Und gerade zu dieser Zeit, da die katholische Kirche zu dem großen Gegenangriff vorging, verlor sich der deutsche Protestantismus, nach Luthers Tod in immer weitergehende Zerrissenheit. Wie das deutsche Reich in einzelne Landeshoheiten, so zerfiel er auch – durch Gezänk und dogmatische Spitzfindigkeiten und theologische Buchstabenklauberei – in lauter einzelne Stücklein.
Karl V. und seine beiden nächsten Nachfolger (Ferdinand I. und Maximilian II.) hatten versucht, das Reformwerk des Konzils so zu lenken, dass eine Wiedervereinigung der Protestanten mit der alten Kirche möglich war. Mit Rudolf II. aber begann ein ständiges Vordringen der alten Kirche in Deutschland. Der Vorkämpfer hierfür war aber nicht mehr das Kaiserhaus, sondern der Herzog Maximilian von Bayern.
Da schloss sich eine Anzahl protestantischer Reichsstände zu einem Bund zusammen, der Union (1608). Doch traten ihr wichtige protestantische Länder nicht bei. Die Zerrissenheit des Protestantismus schien unheilbar. Demgegenüber vereinigten sich alle wichtigen katholischen Stände Süddeutschlands in der Liga (1609), unter der einheitlichen Führung des Bayernfürsten. Die Spaltung in zwei feindliche Lager war da.
Der geringste Anlass konnte zum bewaffneten Zusammenstoß führen. Und dieser Anlass kam nur zu bald.
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Damit sind wir am Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) angelangt. In der nächsten Woche geht es dann weiter. Themen sind dann unter anderem:
Der Prager Fenstersturz (1616)
Die Schlacht am Weißen Berg bei Prag (1620)
Albrecht von Wallenstein (um 1625)
Die Schlacht bei Breitenfeld (1631)
Die Schlacht bei Lützen (1632)
Der Anstoß zum Krieg kam von den Habsburgern in Österreich. Dort herrschte Ferdinand II., ein schwacher Herrscher, aber streng katholisch, ja geradezu asketisch gesinnt.
Im Anschluss an die ergänzenden Beiträge (s. u), geht es nun wie folgt weiter:
Das Erstarken des Katholizismus
Der Jesuitenorden
Das Konzil zu Trient (1545-1563)
Der Niedergang des Protestantismus
Und schließlich der Dreißigjährige Krieg (1618-1648)
Der Papst schlägt zurück – Der Beginn der Gegenreformation (hier lesen wir bis zum „Konzil von Trient“).
Das Erstarken des Katholizismus: Um 1560 war das deutsche Volk zu neun Zehnteln protestantisch. Nun aber ging die katholische Kirche zu einem großangelegten Gegenangriff vor. Ihre Hauptwaffe in diesem Kampf waren der Jesuitenorden und das Konzil von Trient.
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Der Jesuitenorden: Er wurde 1534 von einem spanischen Rittersmann, Ignatius von Loyola, gegründet. Als er in der Festung Pamplona, die von den Franzosen belagert wurde, verwundet lag (1521), wurde er durch die Lektüre durch Heiligenleben zu dem Entschluss kirchlichen Rittertums geführt. Auf einer Wallfahrt zum Montserrat (Katalonien) legte er seinen Waffen nieder und trieb dann eine ernste Askese. Während einer Reise nach Jerusalem wurde sein religiöses Leben durch Visionen noch gesteigert. Nach der Rückkehr widmete er sich gewissenhaften Studien in Spanien und Paris. Dann lebte er in Italien, wo sein tadelloses Leben neben dem verweltlichten Klerus großen Eindruck machte. Nach scharfem Widerstand der Kardinäle bestätigte 1540 der Papst seinen Orden, „die Gesellschaft Jesu“. Ignatius starb 1556.
• Zur Organisation und der sittlichen als auch moralischen Lehre des Jesuitenordens lest ihr in einem Extra-Beitrag (s. u). Rückgrat der Organisation war Gehorsam. Ein wesentliches Mittel zur Persönlichkeitsbildung sind die „geistlichen Übungen“ , dieses Exerzierreglement zur Schulung der Seele“.
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Das Konzil von Trient (1545-1563)
Die katholische Kirche machte in dieser Zeit die wichtigste Erneuerung durch, die sie bis dahin erlebt hatte. Man hatte erkannt, dass die Kirche vor allem sich selbst innerlich festigen müsse durch Beseitigung der hauptsächlichen Missstände. Und das geschah auf dem Konzil von Trient. Zustande gekommen war es 1545 durch Karl V., der damals kirchliche Reformen wünschte, um die Protestanten wieder in die Kirche zu ziehen.
Zunächst wurden die Verhandlungen immer wieder verschleppt. Zweimal wurden die Versammlungen jahrelang unterbrochen. Endlich 1562, als sich die Weltlage völlig verändert hatte, trat es wieder zusammen, diesmal unter dem beherrschenden Einfluss des Jesuitenordens.
Das Konzil von Trient hatte zwei Aufgaben zu lösen. Einmal musste es die Glaubenslehre der Kirche gegenüber den Neuerern lichtvoll und klar darstellen, zum anderen die Missstände, die sich in die Kirche eingeschlichen hatten, beseitigen und heilsame Verbesserungen einführen. Die Folge war eine wirkliche moralische und seelische Erneuerung der römischen Kirche auf diesen Gebieten.
Ich glaube, was vielen immer noch schwer fällt, ist das Erkennen, dass das, was wir gegenwärtig erfahren, nicht wirklich „NEU“ ist. Gewisse Dinge in einen Zusammenhang zu bringen, sie rückwirkend zu betrachten und daraus Schlüsse zu ziehen. Und ich wiederhole mich: Natürlich macht es das Geschehen nicht besser, aber man kann mit diesem Wissen seine Handlungsweise anders ausrichten.
Ich habe einige Menschen, auch aus dem familiären Umfeld, im Jahr 2020 gefragt – also, zu dem Zeitpunkt, wo vieles offenkundig wurde –
• „was macht euch so sicher, zu glauben, dass Verhältnisse wie einst, seien sie aus dem Mittelalter, oder aus anderen, längst vergangenen Zeiten, nicht mehr zum Tragen kommen?
• Was , macht euch so sicher, zu glauben, dass die Menschen, die gegenwärtig das „Regelwerk“ beherrschen (regieren), es nur und ausschließlich gut mit euch meinen?
• Was, macht euch so sicher, zu glauben, dass es so etwas wie damals, in seiner Form und Gestalt nie wieder geben kann?
Die Antwort dazu gab’s natürlich auch – aus den Reihen der Gläubigen: „Weil wir heute fortschrittlich denken, eine Demokratie haben und in Wohlstand leben“, und weiter: „Heute wird doch keiner mehr verbrannt, weil er eine andere Meinung hat, wir können sagen und denken, was wir möchten, und keiner wird dafür hart bestraft“. So weit die Gläubigen unter den Fittichen der glaubhaft Machenden.
Ich denke dann immer an die Zeiten in der ehemaligen DDR zurück. Wer das System dort nicht kritisierte oder in Frage stellte, dem ging es gut. Er genoss alle Vorteile, und entsagter er seiner Verwandtschaft im Westen, gab es noch ein Bonbon oben drauf. Wer jedoch nicht in das System passte, und an dessen Fugen kratzte, erlebte die Hölle. Ich weiß gut, wovon ich schreibe, aber ich möchte es jetzt, an dieser Stelle, nicht ausschöpfen. Näheres dazu in den kommenden Beiträgen „gelesen aus den Tagebüchern meiner Mutter“.
Nun schreiben wir das Jahr 2024. In meinen letzten Beiträgen berichtete ich zu Luther und seine Thesen, über die Bauernaufstände und über eine gewaltige Bewegung, welche die Geister ergriff, als sie die kühnen Worte wider dem Ablass vernahmen. Hier werden die Parallelen zur Gegenwart besonders deutlich, wie ich finde, wenn auch die Machenschaften mit dem Entstehen des Papsttums schon längst verankert waren. Wir wandeln also gerade auf den Spuren des 16. Jahrhunderts, der Zeit der Reformation und der Beginn der Gegenreformation.
Aber woran erkennt man diese Gläubigen? Nun, das ist eigentlich ganz einfach. Erst vorgestern hatte ich ein solches Schlüsselerlebnis. Man lese und staune: Die öffentlich-rechtlichen Anstalten berichten ohne Umschweife und fern der gewohnten Agitation, vom Praktizieren des Geoengineering, Kurz: Vom Pfusch in den Wolken, oder klempnern am Klima… Alles ganz normal!
Wie die meisten unter uns wissen: Bisher wurde diese Tatsache ja immer geschickt umschrieben. Und wer dagegen sprach oder gar wagte, zu erwähnen, dass dieses „Geschehen“ menschengemacht sei, wurde auf das Schärftste verurteilt.
Anders also, als bisher, sind nun die Titelblätter der berühmt-berüchtigten Medienanstalten bunt gedruckt, positiv gestimmt und pro Geoengineering aufgestellt. Selbstverständlich erscheint unterschwellig die „notwendige „Kritik“, um die vermeintliche Glaubwürdigkeit aufrecht zu erhalten. So weit die Vorgehensweise. Nun treten die „Gläubigen“ auf, also die, die uns noch vor wenigen Tagen deutlich machten, dass wir Unsinn erzählen und Feinde der Demokratie wären. Es gab ja noch viele weitere unschöne Bezeichnungen, aber die müssen nicht alle aufgeführt werden, sonst nähme der Text kein Ende.
Von diesen „Gläubigen“ tauchte nun auf einem der „sozialen Medienportale“, ein mir bekannter Name auf. Ich folgte einer Diskussion und den damit verbundenen Kommentaren zu den „neuen Erkenntnissen unserer staatlichen Presse“. Und siehe da, diese Person, dessen Namen immer wieder anklang, wenn es darum ging, Kritiker zu diskreditieren, und der vehement all die auslachte, die genau das berichteten, was uns heute die staatliche Presse „erklären“ möchte, sprach nun ganz anders, oder besser, er agierte als Sprachrohr der Medien: „Das Geoengineering“ wird schon seine Richtigkeit haben, denn wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, um das Klima zu retten“…
So kann’s gehen.
Das damit einhergehende globale Risiko ist dann völlig unerheblich und wird vollständig ausgeblendet.
Ein anderes Erlebnis ereilte meinen Göttergatten, der auf einem anderen Portal wie folgt (in Bezug auf die gnadenlose Abholzung des Reinhardswaldes /Märchenwald in Hessen ) die Frage stellte: Warum werden Wind- oder die Solarparks nicht beispielsweise in eine Wüste gesetzt?… , und darauf folgende Antwort bekam: „Die Wüste ist ein einzigartiger Lebensraum, der nicht zerstört werden darf. Darauf muss man unbedingt Rücksicht nehmen“..
Warum schreibe ich darüber? Nun, ich stelle für mich wiederholt fest, dass sich im Verlauf der Jahrhunderte im Verhalten der Menschen, nichts, aber auch gar nichts verändert hat, nur die Kulisse und das Werkzeug sind andere.
Für unser persönliches Handeln und Weiterkommen ist diese Gewissheit sehr wichtig.
Und daher gibt es gleich darauf Teil II zu: „Wache, edles deutsches Volk, und lerne deine Feinde kennen, um dich gegen ihre List verteidigen zu können…“
Bevor wir in unsere Reihe: Deutsche Geschichte nach Albert Thümmel“ eintauchen, ist es sinnvoll, das Augenmerk auf bestimmten Gegebenheiten zu lenken.
Die heutige Kirchengeschichtsforschung versteht unter Gegenreformation die Gesamtheit aller Versuche katholischer Fürsten und Bischöfe, das verlorenen Glaubensterrain mit politischen, ja sogar mit militärischen Mitteln wiederzugewinnen. Der gesamte, sehr komplexe Vorgang hielt bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts an.
Hatte die Erneuerung der Kirchen in den alten Orden bereits vor der Reformation begonnen, so bildeten sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts neu Mönchsgemeinschaften, die sich zu strenger Askese, aber auch zu karitativen Aufgaben verpflichtete. Einer Erneuerung der Kirche ohne die Gründung der Gesellschaft „Jesu“ durch den baskischen Offizier Ignatius von Loyola (1491-1556) ist nicht vorstellbar: Von Papst Paul II. im Jahre 1540 anerkannt, verpflichtete sich diese Ordensgemeinschaft der „Jesuiten“ zum besonderen gehorsam dem Papst gegenüber.
Dieser Orden entfaltete unter anderem im höheren Bildungswesen eine besondere Aktivität. An seinen in rascher Folge gegründeten Universitäten und Kollegienhäusern bildete er eine geistige Elite heran, zu der Persönlichkeiten wie Petrus Canisius (1521-1597), Aloysius von Gonzaga (1568-1591), Franz Xaver (1506-1552) oder Matteo Ricci (1552-1620) gehörten, die sich als Erzieher, Wissenschaftler und Missionare u. a. in Japan, Indien und China, in Amerika, in Madagaskar, aber auch in Europa einen Namen machten. Die sogenannte Gegenreformation ist ohne den Jesuitenorden nicht verständlich.
Dessen Gründung wiederum ist nicht erklärbar ohne den Hintergrund des spanischen Staatskirchentums, dass der frühen Reformbewegung starke Impulse gegeben hat. Es wundert daher nicht, wenn spanische Bischöfe auf das Trienter Konzil entscheidenden Einfluss genommen haben. In Spanien verbanden sich im 16. Jahrhundert in ganz einmaliger Weise Mystik, Kontemplation und tätiges Apostolat miteinander.
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Auch das, ist interessant zu wissen: In Amerika, in Mexiko, in Peru, vor allem in Paraguay wurde den Jesuiten die Evangelisierung durch das Nomadentum der Eingeborenen und durch die Gegensätze der Stämme untereinander erschwert. Während sie in den wichtigen Zentren die „Seelsorge“ an den Weißen und Sklaven ausübte, bemühten sie sich in den Wäldern oder im Busch die Eingeborenen in Dörfern sesshaft zu machen.
Die Missionare Mexikos taten das gleiche.
1572 kamen zwölf Jesuiten aus Europa. 1591 widmeten sich zwei von ihnen den Indios im Inneren des Landes.
1614 betreuten 39 Priester und vierzehn Brüder elftausend Christen, sodass die Provinz Mexiko gegründet werden konnte.
Besonders hart, war die Brasilienmission. Die Indios leben in einem Klima des Zauberwesens, in starker Verbindung zur Natur.
Nun verstehen wir vielleicht besser, wer das „Sagen“ hatte, immer noch hat und wie sich manches zusammensetzt.
1840 waren es gerade dreihundert Jahre, seit der Jesuitenorden vom Papst feierlich bestätigt worden ist; dreihundert Jahre lang währte der Kampf gegen den Protestantismus, ein Kampf der Finsternis gegen das Licht, ein Kampf der Lüge gegen die Wahrheit, ein Kampf der Tyrannei gegen die Freiheit, welcher in der ganzen Weltgeschichte beispiellos war.
Hunderttausende von Menschen sind dadurch elend geworden, Ströme Menschenbluts sind dadurch geflossen, ganze Völker voll der herrlichsten Fähigkeiten in ihrer geistigen und sittlichen Entwicklung aufgehalten worden — alles unter dem Vorwand: „zur größeren Ehre Gottes!“ Wie eine Gotteslästerung schallt diese Losung durch die Weltgeschichte.
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Die Mönchsorden, welche bis dahin die Stützen des Papsttums gewesen waren, konnten demselben jetzt gar wenig mehr nützen; denn die Mönche waren zum Teil ausgeartet, träg und dumm, zum Teil als grausame Ketzerrichter verhasst; auch waren die Völker in Verstandesbildung weit fortgeschritten und ließen sich so leicht weder durch Bann und Interdikt des Papstes mehr schrecken, noch durch plumpe mönchische Vorspiegelung mehr täuschen.
So schrieb er nach Rom und erbat sich mehrere Jünger Loyolas zur Ausführung jenes gottgefälligen Werkes. Sogleich fuhren Franz Xaver und Simon Rodriguez nach Portugal und gewannen dort in Kürze das Vertrauen des Königs in einem solchen Grade, daß er sie gar nicht nach Indien fortlassen, sondern an seinem Hofe behalten wollte. Franz Xaver aber war ganz und gar von dem Gedanken der Heidenbekehrung begeistert und wollte diesem Zwecke, welcher ihm als der heiligste erschien, sein Leben bis auf den letzten Blutstropfen weihen.
Der Stifter des Jesuitenordens ist ein spanischer Edelmann gewesen, mit Namen Innigo oder Ignaz von Loyola. Er war der Sohn des Ritters Bertram, Herrn von Loyola und Ogne, und der Mariana Saez de Licona und Balda, der jüngste von acht Brüdern, im Jahre 1491 auf dem Schlosse Loyola in der Landschaft Guipuzcoa geboren, und wurde am königlichen Hofe Ferdinands des Katholischen als Edelknabe erzogen. Da war ein üppiges Leben, das ihm gar wohlgefiel, aber sein ungestümer Ehrgeiz verleidete ihm bald das eitle und müßige Treiben am Hofe, und, nachdem er die Kriegskunst bei dem Herzog von Najera, einem Verwandten seines Hauses, erlernt hatte, suchte er sich in Kämpfen und Abenteuern hohen ritterlichen Ruhm zu erwerben.
Wie auch das Papsttum fordert der Orden für sich das höchstes Recht über jede weltliche Gewalt.
Das Grundprinzip dieses Systems, wie es sich, von der ursprünglichen Absicht des Ordensstifters Loyola abweichend, in der Folge immer schärfer entwickelte, ist folgendes: Der höchste Zweck des Jesuitenordens ist — er selbst, als geistlicher Staat.
Der Zweck seiner Existenz aber ist die Herrschaft über die ganze Welt, und die Regierungsform — eine unumschränkte Monarchie, jedoch mit dem Anscheine, dass durch den Ordensregenten der Gesamtwille der ganzen Gesellschaft vertreten sei.
Der feste Zusammenhang des Jesuitenordens mit dem Papsttum blieb dabei allerdings aufrecht, jedoch in einem umgekehrten Verhältnis, entgegen der Absicht des Stifters und entgegen dem Glauben der Päpste.
Wie die Könige und Fürsten erst durch Übertragung von ihnen, also von der römischen Kirche, gleichsam als Lehen erhielten, so maßte sich jetzt die Gesellschaft Jesu an, dessen herrschender Staat auf Erden zu sein, und zwar so, daß alle Könige und Fürsten eigentlich nichts mehr als Beamte seien, welchen die Untertanen nur so lange zu gehorchen brauchten, als jene selbst ihrer höheren geistlichen Herrschaft gehorsam und nützlich blieben, und welche man, sobald sie es nicht mehr wären, absetzen und sogar töten dürfe!
Ebenso wie die Päpste früher jeden Freidenkenden und Andersgläubigen für einen Ketzer, für einen von Gott Verworfenen, für einen durchaus Rechtslosen erklärten, ebenso galt jetzt jeder Freidenker vor der Gesellschaft Jesu als ihr Feind, welcher vernichtet werden müsste, wenn er sich nicht bekehren wollte.
„Weil jede Handlung des Ordens zur größeren Ehre Gottes geschieht, so muss der Zweck jedes Mittel heiligen.“ In dieser Zauberformel lag die ganze praktische Anwendung des Systems und die ganze jesuitische Moral.
Natürlicherweise kann ein Staat, welcher sich für den von Gott berechtigten alleinigen Weltstaat hält oder ausgibt, alle anderen neben sich nicht dulden; sie erscheinen ihm als Anmaßung, und wenn er sich in jener Eigenschaft behaupten will, so muss er sie erobern. Das hat denn der Jesuitenorden auch getan, aber mit unsichtbaren Waffen. Bei den heidnischen Völkerschaften in Asien und Amerika breitete er seine Herrschaft unablässig durch Missionen aus.
Deshalb umgaben sie sich mit dem blendenden Schein einer ganz besonderen Frömmigkeit, befestigten den Glauben der Menschen an den unerschöpflichen geistlichen Gnadenschatz des Ordens, und brachten es auf alle Weise dahin, dass man sie als Beichtväter suchte.
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Im Zusammenhang mit diesem Beitrag: Die Zeit der Reformation /Die Zeit der Gegenreformation – dazu bereits verfasst:
Wie angekündigt, folgt nun ein Extra-Beitrag oder besser ein Zweiteiler zum Orden der Jesuiten – Teil I
(bevor wir in das Zeitalter der Gegenreformation eintauchen)
„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“
Von der Moral eines Ordens und den Auswüchsen bis hin zur Gegenwart – ein kurzer Überblick der jesuitischen Sittenlehre:
o Für wahr; Der Orden der Jesuiten, ein mit wahrhaft teuflischer Schlauheit gewebtes Netz, worin diese die gesunde Vernunft fingen und abtöteten.
o So veranstalteten sie theatralische Feste, stattliche Aufzüge und prunkvolle Kirchenfeierlichkeiten.
o Ihre Politik war: sich den verschiedenen Sitten der Menschen anzuschmiegen, mit den Strengen streng, hingegen mit Leuten von weitem Gewissen auch wieder nachsichtig zu sein, überall den Neigungen entgegen zu kommen und zu schmeicheln
o Sie wussten, dass ungebildete Menschen durch die abergläubische Furcht vor unsichtbaren Mächten am leichtesten zu beherrschen seien. Deshalb ersannen sie tausend abenteuerliche Erzählungen von den Listen der bösen Geister gegen die Menschen ..
o … wenn sie dadurch schwache Gemüter geschreckt und bis zur Verzweiflung verwirrt hatten, so boten sie sich selbst, wie höhere mächtige Wesen, zu Rettern dagegen an.
o Volk und Monarchen trachteten sie gleichmäßig in einer geistigen Unmündigkeit zu erhalten; denn sie wussten wohl, dass man am leichtesten solche Menschen beherrschen kann, welche das Denken verlernt haben;
o deshalb stellten sie auch gar eifrig den angeborenen Trieb des Menschen, über das Höchste, über Glaubenssachen nachzudenken, als sündhaft, als Einflüsterung des bösen Geistes dar. Indem sie so den Verstand abstumpften, regten sie die Einbildungskraft heftig an
o War ein Monarch protestantisch und auch nur ein Teil des Volkes katholisch, so wiegelten sie das Volk wider jenen auf, schilderten ihm denselben als einen von Gott verfluchten Tyrannen und lehrten frech, dass man ihn ungestraft ermorden dürfe,
o Waren Fürst und Volk protestantisch, so schlichen sie sich in weltlichen Kleidern, als Kaufleute, Botschafter oder dergleichen ins Land, gaben sich sogar für Protestanten aus, fingen dann im Stillen an zu wirken, und ließen alle Minen springen.
Kurz: sie benahmen sich als offene Feinde, obwohl sie nie den Schein davon haben wollten, stifteten Empörung, Meuterei, Revolution und Bürgerkrieg und heiligten die scheußlichsten Verbrechen.
Der oberste Grundsatz der jesuitischen Sittenlehre hieß: „Der Zweck heiligt das Mittel!“
1840 waren es gerade dreihundert Jahre, seit der Jesuitenorden vom Papst feierlich bestätigt worden ist; dreihundert Jahre lang währte der Kampf gegen den Protestantismus, ein Kampf der Finsternis gegen das Licht, ein Kampf der Lüge gegen die Wahrheit, ein Kampf der Tyrannei gegen die Freiheit, welcher in der ganzen Weltgeschichte beispiellos war.
Hunderttausende von Menschen sind dadurch elend geworden, Ströme Menschenbluts sind dadurch geflossen, ganze Völker voll der herrlichsten Fähigkeiten in ihrer geistigen und sittlichen Entwicklung aufgehalten worden — alles unter dem Vorwand: „zur größeren Ehre Gottes!“ Wie eine Gotteslästerung schallt diese Losung durch die Weltgeschichte.
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Die Parallelen sind da. Ach, was sag ich: Sie spiegeln sich in der Gegenwart nahezu 1:1 wieder. Was sich allerdings in der Gegenwart kaum noch beobachten lässt:
> „Außerdem erlangten sie großes Ansehen durch den Schein ihrer Gelehrsamkeit, und allerdings muss man, um nicht ungerecht zu sein, auch einräumen, dass sie in einzelnen Wissenschaften, wie in den mathematischen, Anerkennenswertes geleistet, und dass Erd-, Länder und Völker-, sowie Sprachkunde infolge ihrer mit wahrem Mut und beispielloser Ausdauer vollbrachten Missionen manche Bereicherung erhielten.“
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Quelle:
In Teilen übernommen aus: „Die Jesuiten wie sie waren und wie sie sind“ – Dem deutschen Volk erzählt von Eduard Duller Berlin 1845 Verlag von Karl J. Klemann
Karl V. hatte nach dem Wormser Reichstag Deutschland verlassen. Er war auf Jahre hinaus durch seine auswärtige Politik gebunden. Diese war maßgebend für seine Stellung gegenüber der Reformation.
Solange ihn seine Kriege gegen Franz I. von Frankreich, die Türken und die Seeräuber im Mittelmeer in Anspruch nahmen, war er nachgiebig, weil er die Hilfe der deutschen Fürsten brauchte. Sobald ihm aber günstige Friedensschlüsse wieder freie Hand gaben, erneuerte er immer wieder sein Wormser Edikt.
Als 1529 auf einem Reichstag in Speyer von der katholischen Mehrheit ein Beschluss gefasst wurde, der einer Unterdrückung der Lehre Luthers gleichkam, reichten die Evangelischen einen feierlichen Protest ein, von dem sie den Namen „Protestanten“ erhalten haben.
Auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 erschien Karl V. persönlich. Die Protestanten trugen dem Kaiser ein Glaubensbekenntnis vor, die „Augsburgische Konfession“. Als keine Einigung zustande kam, erließ der Kaiser einen Reichstagsabschied, in dem die Ausbreitung der Lehre auf strengste verboten wurde. Infolgedessen schloss einen Reihe evangelischer Fürsten und Städte in dem thüringischen Städtchen Schmalkalden 1531 den „Schmalkaldischen Bund“.
Als erneute Türkengefahr drohte, gewährte Karl 1532 den „Nürnberger Religionsfrieden“, der den Protestanten bis zum nächsten Konzil völlige Gewissensfreiheit brachte. Daraufhin breitete sich die Lehre Luthers mächtig aus. Sie gewann viele deutsche Länder und Städte hinzu. Nord- und Mitteldeutschland – den rheinischen Westen ausgenommen – und in Süddeutschland Württemberg.
Als seine auswärtigen Kriege beendet waren, rüstete der Kaiser, um die neue Lehre mit Waffengewalt auszurotten. Der Herzog Moritz von Sachsen, von glühendem Ehrgeiz beseelt, schloss, um die Kurwürde zu gewinnen, 1546 mit ihm ein geheimes Bündnis gegen seinen Glaubensgenossen.
1547, ein Jahr nach Luthers Tod, kam es zum Schmalkaldischen Krieg. Die Entscheidung fiel in der Schlacht bei Mühlberg an der Elbe. Das Heer des Schmalkaldischen Bundes wurde von den spanischen Truppen des Kaisers geschlagen,
Kurfürst Johann-Friedrich von Sachsen-Wittenberg gefangen vor den Kaiser geführt. Er verlor seine Kurlande samt der Kurwürde und behielt nur Thüringen. Moritz von Sachsen hatte richtig gerechnet: Er erhielt die Kurwürde,
Aber der Sieg des Kaisers war nicht von Dauer. Da er jetzt als religiöser und politischer Zwingherr von ganz Deutschland auftrat, schlossen sich die Fürsten, diesmal unter der Führung des neuen Kurfürsten Moritz, zu bewaffnetem Widerstand gegen den Kaiser zusammen.
Im Jahr 1555 musste dieser im „Augsburger Religionsfrieden“ die Gleichberechtigung der beiden Bekenntnisse – Katholiken und Protestanten, nicht die Kalvinisten – anerkennen. Maßgebend wurde der Grundsatz: „culus regio, eius religio“ (wessen das Land, dessen die Religion), d. h. der Landesherr kann das religiöse Bekenntnis bestimmen.
Als ein völlig geschlagener Mann legte Karl V. im nächsten Jahr die Herrschaft nieder und zog sich nach Spanien ins Privatleben zurück. In der Stille des Klosters San Juste starb er 1558. Zu seinem Nachfolger in Deutschland bestimmte er seinen Bruder Ferdinand I., in Spanien seinen Sohn Philipp II.
Weiter geht es in dieser Reihe aus dem Zeitalter der Gegenreformation:
Das Erstarken des Katholizismus
Der Jesuitenorden
Das Konzil zu Trient (1545-1563)
Der Niedergang des Protestantismus
Und schließlich der Dreißigjährige Krieg (1618-1648)
Ergänzend dazu gibt es später noch einen Extra-Beitrag zu den Jesuiten.
Wisst ihr noch? Unsere ersten Schreibversuche, unsere ersten Diktate und die knisternde Spannung, wenn der Lehrer mit den Heften durch die Reihen schlich, und in unsere fragenden Gesichter blickte, worin stand: Wie viele Fehler habe ich wohl gemacht?
Ich erinnere ich mich noch: Ein Rechtschreibfehler bedeutete die Note 2. Zeichensetzung, also ein Komma vergessen, galt als halber Fehler und es gab noch die Note 1.
Nun, auch das ist „Geschichte“ Denn ab dem nächsten Schuljahr werden die Rechtschreibfehler bei Aufsätzen nicht mehr einfach gezählt. Es soll nicht mehr darum gehen, wie viele Fehler die Schüler machen, sondern welche.
Demnach ist die bloße Anzahl von Rechtschreib-Mängeln pro Text nicht mehr entscheidend für die Note im Deutsch- Abi. Das gilt auch für Deutsch-Aufsätze in darunter liegenden Jahrgängen.
Die Rechtschreibung von Schülerinnen und Schülern wird nun auch in Schleswig-Holstein künftig anders bewertet. Der Fehlerquotient spielt dabei keine Rolle mehr.
Das ist fast so ein bisschen wie „Schreiben nach Hören“… Um der deutschen Sprache den Garaus zu machen, ist eben jedes Mittel recht.
Der Lehrerverband findet es gut, und hat den Irrsinn bereits abgesegnet…
Zurückhaltender äußerte sich die Präsidentin des Philologenverbandes, Kirsten Schmöckel: „Rechtschreibleistung, Sprachrichtigkeit ist ein Kulturgut, das in allen Kontexten Berufswelt, Universität mit Studium und Forschung und so weiter einen kompetenten Eindruck vermittelt.“ Man dürfe sich nicht darauf verlassen, dass etwa KI oder Textverarbeitungsprogramme Rechtschreibung und Zeichensetzung „schon richten“ würden. „
Ich befürchte, diese Äußerung wird ungehört bleiben. Denn man möchte ja genau das: Sprachrichtigkeit als Kulturgut abschaffen. Noch gestern wurde in einem meiner Beiträge im Zusammenhang zur lutherischen Übersetzung deutlich, wie wichtig doch unser deutsches Sprachgut ist.
Aber wer will davon schon was wissen – in Zeiten, wo Mozart zensiert und Goethes Faust vom Lehrplan gestrichen wird?
(Übrigens: An seine Stelle rückte: „Nathan der Weise“ von Ephraim Lessing)
Wenn wir die Gegenwart verstehen wollen, müssen wir in die Vergangenheit blicken. Also gibt es jetzt noch ein wenig Abendlektüre zur Deutschen Geschichte.
Alles kam jetzt darauf an, wie sich der junge neue Kaiser, der mächtigste Herr der damaligen Welt, zu Luther und seiner Bewegung stellen würde. Die Weltgeschicke und im besonderen die Geschicke Deutschlands hingen davon ab. Karl V. war zwar ein Enkel Maximilians, aber kein wirklicher Deutscher, in seinem ganzen Wesen himmelweit verschieden von Luther, ein nüchterner Rechner. 1500 in den Niederlanden geboren, war er auch dorr aufgewachsen und erzogen worden.
1519 wurde er in Frankfurt zum Deutschen Kaiser gewählt und 1520 mit großer Pracht und Feierlichkeit in Aachen gekrönt. Sein Ziel war, sein gewaltiges Reich zu einigen durch eine gemeinsame Religion. Sofort schrieb er für das nächste Jahr seinen ersten Reichstag nach Worms aus.
Auf diesen Reichstag wurde auch Luther geladen, um sich vor Kaiser und Reich zu verantworten. Seine Fahrt durch die deutschen Lande glich einem Triumphzug. Bei seinem Einzug in Worms flutete ihm eine gewaltigen Menschenmenge entgegen und umwogte den Wagen. Am 17. und 18. April 1521 stand Luther vor Kaiser und Reich. Er widerrief nicht, seinen Rede schloss mir den Worten: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir! Amen.“
Karl V. erließ das „Wormser Edikt“: Luther bereits im Kirchenbann, wurde nun auch noch in die Reichsacht erklärt, seine Lehre verboten. Er stand nun außerhalb des göttlichen und menschlichen Rechtes seiner Zeit, er war vogelfrei. Aber sein Landesvater und Gönner, Kurfürst Friedrich der Weise, hielt seine schützende Hand über ihn. Heimlich ließ er Luther auf die Wartburg in Sicherheit bringen.
Als „Junker Jörg“ lebte er hier fast ein Jahr in völliger Zurückgezogenheit, während ihn die Welt draußen für tot hielt.
Diese unfreiwillige Muße nutzte Luther, um die Bibelübersetzung zu beginnen. Es gab zwar schon von Luther deutsche Bibelübersetzungen, aber seine Übersetzung übertraf alle an sprachlicher Schönheit. Schon nach einem Jahr war das Neue Testament vollendet. (die ganze Bibel dann im Jahr 1534). Sein trefflicher Mitarbeiter war dabei sein Freund Melanchthon.
Die Heilige Schrift wurde bald das Hausbuch der deutschen Familie und gab damit dem deutschen Volk für zwei Jahrhunderte den einzigen Zusammenhalt in seiner steigenden Zerrissenheit, die einigende Sprache. Einen wichtigen Schritt tat Luther im Jahr 1525, indem er Katharina von Bora als seine Ehefrau heimführte.
Im gleichen Jahr (1525) tobte der Bauernkrieg. In vielen Gegenden Deutschlands war die Not der bäuerlichen Bevölkerung infolge der oft unmenschlichen Behandlung durch die adligen Herren ins unerträgliche gestiegen.
Als Luther seine Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ veröffentlicht hatte, entstand ein allgemeiner Aufruhr, vor allem in Süd- und Mitteldeutschland. Ihm schlossen sich sogar manche Edelleute an, unter ihnen Götz von Berlichingen, der „Ritter mit der eisernen Hand“. (Er hatte einst im Kampf die rechte Hand verloren und sie durch eine kunstvolle eiserne ersetzt).
Der Aufruhr wurde von den Fürsten überall blutig niedergeworfen und die Lage der Bauern fast noch schlimmer als zuvor.
Und weil alles mit allem irgendwie zusammenhängt, möchte ich auch zum Film „A Beautiful Mind“ etwas ausholen und zu der daraus resultierenden Diskussion noch etwas ergänzen. Allerdings fällt die Ergänzung – wie so oft, länger aus, als gedacht.
John Nash (verkörpert von Russell Crowe) gab es wirklich.
Zu Zeiten des Kalten Kriegs hatte Nash für die US-Regierung gegen sowjetische Spionage gearbeitet
Seine Theorie befasste sich mit der Dynamik menschlicher Rivalität
Ab 1950 war Nash vier Jahre lang in den Sommermonaten an der Rand Corporation mit geheimer Forschungsarbeit beschäftigt, wo auch Kenneth Arrow, John Milnor (der bei Rand mit Nash zusammenarbeitete) und andere an Anwendungen der Spieltheorie auf strategische Situationen im Kalten Krieg arbeiteten.
1951 bis 1953 war Nash Moore-Instructor am Massachusetts Institute of Technology und ab 1953 war er dort Assistant Professor und von 1957 bis 1959 Associate Professor. 1955 übermittelte er der National Security Agency einen Vorschlag für ein Verschlüsselungsverfahren, erhielt jedoch eine Absage.
Nash starb zusammen mit seiner Ehefrau im Mai 2015 bei einem Verkehrsunfall auf dem New Jersey Turnpike; sie waren in einem Taxi auf dem Heimweg von der Verleihung des Abelpreises.
Nash wurde dazumal aufgrund seiner Aussagen und mit seinem Wissen in die Psychiatrie eingeliefert. Es ist bekannt, dass einige ausgewählte US- amerikanischen Psychiater bestimmte Personen unter ihre Fittiche nahmen und ihnen die entsprechenden Mittel verabreichten.
Selbstverständlich stellen sie uns Nash als schizophren dar.
Außerdem begann er sich in Kalifornien für Programmierung und theoretische Informatik zu interessieren, und schrieb im Sommer 1954 ein damals unbeachtet gebliebenes, heute geradezu visionär wirkendes working paper über „Parallel Controlling“, Jahre bevor die ersten Parallelrechner implementiert wurden. In diesem Sommer wurde Nash von der Polizei wegen „indecent exposure“ am Strand von Santa Monica festgenommen.
Die Anklage wurde bald fallen gelassen, aber Nash wurde fortan als ein Sicherheitsrisiko gesehen und von der RAND Corporation kalt gestellt. Parallel dazu wandte er sich von Spieltheorie ab und anderen Gebieten zu.
Bald gab er seine Stellung am MIT auf und suchte in der Schweiz um politisches Asyl an, natürlich erfolglos. Er wurde deportiert, festgenommen, entmündigt, mehrmals gegen seinen Willen in Anstalten eingeliefert und Schockbehandlungen unterworfen. Seine Ehe wurde geschieden. Viele Monate verbrachte John Nash in Spitälern, immer auf unfreiwilliger Basis, wie er später schrieb. „Medikamentösen Therapien misstraute er und unterstrich immer wieder, seine Heilung ohne sie erreicht zu haben.
2004 kam eine Arbeit von Nash ans Licht, die er fünfzig Jahre früher verfasst hatte.
Es war ein Vorschlag an die NSA für eine neue Klasse von Verschlüsselungen. Im Nachhinein konnte man darin Grundzüge moderner Chiffriermethoden entdecken. Bei der NSA hatte Nash damals keinerlei Resonanz gefunden.
Die Behörde behauptete, die Unterlagen zu dem Verfahren niemals erhalten zu haben, und ließ die Korrespondenz ausklingen, vielleicht aus Unfähigkeit, vielleicht aus Misstrauen gegenüber dem jungen Sonderling, den die RAND Corporation als Sicherheitsrisiko einstufte und der in ungelenker Handschrift behauptete, kein „crank“ und Zirkelquadrierer zu sein, sondern Mathematiker. Nash begründete die Sicherheit seiner Verschlüsselung mit „computational hardness“, Jahrzehnte bevor die entsprechende Komplexitätstheorie entwickelt wurde. Es klingt wie ein Vorgriff auf die heute gängigen kryptographischen Verfahren.
Bei einer Zusammenkunft meinte der „alte“ Einstein zu Nash: „Du musst noch viel lernen.“
Wer war eigentlich dieser Einstein, dessen Bild uns immer und immer wieder als großartiger Wissenschaftler vor Augen geführt wird?
Nach ausgiebiger Recherche, erfahre ich mehr über einen Einstein, der stets vor deutschem Antisemitismus warnte, aber nicht vor den wahren Antisemiten. Und es offeriert sich noch so einiges mehr an Wissenswertem. Manches davon mag dem einen oder anderen längst bekannt sein, anderes möge vielleicht verblüffen.
Eine Einladung, erster Präsident des neugegründeten Staats Israel zu werden, lehnte Einstein zwar ab, vermachte aber seinen literarischen Nachlass und persönliche Dokumente aber der Hebräischen Universität in Jerusalem.
1933 fing das FBI eine Akte über Einstein an, kurz vor seiner dritten Reise in die USA. Die Akte würde auf stattliche 1.427 Dokumentenseiten anwachsen, die von Einsteins lebenslangen Verbindungen zu pazifistischen und sozialistischen Organisationen handelten.
Seine Freundschaft zu „Vater des Gaskrieges“:
Fritz Haber war ein deutscher Chemiker, der Einstein zu einer Anstellung in Berlin verhalf und zu einem seiner engsten Freunde werden sollte. Haber war Jude, konvertierte aber zum Christentum und predigte Einstein die Tugend der Anpassung, bevor die Nazis an die Macht kamen. Im Ersten Weltkrieg entwickelte er ein tödliches Chlorgas, das schwerer als Luft war und in die Gräben sinken konnte. Dort erstickte es die Soldaten qualvoll, indem es sich durch ihre Lungen und Kehlen ätzte. Haber wird manchmal als der „Vater des Gaskriegs“ bezeichnet.
Im August 1939 macht Albert Einstein den US-Präsidenten auf die deutsche Uranforschung aufmerksam. Daher unterzeichnet er am 2. August 1939 einen Brief, zwei getippte Seiten lang. Ein Schriftstück, das schreckliche Folgen haben wird. Der Empfänger: US-Präsident Franklin D. Roosevelt.
In dem Schreiben erklärt Einstein, „dass es möglich
werden könnte, in einer großen Menge Uran eine nukleare Kettenreaktion auszulösen, wodurch ungeheure Mengen von Energie und neuer, radiumartiger Elemente erzeugt würden“. Dann der entscheidende Satz: „Dieses neue Phänomen könnte zur Konstruktion von Bomben führen, und es ist denkbar – obgleich viel weniger gewiss –, dass auf diese Weise neuartige Bomben mit einem extrem hohen Zerstörungspotenzial hergestellt werden.“
Einstein rät Roosevelt, Zeit und Geld in die Kernforschung zu investieren, da in Deutschland „in diesem Moment“ Wissenschaftler ebenfalls daran arbeiteten.
Was sich dann zuträgt, ist umstritten: „Man hat mir einen fertigen Brief gebracht, und ich habe bloß unterschrieben“, sagt Einstein später – und redet seine Verantwortung so wohl nachträglich klein.
Am 6. August reißt die Atombombe „Little Boy“ über Hiroshima rund 140.000 Menschen in den Tod.
Als Einstein die Nachricht hört, gibt er angeblich nur einen Seufzer von sich: „O weh. Noch 1945 gründet er mit Szilárd das „Notkomitee der Atomforscher“ und fordert, die Bombe einer „Weltregierung“ anzuvertrauen.
Einstein kämpfte vehement gegen die „blonde Bestie“ Deutschland: „Ich verachte alle, die es lieben im Takt der Musik zu marschieren, denn sie haben ihr Gehirn nur aus Zufall bekommen, ein Rückgrat hätte dazu vollkommen gereicht.“
Dies gelang ihm besonders nach seiner Emigration. Im Exil regte er den Bau der Atombombe an, um Deutschland zuvorzukommen.
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Quelle, Verweise
P.M. History Ausgabe 2/2019 erschienen.
Wikipedia >Einstein-Szilard Brief
Süddeutsche de. Einsteins Brief an Roosevelt- … would also lead to the …
Judentum Projekt.de (Einstein kämpfte vehement gegen die „blonde Bestie“ Deutschland … )