Über die Ausbreitung des Deutschtums im Mittelalter

Gestern haben einige schon mal „reingelesen“: Zur selben Zeit als die Macht des Reiches immer tiefer sank, vollbrachte das deutsche Volk in allen seinen Ständen eine geschichtliche Großtat: Die Wiedergewinnung alten germanischen Bodens im Osten, der in den Zeiten der Völkerwanderung verlassen und von den Slawen besiedelt worden war. Am Anfang der deutschen Geschichte um 900, bildeten Elbe und Saale die Ostgrenze des Reiches; um 1350 reichte es aber bis zur Narwa und zum Peipussee. Die außerordentliche Bedeutung dieser Tat, ergibt sich eindrucksvoll aus Folgendem: Noch um das Jahr 1200 lag der Schwerpunkt der deutschen Geschichte im Süden und Westen des Reiches, etwa auf der Linie Köln – Frankfurt – Augsburg. Durch die Ausbreitung des Deutschtums nach dem Osten rückte das Schwergewicht auf die Linie Hamburg – Breslau und fand seinen Mittelpunkt in Berlin, in einer Landschaft also, die am Anfang der deutschen Geschichte noch gar nicht zum Reich gehört hatte.

Wir erinnern uns: Schon unter Heinrich I. und Otto I. waren Vorstöße in den Osten erfolgt. Aber unter Otto II. war diese Bewegung jäh abgebrochen. Erst Lothar von Sachsen nahm die Ostmarkenpolitik wieder auf. Er verlieh die Grafschaften Holstein und Stormarn an Adolf von Schauenburg, die brandenburgische Nordmark (die heutige Altmark) an Albrecht den Bären und die Mark Meißen an Konrad von Wettin. Drei Geschlechter haben Großartiges für die Zukunft des deutschen Volkes geleistet.“

———————-

Gewaltiges vollbrachte auch Heinrich der Löwe. Die Slawenvölker waren durch lange Kriege erschöpft, und nicht selten riefen ihre Fürsten selbst deutsche Siedler zur wirtschaftlichen Hebung ihrer Länder herbei. Andere wiederum zogen freiwillig die deutsche Herrschaft der polnischen Oberhoheit vor. Die Deutschen stießen weit in die slawische Welt vor und deutschten sie ein, indem sie Bauern aus dem Westen ansiedelten und zahlreiche Städte und Klöster gründeten. Den Bauern und Mönchen folgten bald Handwerker, Kaufleute, Ingenieure und Gelehrte aus ganz Nord- und Mitteldeutschland. Bald waren Mecklenburg, Pommern, Brandenburg, die Lausitz, Schlesien wiedergewonnen und deutsche Länder geworden. Dadurch, dass Heinrich der Löwe den ersten deutschen Hafen an der Ostsee, Lübeck ausbaute, begannen die Deutschen von hier aus die Ostsee zu beherrschen.

1230 kam der Deutsche Orden, zu Hilfe gerufen von dem polnischen Herzog, herüber nach dem Osten und eroberte in schweren Kämpfen Preußen, und schließlich, um 1350, erstreckte sich die deutsche Herrschaft, wie bereits erwähnt, ununterbrochen die ganze Ostsee entlang bis an den Peipussee und die Narwa.

Der deutsche Kaufmann verstand es, den Ostseehandel von den östlichen Ländern nach dem Welthandelsmarkt in Flandern, fast ganz in sein Hand zu bringen. Es ist die Zeit der deutschen Hanse.

Dieser Städtebund hatte sich allmählich im 13. Jahrhundert dadurch entwickelt, dass ich die deutschen Kaufleute im Ausland zusammenschlossen, um ihre Interessen gemeinsam zu vertreten.

Um 1350 steht die Hanse fertig da; die umfasst nicht nur die Städte an der Küste, sondern auch die Städte im Innern, die auf den Verkehr mit der Küste angewiesen waren. Diese Hanseaten verstanden nicht nur Handel zu treiben, sondern auch die Waffen zu führen. Erfolgreich haben sie alle Kämpfe gegen die Habgier von Seeräubern und gegen die Eifersucht fremder Fürsten bestanden. Eine dieser vielen Seehelden war Paul Beneke aus Danzig.


Hinterlasse einen Kommentar