Mal abgesehen, von den Unarten einiger FĂŒrsten dieser Zeit: Das wir in Deutschland so viele Mittelpunkte geistigen, kĂŒnstlerischen und wissenschaftlichen Lebens haben (hatten), verdanken wir diesen kleinen Höfen.

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Das Beispiel Ludwig XIV. wurde vor allem von vielen deutschen FĂŒrsten nachgeahmt â freiwillig weniger in dem Bestreben, ihr Land nach auĂen mĂ€chtig und angesehen zu machen, als vielmehr in der Pracht der Verschwendung, der Sittenlosigkeit und im unumschrĂ€nkten Regiment.
Ăberall in Deutschland entstanden Schlösser, jeweils umgeben von einem groĂen Park, nach französischem Muster â nicht in sklavischer Nachahmung, sondern mit eigenen kĂŒnstlerischen Gedanken.
So grĂŒndete Eberhard Ludwig von WĂŒrttemberg die Stadt Ludwigsburg (1704) und baute sich dort nach dem Vorbild der Versailler Residenz ein groĂartiges Schloss, aufs prĂ€chtigste ausgestattet.
Karl Theodor von der Pfalz baute sein Schloss in Schwetzingen, Karl Albert von Bayern Nymphenburg und SchleiĂheim, der Landgraf von Nassau Wilhelmshöhe bei Kassel; Karl Wilhelm von Baden schuf mitten im Wald ein Jagdschloss, Karlsruhe genannt, und legte um das Schloss herum eine Stadt an, die er zu seiner Residenz machte.
Auch die geistlichen FĂŒrsten wollten nicht zurĂŒckstehen. Der FĂŒrstbischof von WĂŒrzburg erbaute sich ein prĂ€chtiges Schloss in der Stadt und auĂerdem im nahen Veitshöchheim ein zweites mit groĂem Park.
Am tollsten wohl hat es KurfĂŒrst Friedrich August von Sachsen getrieben, genannt August der Starke (er war mir RiesenkrĂ€ften ausgestattet, so dass er Hufeisen und harte Taler mit den HĂ€nden zerbrechen konnte). Da er gern den Königstitel haben wollte, bewarb er sich um den polnischen Königsthron, der damals frei war. Mit groĂem Geldaufwand gelang es ihm auch, zum König gewĂ€hlt zu werden. Doch es war eine Bedingung dabei: er musste katholisch werden. So schwur er, seinem evangelischen Glauben ab. Seine Kunstliebe verschönerte Dresden mit groĂartigen Barockbauten (Zwinger u. a.).

Ăhnlich wie August der Starke trieb es eine Zeitlang der Herzog Karl Eugen von WĂŒrttemberg. Er war in Berlin unter den Augen Friedrichs des GroĂen fĂŒr seinen Regentenberuf ausgebildet worden, hat aber seinem Lehrmeister wenig Ehre gemacht. WĂ€hrend ihn Friedrich gelehrt hatte: âGlauben Sie nicht, dass WĂŒrttemberg fĂŒr Sie da sei; seien Sie vielmehr ĂŒberzeugt, dass die Vorsehung Sie in die Welt kommen lieĂ, um Ihr Volk glĂŒcklich zu machenâ, war er nur darauf bedacht, das Leben zu genieĂen.

An seinem Hofe riss ein ĂŒppiges, ausschweifendes Treiben ein, sein Marstall war der erste in Europa, und um ein glĂ€nzendes Fest zu sehen, reiste man wohl sogar von Paris nach Ludwigsburg. Dazu war die Baulust des Herzogs sehr groĂ. Er hat das prachtvolle Neue Schloss in Stuttgart geschaffen, ferner das Seeschloss Monrepos, die Solitude, das Schloss in Hohenheim mit den wunderbaren Gartenanlagen u. a.

Mit den Jahren besserte sich seine LebensfĂŒhrung. Die alte WillkĂŒrherrschaft freilich hat er dann auch nicht aufgegeben. So lieĂ er den Dichter Schubert, der ihn durch einen boshaften Witz erzĂŒrnt hatte, verhaften und auf den Hohenasperg bringen, wo er zehn lange Jahre in harter Gefangenschaft schmachten musste.
Damals kam es bei manchen deutschen FĂŒrsten vor, dass sie ihre eigenen Landeskinder als Soldaten an auswĂ€rtige MĂ€chte verkauften, hauptsĂ€chlich an Holland und England. Das hat auch Herzog Karl Eugen getan. Noch im Jahr 1786 verkaufte er tausend Soldaten an die HollĂ€nder. Sie wurden nach dem Kap und nach Batavia eingeschifft, und nur wenige sahen ihr Vaterland wieder. Es war europĂ€ischer Sklavenhandel.
Von den ZustĂ€nden im damaligen WĂŒrttemberg gewinnt man ein sehr anschauliches Bild aus Schillers Drama âKabale und Liebeâ.
Doch hat Karl Eugen in dieser Zeit auch manches Gute getan. Er richtete auf der Solitudeâ eine âPflanzenschuleâ ein, die er spĂ€ter als âMilitĂ€rakademieâ nach Stuttgart verlegte.
Sie wurde als âKarlsschuleâ vom Kaiser zur Hochschule erhoben, ihr berĂŒhmtester Zögling war Schiller. Doch hat schon Karls Nachfolger die Schule wieder aufgehoben.

Trotz all seiner Fehler war Karl Eugen beim wĂŒrttembergischen Volk beliebt, da er die Gabe besaĂ, mit jedem Untertanen ein freundliches, oft scherzhaftes Wort zu wechseln.
Nicht alle deutschen FĂŒrsten waren solche Verschwender. Vor allem die Hohenzollern in PreuĂen nicht. Friedrich Wilhelm I. und sein Sohn, der groĂe Friedrich. Auch das Beispiel dieser Monarchen hat â wie das Ludwig XIV. â weithin als Vorbild gewirkt.
So hat besonders das Badener Land eine Reihen von trefflichen Regenten gehabt, da war ferner der FĂŒrst Leopold von Anhalt-Dessau. SpĂ€ter der âalte Dessauerâ genannt.
Er war nicht nur ein hervorragender preuĂischer HeerfĂŒhrer, sondern hat auch fĂŒr sein Land ungemein viel geleistet. Wie erhaben er ĂŒber Standesvorurteil war. Bewies er dadurch, dass er eine BĂŒrgerliche , eine Apothekertochter heiratete. Er lebte mit dieser vortrefflichen und klugen Frau in glĂŒcklicher Ehe.

In ThĂŒringen ist vor allem Herzog Karl August von Sachsen-Weimar zu rĂŒhmen, der Freund Goethes.
Wieland, Herder, Goethe, Schiller und manche andere zierten seinen Hof und machten Weimar zum geistigen Vorort nicht nur Deutschlands, sondern Europas.
Die Regierung jener ĂŒppigen und verschwenderischen KleinfĂŒrsten hat auch ihr Gutes gehabt: sie haben ihre ResidenzstĂ€dte zu wirklichen PflegestĂ€tten der Bildung gemacht. Dort blĂŒhten die KĂŒnste, vor allem die Baukunst und die Malerei.
Das wir in Deutschland so viele Mittelpunkte geistigen, kĂŒnstlerischen und wissenschaftlichen Lebens haben, verdanken wir diesen kleinen Höfen. Man denke nur an das einstige Dresden, an Weimar, MĂŒnchen, Kassel, an die zahlreichen UniversitĂ€tsstĂ€dte.
In Frankreich ist das ganz anders. Da sammelt sich das gesamte geistige Leben in Paris; die ProvinzstĂ€dte aber sind zurĂŒckgeblieben und meist StĂ€tten ödester Langeweile geworden.
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