu vorgerückter Stunde auf den Spuren der Fugger:

„Sie waren reicher und mächtiger als die 100 größten Konzerne der Gegenwart. Sie bestachen – lange vor Lockheed – Könige, Kaiser und selbst Päpste. Sie finanzierten den Krieg gegen die Protestanten und die Eroberung Südamerikas. Sie retteten Europa vor den Türken und die Habsburger vor dem Untergang. Sie ließen aufständische Bauern niedrmetzeln und organisierten den Ablaßhandel. Sie sammelten die wertvollsten Kunstschätze und gründeten den ersten Sozialfonds der Neuzeit. Sie erfanden die Gleichung: Weltgeschichte = Geldgeschichte.“
Nie zuvor und kaum wieder danach bestimmte die Wirtschaft so eindeutig die Weltpolitik wie in den Tagen Jakob Fuggers des Reichen. Es war nicht ein Mann des Staates, sondern ein privater Unternehmer, der die größte Macht der Welt in Händen hielt. Durch zuverlässige Vorausmeldungen machte er sich Kaiser und Könige zu Verbündeten, durch gezielte Falschinformationen vernichtete er seine Konkurrenten.
Aber das unausweichliche Chaos ruinierte nicht den Staat, sondern eben jene Großkaufleute, die ihn vorher so trefflich auszubeuten wussten. Modellhaft spiegeln sich in jener »großen« Zeit der europäischen Geschichte – den Jahren zwischen 1480 und 1560 – viele unserer heutigen Probleme, Preiswucher und technologischer Fortschritt wieder.
Der Clan, der einst die Welt beherrschte – sein Einflussbereich reichte von der Westküste Südamerikas über den gesamten europäischen Kontinent bis zu den Gewürzinseln der Molukken –, lässt sich allenfalls noch mit zwei anderen europäischen Familien vergleichen: den Medicis und den Rothschilds.
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Fugger / Rothschild / Medici – ein Blick auf die drei der einflussreichsten Bankiersdynastien der europäischen Geschichte.
Medici, Fugger und Rothschild repräsentieren drei der einflussreichsten Bankiersdynastien der europäischen Geschichte, die durch Kreditvergabe an Fürsten und Staaten enorme Reichtümer anhäuften.



Während die Medici (15./16. Jh.) Kunst und Politik in Florenz prägten, stellten die Fugger (16. Jh.) unter Jakob dem Reichen in Augsburg die wohlhabendsten Finanziers der Renaissance dar. Die Rothschilds (ab 18. Jh.) etablierten das erste globale Bankennetzwerk.
Fugger und Rothschild waren eng mit dem Adel verbunden – die Fugger wurden geadelt, die Rothschilds erhielten Baronstitel. Während die Fugger-Firma im 17. Jahrhundert erlosch, existiert die Familie bis heute.
Melanchthon bezeichnete Augsburg als „deutsches Florenz“ und die Fugger als Ebenbürtige der Medici.
Die Rothschilds agierten in einer späteren Epoche und prägten das internationale Bankenwesen des 19. Jahrhunderts. Seit dem Mittelalter gehört Frankfurt am Main zu den bedeutenden städtischen Zentren Deutschlands. Im Jahr 794 erstmals urkundlich erwähnt, war es seit 1372 Reichsstadt. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 wurden die meisten römisch-deutschen Könige in Frankfurt am Main gewählt und seit 1562 auch zum Kaiser gekrönt.
Rothschild ist der Name einer jüdischen Familie, deren Stammreihe sich in Deutschland ab 1500 urkundlich belegen lässt. Ihre Mitglieder sind seit dem 18. Jahrhundert vor allem als Bankiers bekannt geworden. Sie zählten im 19. Jahrhundert zu den einflussreichsten und wichtigsten Finanziers europäischer Staaten. Das Stammhaus des Bankgeschäfts war M. A. Rothschild & Söhne in Frankfurt am Main.
Frankfurt am Main ist heute Sitz der Europäischen Zentralbank, der Deutschen Bundesbank, der Frankfurter Wertpapierbörse, zahlreicher Finanzinstitute (darunter Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, KfW), der Aufsichtsbehörden BaFin und EIOPA und der Messe Frankfurt.
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Auf einen Blick:
Medici (Florenz): Höhepunkt im 15. Jahrhundert (Cosimo der Ältere, Lorenzo il Magnifico). Der Fokus lag auf Bankwesen, Handel, Kunstmäzenatentum, politischer Einfluss (Papsttum, Frankreich). Die Bankgeschäfte schwächten sich Ende des 15. Jahrhunderts ab.
Fugger (15./16. Jahrhundert): Die Fugger begannen als Weber, stiegen durch Handel und Bergbau zu enormem Reichtum auf. Sie kontrollierten den europäischen Kupfermarkt und finanzierten Kaiser Karl V.. Ihr Reichtum basierte stark auf Rohstoffen, während das Bankgeschäft eng mit der Machtpolitik der Habsburger verknüpft war.
Rothschild (18./19. Jahrhundert): Die Familie Rothschild, begründet von Mayer Amschel Rothschild, entwickelte sich später zu einer der ersten internationalen Bankiersdynastien mit Filialen in ganz Europa. Sie spezialisierten sich auf Staatsanleihen und den Aufbau eines modernen Finanznetzwerks.
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Quelle:
Kauf dir einen Kaiser! (Günter Ogger)
ADAC-Streifzüge durch das historische Deutschland
1000 Jahre Europäische Geschichte, das 15. /17. und 19. Jahrhundert (Ulrike Müller-Kaspar)
Im Kommentar findet ihr noch einen Beitrag mit einer „Banken-Chronik, beginnend mit den Fuggerschen Anleihen von 1488.
