Guter Adel -schlechter Adel?

… leitender Adel, (be)herrschender Adel?

Beruhend auf einem Beitrag der vergangenen Tage zum „Adelspack“ -die Wurzel allen Übels“, dem große Aufmerksamkeit zuteilwurde, lohnt der Blick zum „Werdegang“ des Adels, und damit verbunden sei auch das Aushebeln einer pauschalen Verunglimpfung des gesamten Adelstandes – einfach zum besseren Verständnis.

Es verhält sich so ein bisschen wie mit der Geschichte zu den Freimaurern (sieh auch Kommentar). Auch darüber habe ich vor einiger Zeit berichtet. Wenn man die Ursprünge kennt, erscheint so manches in einem ganz anderen „Licht“.

Der Adel (von adhal), das Geschlecht, die Herkunft, zusammenhängend mit „ethel“ (Erbgut) ist ein bevorzugter Stand, welcher sich in allen europäischen Ländern, mit Ausnahme von Norwegen und der Türkei vorfindet.

Der deutsche Adel war in der germanischen Urzeit ein Geburtsstand, vor den Freien durch höheres Wehrgeld ausgezeichnet. Er setzte sich zusammen aus den Mitgliedern derjenigen Geschlechter, aus welchen man die Könige , die Fürsten, die Priester zu nehmen pflegte.

>> Arminius, auch bekannt als Hermann der Cherusker, entstammte einem der vornehmsten cheruskischen Adelsgeschlechter. Er wurde um 17 v.u.Z. als Sohn des Stammesführers Segimer geboren.<<

Im fränkischen Reich war neben dem altgermanischen Geschlechtsadel der fränkische Dienstadel, der sich aus den königlichen Beamten, den Bischöfen und Großgrundbesitzern bildete.

Im Laufe des Mittelalters verschmolzen Geschlechts- und Dienstadel zu einem Stande, dem freien Ritterstande. Eine bevorzugte Stellung nahmen die Fürsten und Grafen ein. Der sogenannte niedere Adel ging aus dem Stande der unfreien Ritter, der Ministerialien oder Dienstmannen hervor. Die staats-, kirchen-,- und privatrechtlichen Privilegien des Adels zur Zeit des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen waren von sehr bedeutenden Umfang.

Diese Verhältnisse endeten mit dem Zerfall des alten Reiches. Die Rheinbundesakte und die Verfassung der neuentstandenen Staaten verringerten allenthalben die Vorrechte des Adels oder hoben sie wie die Konstitution des Königreichs Westfalen, geradezu auf. So kam, es das wirkliche Vorrechte nur noch dem hohen Adel zustanden. Dem folgte, dass auch die mediatisierten Familien künftig dem deutschen Adel in Deutschland gerechnet würden.

Zu den bekanntesten Familien zählen Arenberg, Fürstenberg, Hohenlohe, Thurn und Taxis und Waldburg-Zeil.

Ein Zeitsprung! Wir erinnern uns: Alle Aufstände und Revolutionen gegen die Obrigkeit im Deutschland des 19. Jahrhunderts wurden niedergeschlagen – sie führten nicht zur Ermächtigung des Volkes, sondern stets zum Macht­gewinn und -ausbau eines leitenden Adels oder „reichsständischen Apparats“ und eines massiv erweiterten Polizeiapparates.

Alles hängt mit allem zusammen, so auch die Vorgänge über den Ursprung des Adels, über den Untergang des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen bis in die Gegenwart hinein.

• Dazu muss man wissen: Das erste Deutsche Reich war ein echtes Reich. Und so ein bisschen unsere „verlorene Welt“. Denn das heilige römische Reich Deutscher Nationen, war kein Staat, sondern ein großer Kulturraum mit Hunderten kleiner autonomen dezentralen freiheitlichen Strukturen – nur so sind eine solche Fülle an Literatur, Kunst und architektonischer Schöpfungskraft überhaupt möglich.

• Der Untergang des alten Reiches lässt sich übrigens direkt auf die Machenschaften der Anhänger des Sabbatianers Jakob Frank zurückführen – Aufklärung und Wissenschaft klang oberflächlich legitim, doch die Bewegung wurde missbraucht, um die hoch verschuldeten Könige, Fürsten und einflussreiche Persönlichkeiten von moralischen Bindungen jeglicher Art zu lösen und ihnen eine Rechtfertigung für unethisches Verhalten zu liefern.

• Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Vorgänge aus dem 30-jährigen Krieg, als eine bestimmte Gruppe von Lieferanten und Finanziers für beide Seiten eine große Rolle spielten. An die drei Millionen Gulden sollen sie beigesteuert haben. Eine Unsumme zu dieser Zeit. Ein Pferd kostete damals etwa 20 Gulden. Es wird erzählt, dass beide Parteien eine bestimmte Gruppe von Menschen für ihre Zwecke eingebunden haben. Um den eigenen Interessen dienlich zu sein, schrieb man die Geschichte dann ein „bisschen“ um, und berief sich auf das bereits unterdrückte Volk, um sich über diese ihre Absichten finanzieren zu lassen. Wie so viele auch in der späteren Geschichte. Etwa Napoleon und die Engländer. Am Wiederaufbau nach dem 30-jährigen Krieg haben sich die Finanziers eine goldene Nase verdient. Bis zum Verlöschen des alten Reiches und auch danach hatten Finanziers die Fürsten durch Schulden fest im Griff.

• Die Jahre 1772 bis 1789 waren eine Zeit extremer politischer Umwälzungen in Europa. Vor diesem Hintergrund sind Jakob Joseph Franks apokalyptische Phantasien und die Hoffnung auf ein eigenes Reich in Europa zu betrachten. Es lässt sich heute nicht mehr sagen, wie er seine Kompanie aufbaute und seinen frankistischen Hofstaat finanzierte, doch in Brünn lebte Frank seinen Hang zum Militarismus erstmals richtig aus: Er ließ seine Rekruten in bunte Uniformen einkleiden (die sabbatianisch belegte Farbe Grün spielte dabei eine zentrale Rolle) und bildete sie aus, ließ sie hart trainieren.

Aber dazu an anderer Stelle mehr.

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Über die Entwicklung und das „Schaffen“ der Geldgeber lest ihr in einem der Beiträge im Kommentar


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