Am 3. Februar schippert Gerhart Hauptmann über den Atlantischen Ozean. Er sitzt an Deck der „Möwe“, und notiert diese Zeilen ganz nach seiner Gewohnheit mit Bleistift, in ein Buch, das auf seinen Knien liegt.
Er schreibt: „So weit ich blicke, kein Land um mich. Das Erlebnis, welches mich an Bord dieses Dampfers geführt, wird hoffentlich durch kein zweites ähnlicher Art künftig in meinen Schatten gestellt werden.“
Ganz in der Nähe des kleinen Dorfes Weisbach werden auf einem Felsrücken seit 1985 Grabungen durchgeführt: Archäologen und Heimatfreunde sind dabei, Licht in die Vergangenheit der versunkenen, vermutlich im 12. Jahrhundert gegründeten Wysburg zu bringen. Mittlerweile sind verwachsene Wallgräben freigelegt, Fundamente und Umfassungsmauern gesichert und wiederaufgeführt worden.
Wer mag, besucht das Wysburg-Haus im Ort. Hier zeigt eine kleine Ausstellung ausgegrabene Gegenstände. Modelle, Fotos und Grafiken, die auch ein anschauliches Bild von mittelalterlicher Belagerungstechnik vermitteln.
Hierzu wandert ihr am besten vom Dorfende aus, der gelben Markierung folgend, bergab bis zum Waldrand. Bis dorthin ist auch die Fahrt mit dem Auto möglich. Vom Wanderparkplatz sind es noch etwa 500 Meter bis zur Burgruine über dem Ottergrund, durch den außerdem ein Wanderweg zur Ottermühle führt.
Bleiben wir noch bei Maximilien de Robespierre, beruhend auf meinen zuletzt verfassten Beitrag:
Jede Epoche hat seine Gerechtigkeitsschwafler und Verdreher des freiheitlichen Gedankens. Um 1789 war es der Jurist Robespierre (1758-1794), der zusammen mit Danton 1793 die Macht im Nationalkonvent übernimmt. Der bedingungslose Verehrer von Gerechtigkeit entwickelt sich zu einem blutrünstigen Diktator, den seine engsten Anhänger schließlich fürchten.
Im Jahr 1794 wird Robespierre verhaftet und hingerichtet.
Weitere Akteure dieser Zeit:
Ludwig XVI. (1754-1793) französischer König – wird während der französischen Revolution hingerichtet.
Marie –Antoinette (1756-1793) französische Königin, wird neun Monate nach Ludwig XVI. hingerichtet.
Friedrich Wilhelm II. (1744-1797), preußischer König, bekämpft das revolutionäre Frankreich.
Kaum eine Zeit in der Weltgeschichte entwickelte eine ähnliche Dynamik wie die folgenden Jahrhunderte. Es entstand das große Germanenreich. Unter Karl dem Großen (748-814) erstreckte es sich vom Ebro bis östlich der Elbe, von der Nordsee bis Süditalien. Es war die Keimzelle des heutigen Europa.
Nach der Teilung des Riesenreiches für seine drei Enkelkinder entstand das Römische Reich Deutscher Nation, das fast 1000 Jahre bestand und erst von Napoleon in kleine Gebiete zerstückelt wurde.
1806 löste Frankreich das Römische Reich Deutscher Nation auf. Napoleons Truppen brachten über Deutschland Not und Elend, zerstörten die Städte, verwüsteten Dörfer und Felder, stahlen den Bauern das Vieh. Die eroberten Gebiete formt Napoleon zu kleinen Staatsgebilden und zersplitterte das Land.
Napoleons Größenwahn brachte die vollkommene Zersplitterung des Deutschen Reiches
Deutschland musste die Hälfte seiner Staatsgebiete unter französische Herrschaft stellen, alles Land westlich der Elbe abtreten. Große Unterstützung bekamen die Franzosen von Polen.
Von den Eroberungen und den verheerenden Zerstörungen, die Frankreich unter Napoleon über Deutschland brachte, den grausamen Vorgehen der französischen Truppen in den Städten und Dörfern berichten die niedergeschriebenen Berichte in den Stadt-Archiven und Geschichtsbüchern. Napoleons Größenwahn brachte die vollkommene Zersplitterung des Deutschen Reiches.
Was zuvor geschah:
1792 – nachdem die Revolution in ihrer Heimat die alte Ordnung mit Mord hinweggefegt hatte, fielen die Franzosen plündernd und mordend ins Deutsche Reich ein, besetzten die Gebiete um Mainz, Köln und Aachen. So wurden die Deutschen wie schon Jahrzehnte vorher von den Franzosen überfallen. Goethe nahm in der Gefolgschaft des Herzogs von Weimar an dem Verteidigungsfeldzug teil, die Verbündeten wurden von Frankreich geschlagen. Die Franzosen drangen danach über den Rhein in Deutschland ein, verwüsteten die Städte (allein Köln war von 1794-1813 von den Franzosen besetzt und musste an die Okkupanten Kriegssteuer zahlen). Franzosen vertrieben die Deutschen aus ihren Heimatorten. Viele von ihnen kamen ohne Hab und Gut auch nach Weimar.
Goethe beschreibt in seinem Werk „Herman und Dorothea“ die Not der Vertriebenen und im besonderen das Schicksal eines jungen Mädchens.
Die Französische Revolution fand anfangs in Europa begeisterten Widerhall, auch bei Goethe. Später verurteilte er sie hart, Schiller schrieb: „Mich ekelt vor diesen elenden Henkersknechten“.
Wie sich die Bilder gleichen!
Die Franzosen führten zwar die schönen Worte „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ im Munde, aber dies galt nur für die Gesinnungsgenossen, für die anderen das Gefängnis oder der Tod da. (Wie später bei der Oktoberrevolution und beim Einmarsch der Bolschewisten in Deutschland 1945 und der kommunistischen Regierung in Mitteldeutschland von 1945-1989). Wie sich die Bilder gleichen!
Erst die Befreiungskriege 1813-1815 beendeten Napoleons Schreckensherrschaft in Deutschland. Deutsche und britische Armeen schlugen 1815 die französischen Truppen bei Waterloo und bereiteten Napoleon die endgültige Niederlage. Zurück blieb ein in kleine Staaten aufgeteiltes und vollkommen verwüstetes deutsches Land.
Als Kind war ich oft im Harz. Das Bild, dass aus dem Fotoalbum meiner Eltern stammt, zeigt mich mit meinem Cousin, der in Nordhausen lebt. Oft sind wir den Einladungen gefolgt, und haben die schönsten Ecken vom Harz erobert.
Mit seinen Wäldern und Mooren, den rauschenden Wildbächen und zerklüfteten Felsen ist der jüngste Nationalpark Deutschlands ein besonders urwüchsiges Stück Natur.
Es ist an der Zeit! Ich habe mir fest vorgenommen, mit meinem Göttergatten in nur wenigen Wochen mit unserem Wohnmobil an die Orte zurückzukehren, die ich einst so liebgewann und um Neues zu entdecken. Selbstverständlich ereilen euch dann ganz viele Bilder und Berichte.
Harzreise 1806 / 1970 – und ich stimme euch ein, zu meinem Vorhaben noch vor Ostern in den wunderschönen Harz zu reisen.
Bis es so weit ist, schmökern wir in den Erzählungen aus dem Sagenschatz des Harzes.
Hier > „Harzreise 1806“, verfasst von Friedrich Gottschalk im selben Jahr.
„Wer sich die Jahreszeit zu einer Harzreise selbst bestimmen kann, dem rate ich, nie im hohen Sommer zu reisen, teils wegen der größeren Wärme, vorzüglich aber wegen des die Aussichten verdunkelnden Heiderauches. Zu wenig Zeit sich zu einer Harzreise zu nehmen, taugt nicht. Unter 14 Tagen wird man den ganzen Harz nie mit Vorteil bereisen können.
Bloße Touren auf den Brocken können, vom Fuße des Harzes an gerechnet, freilich 2,3,4 Tagen abgetan werden.
Obgleich es auf dem Harze ziemlich sicher ist und Beispiele von räuberischen Anfällen äußerst selten sind, so rat ich doch niemandem des Nachts zu reisen, um selbst der Möglichkeit eines solchen Überfalls zu entgehen.
Gebirgige Gegenden werden am sichersten, bequemsten und nützlichsten zu Fuße bereist. Nichts entgeht dem Fußreisenden: alle Gegenstände, jeden Stein, jede Pflanze kann er betrachten, mit jedem Menschen sich unterhalten. Vor 30 bis 40 Jahren sahen noch deutsche Wirte Fußreisende von der Seite an, trauten ihrem Beutel wenig zu und behandelten sie oft mit Gleichgültigkeit. Jetzt hat sich das verloren, da so viel zu Fuß gereist wird.
Wenn schon bei weitem mächtigere und höhere Bergketten das südliche Deutschland durchziehen, so ist doch der silbereiche Harz unter allen Gebirgen unseres Vaterlandes seit altersher das berühmteste.
Der ganze Harz ist gleichsam, nur ein einziger, fast überall steil aus der hügeligen Ebene aufsteigender, vom Lande aus nur wie eine Masse erscheinender Berg, auf dessen hoch über der Ebene erhabenem, etwas abhänglichem Rücken mehrenteils zu kleinen Anhöhen, Vertiefungen und tief eingeschnittenen Flußbetten zu sehen sind, aus dessen Nordseite aber ein zweiter´, höherer, weitprallender Berg voller Felsen und Bruchstücke hervorragt.
Diese zweite Bergmasse besteht aus Granit, hat den Brocken zu ihrer höchsten Spitze und wird daher nicht unschicklich das harzische Granitgebirge oder das Brockengebirge genannt.“
Tipp: Wer aktuell die Absicht hegt, den Hexentanzplatz aufzusuchen, muss dieses Vorhaben verschieben. Denn dort ist im Moment eine riesige Baustelle.
Quelle Text: „Aus dem Sagenschatz des Harzes“ Halberstadt 1968
„Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleibt im Dunkel unerfahren, mag von Tag zu Tage leben.“
Was genau möchte uns Goethe damit sagen?
Ganz einfach:
Nur wer seine Geschichte, die Geschichte seiner Kultur und die Geschichte der Welt kennt, wird im Stande sein, von diesem Erfahrungsschatz bei der Bewertung seiner Umwelt und ihren Anforderungen zu profitieren. Wer seine Geschichte nicht kennt, wird bei der Bewertung oft raten müssen und kann nicht auf Erfahrung
zurückgreifen, die er als Bewertungsgrundlage heranziehen kann. Er bleibt im Dunkeln, unerfahren und lebt von Tag zu Tag ohne die Zusammenhänge zu verstehen, ohne die Welt zu verstehen, in der er lebt und ohne sie intelligent bewerten zu können, weil ihm die Grundlagen dazu fehlen: das Wissen um seine Geschichte, um die Geschichte seiner Kultur, um die Geschichte der Welt.
Ein großer Teil der Deutschen kennt nur die Geschichte ab 1933 und ihnen fehlen jegliche Zusammenhänge. Aus Lügen wurden für sie Wahrheiten, mit denen sie leben. Man kann sagen, sehr gut damit leben und an Erlebnisgenerationen unangebrachte bis hin zu frechen Antworten zu stellen, und fordern ihre Behauptungen anzuerkennen.
Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge, die sie schon hundertmal gehört haben, als eine Wahrheit, die ihnen völlig neu ist.
Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, diese Erlebnisgeneration zu Wort kommen zu lassen. Meine Mutter hat vor wenigen Monaten ihren 100. Geburtstag gefeiert. Ich möchte ihrem Wunsch, endlich gehört zu werden, nachkommen. Ich möchte Niedergeschriebenes und Gesagtes zitieren und an die kommende Generation weitergeben. Ich kann nur hoffen, dass die Ausführungen und Berichte in die richtigen Hände gelangen. Unzählige Menschen haben sich über Jahrhunderte die Finger wund geschrieben, und doch kam nur selten die Wahrheit ans rechte Licht.
Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern
Wir bewegen uns gerade in einer Zeit, die für wachsame Menschen eine echte Herausforderung darstellt. Dass sind auch die, die der Geschichte hinter der Geschichte nachlauschen. Das ist gut. Denn so bekommt wenigstens ein Teil der Gesellschaft ein Gespür dafür, was gerade aus dem Ruder läuft und erkennt Zusammenhänge.
So fahre ich fort, mit den wahren und oft mahnenden Worten meiner Mutter:
Weil die Germanen in der NS Zeit glorifiziert wurden, glaubt man heute, sie für dumm erklären zu müssen, deren Geschichte und Geschichtsschreiber (wie Tacitus) vollkommen verändert darzustellen. Manche die Geschichte in Schule und Elternhaus nicht kennenlernen durften (und das nicht nur in der DDR) sagen so ganz naiv daher, dass die Germanen noch auf Jagd gingen, während andere Völker schon Häuser bauten.
Das macht deutlich: Nur bedingt erfolgte eine entsprechende Wissensvermittlung, die auch die große Kultur der Römer und Griechen beinhaltete.
Die Zeit der Germanen kam später. Sie waren ein wissensdurstiges Volk, unermüdlich fleißig, verantwortungsvoll und gewissenhaft, was ihnen schon bei den Römern große Anerkennung brachte. Mit den Kenntnissen, die sie bei den Römern erworben hatten und ihren eigenen klugen Ideen und dem großen Willen zum Schaffen und zum Denken, bauten sie Mitteleuropa auf, nachdem 476 das Ende des Weströmischen Reiches kam und der germanische Heerführer Odoaker zum König ausgerufen wurde.
Kaiser Karl der Große, aus dem Stamm der westgermanischen Franken, vereinte die einzelnen Königsländer zum großen Frankenreich und damit erneuerte er auch das alte römische Kaisertum.
Dieser Riesenstaat wurde später für seine Enkelkinder geteilt. Aus einem Teil bildete sich das Römische Reich Deutscher Nation, das unter der Herrschaft deutscher Kaiser fast 1000 Jahre bestand und erst unter der Gewaltherrschaft Napoleons in kleine Staaten aufgeteilt wurde.
Man kann, wenn von Tatsachen (bewiesenen) und Wahrheiten berichtet wird, nicht ein anderes Thema verlangen oder verlangen, falsche Aussagen für wahr anzuerkennen.
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Noch eine Geschichte aus den Kaiser-und Herrensagen – Gold und Eisen
Einst brachten einige Könige der Normannen Gold und Silber vor Karl den Großen, um ihre Unterwürfigkeit zu zeigen, und wollten auch ihre Schwerter überreichen.
Der König ließ das Geld verächtlich zu Boden werfen, aber die Waffen erprobte er, fasste selbst ein Schwert an beiden Enden und versuchte, die Spitze so herumzubiegen, dass Griff und Spitze sich berührten, aber es zerbrach in seiner Hand.
Ein fränkisches Schwert, das er sich nunmehr reichen ließ, bestand jedoch die Probe. Stumm und ängstlich blickten die Normannen einander an und sagten dann zu sich: „Möchte doch auch in unserem Lande das Gold so gemein und das Eisen so kostbar erscheinen.“
„Karl der Große soll fünfzehnmal gegen den König der Sachsen zu Felde gezogen sein und fünfzehnmal verloren haben. Erst in weiteren drei Schlachten siegte er und bekam den Sachsenfürsten in seine Gewalt.
Einst saß nun Karl bei der Mahlzeit, wie es Sitte war, auf einem erhöhten Platze, während die Armen demütig auf dem Boden saßen. Der gefangene König Widukind, der ferne vom Kaiser an einer anderen Tafel speiste, ließ ihm deswegen durch einen Boten sagen:“Euer Christus spricht, in den Armen habt ihr mich aufgenommen! Mit welcher Stirn redet ihr uns denn ein, dass wir unseren Nacken beugen sollen vor dem, den ihr so verächtlich behandelt und dem ihr nicht die geringste Ehrerbietung erweiset?“
Bei diesen Worten wurde der Kaiser in seinem Herzen getroffen und errötete, weil die evangelische Lehre aus dem Munde eines heidnischen Mannes zu ihm drang.
Die Statue von Widukind (Foto) befindet sich in Herford.
Karl der Große: Fränkischer König und Römischer Kaiser
Hilfe! Das ist ein Kapitel in der Geschichte, dass unendlich scheint – ertönt jetzt vielleicht so mancher Aufschrei. Und überhaupt, was interessiert mich ein Kaiser, der derart gewütet und die Christianisierung vorangetrieben hat? Ich gebe zu, einige seiner „Taten“ machen ihn nicht unbedingt zum Sympathisanten.
Es gibt unzählige Geschichten und kurzweilige Kaisersagen zu „Karl dem Großen“. Doch kommen wir nicht umhin, ein „bisschen“ in seiner Biografie zu stöbern, um überhaupt die Geschichte hinter der Geschichte zu verstehen.
Versuchen wir es mal:
Bei seiner Geburt ist es Karl nicht in die Wiege gelegt, dass er der mächtigste Herrscher des Abendlands sein wird. Zu viele Konkurrenten mit gut begründeten Herrschaftsansprüchen gibt es. Aber mit Mut, Härte strategischem Geschick und etwas Glück setzten sich sein Vater Pippin und später er selbst gegen alle Gegner durch.
Bruderzwist: Karl der Große wird 746 geboren, sein Bruder Karlmann um das Jahr 751. Wie, das bei den Franken Tradition ist, wird das Reich nach dem Tod König Pippins 768 unter den Brüdern aufgeteilt.
Doch schon bald kommt es zum Machtkampf der Geschwister.
Um seine Position zu stärken, heiratet Karl um 770 die Tochter des Langobarden Königs Desiderius, der über ganz Norditalien herrscht. Auch zum Bayernherzog Tassilo III. nimmt er Kontakt auf. Noch bevor zwischen den Brüdern ein offener Krieg ausbricht, stirbt Karlmann jedoch 771. Dessen Witwe flieht auf den Langobarden Königs. Karl verstößt seine langobardische Frau und schickt sie nach Italien zurück. Es kommt zum Krieg zwischen den Franken und Langobarden.
Völkerkunde im Schnelldurchlauf
Das Erbe der Römer ist Eigentum der Franken geworden. Ihr Reich und seine Verbindung mit dem Katholizismus gestalteten sich zum Angelpunkt mittelalterlicher Geschichte. Die Franken waren ein kriegerisches Bauernvolk, unternehmend, verschlagen, grausam, berüchtigt ob Hinterlist und Treulosigkeit. Dabei zeigten sie einen gesunden Blick für alles Erreichbare, eine Art praktischen, staatenbildenden Instinkts.
Zustatten kam ihnen ihr rein germanisches Hinterland, welches immer wieder neue deutsche Kräfte lieferte, und ferner eine geregelte Thronfolge: Das volle Erbrecht aller Söhne.
Bevor in der Erzählung fortgefahren wird, müssen wir einen Blick auf die fränkische Kirche und die Belehrung der Deutschen werfen. Aber auch auf die Sachsen, Langobarden, Bayern und auf die Beziehungen zum Hof des Kalifen zu Bagdad.
Ich versuche, es so kurzweilig wie nur möglich darzustellen. Versprochen!
Den Franken lag eine tiefere Auffassung des Christentums ursprünglich fern. Sie verließen ihre überlebten Götter, weil Sie Christus für mächtiger hielten, bewahrten sich aber ein gutes Stück Heidentum und gelangten unter Romanen mit einer fertigen Kircheneinteilung und der zersetzen Kultur eines absterbenden Weltreiches.
Die Krone der Langobarden in Gefahr! Die Langobarden standen in uralt naher Beziehung zum obersten Germanengotte, zu Wodan. Noch als Herren Italiens haben sie ihn in heiligen Hainen verehrt. Der Langobarden König Desiderius fürchtet Karl, der plötzlich so mächtig ist. Desiderius gibt der Familie von Karlmann ein Zuhause. Und das nicht ohne Grund: Denn die noch minderjährigen Söhne haben Erbansprüche auf das Reich ihres Vaters., durch sie will Desiderius Karls Herrschaft untergraben. Doch der Plan schlägt fehl.
Bayern wird fränkisch: Bayern gehört zu den letzten germanischen Stammesherzogtümern, die noch nicht unter fränkischer Kontrolle stehen. Karl der Große verdächtigt Bayernherzog Tassilo III., ein Bündnis mit dem heidnischen Awaren gegen ihn zu schmieden. Nach der Eingliederung Bayerns in das fränkische Großreich beginnt Karl den Krieg mit den Awaren.
Kampf gegen die Sachsen: Einer der letzten Stämme der Germanen, die noch nicht von den Franken unterworfen sind, sind die Sachsen. 772 kommt es immer wieder zu Grenzstreitigkeiten zwischen den Stämmen. Dies nutzt Karl, um bei einem Kriegszug ins sächsische Kernland einzufallen und deren Stammesheiligtum zu zerstören.
Historische Akteure dieser Zeit:
Widukind: Der Sachsenherzog Widukind (Lebensdaten unbekannt) wehrt sich erbittert gegen die fränkische Eroberung und Christianisierung. Es gelingt ihm, in mehreren Schlachten die Franken zu besiegen. Nach einer Niederlage flüchtet er und sieht ein, dass weiterer Widerstand gegen Karl zwecklos ist. Er lässt sich 785 taufen. Danach verschwindet der Herzog aus den historischen Quellen.
Paps Leo III. (Pontifikat 795-816), ein Süditaliener aus einfachen Verhältnissen, macht eine steile Karriere in der römischen Kirche. Während sein Pontifikats bleibt er ein treuer Verbündeter der Karolinger
Harun ar-Raschid (766-809) wird 786 Kalif von Bagdad. Er ist bekannt für die Prachtentfaltung auf seinem Hof und ist eine der Hauptfiguren aus „Tausend und einer Nacht“.
Internationale Erfolge
Karl unterhält gute Beziehungen zum Hof des Kalifen von Bagdad Harun ar-Raschid. Mehrfach werden Gesandtschaften zwischen Aachen, das Karl zum Mittelpunkt seiner Herrschaft macht, und Bagdad ausgetauscht. Im Jahr 802 erhält Karl vom Kalifen das Verfügungsrecht über das Heilige Grab Christi in Jerusalem. Damit wird deutlich. das ar-Raschid Karl des Kaisers des Westens, und nicht den byzantinischen Kaiser für den wichtigsten Herrscher der Christenheit hält. Lange Zeit erkennt der byzantinische Kaiser die Erhebung Karls zum Kaiser des Westens nicht an. Erst nach einem langwierigen Krieg, in dem die Franken im Jahr 810 siegen, wird er als gleichberechtigter Herrscher akzeptiert.
Aufteilung des Reiches: Ganz der Familientradition folgend, teilt Karl der Große sein riesiges Reich 806 unter seinen drei Söhnen Pippin, Karl und Ludwig auf. Da Pippin und Karl aber noch zu Lebzeiten des Vaters sterben, setzt dieser 813 Ludwig zum Mitkaiser und Alleinherrscher nach seinem Tod ein. So kann das Reich ungeteilt erhalten werden.
Karl der Große stirbt am 28.1.1814 in Aachen und wird dort beigesetzt. Schon zu Lebzeiten trägt er den Ehrentitel „der Große“.
1165 wird er auf Initiative Friedrich Barbarossas heiliggesprochen.
Karl der Große – zur Person:
2.4.747 Geburt Karls
768 Er und sein Bruder Karlmann teilen sich nach dem Tod ihres Vaters Pippin III. die Herrschaft über das fränkische Reich.
769 Niederschlagung von Aufständen in Aquitanien
771 Karlmann stirbt, ein Bruderkrieg wird so verhindert.
772 -804 Feldzüge gegen die Sachsen
774 Karl wird langobardischer König
776 Ein Aufstandsversuch in Italien wird niedergeschlagen
778 Niederlage der fränkischen Truppen gegen die Araber von Saragossa (Spanien).
782 „Verdener Blutgericht“. Karl soll die Enthauptung 4500 Sachsen befohlen haben.
785 Karls sächsischer Widersacher Widukind lässt sich taufen.
788 Der bayerische Herzog Tassilo III. wird abgesetzt, Bayern dem Frankenreich eingegliedert.
792 Pippin, der Bucklige, Karls Sohn aus erster Ehe, stiftet eine Verschwörung an, die niedergeschlagen wird.
794 Karl beruft das erste abendliche Konzil nach Frankfurt.
799 Papst Leo III. und Karl treffen in Paderborn zusammen.
800 Kaiserkrönung in Rom
801 nach Vertreibung der Araber ist in Nordspanien die Spanische Mark Teil des Frankenreichs.
803 Die Unterwerfung der Awaren ist abgeschlossen.