Einer der eifrigsten und gebildetsten Männer an dem Hofe Karls des Großen war Alcuin. Als Karl einmal bekümmert ausrief: „Hätte ich doch nur 12 so gelehrte Männer, wie Hieronymus und Augustin es gewesen sind!“ sagte Alcuin: „Großer König, das dünkt mir nicht bescheiden zu sein. Bisher hat der Schöpfer des Himmels und der Erden nur zwei solcher Männer hervorgebracht, und du willst gleich zwölf davon haben!“
Nach der Sage ist Alcuin auf folgende Weisen an den Hof von Karls des Großen gekommen:
Einst landete an der fränkischen Küste ein Schiff mit vier Männern, die das Aussehen von Kaufleuten hatten, und zu denen deshalb die Einwohner kamen und fragten, was für Waren sie hätten. Die Fremden waren Angelsachsen und antworteten: „Wir bieten Weisheit feil!“ Das schien den Leuten lächerlich, sie gingen enttäuscht fort und machten sich über die vermeintlichen Händler lustig. Endlich langte das Gerücht von merkwürdigen Kaufleuten, die die Weisheit feilboten, bis zu Karl dem Großen. Er ließ die Angelsachsen sofort holen und fasste eine besondere Zuneigung zu Alcuin, den er fortan an seinem Hofe hielt.
Alcuin war Gelehrter und wichtigster Berater Karls des Großen in den 780er und 790er Jahren.
…wo der Rübezahl mit seinen Zwergen heut‘ noch Sagen und Märchen spinnt“, so heißt es in dem alten Riesengebirgslied „Blaue Berge, grüne Täler“, geschrieben von Othmar Fiebiger im Jahre 1910.
Keine Sagengestalt ist so populär wie des Rübezahls. Warum der Zauberunhold Rübezahl heißt, vermag, niemand so richtig zu sagen, meinte Carl Hauptmann. Es gibt so viele Erklärungen des Namens, wie Forscher, die sich mit ihm beschäftigen.
Jedes nicht erfassbare Geschehen und Erleben, wurde von den Menschen im Riesengebirge und Umgebung mit Rübezahl in Verbindung gebracht. Rübezahl war Beschützer, Wetterherr, Schatzspender, auch manchmal Schalk.
Er geleitete nachts Menschen durch den Wald, brachte anderen Freude und Glück. Aber es gab auch trauriges Warten auf seine Hilfe. Ferdinand Freiligrath schildert in seinem Gedicht „Aus dem schlesischen Gebirge“ die große Not der Weberfamilien und die Hoffnung eines kleinen Jungen auf Unterstützung von Rübezahl.
Leider finden wir in den neu verlegten Sagenbüchern kaum noch Sagen aus dem Osten Deutschlands. Darunter fallen 700 Jahre deutsche Geschichte und Kulturgeist, die wie ausgelöscht sind.
Für den Schlesier wird Rübezahl immer ein Berggeist blieben. Er gehört zum Riesengebirge, zum deutschen Schlesierland, zu unserer Heimat.
Zeit für einen Blick in den germanischen Sagenschatz:
„Rübezahls Verbannung“
Es wurde einmal vorgenommen, Rübezahl von der Koppe hinweg zu bannen. Da hat sich denn ein Hexenmeister auf das Gebirge hinaufgewagt, seine Zirkel gemacht und allerhand teuflische Figuren dazu geschrieben, auch Rübezahl zu diesem Werk hinzugefordert. Der hat sich auch willig eingestellt und auf der Schneekoppe in einem sonderlich hierzu gemachten Sessel präsentiert – mit dem Versprechen, sofern der Banner seine Sache ausführen könne, wolle er geschwinde von hinnen weichen. Was geschieht? Da der Verbanner sein Zauberbuch hervorgekriegt und etliche Zeilen gelesen, auch nun zum Hauptpunkt gerät, da reißt der Rübezahl das Blatt dem Kerl vor der Nase aus dem Buch und wirft ihn mitsamt dem Bettel in hundert Stückchen den Berg hinunter. Noch jetzt sollen etliche Kennzeichen und Merkmale solcher Geschichten auf dem Berge gezeigt werden.
(Aus dem Sagenschatz des Königreich Sachsen, Erscheinungsdatum: 1874, Verleger: Schönfeld’s Verl.)
Für den Dichter Carl Hauptmann war Rübezahl ein unlösbares Geheimnis, das so alt war „wie die weißen Schaumwasser, die in der Zackelklamm jeden Tag jung und neu ihrer über Schroffen und Steine zu Tale springen“.
Kurzgeschichten – aus dem Reich der Sagen und Fabeln
Ganz kurz möchte ich etwas von Sagengestalten und dem Berggeist Rübezahl erzählen.
In Urzeiten versuchten die Menschen die Gegebenheiten in der Natur, der Gemeinschaft und der eigenen Person verständlich zu machen. Nicht erkennbare Zustände wurden zu Wesen und anderen bildlichen Vorstellungen. Auch Eigenschaften nahmen Gestalt an.
Wir finden solche Wesen in der Antike, der germanischen Mythologie und weit verbreitet in Sagen.
Alle Sagen vermitteln uns kleine Einblick in die Entwicklungsgeschichte der Menschen, den Kulturstand oder einzelnen Volksgruppen. Sie berichten uns von ihren Fantasiegestalten, Fabelwesen und besonderen Ereignissen.
Die Sagen wurden meist mündlich überliefert und erst sehr spät schriftlich aufgezeichnet. Eine Hauptquelle aller Sagen ist die Natur mit ihren tiefen und immer wiederholten Eindrücken auf das Gemüt der Menschen der damaligen Zeit.
Da waren vor allen Dingen neben Blitz und Donner, Bergen und Seen, der Wald mit seinem geheimnisvollen Dunkel, mit seinen Stimmen und Stürmen, seinen Gestalten und Schätzen, der die Fantasie anregte.
Urwüchsig bedeckte er alle Täler und Höhen. Erst seit Mitte des 18. Jahrhunderts hat moderne Forstwirtschaft mit Schneisen und Wegen den Wald durchzogen und den Zauber von ihm genommen. Im Zeitalter der Technik ist der Glaube an die Fantasiegestalten mehr und mehr verschwunden.
Aber die Haus-, Wald-, Wasser-, Erd-, Feld-, und Berggeister erzählen uns heute ihre Geschichten in Büchern. Auch manche Gedichte berichten von ihnen. So zum Beispiel in Goethes Ballade „Der Erlkönig“. Hier ist es ein Walddämon.
Indes zeichnet das Gedicht „Der Knabe im Moor“ von Anette von Droste-Hülshoff das Entsetzen und Grauen im Moor auf.
In allen Teilen Deutschlands gab es viele Sagengestalten. Sie sind jedoch immer mit einem bestimmten Ort verknüpft.
Uralt ist die Vorstellung, dass im Riesengebirge Zwerge und Riesen wohnten und beherrscht wurde das Gebiet vom Berggeist Rübezahl.
Das glaube, wer mag. Ihr wünscht euch Geschichten zu Rübezahl und anderen Sagengestalten? Bleibt dran. Schon im nächsten Beitrag lest ihr mehr dazu. Bewahrt nur die Neugierde.