Und weil alles mit allem irgendwie zusammenhängt, möchte ich auch zum Film „A Beautiful Mind“ etwas ausholen und zu der daraus resultierenden Diskussion noch etwas ergänzen. Allerdings fällt die Ergänzung – wie so oft, länger aus, als gedacht.
John Nash (verkörpert von Russell Crowe) gab es wirklich.
Zu Zeiten des Kalten Kriegs hatte Nash für die US-Regierung gegen sowjetische Spionage gearbeitet
Seine Theorie befasste sich mit der Dynamik menschlicher Rivalität
Ab 1950 war Nash vier Jahre lang in den Sommermonaten an der Rand Corporation mit geheimer Forschungsarbeit beschäftigt, wo auch Kenneth Arrow, John Milnor (der bei Rand mit Nash zusammenarbeitete) und andere an Anwendungen der Spieltheorie auf strategische Situationen im Kalten Krieg arbeiteten.
1951 bis 1953 war Nash Moore-Instructor am Massachusetts Institute of Technology und ab 1953 war er dort Assistant Professor und von 1957 bis 1959 Associate Professor. 1955 übermittelte er der National Security Agency einen Vorschlag für ein Verschlüsselungsverfahren, erhielt jedoch eine Absage.
Nash starb zusammen mit seiner Ehefrau im Mai 2015 bei einem Verkehrsunfall auf dem New Jersey Turnpike; sie waren in einem Taxi auf dem Heimweg von der Verleihung des Abelpreises.
Nash wurde dazumal aufgrund seiner Aussagen und mit seinem Wissen in die Psychiatrie eingeliefert. Es ist bekannt, dass einige ausgewählte US- amerikanischen Psychiater bestimmte Personen unter ihre Fittiche nahmen und ihnen die entsprechenden Mittel verabreichten.
Selbstverständlich stellen sie uns Nash als schizophren dar.
Außerdem begann er sich in Kalifornien für Programmierung und theoretische Informatik zu interessieren, und schrieb im Sommer 1954 ein damals unbeachtet gebliebenes, heute geradezu visionär wirkendes working paper über „Parallel Controlling“, Jahre bevor die ersten Parallelrechner implementiert wurden. In diesem Sommer wurde Nash von der Polizei wegen „indecent exposure“ am Strand von Santa Monica festgenommen.
Die Anklage wurde bald fallen gelassen, aber Nash wurde fortan als ein Sicherheitsrisiko gesehen und von der RAND Corporation kalt gestellt. Parallel dazu wandte er sich von Spieltheorie ab und anderen Gebieten zu.
Bald gab er seine Stellung am MIT auf und suchte in der Schweiz um politisches Asyl an, natürlich erfolglos. Er wurde deportiert, festgenommen, entmündigt, mehrmals gegen seinen Willen in Anstalten eingeliefert und Schockbehandlungen unterworfen. Seine Ehe wurde geschieden. Viele Monate verbrachte John Nash in Spitälern, immer auf unfreiwilliger Basis, wie er später schrieb. „Medikamentösen Therapien misstraute er und unterstrich immer wieder, seine Heilung ohne sie erreicht zu haben.
2004 kam eine Arbeit von Nash ans Licht, die er fünfzig Jahre früher verfasst hatte.
Es war ein Vorschlag an die NSA für eine neue Klasse von Verschlüsselungen. Im Nachhinein konnte man darin Grundzüge moderner Chiffriermethoden entdecken. Bei der NSA hatte Nash damals keinerlei Resonanz gefunden.
Die Behörde behauptete, die Unterlagen zu dem Verfahren niemals erhalten zu haben, und ließ die Korrespondenz ausklingen, vielleicht aus Unfähigkeit, vielleicht aus Misstrauen gegenüber dem jungen Sonderling, den die RAND Corporation als Sicherheitsrisiko einstufte und der in ungelenker Handschrift behauptete, kein „crank“ und Zirkelquadrierer zu sein, sondern Mathematiker. Nash begründete die Sicherheit seiner Verschlüsselung mit „computational hardness“, Jahrzehnte bevor die entsprechende Komplexitätstheorie entwickelt wurde. Es klingt wie ein Vorgriff auf die heute gängigen kryptographischen Verfahren.
Bei einer Zusammenkunft meinte der „alte“ Einstein zu Nash: „Du musst noch viel lernen.“
Wer war eigentlich dieser Einstein, dessen Bild uns immer und immer wieder als großartiger Wissenschaftler vor Augen geführt wird?
Nach ausgiebiger Recherche, erfahre ich mehr über einen Einstein, der stets vor deutschem Antisemitismus warnte, aber nicht vor den wahren Antisemiten. Und es offeriert sich noch so einiges mehr an Wissenswertem. Manches davon mag dem einen oder anderen längst bekannt sein, anderes möge vielleicht verblüffen.
Eine Einladung, erster Präsident des neugegründeten Staats Israel zu werden, lehnte Einstein zwar ab, vermachte aber seinen literarischen Nachlass und persönliche Dokumente aber der Hebräischen Universität in Jerusalem.
1933 fing das FBI eine Akte über Einstein an, kurz vor seiner dritten Reise in die USA. Die Akte würde auf stattliche 1.427 Dokumentenseiten anwachsen, die von Einsteins lebenslangen Verbindungen zu pazifistischen und sozialistischen Organisationen handelten.
Seine Freundschaft zu „Vater des Gaskrieges“:
Fritz Haber war ein deutscher Chemiker, der Einstein zu einer Anstellung in Berlin verhalf und zu einem seiner engsten Freunde werden sollte. Haber war Jude, konvertierte aber zum Christentum und predigte Einstein die Tugend der Anpassung, bevor die Nazis an die Macht kamen. Im Ersten Weltkrieg entwickelte er ein tödliches Chlorgas, das schwerer als Luft war und in die Gräben sinken konnte. Dort erstickte es die Soldaten qualvoll, indem es sich durch ihre Lungen und Kehlen ätzte. Haber wird manchmal als der „Vater des Gaskriegs“ bezeichnet.
Im August 1939 macht Albert Einstein den US-Präsidenten auf die deutsche Uranforschung aufmerksam. Daher unterzeichnet er am 2. August 1939 einen Brief, zwei getippte Seiten lang. Ein Schriftstück, das schreckliche Folgen haben wird. Der Empfänger: US-Präsident Franklin D. Roosevelt.
In dem Schreiben erklärt Einstein, „dass es möglich
werden könnte, in einer großen Menge Uran eine nukleare Kettenreaktion auszulösen, wodurch ungeheure Mengen von Energie und neuer, radiumartiger Elemente erzeugt würden“. Dann der entscheidende Satz: „Dieses neue Phänomen könnte zur Konstruktion von Bomben führen, und es ist denkbar – obgleich viel weniger gewiss –, dass auf diese Weise neuartige Bomben mit einem extrem hohen Zerstörungspotenzial hergestellt werden.“
Einstein rät Roosevelt, Zeit und Geld in die Kernforschung zu investieren, da in Deutschland „in diesem Moment“ Wissenschaftler ebenfalls daran arbeiteten.
Was sich dann zuträgt, ist umstritten: „Man hat mir einen fertigen Brief gebracht, und ich habe bloß unterschrieben“, sagt Einstein später – und redet seine Verantwortung so wohl nachträglich klein.
Am 6. August reißt die Atombombe „Little Boy“ über Hiroshima rund 140.000 Menschen in den Tod.
Als Einstein die Nachricht hört, gibt er angeblich nur einen Seufzer von sich: „O weh. Noch 1945 gründet er mit Szilárd das „Notkomitee der Atomforscher“ und fordert, die Bombe einer „Weltregierung“ anzuvertrauen.
Einstein kämpfte vehement gegen die „blonde Bestie“ Deutschland: „Ich verachte alle, die es lieben im Takt der Musik zu marschieren, denn sie haben ihr Gehirn nur aus Zufall bekommen, ein Rückgrat hätte dazu vollkommen gereicht.“
Dies gelang ihm besonders nach seiner Emigration. Im Exil regte er den Bau der Atombombe an, um Deutschland zuvorzukommen.
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Quelle, Verweise
P.M. History Ausgabe 2/2019 erschienen.
Wikipedia >Einstein-Szilard Brief
Süddeutsche de. Einsteins Brief an Roosevelt- … would also lead to the …
Judentum Projekt.de (Einstein kämpfte vehement gegen die „blonde Bestie“ Deutschland … )
Beruhend auf der aktuellen Information zu den US Militärkonvoi durch die Oberlausitz, möchte ich noch ergänzend etwas in Erinnerung bringen.
Hier noch einmal die Information (Artikel aus dem Görlitz Insider): „US Streitkräfte werden von Montag bis Freitag (8.4. – 12.4.) zurück verlegt aus Polen. Da das Tunnel Königshain in Vorbereitung auf seine Sanierung ist, nehmen sie die Umleitungsstrecke von A4/Abfahrt Kodersdorf, weiter über die B115 nach Weißkeißel und dort über die B156 zur A4 Bautzen-Ost.
Noch ein zweiter Militärkonvoi mit 200 Fahrzeugen fährt nach Polen. Sie nutzen die Umleitungsstrecke über Reichenbach gen Osten. Und im Mai dann nochmal!
Mittendrin statt nur dabei“
Quelle: Thomas Voges, Leiter des Autobahnreviers Bautzen in der SZ vom 5.4.2024.
Foto: Symbolbild
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Mancher rätselt nun und stellt sich die Frage: Ist es wieder eines dieser üblichen Manöver? Warum machen sich überhaupt so viele amerikanische Soldaten auf diesen Weg? Vielleicht macht es an dieser Stelle Sinn, noch ein wenig über die Entstehung und Weitergeltung alliierter Rechte zu erfahren.
Ich ergänze zum besseren Verständnis mit der folgenden Geschichte:
Vor einigen Jahren hat es sich so zugetragen: Der frühere Staatssekretär im Bundeskanzleramt unter Brandt und Schmidt, Egon Bahr (SPD), gab 2009 erstmals zur Öffentlichkeit zur Kenntnis, dass jeder Bundeskanzler mindestens bis Willy Brandt, kurz nach seiner Wahl drei Briefe an die drei westlichen Militärgouverneure oder später Hohen Kommissare unterzeichnen und diesen senden musste.
Darin sollte der jeweilige Kanzler zustimmend bestätigen, was die Militärgouverneure in ihrem Genehmigungsschreiben zum Grundgesetzt vom 12. Mai 1949 an verbindlichen Vorbehalten gemacht hatten. Als Inhaber der unkündbaren Siegerrechte für Deutschland als Ganzes und Berlin hatten sie diejenigen Artikel des Grundgesetzes suspendiert, also außer Kraft gesetzt, die sie als Einschränkung ihrer Verfügungshoheit verstanden haben. Das galt sogar für den Artikel 146, der nach der deutschen Einheit eine Verfassung anstelle des Grundgesetzes vorsah“.
Bahr erinnerte sich, dass an einem der ersten Abende nach der Wahl Brandts zum Bundeskanzler 1969 im Palais Schaumburg, dem Sitz des Regierungschefs, dieser ihm von den Briefen berichtet habe, die ihm von einem hohen Beamten zur Unterschrift vorgelegt waren. : „Brandt war empört, dass man von ihm verlangte, einen solchen Unterwerfungsbrief zu unterschreiben, Schließlich sei er zum Bundeskanzler gewählt und seines Amtseid verpflichtet. Die Botschafter könnte ihn wohl kaum absetzen.
Da musste er sich belehren lassen, dass Konrad Adenauer diese Briefe unterschrieben hatte und danach Ludwig Erhard und danach Georg Kiesinger.
Dass aus den Militärgouverneuren inzwischen Hohe Kommissare geworden waren und nach dem sogenannten Deutschlandvertrag nebst Beitritt zur Nato 1955 die deutsche Souveränität verkündet worden war, änderte daran nichts. Er schloss: „also habe ich auch unterschrieben – hat nie wieder davon gesprochen.“
Selbst Bundespräsident Richard von Weizsäcker habe nach Bahrs Aussagen nichts von diesen Briefen in seiner Amtszeit gewusst, und erst von Bahr von deren Existenz erfahren.
Wenn Bahrs Erinnerungen zutreffen und die Briefe an die alliierten Vertreter von den deutschen Kanzlern unterschrieben werden mussten, dann waren die Alliierten und die Kanzler sehr bemüht, dieses Tatsache nicht an die Öffentlichkeit geraten zu lassen und das deutsche Volk über die wirklichen Machtverhältnisse in der BRD zu täuschen.
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Zum 2+4 Vertrag vom 27. und 28. September 1990, dem Vertrag über die Beziehungen zwischen der BRD und den Westmächten, sei erwähnt, dass insbesondere die Artikel 7.1. und 13.1. des Deutschlandvertrages als weiterhin gültig erklärt wurden – damit eine weitere folgenreiche Einschränkung der deutschen Souveränität besiegelt.
Es verhält sich also vielmehr so, dass 1990 die Bindekraft der Urteile des Nürnberger Prozesses per Vertrag ein weiteres Mal verlängert wurden. 1990 wurde der Überleitungsvertrag durch den Zwei-plus-Vier-Vertrag abgelöst, und die Siegermächte bestanden dabei darauf, dass der besagte Artikel 7 (1) des Vertrages von 1954 weiterhin Bestand hat.
Von deutscher Seite wurde das noch einmal zugesichert. Die Folge davon: Kaum einer weiß heute, wo Historiker und Autoren aus der früheren Bundesrepublik gesetzestreu die Siegerlesart der Geschichte zu Papier gebracht und nachfolgenden Historikern und Autoren als irreführendes Erbe hinterlassen haben.
Vermerk: Dass die USA ihre aus der Besatzungszeit stammenden Rechte auch in der Gegenwart durchaus in Anspruch nehmen, zeigte sich in den Jahren nach der Jahrhundertwende in dem zweiten Golfkrieg. In größerem Maße wurden Truppen von Deutschland aus dem Irak eingesetzt und gefangene Iraker über deutsche Flughäfen nach Guantanamo ausgeflogen. (Ein Vorgang unter vielen). Denken wir nur aktuell an die Einbeziehung Deutschlands in den Ukraine-Krieg.
Es wäre längst an der Zeit, die diskriminierenden Vorrechte der Alliierten auf deutschem Boden und gegen deutsches Eigentum abzulösen und nach mehr als 70 Jahren Kriegsende die volle Souveränität zu erlangen.
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Fest steht: Wir haben in Deutschland komplizierte Rechtsverhältnisse und finden folgende Rechtsebenen vor. Es handelt sich hierbei nur um ein paar Stichpunkte, zur eigenen Recherche.
Völkerrecht (12 Haager Friedensabkommen 1907, DR 1910) Grundbuch des Staatsrecht-Kriegsrecht
Besatzungsrecht (Hauptbesetzender, Alliierter)
Weimarer Verfassung (Reichsverfassung)
Bundesrecht in WBZ mit Geltungsbereich GG und DDR-Recht in SBZ bis 17.07.1990 (vorübergehende Rechtsordnung für umgesetztes Besatzungsrecht lt. Haager LKO, auch von SU und USA unterzeichnet)
18.07.1990 in ehemaliger SBZ (Mitteldeutschland) und in WBZ unter Hoheit der Alliierten)
vorübergehende Gültigkeit von Landesrecht der Staaten, die die ehemaligen Ostgebiete des Deutschen Reichs verwalten (Polnisch, Russisch, Litauisch, Französisch und Tschechisch besetzte Gebiete und die Ostmark)
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Quelle, Verweise.
Gerd Schultze Ronhof Der Krieg, der viele Väter hatte, Olzog München 2003 S. 13
Es war im Herbst des Jahres 1517. In der Kirche zu Jüterbog, in nächster Nähe zu Wittenberg predigte der Dominikanermönch Tetzel, der im Auftrag des Papstes durch die Lande zog, um einen allgemeinen Ablass zu verkünden.
Solcher Ablass sollte demjenigen zuteil werden, der nach Reue und Beichte einen Geldbetrag für kirchliche Zwecke spendete. Die Summen, die auf die Weise einkamen, sollten vor allem zum Ausbau der Peterskirche in Rom dienen. Auch viele von Luthers Beichtkindern liefen hinüber nach Jüterbog und gewannen den Ablass.
Da fuhr ein heißer Zorn durch Luthers Seele, und in der Mittagsstunde des 31. Oktober 1517 schloss er an die Schlosskirche zu Wittenberg 95 Thesen (Streitsätze) wider solchen Ablass. Eine gewaltige Bewegung ergriff die Geister, als man die kühnen Worte las. Wie ein Lauffeuer verbreiteten sie sich über Deutschland und das christliche Abendland.
Luther dachte damals noch nicht daran, den Papst und die katholische Kirche anzugreifen. Doch führten Zusammenkünfte mit päpstlichen Gesandten – in Augsburg, Altenburg und Leipzig – zu keiner Einigung. Auf der Leipziger Disputation stellte Luther damals die unerhörte Behauptung auf, dass Konzilen irren könnten und auch schon geirrt hätten.
Der Bruch mit der Kirche war da. 1520 veröffentlichte Luther seine drei reformatorischen Hauptschriften: „An den christlichen Adel deutscher Nation“, „Die babylonische Gefangenschaft der Kirche“ und „Von der Freiheit eines Christenmenschen.“
Durch eine päpstliche Bulle wurde ihm der Ban angedroht, falls er seine Lehre nicht widerriefe. Als Antwort verbrannte er im Dezember 1520 die Bulle öffentlich vor dem Elstertor in Wittenberg und vollzog damit auch äußerlich vor aller Welt die endgültige Trennung von der alten Kirche. Die Antwort des Papstes war der Kirchenbann.
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In der nächsten Folge lesen wir dann vom jungen, neuen Kaiser Karl V. (1519-1556), dem mächtigsten Herrn der damaligen Welt und wie er sich zu Luther und seiner Bewegung stellen würde.
Albert Thümmel schreibt indes: Die Sehnsucht nach einer Reform war schon lange in den Gemütern der Christenheit lebendig…
Bis dahin gehe ich auch mit. Nur an der Aussage: „Erst Luther habe es vollbracht, dass dieses Bewegung in Gang kam“, daran störe ich mich ein wenig. Denn bereits seit Herbst 1516 erfolgte an der Wittenberger Universität im Rahmen von Disputationen ein intensiver Gedankenaustausch über theologische Probleme. Zu diesem Kreis gehörten, Bartholomäus Bernhardi, Nikolaus von Amsdorf, Johannes Dölsch und Andreas Bodenstein aus Karlstadt, Luthers Doktorvater.
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Doch nun zurück zu Luther. Geboren 1483 in Eisleben, hatte Martin Luther die Lateinschulen zu Magdeburg und Eisenach besucht, dann die Universität zu Erfurt, um nach dem Willen des Vaters die Rechte zu studieren. Er war ein frischer, fröhlicher Student, der den Degen trug und die Laute zu schlagen wusste.
Plötzlich an einem Julitag 1505, klopfte er an die Pforte des Augustinerklosters in Erfurt und bat um Einlass. Die tiefsten Ursachen für diesen jähen Entschluss, der ihm das Elternhaus auf Jahre hinaus entfremdete, werden sich wohl nie ganz ergründen lassen. Entscheidend waren gewiss zwei schwere Erlebnisse, die ihn im Innersten erschütterten: eigene Lebensgefahr bei einem furchtbaren Gewitter und der Tod eines lieben Freundes.
Wie würde es mir ergehen, wenn ich plötzlich vor dem Richterstuhl Gottes stünde? Wie kann ich einen gnädigen Gott kriegen? – das waren die Fragen, die ihn Tag und Nacht umtrieben. „Du musst ein Mönch werden“, so glaubte er, und er wurde ein Mönch.
Aber in der Einsamkeit des Klosters versank Luther in immer tiefer werdende Schwermut, inbrünstig suchte er die Gnade Gottes, um damit den inneren Frieden zu erlangen: aber er fand und fand sie nicht, obwohl er sein Pflichten als Mönch erfüllte wie kaum je ein anderer. Immer und überall sah er das Bild des rächenden Gottes. Er wurde immer blasser und magerer, und schwere Krankheiten befielen ihn.
Da kam eines Tages der treffliche Vorstand des Augustinaordens in Deutschland, Johann von Staupitz, von Wittenberg herüber nach Erfurt. Er lehrte ihn: Gott ist nicht ein Gott der Rache, sondern ein Gott der Liebe, dem sich der Christenmensch in gläubigem Vertrauen nahen soll wie ein Kind dem gütigen Vater.
Da zerstreuten sich allmählich die Nebel seines umdüsterten Geistes und seines gemarterten Gewissens. 1507 erhielt er die Priesterweihe, und schon im Jahr darauf berief ihn sein Landsherr, Kurfürst der Weise von Sachsen, auf Staupitzens Empfehlung als Lehrer der Philosophie an die neu gegründete Universität Wittenberg und zugleich zum Prediger an die dortige Schlosskirche.
An der Universität hielt er nun Vorlesungen aus der Bibel. Der Ruhm des gefeierten Lehrers verbreitete sich bald weithin. 1510 wurde er in Ordensangelegenheiten nach Rom gesandt. Einige Zeit nach seiner Rückkehr wurde er von der Universität zum Doktor der Philosophie ernannt.
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Wie er seine 95 Thesen wider dem Ablass an die Schlosskirche zu Wittenberg im Oktober 1571 schlug, darüber lesen wir dann morgen.
Das erste Mal, also seit etwa einem Jahr, starten wir unsere Tour unter einem fast blauen Himmel.
Nach den ersten zurückgelegten 100 Kilometern präsentieren sich uns zunächst weniger schöne Eindrücke. Willkommen im „Paderborner Windparkparadies“. Ein weitläufiges Areal, besetzt mit unzähligen Windradgiganten erstreckt sich über etwa 10 Kilometer unserer Fahrroute links und rechts der Autobahn. Was ist das doch für ein Wahnsinn: soweit das Auge reicht, Raubbau an der Natur.
Nun ziehen auch noch dichte Wolken auf, und wie „gewohnt“ reisen wir im Regen weiter. Dem Regen entgegen landen wir wieder auf einem unserer Lieblingsplätze. Barbarossa schläft oben, und wir am Fuße des Götterberges. Ein wirklich guter Ort. Mancher wird es sicher schon erkannt haben. Richtig! Wir befinden uns am Kyffhäuser. Allerdings wird hier nur übernachtet, denn wir wollen noch weiter ins mitteldeutsche Land hinein.
Am Morgen danach: Auch wenn es draußen stürmt und regnet, hier liegt Kaffeeduft in der Luft. Das Frühstück an diesem Sonntag genießen wir noch mit einem Blick zum Rotbart, dann ist Abfahrt.
Bevor wir die heimatlichen Gefilde in der Oberlausitz ansteuern, machen wir einen Halt in Weimar.
Es fällt jedoch schwer, diesen kurzen Abstecher zu unseren Dichterfürsten in die richtigen Worte zu fassen. Ich versuche es dennoch.
***Episode 1*** – Bei Friedrich Schiller ins Haus geschaut
Wir sind also gerade im Begriff, das Schillerhaus in Weimar zu betreten. Und was wir da zu hören und zu sehen bekamen, war zum einen unangenehm aufschlussreich, und lässt zum anderen tief blicken, wohin der Weg geht.
Der freundliche Herr, der die Karten immer abknipst, konnte nur schlecht seinen Unmut darüber verbergen, dass die gesamte untere Etage von Schillers persönlichen Möbelstücken „befreit “ wurde.
Er berichtete traurig von dem wunderschönen Filz-Wandteppich, von den Möbelstücken des Empfangszimmers, die es nun nicht mehr zu besichtigen gibt, denn sie wurden irgendwo eingelagert…, wo, das wusste er nicht.
Modern soll‘s werden, sagte er mit dem gewissen Unterton….
Die Etagen nach oben, das Zimmer von Schillers Frau Charlotte und sein Arbeitszimmer waren NOCH eingerichtet.
Unser Fazit: Ganz gleich, wohin man schaut, alles, was mit unserer deutschen Geschichte zusammenhängt, wird verändert, verfälscht oder vollständig ausradiert.
Doch gibt es auch Schönes zu berichten: Auftakt zu unserem Besuch in Friedrich Schillers Wohnhaus.
Allerlei Informatives: Friedrich Schiller erwarb dieses Haus 1802 und bewohnte es mit seiner Familie bis zu seinem Tod 1805.
Nach Charlotte Schillers Tod 1826 wurde es verkauft und 1847 von der Stadt Weimar zur Einrichtung einer Erinnerungsstätte für den Dichter erworben. Ab 1863 war es außerdem auch Sitz einiger literarischer Gesellschaften.
Ihr seht auf dem letzten Bild eine Aufnahme der Küche mit Möbel, Geschirr und weiteren Utensilien, wie sie in der Zeit um 1800 für einen Haushalt üblich waren. Von der originalen Ausstattung blieb jedoch nichts erhalten.
Noch ein bisschen was, zum Wohn-und Esszimmer der Schillers:
Hier versammelte sich der Familienkreis zu den gemeinsamen Mahlzeiten und geselligen Runden.
Im eleganten Salon empfing Charlotte die Gäste zum Ideenaustausch und zu geselligen Unterhaltungen.
Auf dieser Etage befinden wir uns auch in Charlottes Privatzimmer. Hierhin konnte sie sich etwas zum Lesen und Schreiben zurückziehen.
Der mutmaßliche Zustand um 1805 wurde bei der Rekonstruktion der kleinen Schlafkammer zugrunde gelegt. Die beiden mit Tapete bezogenen Eckschränke gehörten tatsächlich zu Charlottes Lebzeiten zur Raumeinrichtung.
Die blau-weiß tapezierte Schränke sowie die Möbel des Kinderzimmers sind erhalten geblieben.
Und hier endet der Rundgang durch Schillers Haus:
Im zweiten Obergeschoss war sein „Reich“, sein Empfangs- und Gesellschaftszimmer . Hier begrüßte er Freunde und Bekannte sowie prominente Gäste zu Lesungen, Gesprächen und Diskussionen oder geselliger Unterhaltung. Bemerkenswert ist ein Abguss der berühmten Schiller-Büste von Johann Heinrich Dannecker.
Das Arbeitszimmer ist der authentischste Raum des ganzen Hauses, mit Schreibtisch und Sterbebett. Hier entstanden seine letzten Dramen „Die Braut von Messina “ und Wilhelm Tell“.
Auf dem Schreibtisch sieht man seine letzten verfassten Zeilen zu Demetrius.
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Uns zieht es weiter in die Heimat
So erreichen wir nach weiteren drei Stunden Fahrt unseren Schlafplatz am Berzdorfer See, dieses Mal ohne Regen, dafür mit einem schönen Sonnenuntergang und Vogelgezwitscher im Hintergrund.
Gegessen wird vor einem herrlichen Seepanorama.
In Görlitz waren wir auch schon,, dort taumelte ich auf den Spuren meiner Kindheit. Dazu aber später mehr.
Unabhängig davon, lasse ich noch ein paar Bilder da. Und darüber gelangen wir zum Grab des Schusters und Philosophen Jakob Böhme, auf dem alten Nikolaifriedhof von Görlitz. Hier befinden sich all die Gräber der Berühmten, der Adligen und der, die Görlitz einen Namen gaben, durch ihre guten Taten. So auch das von Jakob Böhme.
Bevor ich mit einer Erzählung zu Jakob Böhme beginne, wer war das eigentlich?
Zeitgenössisch Jacob Böhme, (* 1575 in Alt Seidenberg bei Görlitz; † 17. November 1624 in Görlitz) war ein deutscher Mystiker, Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel nannte ihn den „ersten deutschen Philosophen“, weil er als erster philosophische Werke in deutscher Sprache verfasste.
Für Böhme war die Natur der Lehrmeister
Böhme sprach, er habe von der ganzen Natur und ihrer instehenden Geburt seine ganze Philosophie, Astrologie und Theologie studiert und nicht von Menschen und durch Menschen; keck behauptet er: „(…) so kann mich auch kein Mensch darin unterrichten.
Nun, man darf zurecht annehmen, Böhmes Ansichten passten weder in die Zeit, noch zu den Vorgaben der Pfaffen. Das Leben wurde ihm also schwer gemacht…
Mühsam und mit schlaffen Schulter, stieg Meister Jakob Böhme die Rathaustreppe hinab. Er fühlte sich müde und verbraucht, an diesem Dienstag, dem 26. März 1624. Warum ließ man ihm nicht seinen Frieden? Warum hatte eben, als er aus der Ratsstube kam, eine Rotte roher Lästermäuler ihm mit Hohn überschüttet? Hatte er nicht immer zurückgezogen und arbeitsam gelebt, seit er 1599 als 24jähriger, Bürger dieser Stadt geworden war? Auf dem Untermarkt blieben ein paar Neugierige stehen, als der kleine unscheinbare 49jährige sein Weg durch die Neißgasse zur Brücke nahm. Unterm Arm trug er die schriftliche Rechtfertigung, die der Rat nicht hatte annehmen wollen. Erschöpft saß er dann in seinem Hause. Schreiben konnte er heute nichts mehr.
Besonders schlimm hetzte der Oberpfarrer Gregor Richter gegen ihn. So sprach dieser Richter: „Ist es nicht schlimm genug, wenn so ein simpler Schuster seine Schuhbank verkauft und sich auf Schreiben verlegte? Schreckliches hatte er beim Schuster Böhme zu lesen bekommen: „Der Leser soll wissen, dass in Ja und Nein alle Dinge bestehen. Das eine, als das Ja, ist eitel Kraft und Leben. Das Nein ist ein Gegenentwurf des Ja oder der Wahrheit, auf das die Wahrheit offenbar und etwas sei… Außer diesen beiden, welche doch in stetem Streite stehen, wären alle Dinge ein Nichts und stünden stille ohne Bewegnis.“ Und dann gar dies: „Darum stehe ein jeder zu, was er tut! Es ist ein jeder Mensch sein eigener Gott und sein eigener Teufel.“
Fast dreihundert Jahre später, als der „Philosophus Teutonicus“ unter den Gelehrten längst als einer der bedeutendsten deutschen Dichter anerkannt war, setzte die Stadt dem einst Geschmähten und Verfolgten ein Denkmal.
Der schreibende Schuster-Philosoph hat Görlitz in der Welt bekannt gemacht, in mancherlei Hinsicht.
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***Episode 3 ***– viele schönen Eindrücke aus meiner Heimatstadt
Grüße von unserer Morgenrunde um den See. (also fast um den See)
Der Weißdorn blüht bereits. Das ist wirklich sehr früh. Dann müssen wir schon bald los zum Sammeln.
Weidenkätzchen und Huflattich setzen schöne Akzente in dem kleinen Mischwald-Paradies.
Von oben grüßt uns Bert entgegen. (Letztes Bild)
Brot backt nun auch. Das hatte ich noch am Nachmittag angesetzt.
Währenddessen noch einige Impressionen aus Görlitz > hier von der Peterskirche
In dieser Kirche haben schon mein Urgroßvater, mein Großvater und auch mein Vater ihr Handwerk (Malerarbeiten und Restauration) verrichtet.
Mein Vater hat hier mit Stuckarbeiten seinen Meisterbrief erworben.
Weiter geht’s! Wanderung auf den Hausberg
Görlitz liegt uns zu Füßen
Es gibt zudem noch eine interessante Begegnung, neben vielen schönen Erinnerungen aus meiner Kindheit und einer weniger schönen Erkenntnis zur Geschichte des Bismarckturms auf der Landeskrone.
Doch alles in allem war es ein guter Tag. Wir stehen diese Nacht nicht am See, dafür ganz wunderbar, versteckt in der bezaubernden Oberlausitzer Hügellandschaft.
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*** Episode 4 ***– eine interessante Begegnung und die weniger schöne Erkenntnis
Nun zu unserer interessanten Begegnung auf einem eher abgelegenen Weg, der um den Gipfel der Landeskrone herumführt.
Dort stand ein älterer Herr mit blutender Nase, und suchte schon leicht verzweifelt nach einem weiteren Taschentuch, dass das Blut aufsaugen kann. Wir fragten, ob wir helfen können, und dankbar, wenn auch überrascht über unser Angebot, nahm er unsere Hilfe an.
Einen kalten Waschlappen hatten wir zwar nicht zur Hand, um ihm diesen in den Nacken zu legen, aber ein Fläschchen mit Schafgarbetinktur zum Blut stillen (ein paar Tropfen in die Nase), und einen Taler, den er sich auf die Stirn drücken konnte.
Er meinte dankbar, „Sie sind sehr lieb und aufmerksam. Sein Sohn wäre wohl Internist, von der Schafgarbe wusste er, wohl nicht um dem Effekt des Talers auf der Stirn.
Bevor er uns nun von seinen Kindertagen aus Kriegszeiten berichtete, sprach er davon, wie wunderschön doch Görlitz wäre. Er komme aus einem kleinen Ort in Hessen, der liegt zwischen Frankfurt am Main und Kassel, und er ist heute hier, um wie so oft auf seinen Touren Schach zu spielen.
Was nun folgte, im Gesprächsverlauf, war aufschlussreich und erschütternd zugleich. Denn er berichtete von den Zerstörungen der deutschen Städte, von seinen Geschwistern, die mit ansehen mussten, wie Amerikaner (Alliierte) auf unschuldige Menschen schossen mit Jagdbombern, wie sie auch vor deutschen Mütter mit ihren Kindern keinen Halt machten.
Er spürte,, nach unseren Fragen und Antworten, dass er darüber reden konnte, und das tat ihm gut. Wieder stand ein Mensch vor uns, der um das Unrecht weiß, und um die Verbrechen der Alliierten, er schimpfte furchtbar über Verbrecher wie Stalin, Churchill und Roosevelt, die bis heute „verehrt“ werden, , aber unsere deutschen Soldaten im Nürnberger Prozess verurteilt wurden…
Dieser Mann, mit seinen über 80 Jahren, ist einer der letzten aus der Erlebnisgeneration. Sein Satz zum Abschied: “ Es ist schlimm, was man dem deutschen Volk angetan hat und immer noch tut“, Traurig darüber, aber auch froh, Wissende dazu- wie uns- getroffen zu haben, dafür war er unendlich dankbar.
Und wir sind es auch, für seine offene Art darüber reden zu können.
Was für eine wertvolle Begegnung.
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Nun die andere Erkenntnis: zur schlesischen Bismarckäule auf der Landeskrone weiß man nicht viel. Und was einst darauf noch lesbar war, und auf Bismarck hinwies, wurde bis zur Unkenntlichkeit in die Gegenwart (weg) geschliffen.
Und wieder werden wir Zeugen von Geschichtskittung, Veränderung und Löschung von Personen und Ereignissen zu unserer deutschen Geschichte Die Bismarcksäule gehört zu den 47 Bismarcktürmen nach dem Standardentwurf „Götterdämmerung“ des Architekten Wilhelm Kreis. In Görlitz wurde das Bauwerk als Feuersäule ohne Aussichtsfunktion ausgeführt.
Die feierliche Einweihung der Bismarcksäule fand am 18.10.1901 statt. Erstmals wurde das Feuer auf dem Turmkopf entzündet.
Etwa 1948 wurde das Reichsadlerrelief aus ideologischen Gründen zubetoniert. Der Bismarckturm wurde in „Freiheitsturm“ umbenannt. Nach einer anderen
Quelle wurde das Bauwerk am 21. Juni 1961 in „Turm des Friedens“ umbenannt. Die neue Bezeichnung setzte sich im öffentlichen Bewusstsein nicht durch.
Im Oktober 2007 war die Bismarcksäule so zugewachsen, dass sie vom Fuß der Landeskrone aus Richtung Zentrum kaum zu erkennen war. Die Süd-Sichtachse wurde vor 2015 freigeschnitten. Im Juni 2023 war die Säule erneut ringsum zugewachsen.
Möge sich jede selbst seinen „Reim“ drauf machen…
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Einen wunderschönen guten Morgen von unserem Schlafplatz aus. Fünf Tage sind wir nun schon unterwegs. Die Tulpen sind mittlerweile auch aufgeblüht, und wir bekommen über diese Zeit den nötigen Abstand zu dem Wahnsinn, der da draußen tobt, wenn er uns auch immer wieder einholen wird.
Achja, und achtet nur auf diese wundervolle Aussicht. Sie reicht über die böhmischen Berge und das Sudetenland, bis zu den Bergkuppen des Riesengebirges. Kein Windrad weit und breit. Auch der blaue Himmel ist so wohltuend. Zwischen Kultstätten der Heiden (die haben wir am Ackerrand entdeckt), bis hin zu liebevoll gepflegten Kriegsdenkmälern, haben wir ganz viele wundervolle Eindrücke mitgenommen.
Wir feiern das Wiedererwachen der Natur. Wo auch immer ihr eure Feuer entzündet und gesellig seid, habt eine gute Zeit.
Wir wandern gleich noch ein Stückchen durch die erwachende Natur und reisen dann weiter.
Gekraxel am Morgen
Ein Stein, und noch ein Stein- hin zum Totenstein, dem Kultplatz der Germanen. Hier oben wehen die bunten Ostara Bändchen fröhlich im Wind.
Später hat Achim noch a bissl Holz gesammelt und dann haben wir uns schon mal eine Hütte gebaut
Diese Bilder sagen einiges über unsere Stimmung aus, zu alldem, was wir in den letzten Tagen für uns mitgenommen haben.
Alles steht auf Neuanfang.
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*** Episode 6 *** – ein wunderschönes Spektakel
Na dann mal rein ins mittelalterliche Getümmel und Gelage.
Ich bin sicher, die meisten wissen, wo es uns hierhin verschlagen hat. Richtig! Wir befinden uns auf der Burg Regenstein. Gerade ein wirklich gutes Gespräch mit dem Harfenspieler geführt. Und die Musik mit den herrlichen Harfenklängen haben wir nun auch auf CD.
Skål! Wir genießen den Abend bei guter Musik vor einer herrlichen Kulisse.
Ein schöner Tag geht zur Neige, am Feuerchen gab es leckeren Met, die Kinder tummelten sich ausgelassen an den Hängen der Festung, , die Musikanten verbreiteten gute Klänge, es war eine ausgelassene und fröhliche Stimmung zu Ostara.
So muss das sein, wenn man das Neue begrüßt.
Hättet ihr es gewusst?
Etwa ab dem 16.Jahrhundert galten Osterfeuer als heidnische Erbschaft, gegen die sich die Verbote häuften.
Auch Kirchenangestellte wurden für das Entzünden von Osterfeuern bestraft, so zugetragen 1695 im Bergischen Land: „Die Totengräber sollen casiert und Lulf vornehmlich bestraft werden, weil er am Ostertage der Führnehmste im Anzünden des Osterfeuers, welches aus dem Heidentum herrührt und unter Christen nicht geduldet werden kann, gewesen, und auch sonst allerhand Reden geführt“.
*** Episode 7 *** – Zum Abschluss geht es noch einmal hoch hinaus
Wir tun es nun ähnlich wie unser Dichterfürst im Faust schon einst beschrieben.
Vielleicht habt ihr eine Ahnung, wo es gleich „hoch hinaus“ geht.
Tipp: Hier feierten schon die Germanen ihr Ostara, von dem heute noch ein Stein zeugt.
Aber auch der Sachsenschlächter Karl hat hier unzählige Sachsen töten lassen. Der idyllische Bach vor unserer Tür färbte sich damals rot.
Und die Cherusker hatten hier unweit einen Stützpunkt im Kampf gegen die Römer.
Nach einer recht herausfordernden Wanderung, lassen wir mal ein paar Eindrücke da. Und nein, wir sind nicht auf dem Preikestolen , sondern auf dem Hohenstein-Sünteln.
Ich habe mich nicht bis zur Felsspitze vorgetraut, und daher all die mutigen Menschlein aus der Ferne bewundert. Mein Göttergatte war ebenfalls darunter.
Auf jeden Fall haben hier oben die Germanen ihre Frühlingsgöttin Ostara geehrt. Der ursprüngliche Stein dazu war nicht mehr zu finden, aber man hat es wenigstens auf der Infotafel erwähnt.
Es war ein steiler, aber absolut lohnenswerter Aufstieg. Die Aussicht wäre allerdings ohne diese „Nebelwände“ noch wesentlich beeindruckender gewesen.
Und wir sind hier in einem Bärlauch-Paradies gestrandet Jede Menge gesammelt, und im Alkoven neben den anderen Kräutern erstmal zwischen gelagert. Kartoffeln an Bärlauchquark gab’s dann zum Abendessen.
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Ostermontag; Abfahrt! Die Tulpen waren uns über acht Tage blühende Begleiter.
Seit letzter Nacht fallen dicke Tropfen vom Himmel, und tiefe Pfützen haben sich gebildet. Ein Abschied bei Sonnenschein fällt jedenfalls schwerer. In Anbetracht der Tatsache, dass es nun seit unserer Abfahrt ohne Unterbrechung vom Himmel „tröpfelt“, dürfen wir mit Fug und Recht verkünden: Die Götter waren uns über die vergangenen Tage hold.
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Wieder zuhause, und der Bärlauch ist schon gebündelt
Und noch eine Info zur Wirkung: Bärlauch enthält mehr Vitamin C als eine Orange und kann somit antibakteriell, entzündungshemmend und immunstärkend wirken. Die Volksmedizin schreibt der Pflanze positive Wirkungen auf Verdauung, Atemwege, Leber, Galle, Darm und Magen zu – er kann Blähungen, krampfartige Magenschmerzen und Schwächezustände lindern. Bärlauch ist gut für Herz, Magen und Darm.
Dem nicht genug. Er soll auch gegen lästige Kopfschmerzen /Migräne wirken, die Blutgefäße reinigen und damit gegen Arteriosklerose wirken. Infolgedessen kann er auch gegen Schlaganfall, Herzinfarkt und Bluthochdruck vorbeugen.
Darüber hinaus lindert er Gelenkschmerzen und stärkt die Abwehrkräfte.
Das Sammeln lohnt!
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Nun, wo unsere Feuer verglühen, und es überall blüht und gedeiht, wünschen wir euch einen guten Start ins „Neue“
Bevor wir nun über die kommenden Tage in das Zeitalter der Reformation eintauchen, gibt es an dieser Stelle noch einige interessante und wichtige Ereignisse dieser Epoche, auch über die deutsche Reichsgrenze hinaus.
Um 1430: Heinrich der Seefahrer, portugiesischer Königssohn, veranlasst Entdeckungsfahrten der Portugiesen an der Westküste Afrikas
1431 Johanna von Orleans wird nach ungerechtem Gerichtsverfahren wegen Hexerei und Ketzerei verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
1437 stirbt mit dem Tod Sigmunds das Haus Luxemburg aus, es erbt vertragsgemäß das Haus Habsburg, das nunmehr bis zum Ende des Alten Reiches in Deutschland herrscht.
Ab 1438 stellen die Habsburger bis 1806 die römisch-deutschen Kaiser (Ausnahme Jahre 1742-1745).
Seit 1450: Statt in lateinischer Sprache werden Briefe zunehmend im deutschen Kanzleistil abgefasst.
1452: Letzte Krönung eines deutschen Kaisers (Friedrich III.) in Rom.
1453: Ende des oströmischen Reiches. Die Türken unter Mohammed II. erobern Konstantinopel und machen es zur Hauptstadt des Osmanischen Reiches.
1455-1485: „Rosenkriege“ in England. Die Adelsgeschlechter der Lancaster (die eine rote Rose im Wappen führen) und der York (mit weißer Rose) kämpfen um den Anspruch auf die englischen Krone. Ihre gegenseitige Vernichtung macht für das Haus Tudor den Weg zur Krone frei.
1458-1490: Matthias I. Corvinus wird König von Ungarn, erzwingt die Abtretung Mährens, Schlesiens und der Lausitz, kulturelle Blüte Ungarns.
1459: Ganz Serbien (ohne Belgrad) wird von den Türken erobert.
1483-1485 Richard III. König von England
1487 erscheint in Deutschland das Buch „Der Hexenhammer“, das eine genaue Beschreibung des Hexenwesens und eine genaue Anleitung
Durch das Zusammentreffen vieler Erscheinungen, tat sich der abendländischen Menschheit eine neue äußere und innere Welt auf. Zu diesen großen Umwälzungen kam die Bewegung der Reformation hinzu. Die Morgenröte der Neuzeit brach an. Und damit gehen wir in Fortsetzung zur deutschen Geschichte nach Albert Thümmel.
Nun kurz etwas zu diesen Erscheinungen und wichtigen Ereignissen des 15. und des beginnenden 16. Jahrhunderts mit weittragenden Folgen.
1453 eroberten die Türken Konstantinopel als letztes Bollwerk des Balkans und waren damit Herren der ganzen Halbinsel. Da flohen viele Griechen, vor allem viele Gelehrte, herüber nach Italien. Sei verbreiteten hier die Kenntnis der griechischen Sprache sowie der alten Literatur und Kunst, die das ganze Mittelalter hindurch fast vergessen worden waren. Eine versunkene, schönere Welt erwachte zu neuem Leben und erzeugte einer ganz neue Lebens-und Weltanschauung. Es war die Zeit der Wiedergeburt (Renaissance), der griechisch-römischen Kultur, der Antike. Sie äußerte sich am sichtbarsten und eindrucksvollsten auf dem Gebiet der Kunst (Renaissance im engeren Sinne), besonders in der Baukunst, Malerei und Plastik – aber auch im Bereich der Wissenschaften (Humanismus). Vin großer Bedeutung wurde in diesem Zusammenhang die Erfindung der Buchtdruckerkunst durch Johannes Gutenberg in Mainz.
Ein weiteres Ereignis ist ferner die „Entdeckung Amerikas“ Gern wird hier der Genuese Kolumbus als Entdecker im Jahre 1492 „gefeiert“. Doch entdeckte er nur etwas, was längst zugegen war, während er sich dann vielmehr als Sklavenhändler einen „Namen“ machte. Einen Grund zum Feiern gab es also nicht.
Nimmt man die historischen Zeugnisse und die archäologischen Befunde zusammen, so ist evident, daß wohl schon zu Beginn des 11. Jahrhunderts die nordamerikanische Küste von grönländischen Wikingern entdeckt und in der Folge besiedelt wurde. Sicher ist: Leif Eriksson landete an der Küste Nordamerikas bereits 500 Jahre vor Kolumbus. Er segelte von Island aus mit einem Drachenschiff los. Dabei wurde er von 35 Männern begleitet. Die Gebiete, die er erreichte, wurden von ihm beschrieben und gezeichnet. Bald wurden Siedlungsversuche unternommen.
Die Indianer, die Kolumbus angeblich entdeckte, waren keine Wilden. Bereits um 1000 gab es in Mittel-und Südamerika hochstehende Kulturen. Gerade um 1500 war die Hochblüte der Inka und Aztekenreiche. (Tenochtitlán (heute Mexikos City) war die prächtige Hauptstadt eines großen Reiches: man schätzt, dass es mehr als 100 000 Einwohner gab, die in prachtvollen Straßen mit herrlichen Bauwerken lebten. Es gab Bewässerungsanlagen und Märkte voller Leben.
Weittragende Folgen hatte auch die Eröffnung des Seeweges nach Ostindien durch den Portugiesen Vasco da Gama (1498). Es kam zur völligen Umgestaltung des Heerwesens und der Kriegführung, unter anderem dadurch, dass das Schießpulver, welches um 1350 erfunden worden war, immer allgemeiner angewandt wurde. Die Waffen des Rittertums wurden unbrauchbar und durch Handfeuerwaffen ersetzt, und an die Stelle gepanzerter Ritterheere traten die Söldnerheere des leichtbeweglichen Fußvolkes mit ihren Hakenbüchsen, Hellbarden und Geschützen.
Ein weiteres Ereignis dieser Epoche ist die Aussage eines Nikolaus Kopernikus und die Reaktion der Kirche darauf:
1616: Kopernikus‘ Werk wird von der Kirche suspendiert: Es darf nur noch als Hypothese erwähnt werden. Sämtliche Schriften, die behaupten, das kopernikanische System entspräche der Wahrheit, kommen auf den Index. Galileo Galilei wird ermahnt, Kopernikus nicht mehr zu verteidigen.
Die Erde dreht sich um die Sonne, so wie alle anderen Planeten auch. In einem Jahr dreht sich die Erde um die Sonne und einmal am Tag um die eigene Achse. Drei Jahre nach seinem Tod verbot die Kirche das Werk des Kopernikus wegen Ketzerei.
„Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Universums. Es ist die Sonne, die sich um uns dreht, und so den Mittelpunkt bildet.“ Diese Aussage missfiel der Kirche.
Übrigens, ganz offiziell erschienen die ersten kirchlichen Verbotslisten, genannt Index, im Jahr 1559, und sie währen immerfort.
Ich schreibe offiziell, weil sich dieser Index, oder besser bekannt unter Zensur, bereits mit dem Aufstreben des Papsttums verankern konnte.
Mit 101 Jahren hat meine Mutti am 17. März 2024 für immer ihre müden Augen geschlossen. Ein stolzes Alter, ein stolzes Leben: Was uns bleibt, ist der Rückblick auf eine bewegte Zeit und damit verbunden, viele Erinnerungen an die guten Momente und schönen Tage.
Was so mancher vielleicht gar nicht weiß: Meine Mutti ist der Grund dafür, dass ich diese Website überhaupt ins Leben gerufen haben. Das war am 17. Februar 2023. Zu Lebzeiten hat sie mir all die Niederschriften ausgehändigt, aus denen wir heute lesen und erfahren, wie es sich einmal zugetragen hat – Ereignisse und Geschichten aus längst vergangenen Tagen, aus einer Zeit, von über mehr als 100 Jahren.
Was sie uns hinterlassen hat, trägt einen unschätzbaren Wert. Und hier wissen die meisten unter uns, dass es sich dabei weniger um einen materiellen Wert handelt, sondern es ist vielmehr der ideelle Wert: Ihr großes Wissen, und ihre Niederschriften zu historischen Ereignissen und unserer deutschen Geschichte.
Ebenfalls daraus hervorgegangen, ist der Videokanal „Gelesen aus den Tagebüchern meiner Mutter“ @KlaraFall-dasglaubewerma-kg3kp.
Dort lese ich aus ihren Niederschriften und Tagebüchern. Also all das, was sie einst niedergeschrieben hat. Es war ihr großer Wunsch, darüber zu berichten. Es ist die Pflicht der Nachkommen, das zu tun. Denn nur wer etwas selbst erlebt hat, kennt auch die Wahrheit. Ein wertvolles Gut einer Erlebnisgeneration, dass wir bewahren müssen. Denn die Toten können nicht mehr berichten, über Ereignisse, die nicht nur ein eindrucksvolles Bild mit viel Wissenswertem aus der Vergangenheit hinterlassen, sondern auch erschüttern, traurig und nachdenklich stimmen.
Was diese Generation gelitten, und aus dem Nichts wieder geschaffen hat, lässt sich kaum in Worte fassen. Ihren Nachkommen haben sie Werte und Traditionen vermittelt, sie haben die Heimat wieder aufgebaut, und das unter widrigsten Bedingungen. Heute erfahren diese Leistungen und das Wirken kaum Anerkennung, werden viel zu oft vernachlässigt und mit Füßen getreten.
Ein Mutterherz hat aufgehört zu schlagen.
Ihrem Wunsch der Bestattung auf See kommen wir gerne nach. Wir werden sie dort würdig verabschieden. Die Insel Usedom war so ein bisschen wie unsere zweite Heimat. Jedes Jahr verbrachte sie dort mehrere Wochen mit der Familie ab den 1950er Jahren. Ich war gerade geboren ( April 1965), schon schlummerte ich im Sommer 1965 am Meer.
Eine Seebestattung verkörpert vor allem das Symbol der Freiheit. Das weite Meer steht für Unendlichkeit, seine Wogen für Lebendigkeit. Dass die Mutti nun bald in die Weiten des Wassers eintaucht, ist für uns tröstlich, denn sie ruht dann in einer unendlichen und harmonischen Umgebung – in einer Freiheit, die ihr in Lebzeiten so oft verwehrt geblieben ist.
„Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt’.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.“
(Joseph von Eichendorff)
Über 300 Beileidsbekundungen erreichten uns bis zum frühen Morgen des 18. März 2024 auf dem Social Media Kanal, nach der Mitteilung, dass die Mutti am 17. März 2024 für immer ihre Augen geschlossen hat.
Meinen lieben Mann und mich berührt es sehr, wie viele Menschen es zu schätzen wissen, was sie uns hinterlassen hat. Ein Erbe und ein Werk, dass uns alle etwas angeht, denn es ist die Geschichte einer Frau zur deutschen Geschichte ab 1923.
auf den Marktplätzen in Deutschland eine Menschenkette für Demokratie und Rechtstaatlichkeit zu bilden.
Dahinter steht ein Bündnis aus allen Parteien, Fraktionen, Wohlfahrts- und Sozialverbände, Kirchen und von vielen mehr.
Die Stadt ist, wird, bleibt bunt – wir bilden eine Menschenkette.“ So heißt es in dem Aufruf, der über unser Land ertönt.
Die Teilnehmer werden dazu aufgerufen, bunte Tücher oder Schals mitzubringen, die sie nicht mehr brauchen. Damit sollen die Bäume auf den Märkten geschmückt werden, um ein buntes Zeichen zu setzen.
Mir stellen sich Fragen. Woher rühren diese regelmäßigen Aufmärsche? Und von welchen Bäumen auf den Marktplätzen ist die Rede? Allein auf dem Marktplatz unserer Stadt wurden schon vor wenigen Jahren gesunde Bäume gefällt und durch Betontreppen, Bänke und Papierkörbe ersetzt.
Die öffentliche Presse gibt Antwort: „Seit Wochen demonstrieren bundesweit immer wieder Tausende für Demokratie und gegen Rechtsextremismus. Auslöser der Proteste war ein Bericht des Medienhauses Correctiv über ein Treffen Rechtsextremer im November in Potsdam, an dem auch AfD-Politiker sowie einzelne Mitglieder von CDU und Werteunion teilgenommen hatten.“
Die Bäume betreffend: Auf dem Marktplatz unserer Stadt wurden vor wenigen Jahren Bäume gefällt und einige auch umgesetzt, und durch Betontreppen, Bänke und Papierkörbe ersetzt. Der Aufschrei blieb aus, es waren nur wenige Menschen, die sich gegen die Fällung wehrten.
Dass Propaganda in den Köpfen viel an -und ausrichten kann, das ist bekannt, aber das sie zu einer vollständigen Erblindung führt, ja, das verblüfft einen schon. Schließlich erscheint das Prozedere nicht nur skurril, es hinterlässt einen faden, ja modrigen Geschmack. Ich schaue mich um, und sehe, wie der Raubbau an unserer Natur fortschreitet und von diesen Wesen, die heute auf den Marktplätzen bunte Tücher spannen, völlig unbeachtet bleibt.
Auf unserer letzten Reise in den Teutoburger Wald habe ich nach einer Wanderung kaum geschlafen, immer wieder tauchten die Bilder von verstümmelten Bäumen auf, gerahmt von diesen unsäglichen Windrädern, inmitten mächtiger Flächen aus Beton, akzentuiert von Funkmasten.
Ein Trauerspiel, zu dem der Geigenspieler wohl kaum ein fröhliches Frühlingslied herbeistreicht, eher klingt es nach der Melodie von : „Spiel mir das Lied vom Tod“
Was ist eigentlich aus den umgesetzten Bäumen von damals geworden? Ich habe nachgehakt: Die drei Ahornbäume, aufwendig wurden sie ausgegraben und auf einer Wiese außerhalb der Stadt unter Einsatz von Männer- und Maschinenkraft eingepflanzt / April 2010. Im ersten Jahre blühten sie noch. In den weiteren Jahren-2011, 2012 kümmerten sie. Im April 2013, stellten sie, bis auf einen Dahinkümmernden, endgültig das Wachstum ein. Als Totholz bieten sie einen traurigen, deprimierenden Anblick.
Ein Anblick, der sich mittlerweile über das ganze Land erstreckt.
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Das Foto des Geigers stammt vom Künstler Kwok Hung Lau und wurde auf dem Kunstwanderweg Kleinbreitenbach ausgestellt.
Der junge 34jährige Herrscher war gerade das Gegenteil seines Vaters, lebhaft und gewandt, mutig bis zur Tollkühnheit und voll rastloser Tatenlust, von hoher, schöner Gestalt und ein Meister in allen ritterlichen Künsten; im Turnier und auf dem Schlachtfeld hat er manchen Gegner in den Sand gestreckt.
Als während eines Reichstages in Worms 1495 ein riesenhafter französischer Ritter die Deutschen zum Zweikampf herausforderte, ritt nach bangem Warten ein deutscher Ritter mit geschlossenem Visier in die Schranken. Nach kurzem Kampf lag der Gegner am Boden, und als der Sieger das Visier öffnete, da war es der Kaiser. Unendlicher Jubel dankte ihm. Durch sprühenden Geist und leutseliges Wissen entzückte er alle, die mit ihm in Berührung kamen. Infolge seiner gewinnenden Art war er, zumal beim einfachen Volk, sehr beliebt. Er war freigiebig, aber leider ein sehr schlechter Wirtschafter, dauernd in Schulden.
Bei all seinen glänzenden Gaben fehlten ihm die wichtigsten Eigenschaften eines Herrschers: Festigkeit und Ausdauer. Nichts tat er gründlich und nach reiflicher Überlegung. Deshalb brachten ihm die viele Kriege, in die er sich verwickelte, wenig Gewinn, und durch sein unruhiges Umherschweifen, sein beständiges Ergreifen neuer Aufgaben steigerte er nur noch die Verwirrung in Deutschland.
Und doch war seine Regierung für das Reich nicht ohne Vorteil.
Erwähnenswert: Die Kaufmannsfamilie der Fugger in Augsburg war berühmt durch ihren sagenhaften Reichtum. Der bekannteste Sproß dieses Geschlechts ist Jakob Fugger. Viele große Herren waren seine Schuldner, sogar der Kaiser und der Papst. Karl V. weilte oft als Gast im Fuggerhaus. Bei einer solchen Gelegenheit soll Jakob Fugger vor den Augen des Kaisers einen Schuldschein über eine große Summe ins Feuer geworfen haben.
Auf dem Reichstag zu Worms 1495 ließ Maximilian einen ewigen Landfrieden beschließen, der jede Art von Selbsthilfe, im besonderen die Fehde, verbot. Die Entscheidung aller Streitigkeiten wurde einem Reichskammergericht übertragen. Zu dessen Unterhalt wurde der „Allgemeine Pfennig ausgeschrieben , dieser sollte durch die Pfarrer nach Maßgabe der Leistungskraft erhoben werden, aber die Gelder gingen nur sehr spärlich ein. Immerhin war es die erste allgemeine Reichssteuer.
Ferner wurde Deutschland in zehn Kreise eingeteilt, von denen jeder ein Kriegskontingent stellen sollte, um die Urteile des Reichskammergerichts durchzuführen. Aber auch dieses Reichsheer stand nur auf dem Papier. Auf dem Reichstag zu Augsburg 1500 wurde beschlossen, ein ständiges „Reichsregiment“ zu bilden – eine Reichsregierung, bestehend aus 20 Mitgliedern.
Zu seinem Stellvertreter bei dieser Behörde ernannte Maximilian den Kurfürsten Friedrich den Weisen von Sachsen, den angesehensten Fürsten der Zeit. Von geschichtlicher Bedeutung ist dieser vor allem dadurch geworden , dass er seine schützende Hand über Luther hielt, als dieser in Bann und Acht getan worden war. Das Reichsregiment war nur von kurzer Dauer.
Weit glücklicher als in seinen Kriegen und politischen Bestrebungen war Maximilian, wie sein Vater, in dem Bestreben, seine Hausmacht und den Glanz seines Hauses zu mehren. Außer Burgund, durch seine Heirat, gewann er durch Vermählung seines Sohnes Philipp, für sein Haus die Anwartschaft auf die Königreich Kastilien und Aragonien.
Nach Phillips frühem Tod vereinigte dessen Sohn Karl die beiden Länder zum Königreich Spanien. Da dieser nun auch die Länder der neuen Welt beherrschte und die spanischen Besitzungen in Italien – Neapel, Sizilien und Sardinien – behielt, so wurde dieser Karl, der nach Maximilian als Karl der V. den deutschen Kaiserthron bestieg, der mächtigste Fürst seiner Zeit, „in dessen Reich die Sonne nicht unterging“.
Maximilian steht auf der Schwelle zweier Zeitalter, er ist halb noch dem Mittelalter, halb schon der Neuzeit zugewandt. Ein Freund des Rittertums, förderte er die Turniere, als der „letzte Ritter auf dem Kaiserthron“: Er war aber zugleich der Schöpfer des deutschen Landsknechtwesens und erlebte auch noch den Beginn der Reformation.
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In den nächsten Tagen tasten wir uns langsam an die Neuzeit heran, und beschäftigen uns in Ansätzen mit Renaissance und Humanismus, Entdeckungen und Erfindungen dieser Zeit. Dann beginnt das Zeitalter der Reformation.
Zuletzt aus der Reihe (deutsche Geschichte nach Albert Thümmel) verfasst: