Die Lage ab 1945 – wenige Wochen vor der Verkündung einer „Befreiung“ —- und die Jahre danach – (Teil III)

Den Vorgängen im Sudetenland / Böhmen /Mähren möchte und werde ich wenigstens zwei Beiträge widmen.

Einfach ist das alles nicht … , allein das Schreiben darüber löst ein Beklemmen aus. Doch Schweigen darüber dürfen wir nicht. Bereits vor drei Jahren habe ich einen ersten Beitrag zu den Vorgängen im Sudetenland verfasst. Nun werde ich diesen (ihr findet ihn im Kommentar) erweitern und vervollständigen. Die Mutti hat oft darüber gesprochen und sie hat die Berichte und Dokumentationen dazu fein säuberlich aufbewahrt. Das ist gut so. Denn kaum jemand spricht darüber.., die kommende Generation weiß von alldem nichts, nein, noch nicht einmal den Menschen meiner Generation sind diese Vorfälle bekannt. Fein säuberlich wurden sie verschwiegen oder eben „umerzählt“… Und so geschah es, dass lediglich die Lüge den Empfänger erreichte.

Die völkerrechtswidrige Vertreibung der Sudetendeutschen 1945/46 war von einer ganzen Reihe von Massenmorden begleitet, denen insgesamt rund 250000 Deutsche zum Opfer fielen. Bekannt sind unter anderem und vor allem der »Brünner Todesmarsch« und die Massaker in Aussig.

In Aussig veranstalteten tschechische Fanatiker Ende Juli 1945 ein Massaker an über 2000

Deutschen. Frauen und Kinder wurden in die Elbe geworfen und dann von Soldaten als Zielscheibe

benutzt. »In das Wasserreservoir am Marktplatz warf man ebenfalls Deutsche hinein, und sobald sie wieder hochkamen, drückte man sie mit Stangen unter das Wasser.«

In der heutigen Diskussion der Umstände bei der grausamen Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland 1945 mit rund 250000 Todesopfern wird von tschechischer Seite meist von spontanen, unkoordinienen Ausschreitungen gesprochen, die von berechtigten Rachegefühlen verursacht

worden seien. Richtig ist jedoch, daß es sich im Sommer 1945 maßgeblich um einen von oben befohlenen, unter Mitwirkung des tschechischen Staates und seines Militärs sowie dessen Stäbe vollzogenen Völkermord handelte, der das Sudetenland, in dem mehr als drei Millionen Deutsche und deren Vorfahren seit 800 Jahren in geschlossener Siedlung lebten, und das übrige

Böhmen und Mähren deutschenfrei machen sollte.

Aus den Akten geht also klar hervor, dass die Ausmordung der Deutschen lange vorher geplant, vom ganzen Volk begrüßt und mitgetragen sowie von der Regierung BENESCH veranlaßt worden war. Um so trauriger ist es, wenn Prag heute noch an den verbrecherischen BENESCH-Dekreten festhält und jede Wiedergutmachung dieses Menschheitsverbrechens verweigert.

» . . . Am 5. Juni begann das Morden. Die Stalltüren wurden geöffnet und dann

ertönte das Kommando >rychle, rychle!< (schnell, schnell). Schon knallten Schüsse. Wer zu langsam lief, wurde niedergeschossen. Hilfeleistungen wurden verwehrt, Verwundungen bedeuteten schon den Tod, es verbluteten viele im Laufe des Tages, die bei rechtzeitiger Hilfe hätten gerettet werden können. Tote und Verwundete wurden in die Latrine geworfen, dann knallten schon die üblichen MP-Schüsse, Gnadenschüsse, wie sie Kapitän MAREK nannte. Dann begann MAREK mit der Sichtung der Gefangenen.. .

Es ist nicht leicht zu schildern, was sich an diesem und dem folgenden Tage im Kasernenhof abspielte. Es wäre die Einvernahme Hunderter notwendig gewesen, um ein verlässlichesBild zu erhalten. Hier wurde geschlagen, dort geschossen, da schleifte man eine Leiche weg, hier wurden Arbeiter ausgesucht und fortgetrieben, die kamen hinter Stacheldraht, jene sperrte man in Ställe, der ganze Hof hallte wider von Kommandos, Schreien, Schimpfworten, Schlägen und Schüssen. Als die Sonne sank und die Gefangenen, die auch heute wie an den vorangegangenen Tagen keinen Bissen zu essen erhalten hatten, in die Ställe getrieben wurden oder sich auch auf dem Kasernenhof niederstrecken mussten, hatte wohl jeder mit dem Leben abgeschlossen und war bereit, mannhaft zu sterben. Die Opfer des Tages sind nicht gezählt worden. In der Nacht knallten wieder unablässig nah und fern die Maschinenpistolen.

Der 6. Juni war der Tag des Kindermordes. Zunächst wieder endloses Einteilen und Aufstellen von Arbeitsgruppen… Auch sie hatten drei Tage lang kein Essen erhalten. Fünf schlossen sich unauffällig einer Arbeitergruppe an, um auf die Weise der Gefangenschaft zu entrinnen. Aber schon in Postelberg wurden sie aufgegriffen und dann dem Kapitän MAREK vorgeführt. Zitternd vor Erregung verfolgten Männer und Knaben die entsetzliche Szene, die ihnen vorgeführt wurde und auf die sie durch den Ruf: >Eine Äußerung des Mißfallens, und es wird geschossen!« vorbereitet wurden. Die fünf Knaben wurden zur Reitschule geführt, der Hosen entkleidet und die Züchtigung begann. Ein widerlicher Anblick, wie sich die Tschechen hindrängten, um nur einige Schläge anbringen zu können…

Nach einer halben Stunde nahmen einige Tschechen, die Gewehre im Arm, bei den Knaben Aufstellung. Ein Posten rief: AVer einen Fluchtversuch unternimmt, wird erschossen, so wie jetzt diese Knaben erschossen werden sollen.« Er konnte es also selbst nicht glauben, daß es mit dem Erschießen Ernst ist. Die Knaben wandten ängstlich die Köpfe, dann drehten sie sich um. Zwei der Tschechen legten auf kurze Distanz auf den ersten Knaben in der Reihe an, schon krachen ihre Schüsse, und der Knabe sinkt zu Boden. Sein Blut rötet die Wand…

Der zweite Knabe in der Reihe läuft den Henkern entgegen, will ihnen die Gewehrläufe

in die Höhe schlagen. Die Mörder hatten schon repetiert, und der zweite Knabe stürzt im Feuer zu Boden. Mörtel stäubt auf, wieder rötet Blut die Wand. Die anderen Knaben fügen sich heldenhaft ihrem Schicksal. Der Dritte ruft nach seiner Mutter, ehe er zusammenbricht. Der Vierte bleibt nach der Salve stehen, schaut stumm in die neuerlich erhobenen Läufe und sinkt erst nach den zweiten Schüssen zu Boden. Auch der Fünfte wird niedergeschossen. Die Knaben waren vielleicht 15 Jahre alt…

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An dieser Stelle möchte ich für heute enden. Ja, ich muss mir das hier nicht antun, und doch mache ich es. Wir dürfen das Geschehen nicht vergessen. Diese Grausamkeiten, von denen kaum jemand weiß.

Morgen lesen wir dann ausführlich weiter, so auch über Aussig, dem angeblich nie geklärten Verbrechen.

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-«Bericht des Oberamtsrichters Dr. Franz FREYER aus dem Jahre 1951.

Aus: Dokumente zur Austreibung der Sudetendeutschen.

Überlebende kommenWort, aaO. (Anm. 1), S. 107 f

Rolf Kosiek Der Grosse Wendig Bd 2. Vollständiger Wortlaut

Ausführlicher Bericht in: Arbeitsgemeinschaft zur Vertretung der Interessen der Sudetendeutschen

(Hg.), Dokumente zur Austreibung der Sudetendeutschen, Aufstieg, München 1965, S. 105-110;

´Erlebnisdarstellung v o n U t a REIFF, Augsburg, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. 8. 2005.

Johann Georg REISSMÜLLER,

Um das Terrain von Deutschen zu säubern«, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. 7. 2005, S. 5.

Sonderausgabe Genozid, Verlag Heimatbrief Saazerland, Forchheim 2005.


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