„Ich ziehe durch die Gassen,
So finster ist die Nacht,
Und alles so verlassen,
Hatts anders mir gedacht.
Am Brunnen steh ich lange,
Der rauscht fort, wie vorher,
Kommt mancher wohl gegangen,
Es kennt mich keiner mehr.“
Zum 238. Geburtstag unseres schlesischen Dichters Joseph Freiherr von Eichendorff

Joseph von Eichendorff, der Spross eines alten katholischen, seit mehreren Jahrhunderten in Schlesien ansässigen Adelsgeschlechts, wurde am 10. März 1788 auf dem hochgelegenen väterlichen Schlosse Lubowitz unweit Ratibor geboren.

In dem gesegneten Frieden des Elternhauses, welchen die aus Paris nur langsam eintreffenden Revolutionsberichte nicht zu stören vermochten, verlebte er mit seinem nur zwei Jahre älteren Bruder seine glücklichen Knabenjahre,
Von seinem Vater, einem praktischen, ehrenfesten Manne, und der Mutter, einer geistvollen und schönen Frau, mit liebender Sorgfalt erzogen, von einem würdigen Geistlichen und mehreren Hauslehrern unterrichtet, entwickelte er seinen lebhaften, reich begabten Geist sehr früh zu selbständigen Denken und Dichten.
Schon in seinem zehnten Jahre wagte er sich an ein Trauerspiel, dessen Stoff der römischen Geschichte entnommen war. Daneben verschlang er mit „Heißhunger“ und bunt durcheinander, was die Bücherei seines Vaters nur darbot: Reisebeschreibungen, Romane, aus dem Französischen und Englischen übersetzt, vor allem die alten deutschen Volksbücher , deren ungeschickte derbe Holzschnitte seiner Fantasie einen „frischen unendlichen Spielraum eröffneten“.
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Eichendorff lebt in all den Jahrzehnten seiner Beamtentätigkeit bis zu seinem Tod zurückgezogen im Kreis der Familie, und von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, beschrieben als ein gütiger, bescheidener und warmherziger Mensch. Zwar ist er mit Arnim und Brentano, den Schlegels, Tieck, Kleist, E. T. A. Hoffmann bekannt, begegnet 1846/47 während eines langen Aufenthalts in Wien Robert und Clara Schumann, Meyerbeer, Grillparzer und Stifter und lernt später in Berlin, wohin er 1849 zurückkehrt, auch Fontane kennen. Doch schon 1851 schreibt Bismarck verwundert an seine Braut: „Weißt Du, daß der Mensch noch lebt? Wohnt hier im Kadettenkorps …“





Er starb am 26. November 1857 um 17 Uhr mit 69 Jahren an einer Lungenentzündung in Neisse.


Unvergessen bleibt ein wunderbarer Wohlklang in seiner Poesie, bald froh, bald trüb gestimmt, alles umfasst, was die deutschen Dichter von jeher gesungen: Wanderslust und Waldeseinsamkeit, Freude an der Natur und Liebeswonne. Eine Perle unter seinen Naturliedern ist ohne Zweifel die “Winternacht“
Wer mag, darf gerne aus seinen schönsten Werken zitieren oder ein Gedicht im Kommentar mit uns teilen.
Es sind allesamt wundervolle Gedichte, die Eichendorff einst verfasste, sodass mir die Auswahl eines Geburtstagsständchens recht schwergefallen ist. Ich entschied mich dann für einen Auszug aus seinem Gedicht „Rückkehr“.
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Bis 1844, als er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt wird, entstehen die meisten der Erzählungen:
1819 Das Marmorbild,
1826 Aus dem Leben eines Taugenichts,
1832 Viel Lärmen um nichts,
1834 Auch ich war in Arkadien sowie Dichter und ihre Gesellen,
1835/36 Eine Meerfahrt,
1837 Das Schloß Dürande und im selben Jahr auch die erste Gesamtausgabe der Gedichte,
1841 Die Glücksritter und
1849 schließlich Libertas und ihre Freier.


