Swinemünde! Im Gedenken an den 12. März.

Vom Golm dem größten Waldfriedhof der Insel Usedom, und dem, was zuvor geschah

Es ist mir unmöglich diesem Geschehen nur einen Beitrag zu widmen, denn unter den lange kaum erwähnten oder ganz verschwiegenen Massenmorden durch anglo-amerikanische Terrorangriffe auf Zivilisten mit fünfstelliger Opferzahl an einem Tage nimmt das kleine Städtchen Swinemünde im äußersten Südosten der Insel Usedom an der Ostsee eine besondere Rolle ein.

Die Lazarette in und um Swinemünde füllten sich im Sommer 1944 immer mehr. Im September 1944 sahen sich Stadtverwaltung und Wehrmacht gezwungen, auf dem Golm, einer bewaldeten Anhöhe unmittelbar südwestlich der Stadt gelegen, einen neuen Soldatenfriedhof anzulegen. Die Gräberfelder für Soldaten auf dem Friedhof an der Kaseburger Chaussee waren inzwischen voll belegt.

Über die menschenverachtende Vertreibung aus den ostdeutschen Ländern haben wir erst in den vergangenen Tagen ausführlich gelesen.

Kurz nachdem die Rote Armee im Oktober 1944 Ostpreußen erreichte und erstmals auf deutsches Territorium vorstieß, erlebte Swinemünde die Ankunft von Flüchtlingen. Ab Mitte Januar 1945 kamen dann in großer Zahl ostpreußische Trecks, doch bald war ihnen der Fluchtweg abgeschnitten. Nun legten täglich Schiffe an, brachten aus Pillau und Gotenhafen verzweifelte Frauen, Kinder, alte Menschen und verwundete Soldaten aus Ost- und Westpreußen und aus Danzig.

Seit Februar waren auch die Menschen aus Hinterpommern auf der Flucht. Mit dem Vorstoß der sowjetischen Truppen bis vor Stettin in den ersten Märztagen blieb den langen Trecks nur noch der Weg über die Inseln Wollin und Usedom nach Westen. Alle verfügbaren Säle, Hotels, Schulen und andere Unterkünfte dienten in Swinemünde als Notquartiere für die entkräfteten Menschen.

Die Straßen auf den Inseln waren völlig überlastet mit Flüchtlingstrecks, die nur langsam vorankamen und lange auf die Querung der Swine warten mussten. Trotzdem: Für viele Flüchtlinge war Swinemünde nach wochenlangen Entbehrungen ein Ort des Ankommens. Hier funktionierte die Versorgung noch, hier gab es berechtigte Aussicht auf ein warmes Nachtquartier und auf ein bequemeres Fortkommen in Zügen. Angekommen in Swinemünde glaubte man, der schrecklichen Vertreibung, dem Terror der Sowjets und Polen entkommen zu sein, berichten viele ehemalige Flüchtlinge.

Konteradmiral Conrad Egelhard, der im Auftrag von Großadmiral Karl Dönitz die Rettungsaktionen aus dem Osten über die See leitete, hatte Swinemünde, weil es nahe bei den

Einschiffungshäfen lag und dabei für die anglo-amerikanischen Bomber mit einem weiten Anflugweg verbunden war, zum Anlandehafen für die vielen Flüchtlingsschiffe aus Ost- und Westpreußen ausgewählt. So fuhren zwischen dem 4. und 9. März »allein 10 Geleite aus

Ostpreußen nach Swinemünde

So überfüllt sich die Stadt mit ihren rund 30 000 Einwohnern und um die 100 000 Flüchtlingen am 12. März gezeigt hatte, so verlassen wirkte sie schon kurze Zeit später.

Als am 12. März 1945 am Vormittag erst gerade 14 Schiffe aus Stolpmünde eingetroffen waren und der Hafen von Menschen überquoll, die die Schiffe verlassen wollten und unter denen auch die gerade kurz vorher rund 900 Geretteten der >Wilhelm Gustloff< waren, hatte die 8. US-Luftflotte ab 12 Uhr 06 bis 12 Uhr 58 verheerende Bombenangriffe auf die Menschenmassen und die Schiffe angesetzt.

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Mehr dazu in einem Folgebeitrag

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Günter ZEMELLA, >Moral Bombing<. Die Chronologie des Bombenterrors 1939-1945,

Grabert, Tübingen 2006, S. 253 ff.

Der Große Wendig Bd 4 s. 509.

Helmut SCHNATZ, Der Luftangriff atef Swinemünde. Dokumentation einer Tragiidie,

Herbig, München 2004, S. 1 9.

Bildnachweis: Erich Andres Hamburg/ Hilmar Pabel Frasdorf/Presse und Informationsamt der Bundesregierung.


Eine Antwort zu “Swinemünde! Im Gedenken an den 12. März.”

  1. wir hatten das Glück am Morgen vom Flugplatz, Garz mit der dortigen Kompanie meines Vaters Richtung Lübeck zu fahren und haben am Mittag 80 km von Swinemünde entfernt den Angriff gesehen. Wir sind noch mal davon gekommen.

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