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Klara Fall: das glaube, wer mag

  • Der Zobten – Teil II

    April 11th, 2023

    Zurück zum Zobten, dem dunklen und geheimnisvollen Berg unweit Breslaus, und hin zu einer Zeit, die längst vergangen,  aber deren Geschichte immer noch eng mit uns verbandelt ist.


    Was wir aus dem ersten Teil bereits wissen: Die Germanen kamen ab 300-100 v. u. Z. zum Zobten. Es waren die Silinger, ein Stamm der Vandalen. Sie gehörten zum Gesamtverband der Ostgoten. Aus dem Namen dieses Stammes – Silinger – entstand viel später Schlesien. Die Silinger machten den Zobten mit ihren Göttern zum Germanenberg.

    Tacitus schrieb das etwa 73 u. Z.:

     „Die Germanen stellten ihre Götter nicht menschenähnlich dar, sie weihen ihnen Lichtungen und Haine und mit Namen von Göttern bezeichnen sie jenes geheimnisvolle, dass sie nur in ihrer Verehrung und im Geiste schauen. Die Germanen sind groß, blond und haben blaue Augen. Die germanischen Mädchen heirateten erst mit 20 Jahren und nicht wie in Rom als Kinder. Der Mann hat nur eine Frau und die Frau ist dem Manne gleichgestellt“.    

    Etwas ist dazu noch erwähnenswert: Zahlreiche Bodenfunde aus der Zeit der Vandalen verraten uns die hohe Kultur dieses oft zu Unrecht verleumdeten Germanenstammes. Sie waren bäuerliche Siedler, Viehzüchter und Ackerbauer. Sie waren auch geschickte Handwerker beim Haus- und Gerätebau und der Schmuckherstellung sowie bei Webarbeiten und sie betrieben bereits Handel. Die Silinger verarbeiteten den Zobtengranit zu Mühlsteinen. Im 6. Jahrhundert verließen die Silinger den Zobten. Zurück blieben Ringwälle, Steintische und die Steinfiguren, die ich schon im ersten Teil zum Zobten erwähnte.

    Für die Breslauer war der Zobten der Hausberg und

    Der heidnische Kult auf dem Zobten vor Christianisierung

    100 Jahre später kamen in geringer Zahl Slawen zum Zobten. Auf dem Gipfel des Berges verehrten sie ihre Götter-, ihr oberster Gott war Flyn. Dem heidnischen Kult wurde durch die Christianisierung ein Ende bereitet. Doch manch alter Brauch der verschiedenen Stämme tauchte später bei den Menschen in einer anderen Form, meist in einer erdachten Gestalt wieder auf. Darunter Rübezahl und andere Geister wie Wasser-, Feld-, Erd-, Berg-, und Hausgeister, Riesen und Kobolde und viele mehr.

    Fast alle Sagen berichten Spukgeschichten von Haus und Hof, Schloss und Ruine, Kirche und Kirchhof. Das Wahrsagen ist sogar bis in die heutige Zeit erhalten geblieben.

    Die Kelten feierten hier (vor mehr als 500 Jahren) das Fest Samhain, sie warteten auf die Rückkehr der Toten und vertrieben die bösen Geister.

    Doch zurück zu weiteren Ereignissen im Zusammenhang mit dem Zobten.

    Auf dem Berg stand 1120 eine Burg. Sie wurde dem Grafen Peter Walst als Lehen übergeben. Der Graf wandelte sein Burgverlies in ein Augustinerherrenstift um, und holte wallonische Mönche aus Flandern. Die Ordensleute lebten nur 40 Jahre auf dem Berg. Sie gründeten am Fuße des Zobten bei Grokau eine Abtei.

    Die Piasten, die in Mittelschlesien ihr Lehen hatten, waren deutschfreundlich, sie sprachen Deutsch und ihre Ritter waren zum größten Teil Deutsche. Dazu kam, dass sie sich mit Töchtern aus deutschen Fürstenhäusern vermählten. (siehe hierzu die Infotafel am Ende des Beitrags).

    Wie sich daraufhin das Land um den Zobten veränderte

    Die Herzöge schickten Werber, meist Ritter, zu dem Franken, Thüringern, Sachsen und Flamen. Sie versprachen den Siedlern fruchtbares Land, Bauern, Handwerker, Kaufleute und Ritter folgten diesem Ruf.

    Hatten die Werber einen Zug Siedlungswilliger mit Familie. Hausrat und Vieh zusammengestellt, begann die beschwerliche Reise in das fast menschenleere Land. Die Reise dauerte oft Monate. Gleich bei der Ankunft wurde jedem Siedler ein Stück Land zugeteilt. Die Werber bekamen als Dank abgabefreien Boden, sie wurden meist Dorfvorsteher, Richter u. s. w.

    Für die Siedler begann nach den Strapazen der langen Reisen eine harte Zeit, der Boden musste gerodet werden und eine Hütte gebaut.

    Allerdings blieben sie auch 10 Jahre abgabefrei.

    Es entstand der älteste Marktort Schlesiens

    Es ist kaum zu glauben, dass bis 1350 über 1200 Dörfer und ca. 120 Städte gegründet wurden. Die Wildnis rund um den Zobten hat sich in ein blühendes Land verwandelt. Zu den Neugründungen gehörte auch die Stadt Zobten. Die entstand 1221 als ältester Marktort Schlesiens. Das ist urkundlich belegt.

    ————————————————

    Infotafel! Hier findet ihr historische Eckdaten – und noch mehr zur Geschichte hinter der Geschichte

    • Boleslaw III. heiratete 1110 Salome, die Tochter des schwäbischen Grafen Heinrich von Berg.
    • Der Sohn Boleslaus I. nahm 1163 die bayerische Grafentochter Agnes v. Sulzbach zur Frau.
    • Agnes v. Sulzbach war eine Schwester des damaligen Kaisers Konrad III.
    • Und wieder der Sohn Heinrich I. heiratete 1186 18-jährig die 12-jährige Hedwig, die Tochter des Herzogs v. Andechs von Oberitalien.
    • Herzogin Hedwig erwarb sich die Liebe ihrer Untertanen, sie wurde 1265 heiliggesprochen. Fast jeder Schlesier kennt sie als „Hedwig von Schlesien“.
    • Unter Heinrich I. waren die Piasten zu deutschen Fürsten geworden, damit schied Schlesien 1327 endgültig aus der polnischen Verbindung aus. Nur Oberschlesien wurde nicht eingegliedert.
    • Unter Herzog Heinrich I. und anderen Herzögen begann die Erschließung Schlesiens durch deutsche Siedler.

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  • Von Raubrittern, von Krieg und Zerstörung, von emsigen und tapferen Menschen, von Feen und einem Berggeist –  von einem Berg, der Geschichte ausruft

    April 11th, 2023

    Gerne möchte ich dem Zobten, diesem dunklen geheimnisvollen Berg, ein weiteres – ein letztes Kapitel widmen. Mit diesem Berg lässt sich ein von ungeheurem Ausmaß, beachtlicher Teil der deutschen Geschichte erfassen. Einige unter uns erinnern sich vielleicht an die vorangegangenen Kapitel zu dem mystischen Berg mit den vielen Namen: Götterberg, Germanenberg, Berg der Schlesier oder Wetterprophet.

    In der Kommentarspalte könnt ihr diese noch einmal aufrufen.

    Was war in der Zwischenzeit auf dem Zobtenberg geschehen, nachdem die Ordensleute ca. 1200 vom Berg gingen?

    Zurück blieben die Kuppe und das einstige Kloster – verödet und verlassen.

    Im 15. Jahrhundert trieben Scharen von Raubrittern ihr Unwesen hinter den alten Mauern. Die verbündeten Städte Breslau und Schweidnitz zerstörten die Anlage und vertrieben die Raubritter.

    Schon Mitte des 17. Jahrhunderts bekam der Zobten für seine Besucher die Jägerbaude. Einige Jahrzehnte danach, setzte man für die vielen Ausflügler die Zobtenbaude daneben.

    1702 entstand an der Stelle des alten Klosters eine Kapelle, die 1834 ausbrannte, 17 Jahre später wurde die Bergkirche errichtet.

    Trotz Iser- und Riesengebirge und dem Berggeist Rübezahl machten die Schlesier den heidnischen Götter- und Germanenberg zu ihrem Wahrzeichen.

    Viele Menschen aus der Umgebung, aber auch Reisende von weither, zog es zum Zobten.

    Alle schlesischen Dichter bestiegen diesen Berg.

    Eichendorff kam als 16-jähriger zum Zobten. Er schrieb in seinem Tagebuch unter dem 21. Mai 1804 u. a. folgendes: „Vom Zobtenberge , von dem wir froh den schönen Abend genoßen und die ausgebreitete Gegend mit den Fernrohre überschauten, und einen Tag später, auf dem Wege nach der Koppe, des berüchtigten Zobtenberges. Erwartungsvoll schritten wir nun über das Gestein und die Felsen, die uns schaurig in die Ritter- und Feenwelt versetzten und erreichten endlich mit Freudengeschrei den Gipfel, wo plötzlich tief unter uns ringsum unser geliebtes Vaterländchen lag, wo wir aus den Seitenfenstern der alten 100-jährigen Kirche, die auf einer Wiese den Gipfel krönt, auch den Sonnenaufgang hatten“.

    Auch Carl und Gerhart Hauptmann besuchten den Berg. Der letzte Zobtenbaudenpächter, ein Herr Kaiser, besaß noch alte Koppen – bzw. Gästebücher. Und darin fand man auch die Namen bekannter Persönlichkeiten, auch den von Generalfeldmarschall von Moltke. Einige Dichter hatten sich mit Versen in den Büchern verewigt, darunter Felix Dahn und Robert Rößler. Paul Keller schrieb den humorvollen „Bergkrach“, in dem der nicht halb so hohe Zobten mit seinen 718 Metern, die Königin des Riesengbirges, die 1605 Meter hohe Schneeekoppe, als ANE ALE GAKE bezeichnete. Dieser blieb die Antwort nicht schuldig und nannte den Zotaberg einen FATZKEN, Rübezahl hat laut einer Erzählung die Gemüter wieder beruhigt.

    ————————————-

    Die Geschichte um den Zobtenberg im Zeitraffer:

    • 1220 entstand die Stadt Zobten als ältester Marktort Schlesiens
    • Aus den alten deutschen Stämmen der Franken, Schwaben, Flamen, Thüringer, Sachsen und den wenigen Slawen wurde der Neustamm der Schlesier.
    • 1325 wurde ein Teil Schlesiens böhmisch, darunter auch die Stadt Zobten.
    • Bis 1350 entstanden über 1200 Dörfer und ca. 120 Städte wurden gegründet. Zu dieser Zeit regierte in Prag Kaiser Karl IV. Er stammte aus dem deutschen Grafengeschlecht der Luxemburger.
    • 1526 übernahmen die Habsburger unter Ferdinand I. Schlesien. Ferdinand I. war der Bruder Karl V. Durch ihn wurde Schlesien weiter in das Reichsgefüge eingebunden.
    • 1740 übernahm Maria Theresia die Regentschaft in Österreich und im selben Jahr Friedrich II. d. Große die Regentschaft in Preußen.
    • Schon zwei Jahre später (1742) kam es zum Krieg zwischen Österreich und Preußen. Nach dem Sieg Friedrich d. Großen ging Schlesien an Preußen. Maria Theresia bekam von Friedrich d. Großen die Zusicherung, dass ihr Mann Herzog Stephan von Lothringen, Kaiser von Deutschland wird. Und tatsächlich wurde er als Franz I. zum deutschen Kaiser gewählt.
    • 1806 ging das Römische Reich Deutscher Nation nach fast einem Jahrtausend durch die Herrschaft Napoleons zu Ende.

    Französische Truppen zogen auf dem Marsch gegen Russland durch Niederschlesien. Laufend mussten die Städte für Unterkunft und Verpflegung sorgen. Auch nach seiner Niederlage in Moskau auf dem Rückzug 1812.

    Doch die Niederlage Napoleons gab Hoffnung auf eine Befreiung. Mit dem Aufruf Friedrich Wilhelm III. „An mein Volk“ und der Verlegung des königlichen Hofes nach Breslau, wurde Schlesien zum Zentrum der Erhebung gegen die französische Vorherrschaft. Nach dem Aufruf war die Opferwilligkeit der Schlesier riesengroß. Die Handwerker arbeiteten Tag und Nacht an der Herstellung von Ausrüstungsgegenständen für die Armee. Jeder brachte sein Scherflein für den Befreiungskampf.


    Als 1832 die Farben schwarz-rot-gold zu Nationalfarben wurden…, die Geschichte hinter der Geschichte

    Während der Zeit, als die Menschen rundum den Zobten alles für den Befreiungskampf unternahmen, entstand in Breslau eine schlesische Armee von etwa 10 000 Freiwilligen.

    Andere stifteten wertvollen Schmuck, Silber- und Goldbestecke und Geräte. Sogar die goldenen Trauringe tauchten sie in eiserne Ringe mit der Aufschrift „Gold gab ich für Eisen“.

    Die Dichter forderten ebenfalls das Volk zum Kampf auf, darunter Ernst Moritz Arndt, Theodor Körner, Max von Schenkendorf, Friedrich Rückert.

    In der Stadt Zobten bildete Major Lützow ein Freikorps. Auch dort meldeten sich viele Freiwillige, sie sich ihre Ausrüstung auf eigene Kosten beschaffen mussten. Das Lützow Korps wurde am 27. März 1813 in der Kirche von Rogau, nahe der Stadt Zobten eingesegnet.

    Zum Korps gehörten bekannte Männer der damaligen Zeit u. a. Joseph von Eichendorff, Theodor Körner, Friedrich von Friesen, Friedrich Ludwig Jahn. Ihre Uniformen hatten die Farben schwarz-rot-gold, nämlich die Hose schwarz, die Jacke rot, die Knöpfe goldfarben. 1832 wurden diese Farben Nationalfarben. In der Kaiserzeit 1871-1918 waren die Nationalfarben jedoch schwarz-weiß-rot.

    Im Kampf gegen die Franzosen ist Theodor Körner im Alter von nur 22 Jahren am 18.6.1813 in Gadebusch gefallen.

    Erst die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813, wo Russland, Österreich und Preußen gegen Napoleon kämpften, brachten den Sieg über Napoleon und 1814 seine Verbannung nach Elba.

    Nach diesem Sieg trat auch wieder Ruhe in Schlesien ein. Bauern und Handwerker konnten wieder einer geordneten Arbeit nachgehen. Die Bevölkerung besuchte wieder Heilbäder und wanderte zu vielen Ausflugsorten.

    Der Zobten, die Urheimat der Schlesier, sah Generationen kommen und er sah auch die Menschen in ihrer schwersten Stunde des Abschiednehmens von ihrer Urheimat, von ihrem Eigentum von allem, was ihnen lieb und wert war. Doch den Berg konnten die Vertreiber nicht wegrücken!

    Mit den Worten Gerhart Hauptmanns will ich den Bericht um den Zobten nun schließen. Er sprach sie kurz vor seinem Tod, als die Vertreiber bereits das Land eingenommen hatten, und sie lauten: „In einem kerndeutschen Land bin ich geboren, mit Stolz nenne ich mich einen Schlesier.“

    Der Zobten Teil III – eine kurze Zusammenfassung
    Der Zobten – Teil II
    Dort wo der Zobten gipfelt: ein Berg der Götter, der Illyrier, Druiden und Kelten, und das Wahrzeichen Schlesiens (Teil I)

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  • Dort wo der Zobten gipfelt: ein Berg der Götter, der Illyrier, Druiden und Kelten, und das Wahrzeichen Schlesiens (Teil I)

    März 31st, 2023

    Zobten? Kennt ihr nicht? Dann wird es Zeit. Dieser dunkle und geheimnisvolle Berg war schon zur Bronzezeit bewohnt und bewahrt eine sagenhafte Geschichte. Daher möchte ich dem Zobten wenigstens zwei Kapitel widmen.

    Ab 300 – 100 v. u. Z. kamen die Germanen zum (heute) sagenumwobenen Vater Zobten. Es waren die Silinger, ein Stamm der Vandalen. Sie gehörten zum Gesamtverband der Ostgoten. Aus dem Namen dieses Stammes – Silinger – entstand viel später der Name Schlesien.

    Der Zobten, auch Siling genannt, ist mit seinen 718 Meter der höchste Berg des Zobtengebirges und befindet sich etwa 30 Kilometer von Breslau entfernt. Diesem dunklen und geheimnisvollen Berg hat man viele Namen gegeben: Götterberg, schlesischer Olymp, Germanenberg, heiliger Berg der Schlesier, Mittelpunkt Schlesiens, Nabel Schlesiens, Wetterprophet.

    Bei Asgar, Odin und Fryia

    Die Silinger machten den Zobten mit ihren Göttern zum Germanenberg, und den Berggipfel zu Asgard, dem Wohnsitz der Götter in der germanischen Mythologie. Odin, den Göttervater stellte man sich als Reiter, und Donar mit dem Hammer über den Wolken vor. Es gab auch weibliche Göttinnen wie Fryia und Frigg, die Frau Odins.

    Wo wir bei den Aufzeichnungen Tacitus’s angelangt sind: So schreibt er in seiner Germania: „Sie stellten ihre Götter nicht menschenähnlich dar, sie weihen ihnen Lichtungen und Haine und mit Namen von Göttern bezeichnen sie jenes Geheimnisvolle, dass sie nur in ihrer Verehrung und im Geiste schauen.

    Götterberg und Kultstätte der Illyrier, und später der Gallier

    Bereits 1000 v. u. Z. wurde der Zobten ein Götterberg, sein Gipfel eine Kultstätte. Zuerst für die Illyrer, sie kamen aus der Gegend der westlichen Balkanhalbinsel, die damals den Namen Illyrien trug.

    Die Illyrer waren mit den Dorern um 1200 v. u. Z. in das Gebiet um das heutige Athen eingewandert und mit ihrer Einnahme des Landes begann das griechisch-römische Altertum die Antike. Der Berg Olymp in Griechenland galt nach den Aussagen der antiken Dichter als sagenhafter Sitz der griechischen Hauptgötter mit dem Götterkönig Zeus und seiner Frau Hera. Und diese Götter verehrten die Illyrer auf dem schlesischen Olymp, dem Zobten. Für sie war wahrscheinlich auch das Orakel wichtig, eine Stätte, meist ein Heiligtum, wo Priester Weissagungen gaben. 200 Jahren lebten die Illyrer mit ihren Göttern am und um den Zobten, dann zogen sie weiter.

    Von Kelten und Druiden – von Orakeln der Weissagung und Zauberei

    Ihnen folgten die Kelten, die Griechen nannten sie Galater, die Römer Gallier. Auch sie verehrten ihre Götter auf dem Zobtengipfel und sie hatten eine Priesterschaft, die Druiden. In den Händen dieser Priester lag die Erziehung der keltischen Jugend, das Richteramt, das Orakel mit Weissagungen. Zauberei war ihnen wahrscheinlich nicht fremd.

    Es gab auch weibliche Priesterinnen. Die Kelten kamen ca. 700 v. u. Z. aus Böhmen zum Zobten und wanderten erst 400 Jahre später weiter.

    Heute krönen den Haus-und Geisterberg Breslaus ein Sendeturm und eine Bergbaude. Rundum finden sich heidnische Steinskulpturen: Jungfrau mit dem Fisch, Bär und Eber, die als charakteristisches Symbol des Sonnenkultes die Swastika tragen. 

    Eine Wanderung zum Zobtengipfel ist ein spannendes Wagnis voller Mystik, im Zauber unserer Götter.  

    Der Zobten – Teil II
    Der Zobten Teil III – eine kurze Zusammenfassung

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  • Görlitz, meine wunderschöne Heimat – die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften, ein Ort voller Magie

    März 30th, 2023

    Heute, vor einem Jahr, haben wir diesen stimmungsvollen Ort, dessen Räume mit einer außergewöhnlichen Atmosphäre aufwarten, besucht.

    Der Weg führt durch ein prächtiges Portal über zwei Höfe, hin zu den Innenräumen und Eindrücken, die stückweit unsere Sprache verschlagen oder kurz den Atem haben anhalten lassen.

    Nur wenige Minuten, und man kann sich dem Bann dieses Ortes nicht mehr entziehen.

    Zwischen Dresden und Breslau ist die Bibliothek einzigartig. Das älteste handschriftliche Exemplar stammt aus dem 11. Jahrhundert, die ältesten Drucke gehen auf das Jahr 1475 zurück.

    Hier wurden schon Filmszenen zum „Zauberlehrling“ gedreht, und bis 1865 hatte hier die Görlitzer Freimaurerloge „Zur gekrönten Schlange“ einen Sitz.

    Im Zauber des Wissens längst vergangener Zeiten

    Wen es in das Barockhaus in der Neißestr.30 verschlägt, spürt die Magie längst vergangener Zeiten. Hier offeriert sich eine echte Schatzgrube, ein stimmungsvoller Büchersaal und Triumphbögen des Wissens, die wie Kulissen einen Saal gliedern. Zudem spürt man noch den Hauch einer kaiserlichen Atmosphäre.

    Zunächst betreten wir im ersten Obergeschoss die Wohnung der Familie Ameiß und bekommen einen wundervollen Eindruck darüber, wie das Bürgertum Anfang des 18. Jahrhunderts gelebt hat. Die Größe der Räume ist beeindruckend – der Stuck verleiht ihnen einen edlen Charakter.

    Es wirkt alles derart authentisch, dass ich mir die Frage stelle, ob denn gleich der Hausherr in die Mitte der Wohnung tritt und uns zur Mahlzeit einlädt. Auch an den wunderschönen Kachelöfen mag man verweilen, um sich sinnbildlich zu wärmen.

    Überall lassen sich Gefäße aus Glas und Porzellan, Prunkwaffen, Grafiken, textile Kunstwerke und Kunstschmiedearbeiten bewundern.

    Wir gehen eine Etage höher.

    „Hier ist es so ein bisschen wie bei Harry Potter“ säuselt ein junger Mann aus dem gegenüberliegenden Raum

    Oben angekommen, stelle ich mich in die Mitte, vor den ersten Torbogen. Die Reihen wirken wie Kulissen in einem Theater – der Raum erscheint unendlich tief.

    Es ist der wohl berühmteste Blick in die Büchersammlung – auf fünf riesige Regale, die mit mehr als 20.000 Büchern gefüllt sind. Hier lagern echte Perlen, Bücher von unschätzbarem Wert – jahrhundertealtes Wissen.

    Zudem beherbergen weitere Räume eine alchemistische und physikalische Werkstatt sowie eine Ausstellung des alten Roms und Ägyptens.

    Am Ende schreiten wir durch einen schwarzen Raum, der lange Zeit von der Görlitzer Freimaurerloge „Zur gekrönten Schlange“ genutzt wurde.  

    ————————-

    Den kulturgeschichtlichen Wert dieser Bibliothek kann man nicht in Kürze wiedergeben. Wenn ihr noch mehr zur Geschichte dieser wundervollen Bibliothek erfahren möchtet, dann „beamt“ euch auf die entsprechenden Wissensportale.

     Infotafel

    • Das Haus an der Ecke Weberstraße wurde 1727-1729 für den Leinwand-Damastgroßhändler Christian Ameiß als Wohn- und Handelshaus errichtet. Es ist der bedeutendste Barockbau der Stadt Görlitz.
    • Die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften hatte von 1804 bis 1945 ihren Sitz in dem Gebäude
    • 1726 stiftete der Jurist Milich seine private Büchersammlung der Stadt Görlitz und legte damit den Grundstein für die riesige Sammlung. Später erweiterte man die Sammlung mit Schriften aus alten Klosterbibliotheken und weiteren Stiftungen vermögender Bürger der Stadt.
    • 1951 führte man diese Sammlung mit der Sammlung der 1770 gegründete Oberlausitzischen Gesellschaft zusammen.
    • Zu den wichtigsten Bestandsgruppen der Bibliothek gehören:
      40.000 Medien zur Geschichte und Landeskunde der Oberlausitz, Niederschlesiens und Nordböhmens, Literatur zu Leben und Werk Jacob Böhmes, 33 Inkunabeln, 1.000 Flugschriften der Reformationszeit, 3.000 Karten und Atlanten, 7.000 Leichenpredigten, 3.000 Schulprogramme,
      eine Vielzahl wissenschaftlicher Nachlässe im Archiv sowie 6.000 Mikrofilme und 7.000 Plakate.

    Quelle: Görlitzer Sammlungen Förderverein Museum &Bibliothek

    Bilder: privat

    und hier gibt es noch mehr aus Geschichten zu Görlitz:

    https://undinepeter.blog/gorlitz-reihe/

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  • Funkelnde Geschichten von Göttern und Helden, von Schöpfung und Zerstörung, von Tod und Wiedergeburt

    März 29th, 2023

    Die Geschichte der Götter- und Heldensagen – so muss es sich wohl zugetragen haben

    Vorweg: Die Sagaliteratur ist die am besten bekannte Gattung altnordischer Literatur: Die Geschichten über Könige und Heilige, über Wikinger, Skalden, Totschläger und Geächtete gehören zweifellos zu den großen Werken der Weltliteratur.

    Und noch etwas: Besonders wichtig war in den heidnischen Glaubensvorstellungen der Wikingerzeit ebenso wie nach Auskunft der erhaltenen Mythengeschichten die sogenannte niedere Mythologie, die Welt der Riesen, Trolle, Zwerge und Alben. Kaum eine andere europäische Mythologie hat eine so große Auswahl bei Wesen der jenseitigen Welt wie die nordische.

    Doch nun zurück, zu dem Vorhaben, mehr über die Geschichte zur Geschichte der Götter- und Heldensagen zu erfahren.

    „In Deutschland lebten/leben die alten Heldenlieder weiter. Auch wenn der 572 verstorbene Langobardenkönig Alboin als letzter Held der Heldendichtung gilt.

    Sagen, die auf den alten Heldenliedern beruhen, hatten uns ja Widukind von Corven und Aimoin im 10. Jahrhundert aufgezeichnet. Dort wird deutlich, dass besonders das Volk sich von ihnen unterhielt. Das Volk war es auch, welches das Wirksame und Abenteuerliche und Übertriebene der alten Mär betont und wohl auch vergröbert hat.

     Die misslungenen Versuche der Geistlichen, der alten Mär abzuschwören  

    In der Literatur herrschten vor allem Geistliche, mit der Absicht, die Bildung, den Geschmack und die Dichtung des Volkes mit christlichem Geist zu erfüllen und zu durchdringen.

    So mühten sie sich in immer neuen Versuchen, eine geistliche, gelehrte und vor allem unterhaltende Dichtung zu pflegen.

    Dabei blieb es allerdings auch. Denn keiner dieser Versuche war von Erfolg gekrönt oder hatte Bestand – beginnend vom 9. Jahrhundert bis tief in das 11. Jahrhundert hinein. Weder eine Literatur, noch eine Überlieferung brachten sie auf den Weg. Lediglich eine Fülle der verschiedensten und isoliert bleibenden literarischen Bemühungen ging daraus hervor.

    Der zweifelhafte Auftritt der Spielleute

    Doch ließ man nichts unversucht. Schon bald erschienen neben den Geistlichen als Pfleger der Literatur die Spielleute. Sie waren nicht etwa die Nachfahren der germanischen Sänger, sondern die Erben der römischen Mime und Gaukler, eine Hinterlassenschaft der Alten Welt an das Mittelalter von zweifelhaftem Wert.

    Es war eine bunt und üppig durcheinander gewürfelte Gesellschaft, die gerne in Massen auftraten und wohl auch einen Tross von Frauen mit sich führten.

    Schauspieler, Seiltänzer, Akrobaten und Musiker, Kundschafter und wandernde Zeitungen, Sänger und Erzähler – allen wurden eine Aufgabe zuteil: Das Volk auf den Gassen zu unterhalten und es zum Jubel hinzureißen. Doch vor allem erfahren sie den Ruhm dessen, der ihnen Brot, Geld und Geschenke gab. Nicht zuletzt machten sie sich durch ihre Verwegenheit unentbehrlich. Dabei blieben sie selbst auf die Gunst der Mächtigen und Reichen angewiesen. Um den hohen geistlichen Herren und ihren Mönchen zu gefallen, trugen sie gefügig und gewandt lateinische Schwänke und Lieder in den Formen der geistlichen Dichtung vor. Zugleich suchten sie durch derbe Späße und unterhaltsame Geschichten, die einstigen Poeten aus der Gunst des Volkes zu verdrängen.

    Unter dem groben Tun der Spielleute und mit dem Geld der Mächtigen veränderte sich die Darstellung der deutschen Heldengedichte.

    So ist es kein Zufall, das zwei der Heldengedichte  (aus dem 10. und aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts) unterschiedlich daherkommen. So enthält Walharius manu fortis (Walter Starkhund) einen Geistlichen, während das andere, der König Rother einen Spielmann zum Dichter hat.

    Bewahren wir uns den Nachklang der ursprünglichen Heldendichtung. Die klassische Zeit des germanischen Heldenliedes, ist die Zeit der Völkerwanderung.

    Eine geheimnisvolle Ehrfurcht durchschauert unsere Seelen

    Wenn wir heute durch alte Eichenhaine wandeln, und aufmerksam hineinlauschen, dann hören wir immer noch den Nachhall tiefsinniger Zaubersprüche und die Stimmen der Vorzeit. Hier liegen unsere Wegweiser.

    Infotafel:

    „Widukind von Corven, geb. 925 oder 933/35;  gest. 3. Februar nach 973 in Corvey, war ein bedeutender sächsischer Geschichtsschreiber. Er ist der Verfasser der „Res gestae Saxonicae“, einer „Sachsengeschichte“, die eine der wichtigsten und meistdiskutierten Quellen zur Ottonenzeit ist.“

    Quellen:

    Heldensage und Heldendichtung im Germanischen Heinrich Beck (2012)

    Heldensagen aus Götter- und Heldensagen des Lechner Publishing Ltd. Limassol 1998

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  • „Dem Heimatboden ist die Seele genommen“…

    März 28th, 2023

    Dieser Satz stammt aus der Feder der Ruth Storm, einer Dichterin aus Schlesien mit großer Sprachkraft, die mit erzählerischem Können ein großes Kapitel aus dem Schicksalsbuch des deutschen Ostens behandelt.

    Ihr dürft mir glauben, dass mir das Behandeln von Schriften und Niederschriften der Betroffenen nicht leichtfällt und ich lange mit mir gehadert habe.

    Ich muss das nicht tun. Nein. Aber ich möchte es. Denn es ist nicht nur mein Wunsch, es ist vor allem der Wunsch unserer Vorfahren, es ist meine Pflicht.

    Viele Gräueltaten aus der Vergangenheit wurden, und werden immer noch in den Fokus gerückt. Das ist gut so, gut gegen das Vergessen. Doch sollten Verbrechen, und das daraus resultierende Leid und Schicksal der Menschen immer gleichbehandelt und ebenso benannt werden. Die meisten unter uns wissen nur zu gut, wovon ich hier schreibe, und auch, dass es eben so nicht umgesetzt wird, oder eben nur so weit, dass man offiziell vorgibt, genug dafür getan zu haben.

    Doch wer kennt die Geschichten schon von

    … damals, als Hundertausende Ostdeutscher leidvoll die Rechnung des verlorenen Krieges tragen mussten?

    … damals, als die Eroberung Schlesiens durch die Rote Armee der Sowjetunion erfolgte?

    … damals, als Pommern für viele West-und Ostpreußen zum Fluchtweg wurde?

    Das Geschehene ergibt

    • Lesestoff für Kapitel in Bücher gefasst, welche die Räume einer mächtigen Bibliothek füllen könnten.
    • Filmmaterial für Dokumentationen, Spielfilme, Dramen und Tragödien, die sämtliche Sender fluten würden.
    • Presseberichte, die in ihren Auflagen unendlich wären.

    Viele kennen Schindlers Liste, doch kaum jemand die Liste derer, die sich 1945 bis 1949 geschichtlich einzigartiger Vertreibungsverbrechen an Deutschen schuldig gemacht haben.

    Hin und wieder wird es mal erwähnt, es gibt einen Bund der Vertriebenen, es haben sich Landsmannschaften gebildet, es gab ehemalig ein Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte.

    Warum eigentlich ehemalig?

    1969 wurde das Ministerium im Zuge der Ostpolitik Willy Brandts unter starker Kritik der Vertriebenenverbände aufgelöst. Die Zuständigkeiten gingen in den Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern über.

    Heute werden die Vertriebenenverbände (noch) „geduldet“ – so mein Gefühl. Und das trügt mich in der Regel selten.

    Unzählige Tatsachenberichte stammen aus den Händen der Erlebnisgeneration der 12 Jahre von 1933-1945 und in den Jahren danach. Diese Generation scheidet aus der Welt. Es ist die Aufgabe der Nachkommen das Wissen darüber zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben.

    ______________________

    Meine Mutter schreibt 1990: Ich weiß, dass auch meine Tage gezählt sind. Deshalb habe ich mein Wissen über Wahrheit und Tatsachen niedergeschrieben und Beweise dazu gelegt. Längst ist es nicht alles, was ich erlebt, und wovon ich Kenntnis habe. Alles was ich darüber besitze, geht zu Händen meiner Kinder. Ich hoffe, auch sie bewahren dieses Wissen und geben es weiter.“

    Meine Mutter ist am 5. Januar 2023 100 Jahre alt geworden, und hofft, nach wie vor, dass endlich Wahrheit ans Licht kommt.  

    Die spannungsreichen Kapitel einer Wahrheitssuche, dürfen nicht unter dem Schutt der Vergangenheit“ vergraben bleiben.

    Auszug aus einer Niederschrift vom Juni 1974 auf der Reise nach Breslau.

    „Eine 80-jährige Polin sagte u. a. folgendes: „Bei unserer Einweisung in die Wohnungen in Breslau und anderen Orten wurde uns mitgeteilt, dass diese Gebiete und Städte mit Gebäuden usw. rein polnische seien und von den Deutschen 1939 eingenommen wurden. Erst später haben wir erfahren, dass hier keine Polen, sondern über Jahrhunderte nur Deutsche wohnten – wir können es gar nicht begreifen, das man uns so belogen hat.“

    Ein junger Pole sagte: „Erst vor einigen Wochen habe ich erfahren, dass das alles deutsche Städte sind und meine Großeltern 1946 in eine Wohnung zogen, aus der man, wie überall in den Orten die Deutschen vertrieben hat. Ich betrachte, die heute noch vorhandenen Gegenstände in der Wohnung mit ganz anderen Augen und frage mich, ja ich überlege, was haben dieses Menschen ertragen müssen, als sie zum letzten Mal aus dem Fenster oder auf den Regulator nach der Zeit schauten.“

    Weiter schreibt sie: „In unverfrorener Weise hat auch der polnische Papst die Erde Breslaus mit den Worten geküsst: „Ich bin wieder auf polnischem Boden, ich bin wieder zu Hause.“ Und was so ein Papst behauptet, müssen ja die treuen Katholiken auch glauben. Da fragt auch keiner, was hat eigentlich der Papst als junger Mann gemacht? Und auch das ist wahr: Er trug ein Gewehr und hat damit geschossen!“. Und dem nicht genug: In einer seiner Aussagen beruft er sich auf einen „gerechten Krieg“.

    Kein Krieg ist gerecht! Doch wer das Unrecht für sich pachtet, wird es stets nach außen tragen. Auch, oder vor allem…, ein Papst, der sich zwar Vertreter Gottes auf Erden schimpft, und doch nicht mehr ist, als der Lakai einer Kirche, die von Beginn an, dem Menschen mehr Schaden brachte als Nutzen… – ein Syndikat.  

    „Ein Drama von atemberaubender Wucht und voll apokalyptischer Bilder“ – wer wird einmal über unser Leben berichten?

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  • „Ein Drama von atemberaubender Wucht und voll apokalyptischer Bilder“ – wer wird einmal über unser Leben berichten?

    März 28th, 2023

    Bevor ich die Erinnerungen einer Erlebnisgeneration aufgreife, unternehme ich noch einen Zeitsprung in Schlesiens Vergangenheit, zu seinen Ursprüngen. Im Schrifttum taucht im 10. Jahrhundert das Reich des Mesikos (auch Miseco) im Gebiet des Posener Landes auf. Bis 990 dehnte Dago-Mesiko sein Reich auch auf Schlesien aus.

    Seit jener Zeit, in der zum ersten Mal schriftliche Aufzeichnungen über das Land an der Oder gemacht wurden, verging kein Jahrhundert, in dem es nicht schwere Heimsuchungen erleiden musste. So war es die Schlacht bei Wahlstatt (Liegnitz) 1241, nach der sich der Ansturm der Mongolen auf Zentraleuropa brach, der dieses Land überhaupt erst richtig ins Bewusstsein des Abendlandes rückte.

    „Sie sind mehr Ungeheuer, die nach Blut dürsten und es trinken, als Menschen“ (Heinrich II. (der Fromme), dem die unangenehme Aufgabe zufiel, sich dem Heer der Mongolen entgegenzustellen).

    Doch was geschah zuvor?

     „Wie mittelalterliche Chronisten berichten, versuchte Dago mehrmals, die Herrschaft über den unteren Oderlauf von Küstrin bis nach Wollin zu erkämpfen. Doch andere Wikingerfürsten hatten diesen wichtigen Zugang zur Ostsee bereits besetzt. Wie weiter östlich entlang der Wolga und ihren Nebenflüssen, wo die schwedischen Rus Handelsstützpunkte errichteten und schließlich das russische Reich gründeten, so bauten norwegische Wikinger auf der späteren Dominsel bei Posen eine Burg, von der aus sie das Wandalenreich beherrschten. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts trat Gnesen an die Stelle von Posen.“

    „Einige Historiker glauben, dass Dago der Nachkomme einer einheimischen germanischen Adelsfamilie gewesen sei. Nach verbreiteter polnischer Überlieferung soll Mesiko dagegen von einem Bauern namens Piast abstammen, der bei Kruschwitz (östlich Posen) gelebt habe. Selbst heute noch führen mehrere polnische und schlesische Uradelsgeschlechter ihre Abstammung auf ostgermanische Wandalen, Quaden oder Markomannen zurück. Viele uradelige polnische Familien führen germanische Runenzeichen.“

    (Auszug, übernommen aus Johannes Schultz-Tesmar Reiseführer „Durch das Land an der Oder“)

    Hier machen wir einen Zeitsprung, denn zu den darauffolgenden Ereignissen wie

    • Christianisierung,
    • Feldzug des Kaisers Friedrich Barbarossa,
    • Abzug der Mongolen
    • Reformation
    • Dreißigjähriger Krieg

    lesen wir an anderer Stelle.

    „Das weitgehend protestantisch gewordene Schlesien wurde von den Habsburgern im Zuge der Gegenreformation zwischen 1648 und 1654 zwangsrekatholisiert. Den Protestanten waren im Westfälischen Frieden nur drei Friedenskirchen (in Schweidnitz, Jauer, Glaugau) zugestanden. Über 600 protestantische Kirchen wurden katholisier. 1707 erreichte Karl der XII von Schweden im Vertrag von Altranstädt die Rückgabe von 121 Kirchen an die Protestanten und das Recht, sechs Gnadenkirchen (in Sagan, Freystadt, Militsch, Landeshut, Teschen, Hirschberg) zu bauen“.

    Als ich vor Kurzem meinen Beitrag „Görlitz meine Heimatstadt zwischen Reformen, Eroberungen, Kriegen und wirtschaftlichem Aufschwung“ in einer Groppe öffentlich machte, las ich den folgenden Kommentar: „Der dreißigjährige Krieg war ein antigermanischer Feldzug, hervorgerufen durch die Kirche und ihre Büttel“. Dem vermag ich nicht zu widersprechen.

    Die spannungsreichen Kapitel einer Wahrheitssuche, dürfen nicht unter dem Schutt der Vergangenheit“ vergraben bleiben.

    Wie viele Schlesier wissen auch die Pommern, West- und Ostpreußen um ihre Wurzeln und um die Dramen atemberaubender Wucht. Sie reichen weit, sehr weit zurück. So blickt auch Pommern (deutsche Provinz seit 1181) sowie West- und Ostpreußen auf eine bewegende Geschichte zurück.

    Dazu aber in einem Beitrag mehr.

    Quellen:

    Schlesien-der Reiseführer durch das Land an der Oder – Johannes Schultz-Tesmar

    Erlebnisberichte /Niederschriften meiner Mutter (geb. 1923) und meiner Großeltern (geb.  gest.

    Kulturstiftung.org/biografien

    Schlesien –Land aus Gottes Hand Josef von Gollitschek

    „Dem Heimatboden ist die Seele genommen“…

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  • Ein Klara Fall-Ausflugstipp – Streifzüge um den Berg der Hexen und „gruselige“ Momente zwischen Teufelsmauer und Himmelreich

    März 27th, 2023

    Für die nächste Woche habe ich mir fest vorgenommen, die schönsten Plätze unseres Bergwaldes (Harz), ein geologisches Kleinod unter den Gebirgen, zu erobern. Ich „drohe“ schon jetzt einen Schwung von Bildern und Geschichten an, die jedoch nur einen Teil dieser wundervollen Region darzustellen vermögen. Unser Bergwald ist so reich an natürlichen Schätzen, dass es nahezu unmöglich ist, alles aufzuspüren und zu vermitteln.

    Unsere Urahnen gruselte es vor den dunklen Harzwäldern; nur die Bergleute fürchteten sich nicht vor Teufelsspuk und Hexensabbat und gründeten die ersten Siedlungen. Dagegen war das weite Vorland ein geradezu himmlisches Gefilde, und so entstanden am Harzrand schon früh wohlhabende Städte. Doch der Harz ist so viel mehr!

    Lange Rede, kurzer Sinn! Auf einer (möglichen) ersten Station macht sich ein Gefühl breit: Vom Kyffhäusergebirge aus, gewinnt ihr einen fabelhaften Eindruck zum mächtigen Nachbarn Harz bis hin zum Thüringer Wald.

    Vom „Haus auf der Kuppe“ über Kultstätten der Germanen, hinein in ein urwüchsiges Stück Natur.

    Je nachdem, was euer Zeitfenster hergibt, empfehle ich euch einen Ausflug:

    • Zur Reichsburg Kyffhausen und zum Kyffhäuserdenkmal- Denn von dort bietet sich nicht nur ein beeindruckender Blick über die Landschaft vom Harz bis zum Thüringer Wald, hier steht auch eines der bedeutendsten Denkmäler Deutschlands. Das Denkmal wurde zu Ehren Kaiser Wilhelms I. und zur Reichseinigung im Jahre 1871 gebaut.

    In alten Urkunden wird die höchste Erhebung des Gebirges Wotansberg genannt, weil es hier anscheinend Kultstätten gab, die dem germanischen Gott Wotan geweiht waren.

    • In eine völlig andere, geheimnisvolle Welt taucht ihr ein, wenn ihr in der Barbarossahöhle ein kleines Stück in das Innere der Erde vordringt. Ungefähr 40 Höhlen sind im Kyffhäuser bekannt. Die größte und schönste ist ohne Zweifel die Barbarossahöhle.

    Weiter geht’s – dorthin, wo die Hexen tanzten, sangen und zauberten

    • Wenn nicht gerade dichte Wolken die Naturschönheiten des Hochharzes verhüllen, genießt ihr einen atemberaubenden Blick vom Brocken, der einst schon Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine begeisterte. Doch Obacht! Eine Brockenwanderung ist kein einfacher Spaziergang. Der kahle Gipfel hat das Klima eines Zweitausenders und die Höhenunterschiede sind beträchtlich. Die Hexen, die sich hier alljährlich in der Walpurgisnacht zu ihren „Gipfeltänzen“ treffen sollen, reiten auf Besen und Mistgabeln hinauf zum sagenumwobenen „Blocksberg“, wie der Brocken volkstümlich als Hexenberg genannt wird.
    • Aktuell steckt das Harzer Bergtheater am Hexentanzplatz im Umbau.

    Inmitten tiefer Wälder, entlang rauschender Wildbäche hin zum letzten noch lebenden Gipfelmoor Mitteleuropas und zur Wolfswarte

    Ausflug zum Bruchberg: Das letzte noch lebende Gipfelmoor Mitteleuropas bedeckt den zweithöchsten Gipfel (927) Meter Niedersachsens. Auf dem Plateau des breiten Quarzrückens ist die seit dem Ende der jüngsten Eiszeit gewachsene Torfdecke 2-3 Meter dick. In den Hangmulden schwillt das pechschwarze, wie ein Schwamm mit Wasser getränkte Moor stellenweise auf 4 Meter Mächtigkeit an. Dort, wo die Torfschicht aufreißt, tritt die Wolfswarte zutage. Heute tummeln sich hier weniger die Wölfe, dafür aber einige Wildkatzen. Im Harz finden sie ideale Lebensbedingungen. So können die Großkatzen ihren Nachwuchs in den dichten Wäldern verstecken und auf den Wiesen auf Mäusejagd gehen.

    • Zur Wolfswarte führt ein Wanderweg ab Parkplatz „Steile Wand“an der Straße Torfhaus.
    • Und schließlich ist da noch die Teufelsmauer, die sich wie eine Befestigungsmauer mit Zinnen und Türmen am Rand des Harzes hinzieht. Der imposanteste Teil liegt zwischen Thale und Neinstedt.

    Zu den wohl bekanntesten Orten im Harz gehören Blankenburg, Halberstadt, Thale, Goslar, Bad Harzburg, Quedlinburg und das zauberhafte Wernigerode.

    Der Harz beherbergt die außergewöhnlichsten Naturschauplätze und führt uns auf sagenhafte Weise durch eine wundersame und geschichtsträchtige Welt. Es wird kaum gelingen, alle Orte zu bestimmen. Denn letztendlich ist es ein mächtiges Stück Natur, und diese lässt sich nicht bestimmen. Man muss dort gewesen sein!

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  • Aus dem Reich der Sagen und Legenden – eine Geschichte zum Sonntag

    März 26th, 2023

    Einer der eifrigsten und gebildetsten Männer an dem Hofe Karls des Großen war Alcuin. Als Karl einmal bekümmert ausrief: „Hätte ich doch nur 12 so gelehrte Männer, wie Hieronymus und Augustin es gewesen sind!“ sagte Alcuin: „Großer König, das dünkt mir nicht bescheiden zu sein. Bisher hat der Schöpfer des Himmels und der Erden nur zwei solcher Männer hervorgebracht, und du willst gleich zwölf davon haben!“

    Nach der Sage ist Alcuin auf folgende Weisen an den Hof von Karls des Großen gekommen:

    Einst landete an der fränkischen Küste ein Schiff mit vier Männern, die das Aussehen von Kaufleuten hatten, und zu denen deshalb die Einwohner kamen und fragten, was für Waren sie hätten. Die Fremden waren Angelsachsen und antworteten: „Wir bieten Weisheit feil!“ Das schien den Leuten lächerlich, sie gingen enttäuscht fort und machten sich über die vermeintlichen Händler lustig. Endlich langte das Gerücht von merkwürdigen Kaufleuten, die die Weisheit feilboten, bis zu Karl dem Großen. Er ließ die Angelsachsen sofort holen und fasste eine besondere Zuneigung zu Alcuin, den er fortan an seinem Hofe hielt.

    Alcuin war Gelehrter und wichtigster Berater Karls des Großen in den 780er und 790er Jahren.

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  • Görlitz, meine wunderschöne Heimat Teil XI– zwischen Reformen, Eroberungen, Kriegen und wirtschaftlichem Aufschwung

    März 25th, 2023

    Der Dreißigjährige Krieg war anfangs religiös begründet, aber bald fielen die Nachbarstaaten ins geschwächte Reich ein, jeder wollte Land gewinnen. Zuerst die Dänen, die von Wallenstein (nach Schiller Wallenstein) geschlagen wurden und den Plan aufgaben. Es folgten Heere der Schweden und Franzosen. Die Franzosen hofften, die kaiserliche Macht im Reich zu schwächen, und Land zu erobern, die Schweden sahen ihre Chance auf Nordosteuropa zu erweitern.

    Am Ende des Kriegs nahmen sich Frankreich und Schweden große Gebiete des deutschen Reiches.

    Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts erholte sich Görlitz von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges. Leine- und Damastweberei und der Handel mit Getreide, Wolle und Metallerzeugnissen brachten neuen wirtschaftlichen Aufschwung. Das Kriegsgeschehen hatte die Bautätigkeit zum Erliegen gebracht, aber schon ab Endes des 17. Jahrhunderts entstanden viele neue Häuser und um 1720 großartige Barockhäuser u. a. Handwerk 22, Obermarkt 29-31, Nikolaistr.32, Langenstr. 43, Untermarkt 13, Neißestr. 27 sowie das Haus Neißestr. 20.

    Jedoch ab Anfang 19. Jahrhundert brachten Napoleons Raub-und Plünderzüge, die Einquartierungen mit hohen Sachschäden und die von den Okkupanten auferlegte Geldleistung, der Stadt hohe Schulden und damit den wirtschaftlichen Rückschlag.

    Nach den Befreiungskriegen 1813-1815 und Napoleons endgültiger Niederlage durch den Sieg der preußischen und der verbündeten britischen Armee 1815 bei Waterloo, kam Görlitz und die Oberlausitz zu Preußen. Das Zerstörte wieder aufzubauen war mühevoll, aber es gab Erfolg und großen Fortschritt.

    Schon 1816 entstand die erste Görlitzer Tuchfabrik, deren Maschinen durch die Wasserkraft der Dreiradenmühle betrieben wurden. Ab 1830 begann die Industrialisierung in der Stadt. Dieser Veränderungsprozess erfasste zunächst die traditionelle Tuchherstellung, führte jedoch auch zur Gründung neuer Wirtscahftszweige, Waggon- und Maschinenbaubetrieben, Landskronbrauerei u. s. w.

    1847 erhielt Görlitz Anschluss an das preußische und sächsische Bahnnetz. Im gleichen Jahr wurde der Viadukt fertiggestellt.

    Siehe auch:

    Görlitz, meine wunderschöne Heimat Teil X – am Viadukt: Kraftort und formschönes Denkmal des technischen Fortschritts

    Infotafel:

    Dreißigjähriger Krieg (1618-1648) – Auslöser Prager Fenstersturz 1618

    Fensterstürze sind im Mittelalter und in der frühen Neuzeit nicht unüblich. Sie stellen eine Form des Protests zwischen Lynchjustiz, Gottesurteil und gemeinschaftlich begangenem Mord dar.

    Fotos:

    • Görlitz von Norden (Lithographie um 1840)
    • Getreideernte am Fuße der Landeskrone (Zeichnung und Lithografie von L. Sommerschuh um 1845)
    • Der Obermarkt als Zentrum der Begegnung und des Durchgangsverkehrs. Auf dem Bild von der Brüdergasse aus gesehen.
    • Der Obermarkt: Zentrum zahlreicher Huldigungsfeiern und Paraden (Lithografie von C. Kadersch um 1840)
    • Die historische Ecke am Untermarkt mit den Einmündungen der Neißgasse und Webergasse.
    • Private Aufnahmen aus dem Jahr 2022

    Bild und Textquelle: „Görlitz zwischen Biedermeier und Märzrevolution“ Schriftenreihe Städtische Kunstsammlungen Görlitz Heft 19 / 1. Auflage 1984

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