Einer der eifrigsten und gebildetsten Männer an dem Hofe Karls des Großen war Alcuin. Als Karl einmal bekümmert ausrief: „Hätte ich doch nur 12 so gelehrte Männer, wie Hieronymus und Augustin es gewesen sind!“ sagte Alcuin: „Großer König, das dünkt mir nicht bescheiden zu sein. Bisher hat der Schöpfer des Himmels und der Erden nur zwei solcher Männer hervorgebracht, und du willst gleich zwölf davon haben!“
Nach der Sage ist Alcuin auf folgende Weisen an den Hof von Karls des Großen gekommen:
Einst landete an der fränkischen Küste ein Schiff mit vier Männern, die das Aussehen von Kaufleuten hatten, und zu denen deshalb die Einwohner kamen und fragten, was für Waren sie hätten. Die Fremden waren Angelsachsen und antworteten: „Wir bieten Weisheit feil!“ Das schien den Leuten lächerlich, sie gingen enttäuscht fort und machten sich über die vermeintlichen Händler lustig. Endlich langte das Gerücht von merkwürdigen Kaufleuten, die die Weisheit feilboten, bis zu Karl dem Großen. Er ließ die Angelsachsen sofort holen und fasste eine besondere Zuneigung zu Alcuin, den er fortan an seinem Hofe hielt.
Alcuin war Gelehrter und wichtigster Berater Karls des Großen in den 780er und 790er Jahren.
Der Dreißigjährige Krieg war anfangs religiös begründet, aber bald fielen die Nachbarstaaten ins geschwächte Reich ein, jeder wollte Land gewinnen. Zuerst die Dänen, die von Wallenstein (nach Schiller Wallenstein) geschlagen wurden und den Plan aufgaben. Es folgten Heere der Schweden und Franzosen. Die Franzosen hofften, die kaiserliche Macht im Reich zu schwächen, und Land zu erobern, die Schweden sahen ihre Chance auf Nordosteuropa zu erweitern.
Am Ende des Kriegs nahmen sich Frankreich und Schweden große Gebiete des deutschen Reiches.
Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts erholte sich Görlitz von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges. Leine- und Damastweberei und der Handel mit Getreide, Wolle und Metallerzeugnissen brachten neuen wirtschaftlichen Aufschwung. Das Kriegsgeschehen hatte die Bautätigkeit zum Erliegen gebracht, aber schon ab Endes des 17. Jahrhunderts entstanden viele neue Häuser und um 1720 großartige Barockhäuser u. a. Handwerk 22, Obermarkt 29-31, Nikolaistr.32, Langenstr. 43, Untermarkt 13, Neißestr. 27 sowie das Haus Neißestr. 20.
Jedoch ab Anfang 19. Jahrhundert brachten Napoleons Raub-und Plünderzüge, die Einquartierungen mit hohen Sachschäden und die von den Okkupanten auferlegte Geldleistung, der Stadt hohe Schulden und damit den wirtschaftlichen Rückschlag.
Nach den Befreiungskriegen 1813-1815 und Napoleons endgültiger Niederlage durch den Sieg der preußischen und der verbündeten britischen Armee 1815 bei Waterloo, kam Görlitz und die Oberlausitz zu Preußen. Das Zerstörte wieder aufzubauen war mühevoll, aber es gab Erfolg und großen Fortschritt.
Schon 1816 entstand die erste Görlitzer Tuchfabrik, deren Maschinen durch die Wasserkraft der Dreiradenmühle betrieben wurden. Ab 1830 begann die Industrialisierung in der Stadt. Dieser Veränderungsprozess erfasste zunächst die traditionelle Tuchherstellung, führte jedoch auch zur Gründung neuer Wirtscahftszweige, Waggon- und Maschinenbaubetrieben, Landskronbrauerei u. s. w.
1847 erhielt Görlitz Anschluss an das preußische und sächsische Bahnnetz. Im gleichen Jahr wurde der Viadukt fertiggestellt.
Dreißigjähriger Krieg (1618-1648) – Auslöser Prager Fenstersturz 1618
Fensterstürze sind im Mittelalter und in der frühen Neuzeit nicht unüblich. Sie stellen eine Form des Protests zwischen Lynchjustiz, Gottesurteil und gemeinschaftlich begangenem Mord dar.
Fotos:
Görlitz von Norden (Lithographie um 1840)
Getreideernte am Fuße der Landeskrone (Zeichnung und Lithografie von L. Sommerschuh um 1845)
Der Obermarkt als Zentrum der Begegnung und des Durchgangsverkehrs. Auf dem Bild von der Brüdergasse aus gesehen.
Der Obermarkt: Zentrum zahlreicher Huldigungsfeiern und Paraden (Lithografie von C. Kadersch um 1840)
Die historische Ecke am Untermarkt mit den Einmündungen der Neißgasse und Webergasse.
Private Aufnahmen aus dem Jahr 2022
Bild und Textquelle: „Görlitz zwischen Biedermeier und Märzrevolution“ Schriftenreihe Städtische Kunstsammlungen Görlitz Heft 19 / 1. Auflage 1984
Wie versprochen, setzen wir nun unsere Zeitreise fort, und blicken auf das Jahr 1765 zurück, als in Polen Bürgerkrieg ähnliche Zustände ausbrachen. Zu diesem Zeitpunkt baten die polnischen Herzöge Friedrich den Großen, dass er ihnen seinen Bruder -Prinz Heinrich- zum König gebe. (König August III. war im Oktober 1763, sein Sohn zwei Monate später gestorben). Aber Friedrich wusste, dass dieser Schritt schwere Folgen haben könne, denn in Russland regierte nicht mehr Peter III., sondern seine Frau Katharina, die bereits über Polen Macht ausübte. Und sie hatte einen polnischen Grafen für die Krone Polens ausersehen.
Aber unter seiner Herrschaft hielten die Aufstände im Land an, da rückten russische Truppen in Polen ein.
Im Herbst 1772 holten sich die Österreicher das von den Polen angeeignete Land zurück und drangen darüber hinaus weit ins Land hinein.
Friedrich bekommt, dass von dem Deutschen Orden und deutschen Siedlern urbar gemachte und mit Städten und Dörfern bebaute und 1466 von den Polen vereinnahmte Land zurück.
Galizien geht an Österreich, Weißrussland an Russland – Stand nach der Ersten Teilung Polens.
Es kam noch zu einer zweiten und dritten Teilung Polens 1795 – die zuständigen polnischen Adligen unterschreiben den Teilungsvertrag und am 1.1.1795 verschwand Polen von der Landkarte.
Von dem Territorium übernahmen Russland 80 Prozent, Österreich 12 Prozent und Deutschland (Preußen) 8 Prozent.
Nach der Rückkehr der deutschen Gebiete zu Preußen bildeten die Provinzen Ostpreußen, Westpreußen und Brandenburg das Königreich Preußen, dazu gehörte auch die Provinz Posen, wo im 13. Jahrhundert deutsche Siedler Dörfer und Städte anlegten. Schon bei der Übernahme 1773 wurden von Friedrich dem Großen Sofortmaßnahmen eingeleitet, um die vollkommen verwüsteten Städte und Dörfer wiederaufzubauen.
Zugleich wurden neue Städte und Dörfer gegründet.
Die Schulpflicht wurde eingeführt.
Der Bromberger Kanal, der die Oder mit der Weichsel verbindet, war ein Wunderwerk der damaligen Zeit.
Die Leibeigenschaft bei den Kaschuben wurde aufgehoben. Bei den Deutschen gab es sie nicht mehr. (Kaschuben waren eine kleine slawische Minderheit, die, wie Sorben in der Lausitz, innerhalb deutscher Gebiete lebten. (Der Schriftsteller Günter Grass kommt aus dieser Minderheit).
Als aus Fischerdörfern Seebäder wurden, große Bauwerke entstanden und überall der Fortschritt einzog…
Nach dem Tod Friedrich führte König Wilhelm II. den Ausbau des Landes fort und erreichte im 19. Jahrhundert einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Bauwerke und Kunststätten, Kirchen, Schlösser, Theater, Wohn-und Geschäftshäuser erinnern heute noch an dem deutschen Erbauer.
(Foto von einer Ansichtskarte Bromberg)
Aus Fischerdörfern entstanden Seebäder, die bekannte Schichau Werft, Druckereien, Speichergebäude, Industriebetriebe, Bahnanlagen, die Thorner Eisenbahnbrücke und die Stadtbrücke. Auch die anderen Brücken in Fordon, Graudenz und Danzig stellen großartige technische Leistungen dar – alles von Deutschen geschaffen. Auch in der Landwirtschaft wurde Großartiges erreicht, Güter und Höfe angelegt. Agrarprodukte, vor allen Dingen Getreide, ausgeführt.
Das Land stand wirtschaftlich in höchster Blüte – 1919 bekamen es die Polen.
Im nächsten Beitrag blicken wir zurück auf Schlesien, eine rein deutsche Provinz, und Hauptteil der Germanen, die Silinger (von ihnen stammt der Name Schlesien).
Ein Ausflug in die Fränkische Alb und ins wunderschöne Altmühltal sei euch unbedingt empfohlen. Nicht nur wegen seiner Größe zählt das Altmühltal zu den bedeutendsten Naturparks überhaupt. Einzigartige Fossilienfunde, darunter der berühmte Urvogel Archäopteryx, haben der idyllischen Landschaft, gesäumt von bizarren Felsen, zu großer Bekanntheit verholfen.
Und das ist noch längst nicht alles. An exponierter Stelle hoch über der Donau erinnert die Befreiungshalle an den Sieg über Napoleon in den Befreiungskriegen.
Wer mag, der zieht weiter: Zur Tropfsteinhöhle Schulerloch, zum Solhofener Schiefer und ins Kloster Weltenburg, herrlich umschlungen von der Donau – es lohnt zu verweilen.
Wen es in die Fränkische Alb verschlägt, erfährt Völker- und Landeskunde in geballter Form.
Hoch über Kehlheim ließen König Ludwig I. und sein Nachfolger in den Jahren 1842-63 die Befreiungshalle errichten. 18 Statuen an der Außenwand des Rundbaus symbolisieren die Völker, die einst Napoleon besiegten.
Ausflug in die Altsteinzeit
Indes reichen die Gänge der Tropfsteinhöhle Schulerloch 420 Meter tief im Korallenkalk des Weißen Juras. Sie war eine Wohnhöhle der Neandertaler.
Nach einer Besichtigung, entführt euch das Naturschutzgebiet Weltenburger Enge auf seinem Limes-Wanderweg in die Siedlungsgeschichte des unteren Altmühltals von der Altsteinzeit bis ins frühe Mittelalter. Der Gang durch die Frühgeschichte führt an zahlreichen bronzezeitlichen, keltischen, römischen und mittelalterlichen Siedlungsresten vorbei.
Frisch gezapft in einer der ältesten Klosterbrauereien
Nachdem die Donau bei Weltenburg die schroffen Felsen der Fränkischen Alb durchbrochen hat, schlägt sie einen Bogen um eines der ältesten Klöster Bayerns. Dessen Geschichte geht wahrscheinlich bis in 6. Jahrhundert zurück. Die Klosterkirche entstand im 18. Jahrhundert als erstes größeres Werk der in Rom ausgebildeten Brüder Asam, die sich in diesem Bau auch verewigt haben.
Tipp: Im Biergarten genießt ihr das dunkle Bier einer der ältesten Klosterbrauereien der Welt; seit 1050 versteht man sich hier auf das Brauerhandwerk.
Ihr wolltet schon immer auf Fossiliensuche gehen? Dann ist hier die Gelegenheit:
Markante Kalksteinfelsen, wie der bei Solnhofen säumen den Radwanderweg, der die Altmühl auf ihrem Lauf begleitet. Bei einem öffentlich zugänglichen Steinbruch beim Apfelthal, südlich von Solnhofen, besteht für jedermann die Möglichkeit mit Hammer und Meißel auf Fossiliensuche zu gehen.
Wuchtig groß erscheint es, das Denkmal, dass zur Erinnerung an die Völkerschlacht erstellt wurde. Letztes Jahr haben wir es besucht.
In den Tränensee, auch Sorgenteich genannt, werfen wir einen kleinen Stein hinein. Man sagt: Wenn man dem Stein seine Sorge zuspricht, und ihn dann anschließend in den Teich wirft, verschluckt der See deine Sorgen und die Tränen lassen nach. Das glaube, wer mag: Aber der Wurf des Steins ist unheimlich befreiend!
Wir sind hier: Am Völkerschlachtdenkmal – ein Tränensee im Vordergrund und die Silhouette eines Denkmals, dessen Geschichte sich im Wasser spiegelt.
Und wieder schreiben wir deutsche Geschichte: Ja, es gab auch eine Zeit vor 1933!
Das Land der Deutschen, und die Gefahr als Volk ausgelöscht zu werden
Der geschichtliche Lebenslauf der Germanen beginnt mit Kämpfen gegen das Römerreich. Auf die Jahrhunderte des Kampfes folgte ein Jahrtausend des willigen Lernens, freilich, nicht ohne weitere Schlachten schlagen zu müssen.
Das tausendjährige Reich deutscher Nation, dass von den Merowingern, unter Karl dem Großen, von Sachsen und Saliern aufgebaut und gestärkt worden war, ging vor Napoleon in Trümmern. Getrennte Staaten, deren Oberhäupter volle Selbstherrlichkeit bekamen, schreibt das Jahr 1806, und Deutschland war seitdem nur ein geografischer Begriff. Das Land der Deutschen blieb es allerdings. Jedoch brach auch mit dem Zusammensturz des Reiches die schwere Gefahr herein, als Volk ausgelöscht zu werden.
Als ein Volk all seine Kräfte bündelte
Da, nachdem das staatliche Dasein der Deutschen vernichtet worden war, als ihnen die Gefährdung ihres Bestandes als Volk fühlbar wurde, fing man bei uns zum ersten Male an, vom „Deutschtum“ zu sprechen und raffte sich empor, um mit dem letzten und äußersten Aufgebot der Kräfte die Franzosen aus dem deutschen Boden herauszuschlagen.
Wir schreiben das Jahr 1813 – es galt, das Vaterland zu erstreiten. Auf den Gefilden Leipzig fiel die Entscheidung zum Heile für Deutschland.
Sachsen, Pommern, Preußen, Österreich, Schweden, Russland: Von überall rückte Verstärkung an. Sehr blutig ging es her. Kein Franzose wurde verschont. Mitten im Kampfgetümmel warfen die Einwohner aus den Fenstern den Preußen Äpfel zu, die begierig aufgesucht wurden, reichten ihnen auch einige Flaschen Wein.
Mit einstimmigen Hurrageschrei gingen es an gegen den Feind und ein rauschendes Lebehoch der Leipziger begleitete ihr herzhaftes Vordringen.
Damals, vom 16.-19. Oktober 1813 kämpften bei Leipzig in der größten Schlacht vor dem 1. Weltkrieg über 510.000 Soldaten gegen die Truppen Napoleons.
Die Schlacht der Schlachten war zu Ende
Einige Stunden des Freudenrausches in den Gemütern ließen ihren dunklen Hintergrund vergessen. Hinweg gerollt war das große Ereignis über einen weiten Raum, den es als Brandstätte, als ein unermessliches Leichenfeld zurückließ. Wo vor einigen Tagen noch blühende stattliche Dörfer gestanden, waren jetzt rauchende Ruinen und unförmliche Steinhaufen.
Mit soviel Zerstörung, Jammer und Elend musste die Befreiung Deutschlands erkauft werden – teuer, sehr teuer.
Die Eigenschaften, das Vermögen und die Absichten des deutschen Volkes werden oft in ein falsches Licht gerückt.
Wie einst Paul Hindenburg es schon in seiner Rede deutlich machte. Eine Rede, die einst als Tafel das Tannenberg-Denkmal schmückte – mit Blick auf vergangene Schlachten.
„Die Anklage, dass Deutschland schuld sei an diesem Kriege, weisen wir, weist das deutsche Volk in allen seinen Schichten einmütig zurück! Nicht Neid, Haß oder Eroberungslust gaben uns die Waffen in die Hand. Der Krieg war uns vielmehr das äußerste, mit dem schwersten Opfer verbundene Mittel der Selbstbehauptung einer Welt von Feinden gegenüber. Reinen Herzens sind wir zur Verteidigung des Vaterlandes ausgezogen…“
Zum Denkmal:
Die Eingangstüre verschwindet fast unter der über 11 Meter hohen Statue des Erzengels Michael, der mit dem Schild der Kreuzritter, dem Flammenschwert und dem Adlerblick die Besucher anschaut. Zu beiden Seiten ein Relief mit einer Schlachtenszene.
Das symbolische Grabmal für die Toten der Völkerschlacht hat in allem überdimensionale Ausmaße. An der Außenseite der Kuppel halten 12,5 Meter hohe Ritterfiguren, gestützt auf ihr Schwert, Totenwache.
Der Bau des 300.000 Tonnen schweren Denkmals kostete ca. 6 Millionen Mark, was heute rund 49 Millionen Euro entspricht.
Von der Sängergalerie hat man einen wunderschönen Blick nach unten und nach oben – nach unten zur Ruhmeshalle mit seinen vier gut 10 Meter hohen Steinfiguren – und nach oben in die Kuppelhalle. In elf Kreisen sind 324 fast lebensgroße Reiter abgebildet, die abwechselnd mal in die eine oder andere Richtung reiten.
Wir blicken zurück auf: Tapferkeit, Glaubensstärke, Volkskraft, Opferfreudigkeit und eine entscheidende Schlacht der Befreiungskriege…, versehen mit der Hoffnung, dass das deutsche Volk doch endlich zur Besinnung komme, und die Gefährdung ihres Bestandes fühlt.
Quelle: Die Völkerschlacht bei Leipzig von Heinrich Wuttke (1863) Dritte Auflage
„Ein ausschließlich europäisches Volk, saßen die Slaven auf der weiten, waldigen und sumpfigen Ebene, zwischen der Oder und dem Oberlauf des Dnjepr und der Wolga, von dem Südabhang der Karpaten bis zum Baltischen Meere, im Rücken von Germanen, Dakern und Skythen. Ihre Hauptaufstellung war gegen Westen, gegen Germanen gerichtet; daher traten sie, bei späteren Griechen wie bei Römern, nur unter ihrem deutschen Namen auf, als Wenden.“
An dieser Stelle werfen wir noch einen Blick auf die Niederschrift des Dr. U. Brückner (um 1905 Historiker und Universitäts-Professor in Berlin), betreffend des Eintritts der Slaven in die Weltgeschichte.
Auch in der Sprache offenbarten sie die dieselben Beziehungen, während der Osten, u. a. Türken, den Slaven fast nichts abgab, zählen die Entlehnungen aus dem Deutschen zu ihrem ältesten und wichtigstem Sprachgut. Diese Entlehnungen weisen auf nachhaltige Einflüsse hin, auf eine vermutliche Oberherrschaft der Germanen zwischen Oder und Weichsel, wie eine historisch bezeugte Herrschaft der Goten im Osten.“
„Von diesen ihren nächsten und wichtigsten Nachbarn, waren jedoch Slaven nach Art und Anlage völlige verschieden. Gutmütig und gastfrei, sorglos und lebenslustig, lebhaften, aber unsteten Geistes, ohne Initiative und Energie, träge und oberflächlicher Art, festhalten am Altgewohnten als dem Bequemsten, jedem Druck ausweichend, jede Überordnung argwöhnisch meidend, sind es stets geborene Demokraten, ja Anarchisten gewesen; mordeten sie doch siegreiche Führer, um das Aufkommen von Herrschern im Keime zu ersticken. Dabei außerordentlich genügsam, daher auch wenig strebsam, waren sie trotz ihrer Tapferkeit und Zahl und physischen Ausdauer zu Eroberern oder zu Staatengründern nicht geschaffen.
„Ihre Ausbreitung in Europa stockte immer dann, wo sie auf ernsteren Widerstand stießen. Sie rückten meist in leer gewordene Gegenden ein. Doch gelang es ihnen nicht, besetztes Gebiet dauernd zu behaupten.“
So staute sich denn bald die große Slaven-Flut, die sich viel weniger gegen den geschützten Westen und Süden als gegen Osten und Norden ausbreiten sollte, weil hier finnische Jäger und Fischer nicht den geringsten Widerstand entgegenzusetzen vermochten.
Ihre Grenzen verschoben sich zuerst weit nach Westen und Süden; längst waren sie nämlich auch über die Oder in altes deutsches Gebiet eingedrungen. Bei Räumung der Gebiete (u. a. das der Langobarden) an Elbe, Havel und Elster, breiteten sich die Slaven schließlich bis an die Fulda, nach Thüringen (Erfurt) und weit in Oberfranken aus (Wenden am Main, Pegnitz, Regnitz).
Der Abzug der Quaden und Markomannen ließ auch die endgültige Ausdehnung über das südliche Böhmen und Mähren frei – an der Donau bei Wien, dessen keltischen Namen die Slaven beibehielten.
Zu einer neuen Vereinigung von West- und Südslaven, mochten sich auch in Dannonien, Slowaken und Slowenen begegnen, ist es nicht gekommen, denn bald schoben sich vom Osten als Querriegel die Awaren vor, worauf Wagnaren (Ungarn) für immer die westliche von der südlichen Slaven-Welt abgetrennt haben.“
Gestern weilten wir (aus historischen Gründen) an der West-Nordgrenze Deutschlands. Die Kriege dort, geben Aufschluss darüber, dass Frankreich seine Grenzen ostwärts auf deutsche Gebiete in den Jahrhunderten verlegte, deutsche Länder und Städte besetzte und vereinnahmte.
Doch was geschah an der Ostgrenze?
Im Osten waren es die Slawen, die in die Gebiete der Germanen eindrangen. Der ostgermanische Stamm der Burgunder lebte 200 v. u. Z. bis ca. 450 v. u. Z. im heutigen Ost-und Westpreußen. Sie wanderten weiter bis in die jetzige Rhone-Gegend, gründeten dort das Burgunderland mit der Hauptstadt Lyon. Einige blieben jedoch zurück.
Ab dem 9. Jahrhundert kamen Slawen in die ehemaligen Ostgebiete der Burgunder.
Im 11. Jahrhundert entstanden kleine Siedlungen. Zwischen den slawischen Dörfern und Städten war kein großer Unterschied. Die Dörfer, eine Anzahl nackter Hütten, lagen meist in der Nähe einer hölzernen Burg.
Aber es gab im 9. und 10. Jahrhundert eine Zuwanderung von Germanen – die Wikinger – in diese Gebiete, die einige Orte und Niederlassungen schufen. Erst als der Deutsche Orden 1226 und deutsche Siedler von Herzog Kasimir ins Land gerufen wurden, entstanden in den Jahren von 1230 bis 1291bereits über 100 Städte und Dorfgemeinden u. a. die bekannten Orte, Danzig, Thorn, Kulm, Memel, Königsberg, das Ermland und Samland, die Halbinsel Hela und viele feste Burgen.
1410 wurde der Deutsche Ritterorden von den Polen überfallen und bei der Schlacht nahe Tannenberg von den Polen geschlagen. Die Polen besetzten die von den Deutschen geschaffenen Gebiete, Städte und Dörfer.
1466 muss der Deutsche Orden umfassende Gebietsabtrennungen an Polen anerkennen. Da die Regionen deutsche Bewohner hatten und von Deutschen das Land urbar gemacht und die Städte erbaut wurden, und die Polen auf die Schaffenskraft der Deutschen angewiesen waren, bestand die Oberhoheit anfangs nur formell.
1569 erhielt Brandenburg einen kleinen Teil Westpreußens als Lehen vom Deutschen Kaiser des Römischen Reiches Deutscher Nation (zu dem auch Polen gehörte) zurück.
Ab 1618 gehörte es ganz zu Brandenburg und schied 1657 aus der Lebenshoheit Polens aus (ebenfalls vom Kaiser des Römischen Reiches so angeordnet).
Wie sich die Geschichte dann ab 1765 weiter gestaltet, erfahrt in einem anderen Beitrag.
Oft stehen wir an den Ufern der Mosel und am Mittelrhein – eine sagenhaft schöne Region. Die Blicke wandern immer wieder auf die alten Burgen und Schlösser, oder besser auf viele ihrer Ruinen. Wir kraxeln hinauf, wir kraxeln hinüber, wir wandern bis vor die einstigen Tore mächtiger Burgen und schauen hinunter ins herrliche Tal, spüren dem nach, was sich hier vor langer Zeit wohl abgespielt haben mag. Und nahezu wie in einer Endlosschleife, stellen wir fest: „Nicht Napoleon allein, hat sich hier ausgetobt“.
Anknüpfend an das Ereignis der Französischen Revolution, versuche ich mich an einer Zusammenfassung, die, so hoffe ich weder Gähn-Orgien hervorruft, noch in Rätseln spricht. Schließlich greift „das glaube, wer mag –Portal“ die Geschichte hinter der Geschichte auf, und kommt keinesfalls einer pragmatischen Abfolge historischer Ereignisse gleich.
So versuche ich auch hier, mich so kurz wie möglich zu halten, damit es verständlich bleibt. Wobei die Zeit der Neuordnung Europas mit den begleitenden Revolutionskriegen, Material für Endlos-Niederschriften liefern würde.
Hören, oder besser, lesen wir also die Geschichte hinter der Geschichte an der West-und Nordgrenze Deutschlands im Zeitraffer.
Zur Geschichte der Ostgrenze kommen wir später. Sie stellt einen weiteren Zusammenhang her. Ich greife es aber bewusst umgekehrt auf.
Die Geschichte hinter der Geschichte an der West- und Nordgrenze Deutschlands
Drei Raubkriege gestattete sich der französische König Ludwig XIV (1638-1715). Gegen Spanien, Niederlande und auch gegen Deutschland. Neun Jahre mussten die Deutschen die Verheerung ihrer schönen Städte und Dörfer ertragen.
Die Franzosen nahmen Flandern mit den Städten Lille und Dünkirchen, die Grafschaft Burgund sowie Elsaß mit Straßburg ein, dann begann die Verwüstung der Pfalz. Es kam zum Widerstand des Römischen Reiches Deutscher Nation. 1688 mussten sich die Franzosen zurückziehen, fielen aber immer wieder ins Land ein, wurden 1693 endgültig geschlagen.
Auf dem Rückzug hinterließen sie eine schreckliche Spur der Verwüstung, zerstörte Städte, Burgen und Schlösser, abgebrannte Dörfer, nicht nur in der Pfalz, auch in anderen Regionen.
Zerstört wurden auch Mannheim, Speyer mit dem Kaiserdom, alles Burgen an Mosel und Mittelrhein, die Stadt Heidelberg wurde in Schutt und Asche gelegt, auch das Schloss. Seit 1693 ist die Anlage eine Ruine.
Frankreich hat seine Grenzen ostwärts auf deutsches Gebiet in den Jahrhunderten verlegt, deutsche Gebiete und Städte vereinnahmt.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) fielen Schweden und Franzosen ins Reich ein. Die Franzosen okkupierten im westen deutsches Land, die Schweden sahen die Chance ihr Land auf Nordosteuropa zu erweitern. Die geschwächten deutschen Truppen, waren nicht mehr in der Lage, Widerstand zu leisten. Die Besatzer eigneten sich große Gebiete des Reiches an. Schweden: Vorpommern mit Rügen und einen Teil Hinterpommerns.
Als 1805 die Schweden sich im Kriegszustand mit den Franzosen befanden, besetzte, plünderte und verwüstete Napoleons Heer diese Gebiete.
Erst im Zuge der Befreiungskriege wurde Pommern 1815 von den Franzosen befreit und kam zu Dänemark, die es für 3,5 Millionen Dollar an Preußen zurückgaben.
Das Beitragsbild zeigt eine Aufnahme von Heidelberg.
Entlang des Viadukts bin ich schon immer gern in Kindertagen unterwegs gewesen. Später führte mich der Weg vom Stadion der Freundschaft aus, (meist nach zwei Sportstunden mit Ausdauerlauf) zurück zur Schule oder nach Hause. Am Fuße des Viadukts herrscht eine besondere Atmosphäre. Man wähnt sich an einem Kraftort. Da ist dieser ruhende Blick über die Lausitzer Neiße, die hier in ihrem Bett zu verweilen scheint. Und diese sagenhafte Stille, obwohl sich nur wenige Gehminuten weiter, die Tore zur Stadt öffnen. Nur das leise Geräusch vorüberziehender Drahtesel unterbricht kurz diese Stille. Langsam gehe ich wieder die Stufen nach oben, blicke noch einmal zurück und weiß zu schätzen, wie wunderschön doch meine Heimat ist.
Doch zurück zum Viadukt als Bauwerk
Mit dem Anschluss an das preußische und an das sächsische Eisenbahnnetz bekam die Görlitzer Wirtschaft nachhaltige Impulse. Der Eisenbahnverkehr begann mit dem 1. September 1847. Der von 1844 bis 1847 errichtete Neiße-Viadukt gilt als eine Meisterleistung der Bauschaffenden und als ein kühnes, formschönes Denkmal des technischen Fortschritts.
Mit 31 Pfeilern und einer Länge von 475 Meter wuchs der Viadukt zu einer der ersten deutschen Eisenbahnbrücken dieser ungewöhnlichen Größe.
Das 1847 fertiggestellte neue Bahnhofsgebäude sollte für die folgenden 100 Jahre der Anlage von Neubauvierteln mit Wohnungen, Geschäften und Hotels die Richtung weisen. Damals lag es weit vor der Stadt. (Ihr seht es auf dem Foto, eine Lithographie um 1848).
Vollbracht ist nun das Werk der Macht, der Macht vereinter Volkeskraft
Dazu berichtet der Görlitzer Anzeiger am 2.9. 1847:“Donnerstag, den 26. August, abends 6 Uhr langte die erste Lokomotive der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn auf dem Bahnhof allhier an. Von den beiden Türmen des Empfang-Gebäudes wehten Flaggen in den preußischen und sächsischen Landesfarben.
Mittwoch, den 1. September wurde beide Bahnen, die Niederschlesisch-Märkische und die Sächsisch-Schlesische, dem Publikum übergeben.
Von der Stadt Görlitz wurde dieser denkwürdige Tag der Eröffnung beider hier sich einenden Bahnen mit einem Mittagsmahl gefeiert, wozu die beiderseitigen Gesellschaftsdirektoren und die Oberbeamten geladen waren.
Vollbracht ist nun das Werk der Macht, der Macht vereinter Volkeskraft. Die Kraft der Eintracht hat’s vollbracht, die Großes will und Wunder schafft. Und allem Guten soll es dienen, und allem Edlen sei’s geweiht: Befestigt sei mit Eisenschienen des ew’gen Friedens goldne Zeit“!
Eine erhabene Schönheit – ein Riesenkörper aus rötlichem Granit
Zuvor schreibt der Görlitzer Anzeiger am 26.8.1847: „Der Viadukt stellt sich, nachdem er gänzlich vollendet ist und von seinen umhüllenden Gerüsten nach und nach befreit wird, in seiner großartig erhabenen Schönheit immer mehr dem Auge dar. Den Riesenkörper von rötlichem Granit krönt auf das zierlichste das Geländer von weißem Sandstein., und das letztere verleiht dem massenhaften und schweren Bogenbau eine dem Auge überaus angenehme anmutige Leichtigkeit, welche zu dem Erhabenen das Schöne auf das glücklichste fügt. … wie hoch übrigens die Technik in unserer Zeit gestiegen, haben wir bei unseren Eisenbahnbauten zu bewundern viel Gelegenheit gehabt. … Am Empfangsgebäude des Bahnhofs…, bewundern wir eine prächtige Vorhalle mit einem Überbau von Gußeisen im deutschen Stile…
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Da ich zu dem Zeitpunkt nicht vor Ort war, was meinem Alter geschuldet ist, muss ich auf entsprechende Quellen zurückgreifen. 😀
Hauptquelle: Schriftenreihe zu „Görlitz zwischen Biedermeier und Märzrevolution“, Herausgeber: Städtische Kunstsammlungen / Heft 19 /1. Auflage 1984
Auf den Bildern seht ihr: Bauarbeiten am Viadukt (eine Presse-Illustration) sowie eine Lithographie von E. Sachse um 1848
Historische Fotoarbeiten: Werner Hahn, Volkmar Pache, Beatrix Glaubitz, Christel Wagner.
Die Farbfotos sind privat, und stammen aus dem letzten Jahr, aufgenommen an einem Tag im Spätsommer.
Unser Kaisertrutz, errichtet zwischen 1490 und 1520 als Geschützbastei des Reichenbacher Tores, ist eine der merkwürdigsten deutschen Stadtbefestigungen.
1490 wurde mit dem Bau der größten aller Görlitzer Bastionen, dem Kaisertrutz begonnen, der seit der Belagerung von 1641 seinen gegenwärtigen Namen trägt. Ursprünglich hieß er „das Rondell“.
1639-1641 belagerten schwedische Truppen Görlitz. Sie hatten sich im „Rondell“ vor dem Reichenbacher Turm verschanzt und trutzten dem deutschen Kaiser, seitdem trägt die Bastion den Namen Kaisertrutz.
Wer von der Westseite her Einlass in die Stadt begehrte, war genötigt „das Rondell“ im Wirkungsbereich starker Kanonen zu umgehen, um dann das Tor der nördlichen Zingelmauer zu passieren, eher er vor dem eigentlichen Stadttor stand.
Jeder Bürger, jeder Gärtner und jeder Bauer von Görlitz und dem Weichbild (das ersteckte sich über den sogenannten Bergdistrict des jetzigen Görlitz) musste beim Bau des Rondells mindestens einen Tag Schanzarbeiten leisten oder einen Tagelöhner stellen.
Noch 1498 erbat der Rat von den Landständen zum Bau der Bastion Hilfe.
Die äußere Ringmauer, die zugleich den Wehrgang trägt, ist auf der stadtauswärts gekehrten Seite mehr als doppelt so stark als auf der Ostseite. Das Geschoss über dem einst hölzernen Wehr wurde erst 1848 aufgesetzt, während zugleich das einstige Erdgeschoss zugeschüttet ward.
Noch heute erkennt man dicht über den Grünanlagen des Demianiplatzes die alten Kanonenschießscharten des verschütteten Geschosses. Beim Umbau des 19. Jahrhunderts wurden auch die beiden Eckpylone und ihre Flügelbauten sowie der zwischen ihnen gelegene Portikus errichtet. Während der alte konzentrische alte Turm seine Renaissancehaube verlor und ein neugotisches Obergeschoss mit Zinnen erhielt. 1952 wurde der Kaisertrutz als Museum der städtischen Kunstsammlungen ausgebaut.
Seit 1947 ist er dazu bestimmt, die stadtgeschichtliche Sammlung, eine Gemäldegalerie, Kunsthandwerk und ein besonderes Ausstellungskabinett aufzunehmen.
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Aufnahmen: Blick vom Reichenbacher Turm auf den Kaisertrutz mit den zwei Zingelmauern, die um 1848 fielen. Nach der Idee Könige Friedrich Wilhelms IV. bekam das nun frei auf dem Platze stehende Bauwerk einen Vorbau mit zwei Türmen und einem Säulentor, statt des Ziegeldaches einen Zinnenkranz und eine Zinnenkrone für das Türmchen. (Zeichnung von F. Thieme, 1841).
Weiter seht ihr ein Foto zum Text von Gustav Frommelt: „Der Kaisertrutz zu Görlitz“.
Die beiden letzten Abbildungen: Der Kaisertrutz mit seinen neuen Türmchen von 1850 glich wie das Ständehaus einer romantischen mittelalterlichen Burg. (Lithographien um 1865.)
Das Ständehaus von 1854, Sitz der Ständevertretung für die Oberlausitz, Ausdruck der Machtansprüche des Adels.
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Quelle: Das Farbfoto mit Kaisertrutz ist eine private Aufnahme aus 1994.
Die anderen Aufnahmen stammen aus der Schriftenreihe: „Görlitz zwischen Biedermeier und Märzrevolution“ Heft 1