… weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. (Goethe)

Vorsicht! Langer Text.
Am Sonntag erinnern wir uns an die „Operation Clarion“, eine massive anglo-amerikanische Luftoffensive vom 22. und 23. Februar 1945. Aufgrund der Angriffe auf zahlreiche kleine und mittelgroße Städte forderte die Operation tausende zivile Todesopfer. Schätzungen sprechen von einer hohen Zahl an zivilen Opfern, da die Angriffe oft in Wohngebieten nahe Bahnhöfen einschlugen.
Doch zuvor widmen wir uns einem Beitrag aus der Reihe: „Die Anklage hören viele, die Rechtfertigung wenige..“
Auch wenn wir uns für nichts zu rechtfertigen haben, allein in Anbetracht der hohen Kriegsschuldlast und der (Dauer) Zahlungsanweisung zur „Wiedergutmachung“, sollte auch das Folgende nicht unerwähnt bleiben.
Die steten Vorwürfe, insbesondere aus den Reihen unserer polnischen „Freunde“, welche ohne Unterlass und voller Hass auf unser deutsches Volk immer und immer wieder herunterprasseln, stehen auf recht wackeligen Beinen. Um nicht zu sagen, es ist eher ein Fass ohne Boden, so haltlos, so unrecht sind die Anschuldigungen.
Immer und immer wieder wird uns gepredigt, Deutschland hat gewütet und sich vieler Verbrechen schuldig gemacht. Unabhängig davon, dass viele unter uns die Art dieser Predigt längst durchschaut haben, geht es doch schlussendlich nur darum, der deutschen Bevölkerung noch den letzten Heller aus der Tasche zu ziehen, für Taten, die sie nachweislich nicht begangen, aus einem Krieg, den andere herbeigeführt haben. (siehe auch gestrigen Beitrag zum Versailler Vertrag).
Kein Wunder, dass in den Köpfen der Menschen jede Menge Unfug und falsch Gesagtes herumspukt und sich leider auch manifestieren konnte.
So schreibt zum Beispiel der Deutschlandfunk vor noch gar nicht allzu langer Zeit: „Am 14. Februar 1942 entschied die britische Militärführung, „ohne Einschränkung“ Bomben über dicht besiedelten deutschen Städten abzuwerfen. Vorbild für die Flächenbombardierungen waren verheerende deutsche Luftangriffe auf Städte wie London und Coventry oder Warschau.“
Vorbild waren verheerende deutsche Luftangriffe? Tatsächlich? Ist das so?
War es nicht eher so, dass die alliierten Vernichtungsangriffe vor allem ein bestimmtes Ziel verfolgten und ihren Beginn bereits am 4. September 1939 nahmen?
Der publizistische Dauerbrenner „Coventry“ ist bekannt, darüber habe ich schon oft berichtet. (siehe im Kommentar). Als angebliche Beweise werden die Bombardierungen von Coventry, Warschau und Belgrad medial herangezogen. Die Wirklichkeit ist aber anders.
Die Fakten:
Erst nach wiederholten Angriffen auf Berlin Ende August 1940 erfolgte am 7. September ein erster deutscher Vergeltungsangriff auf London.
Zu Beginn der Schlacht um England war den deutschen Kampffliegern der Angriff auf Städte untersagt. Erst nachdem Kriegspremier CHURCHILL die Bombardierung deutscher Städte freigegeben hatte, wurde auch London angegriffen. Der erste deutsche Angriff auf London erfolgte als Vergeltung am 7. September 1940.
Erst weitere Monate später, am 15. November 1940, erfolgte der deutsche Luftangriff auf die Rüstungsstadt Coventry, der oft unberechtigt als Auslöser des alliierten Luftterrors im Zweiten Weltkrieg genannt wird.
Warschau: Bekanntlich kapitulierte Warschau am 27. September 1939. Millionen von Flugblättern waren vorher abgeworfen worden, um Warschau zur Kapitulation und die Zivilbevölkerung zum Ausweichen in die östlich der Weichsel gelegene Vorstadt aufzufordern. Die polnische Hauptstadt war keine offene Stadt. Im Gegenteil: Sie war vorher in Verteidigungszustand gebracht worden. Der polnische General Juliusz ROMMEL und der Bürgermeister hatten die Verteidigung organisiert. Als die Kapitulation nicht erfolgte, griffen deutsche Flugzeuge, vom damaligen Kriegsrecht völlig gedeckt, die als Festung ausgebaute Stadt an.
Die deutsche Luftwaffe hatte den Auftrag, nur militärische Ziele zu bombardieren. Schriftliche Dokumente darüber liegen vor. Auch hatte der französische Luftattache in Warschau, General ARMENGAUD, seine Regierung darüber informiert, dass die deutsche Luftwaffe nach den Kriegsgesetzen gehandelt habe.
Am Morgen des 6. April 1941 begann der deutsche Luftangriff auf Belgrad. In Belgrad wurden – soweit dies möglich war – nur militärische Ziele bombardiert. Hinter den dazu vorangegangenen Aktionen standen die Engländer und der amerikanische Diplomat Bill DONOVAN. Anfang April schloss die neue Regierung einen Pakt mit der Sowjetunion. Es kam deswegen am 6. April zum Krieg Deutschlands mit Jugoslawien.
Indes begannen die Briten als erstes mit Bombenangriffen auf Deutschland, ohne dass das Reich darauf zunächst antwortete. Nach einer Notiz bei den Akten des Oberbefehlshabers der Luftwaffe-Arbeitsstab I.S.- erfolgten bereits bis 31. Dezember 1939 zahlreiche britische Bombenabwürfe.
Dass CHURCHILL vor nichts zurückschreckte, beweist der britische Luftangriff auf Bulgariens Hauptstadt Sofia in der Nacht zum 7. April 1941. Bulgarien befand sich mit England nicht im Krieg. England hat diesen Angriff als Repressalienhandlung gerechtfertigt.
Vorausgegangen war der Beitritt Bulgariens zum Dreimächtepakt. Die deutschen Truppen konnten daher, ohne dass Bulgarien in den Krieg eintrat, durch das Land marschieren. Die Anwesenheit englischer Truppen auf griechischem Hoheitsgebiet gab Deutschland das Recht, dieses als Kriegsschauplatz zu behandeln.
Weitere Beispiele alliierter Zerstörungswut:
Als die Alliierten Frankreich bombardierten – siehe die Schlacht um Frankreich 1944/45. Zwischen Juni 1940 und Mai 1945 wurden von britischen und amerikanischen Flugzeugen 67078 Franzosen getötet. Mehr als 90000 Gebäude oder Häuser wurden zerstört, und 45 000 wurden unbewohnbar.
Die Zerstörung der normannischen Stadt Caen durch zweiwöchige, unablässige Luftbombardements auf deutsche Besatzungstruppen sowie auf die einheimischen Zivilisten bis zur Einnahme durch die anglo-amerikanischen Invasionstruppen am 9. Juli 1944 gehört zu den schlimmsten Beispielen der rücksichtslosen Vorgehensweise der alliierten Luftwaffe.
Nach der alliierten Invasion 1944 in Frankreich bombardierten Engländer und Amerikaner rücksichtslos auch die Städte ihres französischen Verbündeten, solange die Gebiete noch in deutscher Hand waren. Aber auch schon vorher wurden französische Orte, vor allem an der Atlantikküste, von britischen Terrorangriffen heimgesucht. Dabei nahmen die Engländer auf die Zivilbevölkerung ebenso wenig Rücksicht wie bei ihrem Angriff am 3. Juli 1940 gegen die französische Flotte in Mers-el-Kebir bei Oran in Nordafrika auf die französischen Marinesoldaten.
Am 3. Mai 1942 starteten die Alliierten einen intensiven Bombenangriff auf die Pariser Umgebung.
Am schlimmsten ist, meint der Zeitzeuge Philippe GAUTIER, „dass die Alliierten, und ganz besonders die Engländer, die historischen Kerne von nahezu allen Städten der Normandie. .. zerstörten, obwohl sie sehr wohl wussten, dass ihre deutschen Feinde ihre Panzerdivisionen nicht in den normannischen Kirchen und Kathedralen versteckten, ebenso wenig in den alten Abteien, in den mittelalterlichen engen Gassen mit Fachwerkhäusern oder in Krankenhäusern. Eine ungeheuerliche Bilanz von ebenso willkürlichen wie überflüssigen Massakern!“
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Hier noch einmal zu Warschau:
Der Zivilbevölkerung war tagelang Gelegenheit zum Verlassen der Stadt geboten worden. Die dann erfolgende Beschießung und Bombardierung waren daher nach Artikel 25 der Haager Landkriegsordnung erlaubt und völkerrechtlich voll gedeckt. Sie können nicht als Terror gegen Zivilisten beurteilt werden. Zu diesem Urteil kamen auch ausländische Militärgeschichtsschreiber wie der britische Luftkriegshistoriker Noble FRANKLAND.
Insbesondere kann die Bombardierung Warschaus nicht Deutschland als Beginn des Luftterrorkrieges gegen Zivilisten vorgeworfen werden. Die Schuld an den Opfern und an den zerstörten Kulturwerten trifft in erster Linie die für die überflüssig gewordene Verteidigung Verantwortlichen. Die polnischen Verteidiger hatten zudem selbst ab 10. September vom Ostteil Warschaus aus mit Artillerie die von Deutschen besetzten westlichen Teile der Stadt beschossen und dort Zerstörungen angerichtet.
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Deutschland hatte auf der Abrüstungskonferenz des Völkerbundes 1928 – 1934 mehrfach beantragt, Luftangriffe auf die Zivilbevölkerung international zu verbieten. Der auch nach 1933 von der NS-Regierung weiter gestellte Antrag wurde von England, Frankreich und den USA 1934 abgelehnt.
Auch später setzte sich der deutsche Reichskanzler erfolglos für eine entsprechende Vereinbarung ein. Der britische Historiker Emrys HUGHES bekundete bei Ausführungen über den Bombenkrieg: »HITLER bemühte sich wiederholt, eine Übereinkunft darüber zu erlangen, dass Zivilisten und nichtmilitärische Ziele nicht angegriffen werden sollten, erhielt aber immer wieder von britischer Seite eine eiskalte Abfuhr
(Zit. von BÄRSCHNEIDER, aaO. (Anm. 3), S. 20. )
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Morgen lesen wir dann von der „Operation Clarion“.
»Immer schreibt der Sieger die Geschichte des Besiegten. Dem Erschlagenen entstellt der Schläger die Züge. Aus der Welt geht der Schwächere, und zurück bleibt die Lüge.< (Bertolt Brecht)
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weitere Quellenverzeichnisse:
Der Grosse Wendig Band 1 S. 830 Grabert Verlag / Kosiek/Rose
Konrad PINGEL, »Der Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg«, in: Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Heft 3, 1999, S. 19, dort auch weiterführende Literatur. Ebenda, S. 16.
Georg W. FEUCHTER, Der Luftkrieg, Athenäum, Frankfurt/M. 21962, S. 219. 2 In: Flugzeug, Nr. 3, Juni-Juli 1990, S. 24-28. 3 CZENANY, aaO. (Anm. 11), S. 235.
Philippe GAUTIER, Deutschenangst — Deutschenhaß, Gra bert, Tübingen 1999, S, 11.
Hans-Joachim VON LEESEN, »Wer warf Bomben auf Nantes?«, in: Ostpreußenblatt, 7. 10. 2000, S. 4. Siehe Beitrag Nr. 161: »Bromberger Blutsonntag«. Christian ZENTNER U. Friedemann BEDÜRFTIG,
Das Große Lexikon des Zweiten Weltkriegs, Südwest, München 1988, S. 241; Philippe GAUTIER,
Deutschenangst – Deutschenhaß, Grabert, Tübingen 1999, S. 130-133. Philippe GAUTIER, ebenda, S. 132
Auswärtiges Amt Berlin (Hg.), Dokumente über die Alleinschuld Englands am Bombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung,
Achtes Weißbuch der Deutschen Regierung, Berlin 1943, Nachdruck ArchivEdition, Viöl 1995, S. 155
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Bild wikipedia
Bertelsmann Chronik des 20. Jahrhunderts