Von Gertrud mit der Maus, der Allerseelenherrin …

Unsere Gertrud, die erste Gärtnerin des Jahres läutet den Frühling ein – das Gärtnern kann beginnen!

Nachdem nun gestern die Gertrud die Gartensaison eröffnet hat, zeigt auch endlich der Bärlauch seine ersten zarten Blätter bei uns, und rundherum beginnt alles herrlich zu blühen, oder trägt erste zarte Knospen wie der Flieder, die Weide und Kirsche.

Gertrud mit der Maus treibt die Spinnerinnen aus.

Lesen wir doch ein bisschen mehr über die heidnische Frühlingsgöttin:

Da der 17. März oft als Frühlingsbeginn gilt, ist sie eine Patronin der Gärtner und der Feldarbeit (Bauernregel: „An St. Gertrud ist es gut, wenn in die Erd‘ man Bohnen tut“). Viele Bräuche um Gertrud, die oft als „Sonnenbraut“ bezeichnet wird, sind mit der germanischen Göttin Freya verknüpft.

Jede Gottheit war ein vom Heidenglauben verwirklicht gedachtes Idealbild menschlicher Tätigkeit gewesen.

Ist Gertrude sonnig, wird’s dem Gärtner wonnig!

In der Volksfrömmigkeit gilt Gertrud als Beschützerin der Gärten, der jungen Saaten und als Helferin bei der Feldarbeit. Die Verbindung zur „heidnischen Göttin“ zeigt sich darin, dass Gertrud die Rolle der Frühlingsbringerin übernimmt. Ein alter Brauch, der mit Einzug des Christentums umgedeutet wurde, in die „heilige Gertrud“.

Wie die anderen Göttinnen mit ihrem Erscheinen die Menschen zum Anbau des Kornes und Flachses auffordern, so stehen in Gertruds Dienst die Frühlingsvorboten Specht, Kuckuck und Schnecke. Gertrud wird in den Überlieferungen oft als Seelenherrin geschildert. Ihr Geleitstier, die nächtlich wühlende Maus, kündet mit ihrem Erscheinen nicht bloß die Reife der Saat, sondern auch Misswachs, Seuche und Tod an. Infolgedessen versöhnt man die Heilige mit Trank- und Speiseopfern, indem man die Gertrudenminne trinkt und das Erntebrot der Süßen Mäuschen bäckt.

Über die Umdeutungs-Bemühungen der Kirche heraus, entstand die in vielfältige Widersprüche gefasste Geschichte, die Frühlingsgöttin in der Familie der Pipiniden und Karolinger unterzubringen.

Belassen wir es doch besser bei dem, wie es ursprünglich war. Weil mit dem 25. November (am Katharinentage) der Winter, und mit dem 17. März der Frühling beginnen soll, so ziehen mit dem letzteren Termin die Hausmäuse aufs Feld.

Mit diesem Tage werden also die Spinnabende eingestellt und es beginnt die Gartenarbeit, weshalb die Heilige auch als die erste Gärtnerin verehrt ist. Die Frühlingswärme kommt, die Bienen nehmen ihren Ausflug, das Stalltier geht wieder zur Weide.

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Davon zeugen folgende Sprüche:

Sünte Katherin smitt den ersten Stcm in ’nen Rhin.

Sünte Gerderut tüht ne wi’er herut. (Aus Köln.)

Sankt Gertraud führt die Kuh ins Kraut, das Ross zum Zug, die Bienen zum Flug.

Gerdrut geht das Schoof mit dem Lamme ruut. (Aus dem Waldeckischen.)

Sant Gertrud Säit Zibelä und Chrüt. (Schweizerisch.)

Wichtiger und von weiter reichendem Ziele werden diese Kalenderregeln, wenn man sie auf Specht, Kuckuck und Schnecke ausdehnt und diese als im Dienste Gertrudens stehend aufweist. Alle drei werden von der Kalenderregel in dieselbe Zeitfrist gesetzt.

Der Specht heißt in der Schweiz „Merzafülli,“

Gertrudentag fällt auf den 17. März und die Bauernpraktika sagt: Schreit der Kuckuck früh im März, so gibts einen guten Frühling!

Und der Schwede nennt den Schwarzspecht Gjertrudsfuglen.

Und warum nennt man die Gertrud auch „Allerseelenherrin“?

Die Seelen der Abgeschiedenen werden zuerst von Gertrud empfangen, um sich da entweder in gute oder in böse Elbe zu verwandeln; als solche erscheinen sie hierauf wieder als schädigende oder als bescherende Mäuse. Diesen Satz aus der Lehre von der Seelenwanderung bedarf allerdings einer weiteren Ausführung.

Es gäbe noch so viel mehr darüber zu berichten. Glücklicherweise sind uns einige der alten Schriften erhalten geblieben und konnten überliefert werden. Wir sollten dieses Wissen nutzen, denn es führt uns zu unseren Wurzeln zurück.

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Quelle:

Firmenich, Völkerstimm. 3, 112.) und

) Simrock, Kinderbuch*338. 340.

Curtze, Waldecker Volksüberlief. S. 285.

Alemann. Kinderlied.


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