… erschienen 1989 im Weltbildverlag „Meine Heimat Pommern, die letzten Tage – Erinnerungen an Flucht und Vertreibung (S.171)
Nur für starke Nerven!
Doch vergessen dürfen wir nicht. Erwin Krüger hat sich das einst von der Seele geschrieben und damit der Nachwelt etwas gereicht.
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Am Ende des Beitrags findet ihr ein Foto von Erwin Krüger, der heute noch lebt. Diese Aufnahme stellte mir freundlicherweise Tino Runge zur Verfügung, der in einem persönlichem Kontakt mit Herrn Krüger steht und zudem die „Heimatseiten-Belgard pflegt.
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„Als Sohn des Schneidermeisters Emil Krüger und dessen Ehefrau Agnes geb. Zumker, wurde ich Ende April Anfang der 1930er Jahre in Groß Sabin, Kreis Dramburg in Pommern geboren. Vom 6. Lebensjahr an besuchte ich die Volksschule in Groß Sabin. Am 11.2.1945 wurde meiner Schulbildung durch den Einmarsch der Roten Armee ein Ende gesetzt: Denn: Am 11.2. 1945 mussten wir das erstemal auf die Flucht. Meine Eltern fuhren mit uns als letzte mit uns aus dem Dorf. Die Granaten schlugen schon rechts und links von uns ein. Noch heute sehe ich meine Mutter am Grabe ihrer Mutter stehen und weinen. Sie sagte, als ich sie vom Friedhof holen wollte: „Lass mich noch einmal am Grabe meiner Mutter knien, es wird das letzte Mal sein.“
Dann zogen wir, es war neun Uhr, aus dem Ort. Wir hatten unsere Nachbarn mit auf unserem Treckwagen. Als wir aus dem Ort fuhren, sahen wir eine Familie, die keiner mitnehmen wollte.

Mein Vater ließ den Wagen halten; das Gepäck wurde auf unseren Wagen verladen und die Familie ging mit uns auf die Flucht. Wir fuhren über den Bahnhof Virchow, Wutzig, Falkenburg, Zetzin nach Wusterwitz. Hier lagen wir 14 Tage. Es öfteren wohnte ich einer Unterhaltung mit dem Kreisleiter bei. Er beteuerte immer, wir brauchen nicht mehr weiter. Ende Februar, eines Morgens, hörten wir die Front näher kommen. Mein Vater wollte die Kreisleitung anrufen, um die Genehmigung zur Weiterfahrt zu erhalten. Die Verbindung kam nicht zustande; Dramburg war schon geräumt. Der Treck setzte sich in Richtung Dramburg in Bewegung.

Da uns zu diesem Zeitpunkt der Weg durch Dramburg schon abgeschnitten war, mussten wir wieder zurück, um über Gersdorf, Bad Polzin, Schivelbein nach Kolber zu fahren. Der Weg war schrecklich. Oft wurden wir durch Tiefflieger angegriffen. Auf einem Gut vor Kolberg haben wir Halt gemacht. Die Pferde konnten nicht mehr. Es war in der Nacht um ein Uhr. Mein Vater besorgte für die Familien, die noch bei uns waren, Quartier. Meine Mutter wollte für uns eine Unterkunft beschaffen, ging in das Gutshaus und fragte: „Gute Frau , können wir ein Nachtlager bekommen?“ Da antwortet die Frau: „Immer noch gnädige Frau!“
Um drei Uhr kamen die Russen in den Ort, für uns war es wie das Ende unseres Lebens. Wir waren dem Selbstmord nahe, aber mein Vater richtete uns wieder auf. Nach kurzer Zeit kamen die russischen Soldaten und trieben uns in die große Scheune. Nach einer Stunde wurde das Tor aufgerissen und alle Männer unter 50 sollten heraustreten. Nachdem die Männer herausgetreten waren, fragte ein Russe auf Deutsch: „Warum tritt der Gutsherr nicht heraus?“ Die Gutsfrau antwortete ihr Mann sei krank. Darauf wurden beide aus der Scheune geholt und erschossen.
Am Morgen kamen die Russen und sagten, ein jeder sollte in seine Heimat zurückfahren. Ein Ukrainermädchen, das noch bei uns war und bei uns bleiben wollte, musste uns sofort verlassen, da es sonst als Deutsche erklärt worden wäre.
Am Morgen fuhren wir mit mehreren Wagen wieder zurück in die Heimat. Alle paar Kilometer wurde der Wagen geplündert. Wir packten den Rest, den man uns gelassen hatte, immer wieder auf und fuhren weiter. Als wir durch den Ort Stolzenburg kamen, wurden wir, da es schon dunkel war, aufgefordert zu übernachten. Am Dorfende, nach Schivelbein zu, stehen drei Waldarbeiterhäuser. In dem mittleren übernachteten wir. Um Mitternacht kamen die nachziehenden Truppen, Mongolen. Wir stellten uns im Zimmer allesamt auf. Eine junge Mutter mit ihrem 14 Tage alten Kind stand in der vordersten Reihe. Dieser Frau wurde das Kind vom arm gerissen. Zwei Männer zogen sie aus und hielten sie fest, der jeweils dritte verging sich an der Frau. Meine Mutter, meine kleine 15 Monate alte Schwester und ich flüchteten durchs Fenster, da die Russen sich auch meiner Mutter näherten. Wir verkrochen usn in einem Bombentrichter. Meine Mutter war der Verzweiflung nahe und wollte Selbstmord begehen. Auf meine Bitten hin ließ sie davon ab. Meine Schwester, die oft weinte, bekam von meiner Mutter ein Taschentuch in den Mund gesteckt, damit wir von den Russen nicht durch das Weinen entdeckt würden.
Am Morgen fuhren wir bis Grössin bei Schivelbein; hier kamen wir nicht mehr weiter. In Schivelbein standen noch deutsche Truppen. Wir wurden von den Russen an der Weiterfahrt gehindert. Wir kamen in den Arbeiterhäusern neben dem Gut unter. Die Russen waren immer hinter uns her. Am zweiten Tag in Grössin, es war am 5. März 1945, ging mein Bruder zu den deutschen Soldaten und erkundete die Lage. Nach Vereinbarung sollten wir am 6. März morgens um 7 Uhr im Wald Grössin/Stolzenburg zu den deutschen Soldaten kommen. Morgens um 6.15 Uhr fuhren wir zum Dorfausgang. Die Straße lag unter Beschuss. Während mein Vater abwartete, passierte ein Freund meines Vaters die Straße während des Beschusses. Um 6.45 hörte der Beschuss auf, mein Vater gab meinem Bruder das Zeichen zur Weiterfahrt. Kurz vor dem Wald sahen wir, dass der Wagen des Freundes zusammengeschossen war. Die Toten und Verwundeten lagen dabei. Mein Vater ließ halten. Er wollte helfen. In diesem Augenblick schlug eine Granate unter unserem Wagen ein. Er flog mit allem in die Luft und sank dann zur Erde nieder. Ich hatte ein Splitter neben dem linken Auge. Mein Gehör hatte stark gelitten.


Als ich wieder sehen konnte, kam mein Vater auf meinen Bruder Joachim und mich zu. Wir saßen in einem Blockwagen, der hinter dem Treck angebunden war. Mein jüngerer Bruder und mein Vater waren nicht verletzt. Ich schaute zu dem Dorf zurück, aus dem wir gekommen waren. Da sah ich meine kleine Schwester Rosemarie an der Straßenseite liegen. Sie hatte bei meiner Mutter auf dem Schoß gesessen und war von dem Druck aus dem Wagen geschleudert worden. Ich lief hin, nahm meine Schwester auf den Arm. Sie lebte noch. Sie hatte drei Splitter im Arm. Mein Bruder Karl Heinz kam um den Wagen gewankt und brach zusammen; er hatte im Rücken zahllose Splitter; vom rechten Oberschenkel war das Fleisch und die Muskeln, vom linken Bein war die Wade abgerissen. Er lebte noch drei Stunden.
Dann holte mein Vater meine Mutter aus den Trümmern hervor. Ihr waren der Ober- und Unterkiefer abgerissen. Sie hatte außerdem einen Splitter im Herzen. Mein Großvater war blind; ein Bein abgerissen. Er ist auf der Straße verblutet. Meine Großmutter starb ebenfalls an der Unfallstelle. Auch sie war blind. Wahrscheinlich war ihr die Lunge geplatzt. Unsere Nachbarfamilie, die auch auf dem Wagen war, lebte.
In der Nähe stand ein leerer Wagen mit zwei Pferden davor. Den holte mein Vater, wir luden das Notwendigste auf und auch meinen Bruder Karl Heinz, da er zu dem Zeitpunkt noch lebte. Die Nachbarsfamilie stieg auch mit auf. Ich lief mit meiner Schwester auf dem Arm in das Dorf zurück, aus dem wir gekommen waren.
Mein Vater fuhr mit meinen Geschwistern und der Nachbarsfamilie zu den deutschen Soldaten, wo auch mein Bruder von einem Sanitätsarzt behandelt worden ist. Da mein Vater an uns Kinder dachte, kehrte er in das Dorf zurück. Mein Bruder wurde in das Zimmer getragen. Er verzog das Gesicht vor Schmerzen. Da habe ich meinen Vater zum ersten Mal weinen gesehen. Er bat meinen Bruder verzweifelt: „Du darfst nicht sterben!“ Mein Bruder sagte: „Papa ich bin ja hier und zum Sterben .. !“ Dann schlief er ein. Wir sahen ihn verblassen. Nach einer Stunde war er tot.
Wir legten ihn zuerst in einen Schuppen und wollten die Großeltern und ihn zusammen beerdigen. Da aber in diesem Schuppen sehr oft Frauen vergewaltigt wurden, beschloss mein Vater, meinen Bruder zu beerdigen. Meine Mutter und die Großeltern durften wir nicht mehr holen. Sie blieben an der Straße liegen.
Am 10. März mussten wir weiter trecken. Am 11. März wollte man meinen Vater verschleppen. Nach Bitten und Flehen von und Kindern behielten wir ihn. Am 12. März um 6 Uhr teilte mein Vater unser letztes Brot. Er sagte mir, ich sollte versuchen, aus einem Haus Brot zu bekommen. Es war bei Polzin in Pommern. Ich ging in ein Gutshaus und wollte Brot beschaffen. Als ich den ersten Raum betrat, lagen da sechs oder neun Volkssturmmänner. Die Augen waren ausgestochen, die Leiber aufgeschnitten und verstümmelt, die Volkssturmbinden waren über die nackten und geschändeten Leichen gelegt. Ich rannte aus dem Haus und schrie: „eher will ich verhungern, aber ich gehe nie wieder in ein Haus!“
Um 7.30 Uhr hatten wir das Dorf Gersdorf durchfahren; es war in der Rechtsbiegung nach Zetzim“ Wusterwitz, 4. Baum vor der Biegung, da kam ein Gefangenentrupp.

Ein Wächter ging auf meinen Vater zu. Mein Vater fuhr für einen Bekannten einen Wagen. In diesem Moment war ich zu meinem Vater gekommen. Mein Vater sagte: „Ich habe alles verloren, ich habe auch kein Taschenmesser mehr.“ Der Wächter untersuchte meinen Vater, und da er kein Taschenmesser fand, nahm er die Maschinenpistole vom Rücken und schoss meinem Vater in die Brust. Mein Vater fiel mit dem Gesicht auf die Straße; als ich zu meinem Vater wollte, hielt man mich zurück. Ich schrie. Mein Vater wurde mit Füßen an den Straßengraben gestoßen. Der Wächter schoss noch einmal. Wir mussten sofort weiter.
Am 13. März kamen wir mit Bekannten in unserer Heimat Groß Sabin wieder an. Wir wohnten zuerst bei Bekannten, einige Kilometer vom Dorf entfernt. Als nach zwei Wochen mein Großvater mütterlichseits und eine Schwester meiner Mutter in das Dorf zurückkamen, zogen wir zu ihnen.
Bis zum 29. Juni 1946 waren wir noch dort. Es war schrecklich. Am 29. wurden wir um vier Uhr aus den Betten geholt. Wir wurden von Groß Sabin nach Klein Sabin getrieben, wo wir mit 500 Personen in einem Saal übernachten mussten. Am nächsten Morgen wurden wir aus dem Saal getrieben, hinter uns wurden uns die Rucksäcke abgeschnitten und an der Tür wurde uns bis auf ein Gepäckstück alles fortgenommen.
Nun wurden wir nach Falkenburg transportiert. Die alten Leute wurden gefahren, auch Kinder, andere mussten neben den Fahrzeugen laufen. Auch auf diesem Weg blieben wir von Plünderern nicht verschont. In Falkenburg wurden wir in Viehwaggons geladen. Wir waren über 300 Personen in einem Waggon. Die Verpflegung war schlecht auf dem Transport. In Stettin kamen wir in ein Lager in dem wir 14 Tage leben mussten.

Schließlich landeten wir in Pöppendorf bei Lübeck. Nach einigen Tagen gelangten wir nach Tornesch-Ahrenlohe, wo wir in einem Gasthaus untergebracht wurden. Nach acht Tagen ging es von hier aus weiter nach Prisdorf, wo wir bei einer Familie P. untergebracht werden sollten. Da man uns nicht ins Haus ließ, mussten wir auf dem Heuboden wohnen. Dann kamen wir in einer Baracke in Prisdorf unter. , aus der wir erst wieder hinauskamen, als uns des Nachts alles gefroren war, also im Winter.
Auf unser Bitten uns eine Wohnung oder ein Zimmer zu geben, mussten wir uns von einem Herrn aus Prisdorf anhören: „Ihr seid doch bloß hierhergekommen, weil ihr keine Lust zur Arbeit hattet!“ Acuh sagte man uns: „Warum seid ihr nicht ins Wasser gegangen?“
In der Baracke lebten wir mit fünf Familien in einem Raum. Aber erst im Dezember 1946 bekamen wir ein Zimmer zugewiesen.
Durch meine Arbeite habe ich in Prisdorf viele Freunde gewonnen, auch Herrn Lehrer Müller, dem ich heute noch sehr dankbar bin. Er gab mir kostenlosen Unterricht, da ich meine Schulbildung ja nicht abgeschlossen hatte, aber die Schule vormittags nicht besuchen konnte, weil ich Vollwaise war und als Ältester der Geschwister arbeiten musste, um einigermaßen durch das Leben zu kommen.
Am 1. Februar 1949 ging ich in die Gärtnerlehre bei der Firma H. und am 27. Februar 1952 machte ich meine Gehilfenprüfung in Kiel mit dem Prädikat „gut“.
1956 machte ich mich selbstständig. 1955 lernte ich meine Frau kennen, und weil ich oft unter Albträumen litt, war ich bestrebt eine Familie zu gründen, um Gewesenes zu vergessen. 1955 wollte ich in Prisdorf ein Grundstück erwerben: Man sagte mit in Itzehoe auf dem Siedlungsamt: „Haben Sie überhaupt etwas verloren?“
Hier nun das bereits am Anfang des Beitrags erwähnte Foto von Erwin Krüger, der heute noch lebt. Diese Aufnahme stellte mir freundlicherweise Tino Runge zur Verfügung, der in einem persönlichem Kontakt mit Herrn Krüger steht und zudem die „Heimatseiten-Belgard pflegt. https://heimatseiten-belgard.de/heimatkreis/

Eure Kommentare zum Beitrag:
Genauso schlimm ist es meinen Großeltern, die aus Schlesien, Sprottau stammten gegangen. Mein Vater war bei der Flucht 8 Jahre alt,sein grosser Bruder 12.Sie hatten ein riesiges Gut mit viel Land und vielen Angestellten. Alles verloren,die Flucht war so schlimm,dass sie nie darüber reden konnten.Meine Großmutter hat sich später das Leben genommen, sie kam nie über diese schlimme Zeit hinweg.Ihr Sohn,also mein Onkel wurde vor ihren Augen von einer Handgranate zerrissen.Sie sind damals nach Dresden geflüchtet und einen Tag vor dem großen Bombenangriff aus Dresden weiter geflüchtet. Geblieben sind sie in einer Gemeinde 20km von Dresden entfernt. Wurden Zeit ihres Lebens als Flüchtlinge, abfällig behandelt. Von Menschen, die nie etwas verloren haben,die nie etwas schlimmes erlebt haben,die vom Krieg verschont blieben.Das hat meinen Papa sein Leben lang geprägt und auch uns Kinder.Und wenn jetzt gerade die halbe Welt im Kriegsmodus ist,dann hat wirklich niemand aus dieser schlimmen Zeit etwas gelernt
Der Text war schon heftig, noch heftiger war der letzte Satz, der als Paradebeispiel dient, wie man Ignoranz definiert.
Ich frage mich immer, ob die Leute, die von Kriegstüchtigkeit schwadronieren, je solche Zeitzeugenberichte gelesen haben.
Ich habe viele solcher Berichte gelesen und mich mit der psychologischen Aufarbeitung beschäftigt, sowie über die Wirkung auf die Folgeneration.
Und ja, diese Erlebnisse begleiten die betroffenen Familien bis heute.
Meine Freundin ist auch betroffen, ihre Oma kam mit ihren Geschwistern aus einem Vorort von Königsberg und die Mädchen haben grausames erlebt.
Interessant ist für mich, ich kann irgendwie immer abschätzen, ob es sich bei Personen, die ich kennenlerne, um Ostflüchtlinge oder ihre Nachfahren handelt.
Sie sind mental irgendwie anders drauf, sind herzlicher, stiller und dankbarer.Wer hat das auch beobachtet?
Das sollte viel mehr publik gemacht werden… mein Vater hat auch noch Alpträume vom Erlebten…
Meine Großeltern mütterlicherseits sind damals zu Fuß nach Thüringen geflohen. Mein Opa hatte ein Holzbein und einen Splitter an der Luftröhre aus dem ersten Weltkrieg. Daher war er bei meiner Oma und bei meiner Mutter. Dort hin zu kommen muss grausam gewesen sein und auch als der Krieg vorbei war, war alles in Düsseldorf zerbombt . Wer heute Kriegsgeil ist , hat den Verstand verloren!
Ein schonungsloser Bericht. Man versteht, dass er hinterher von Albträumen geplagt wurde. Auch mein Mann (Ostpreuße) und ich (Schlesierin) und beide Jahrgang 1940, haben unsere Fluchterinnerungen, die uns bis ins hohe Alter jetzt nicht loslassen.
Diese Erzählung deckt sich mit der meines Vaters, geb. 1939 von Flucht und Elend, Not und Hunger, von Vergewaltigung seiner Mutter. Meine 2004 verstorbene Schwiegermutter musste als junge Frau und Mutter aus Ostpreußen fliehen mit einem einige Wochen alten Säugling, der auf dem Treck verhungerte weil sie keine Milch mehr hatte zum Stillen. Sie hat sich den Arm aufgeschnitten um das Kind mit ihrem Blut zu stillen. Sie konnte ihr Kind nicht mal begraben wegen Tieffliegerbeschuss. Sie hat immer geweint bei ihren Erzählungen. Der Mensch ist die grausamste Kreatur und was der Mensch dem Menschen antut ist unfassbar. Was sich in der heutigen Zeit vor unser aller Augen in der Welt abspielt, ist eine Katastrophe. Der Mensch als vernunftbegabtes Wesen hat nichts aus der Geschichte gelernt. Er produziert munter Vernichtungswaffen und überlegt, wie er sich selbst am Effizientesten vernichten kann.
Und genau diese deutsche Geschichte muss aufgeklärt werden aber das wird es nicht weil dann ein ganz anderes Bild von den Deutschen und den angeblichen Befreiern entsteht.
Ich erinnere mich , vor längerer Zeit ein Manuskript gelesen zu haben, von einer Amerikanerin, die mit einem Deutschen Industriellen verheiratet war! Sie hatte zwei Kinder und ein Baby! Als der Russe vorrückte musste sie ihr Zuhause verlassen und begab sich auf die Flucht, Richtung Westen! Das Grauen was sie erleben musste war entsetzlich! Durch übermenschliche Kraft hat sie ihre Kinder gerettet! Angekommen im Westen wurde sie von den Amerikanern verhaftet wegen Spionage! Obwohl sie nur Mutter und Hausfrau war! Die Fabrik ihres Mannes hatte nichts kriegstaugliches produziert! Das Baby ist heute über Achtzig Jahre und eine gute Freundin!
„Haben Sie überhaupt etwas verloren?“ die Antwort wäre gewesen: „Alles“ Meine Oma wollte auch niemand mitnehmen, weil sie so viele kleine Kinder hatte.. Am Ende hat sie der Ortsvorsteher in einem Bus mitgenommen.
Mein Grossvater flüchtete mit den grösseren Kindern getrennt in einem Güterzug. Er war nicht kriegstauglich gewesen, sondern hatte in Königsberg U Boote gebaut. Er wäre oft fast als Deserteur erschossen oder von den desolaten deutschen Truppen noch zum Kämpfen mitgenommen worden.
Meine Tante Erna war 17 Jahre und ein schönes Mädchen. Mein Opa versprach ihr, wenn die Russen kommen, bringt er sie vorher um, denn das war immer noch besser, als den Russen in die Hände zu fallen.
Sie kamen alle durch und landeten in der Lüneburger Heide. Die fetten Bauern, die hier vom Krieg nicht viel mitbekommen hatten, empfingen sie mit Sensen und nannten sie „die Polacken“. Sie wurden tatsächlich meist in Schuppen oder Speichern untergebracht.
Meine Oma, geflüchtet aus Königsberg, mit Nichts, außer ihren kleinen Kindern, hat mir alles erzählt. Sie war, wie all die anderen Zeitzeugen, schwerst traumatisiert. Ohrringe aus den Ohren gerissen, geschlagen, fast verhungert, fast erfroren, voller Angst, erbarmungslos der Gewalt ausgesetzt und sie wurde natürlich auch vergewaltigt. Es war alles dabei um jemanden zu entmenschlichen. Niemals darf das alles vergessen werden!!!
Für mich als Kind von Vertriebenen aus dem Sudetenland und grosser Freund der Ostpreussen ist es unglaublich schmerzhaft, was damals abging. Aber da ich die Geschichten meiner Mutter und Großmutter kenne, kann ich alles bestätigen. Wobei ich sagen muß, dass meine Mutter mir sagte, dass die Frau, in Altenstadt im Allgäu, wo sie und Oma erstmalig einquartiert wurden, sich sehr entschuldigt hat und es dann ein sehr herzliches VERHÄLTNIS gab.
Meine geliebte liebe Omi kam aus Schivelbein. Sie musste fliehen mit 2 kleinen Kindern und den Eltern
Meine Oma hat mir nicht viel erzählt die musste mit zwei Kinder aus dem Sudetenland raus. Das eine Kind ist gestorben mein Vater hat überlebt.
Meine Großeltern waren auf solch einem Trek, sie haben es dann bis Dresden geschafft ihnen ist allerdings erspart geblieben dann in Dresden u durch die Alliierten um zu kommen weil sie einen Tag vorher Dresden verlassen haben, aber Dresden war zugestopft mit solchen Flüchtlingen was die Alliierten aber nicht daran gehindert hat Dresden kaputt zu bomben nach dem Motto weil wir es können.