Bis heute sühnt unser Volk für Taten, die es nie begangen hat. Gestern haben wir über die Vorfälle von Katyn gelesen.
Nach einem ersten Beitrag aus der gestern von mir eröffneten Reihe: „Die Richtigstellung einer Falschmeldung ist leider nicht jedermanns Recht“, möchte ich die Vorgänge zu Katyn vertiefen.

(Den vorangegangenen Beitrag findet ihr wie gewohnt im Kommentar.)
Katyn – Was zuvor geschah:
„Nachdem die Deutschen Polen praktisch besiegt hatten, griffen die Sowjets am 17. September 1939 Polen an und besetzten das östliche Polen, auch Gebiete, die zunächst von der deutschen Wehrmacht erobert und dann wieder geräumt worden waren. Am 6. Oktober kapitulierten die letzten polnischen Einheiten, damit war der Polenfeldzug für alle Seiten beendet. Man kennt genau die deutschen Verluste und die Zahl der polnischen Gefangenen, die ins Deutsche Reich kamen.
Die Frage aber, wieviele polnische Gefangene (S. 25 Große Wendig Bd.1) nach Rußland deportiert wurden, kann nur geschätzt werden. MOLOTOW gab bekannt, daß die Sowjets 230670 Polen entwaffnet hätten. (S. 107), MACKIEWICZ2 gibt etwas höhere Zahlen an. Der sowjetische Rote Stern schrieb (17. 9. 1940), dass u.a. 12 polnische Generale, 58 Oberste, 72 Oberstleutnants und 9227 weitere Offiziere von den Sowjets gefangengenommen worden seien. Die große Frage ist: Was geschah mit diesen Offizieren und Soldaten (und weiteren gefangenen Zivilpersonen)?
Die polnische Exilregierung in Paris (nach Frankreichs Niederlage in London) suchte unter General SIKORSKI (1881-1943) nach den in Rußland gefangen gehaltenen Offizieren und Soldaten und trug ausführliche Nachrichten und genaue Einzelheiten zusammen. Die Masse der von den Sowjets gefangenen polnischen Offiziere, Polizisten und Militärpolizisten wurde in drei großen Lagern in der Ukraine zusammengefaßt:
ca. 4000 Mann in Starobielsk,
ca. 4500 Mann in Kozielsk und
ca. 6500 Mann in Ostaschkow, insgesamt rund 15000 Mann, vorwiegend Offiziere.
Die Lage änderte sich nach Beginn des Ostfeldzuges im Juni 1941. Der Deutsch-sowjetische Pakt wurde von der Sowjetunion außer Kraft gesetzt, und sämtliche Polen, die in der Sowjetunion gefangen waren, fielen unter eine Amnestie. Nur die oben erwähnten 15 000 Mann waren nirgends aufzufinden. Zahlreiche diplomatische Gespräche zwischen Sowjets und Exilpolen wurden geführt, Briefe und Noten gingen hin und her.
Am 1. Dezember 1941 reiste General SIKORSKI nach Moskau, um mit STALIN und MOLOTOW ZU sprechen. Er erhielt keine befriedigende Auskunft auf die Frage nach dem Verbleib der 15000 polnischen Gefangenen, nachdem auf einen in der ganzen Welt verbreiteten Aufruf sich kein einziger der Vermißten gemeldet hatte.
Aus den drei genannten Lagern waren fast alle Insassen abtransportiert, und es fehlte jede Spur von ihnen. Auch ihr Briefwechsel mit ihren Angehörigen war im Frühjahr 1940 abgebrochen.
Am 13. April 1943 gab es eine Sensation. Der Großdeutsche Rundfunk berichtete, daß in einem Walde bei Smolensk (auch >Katyn-Wald< genannt) Gruben mit Tausenden von Leichen polnischer Offiziere entdeckt worden seien. Alle waren durch Genickschuss getötet worden, einigen waren die Hände auf den Rücken gefesselt.
Aus zahlreichen gerichtsmedizinischen Befunden ging eindeutig hervor, daß die gefundenen Leichen mindestens drei Jahre im Massengrab lagen. So haben unabhängig voneinander alle Gerichtsmediziner entschieden. Die Ermordungen mussten also lange vor Beginn des Russlandfeldzuges erfolgt sein und können daher nur von den Sowjets durchgeführt worden sein.

Die Sowjets protestierten und logen die Morde von Katyn in ein deutsches Verbrechen um. Sie übernahmen auch die (falsche) Zahl der deutschen Propaganda von 10000 bis 12000 Leichen und behaupteten einfach 11000 Tote. Das enthob die Sowjets der peinlichen Fragen, wo denn die anderen polnischen Offiziere aus den Lagern Starobielsk und Ostaschkow zu finden seien.
Die UdSSR benutzte die Gelegenheit 1943, die diplomatischen Beziehungen zur polnischen Exilregierung in London abzubrechen, wo später ein Denkmal von Polen zur Erinnerung an den Mord durch die Sowjets errichtet wurde.

Dagegen errichteten die Sowjets (und Polen) in niederträchtiger Weise 1985 auf dem Warschauer Militärfriedhof Powatzki ein dreieinhalb Meter hohes Granitkreuz mit der geschichtsfälschenden Inschrift: »Den polnischen Soldaten, die Opfer des HITLER-Faschismus wurden und in der Erde von Katyn ruhen«.
Die Inschrift musste Ende März 1989 entfernt werden, nachdem in Polen offen über die sowjetische Schuld gesprochen worden war.
Den Gipfelpunkt der Lügenhaftigkeit erklomm die Nürnberger Rachejustiz. Die Morde von Katyn wurden zunächst Deutschland angelastet, während die wahren Mörder am >Richtertisch< saßen. Man konnte 1945/46 aber den Deutschen keine Schuld nachweisen, und daher verschwand das Thema allmählich aus den Vorwürfen der Nürnberger Ankläger. In ihrem Urteil findet sich kein Wort mehr davon.
In Katyn an der Fundstelle der Leichen stand lange ein aus Granit- blöcken errichtetes Denkmal mit der wahrheitswidrigen Inschrift auf Russisch und Polnisch: »Den Opfern des Faschismus – den polnischen Offizieren, die von Hitleristen im Jahre 1941 erschossen worden sind.«
Erst Anfang März 1989 wurde von polnischer Seite offiziell bekanntgegeben, dass der Mord an den über 4000 polnischen Offizieren in Katyn nicht von den Deutschen, sondern von den Sowjets unter STALIN durchgeführt worden sei.
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Offenbar ein Tatzeuge von Katyn, ein sowjetischer Major und späterer Lagerleiter in Workuta, hat im Zusammenhang mit dem Streik in Workuta im Juli 1953 seinen Gefangenen gedroht: »Ich werde euch nicht erlauben, eine Kommission nach Moskau zu verlangen. Bis zu ihrer Ankunft habe ich euch schon lange in eurem eigenen Blut ertränkt, so wie ich die Herren Pans, die polnischen Offiziere von Katyn, ertränkt habe.« Der alkoholsüchtige Major sprach über die Ermordung der polnischen Offiziere und, betrunken, wie er war, beschimpfte er sie. Dabei bekannte er, dass er ihretwegen jetzt hier in den unwirtlichen Gegenden sei. Bevor er wegging, machte er darauf aufmerksam, daß hier das gleiche geschehen könne, da es für ihn eigentlich egal sei, ob zu seiner Tat von Katyn noch eine weitere von Workuta käme.

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Quelle
Der Große Wendig Bd. 1. S. 751-754
Johann URWICH- FERRY, Ohne Paß durch die UdSSR, Vereinigung der Freien Rumänen in Deutschland e.V., München 1982, S. 105.
Rundfunk und Fernsehen am 8. 3. 1989.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. 4. 1989.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14./17. 4. 1990.
Weiterführende Literatur:
Hendrik VAN BERGH, Die Wahrheit über Katyn, Vowinckel, Berg 1986.
Die Wehrmachts- Untersuchungsstelle Ermittlungen über alliierte Völkerrechtsverletzungen Alfred. M. de Zayas S. 355-359
