Görlitz, meine wunderschöne Heimat

Hier erfahrt ihr die Geschichte von Görlitz – von Beginn an

©KlaraFall

Liebt ihr Reisen in die Vergangenheit? Dann könnte ein Städtetrip nach Görlitz vielleicht genau das Richtige für euch sein. Spätgotik, Renaissance, Barock – in der östlichsten Stadt Deutschlands – in meiner wundervollen Heimatstadt, werdet ihr als Gäste mit einem faszinierenden Nebeneinander der verschiedensten Stilepochen konfrontiert.

Das Stadtbild darf man durchaus als Spiegel des historischen Prozesses und als Gesamtkunstwerk betrachten.

Stadtschreiber: Lest die Geschichte zur Geschichte – Teil I

In Görlitz und Umgebung gibt es Spuren menschlicher Besiedlung schon aus der mittleren Steinzeit (etwa 8000-300 v. u. Z.). Aus der Jungsteinzeit stammen schnurkeramische Gefäße, die in der Görlitzer Gegend nachweisbar sind. Natürliche Vorkommen von Kupfer und Zinn fehlten, weshalb die aufgefundenen Bronzegegenstände nur durch Handel hierher gelangt sein können.

Etwa ab 300 v. u. Z. bis 600 u. Z. lebten germanische Burgunder in dem Gebiet von und um Görlitz. Aufgefundene Bestattungsplätze, Gefäße der burgundischen Keramik und eiserne Äxte, Pfeil- und Lanzenspitzen beweisen die jahrhundertelange Ansässigkeit der Burgunder.

Im Hainwald, der heutigen ältesten Straße von Görlitz, befand sich wahrscheinlich eine Kultstätte der Germanen. (Tacitus, der römische Geschichtsschreiber, lebte bei den verschiedenen Stämmen der Germanen und schrieb in seiner „Germania“: Die Germanen stellen ihre Götter nicht menschenähnlich dar, sie weihen ihnen Lichtungen und Haine.“ – die Germanen hatten zentrale heilige Stätten).

Um 600 u. Z. zogen die germanischen Burgunder weiter. Nur einige blieben zurück. Ihnen folgten wenige slawische Milzener.

Görlitz wird erstmals urkundlich erwähnt

976 wurde unter Kaiser Otto I. (Kaiser des Römischen Reiches Deutscher Nation) das Bistum Meißen gegründet und auf einer Anhöhe eine Burg zum Schutz gebaut (eine Stein-, Erdwall- Holzkonstruktion) und ab 1046 mit Markgrafen besetzt.

Der spätere Name Görlitz findet sich zum ersten Mal in einer in Goslar ausgestellten Urkunde Kaiser Heinrich des IV. 1071, in der von einem Bauernweiler in der Gegend der heutigen Nikolaivorstadt die Rede ist. Der Kaiser schenkte in jenem Jahr (1071) dem Bistum Meißen acht Königshufen bei Görlitz. Eine Königshufe war etwa 50 Hektar oder 200 Morgen.

Die Meißener Markgrafen holten deutsche Kolonisten aus Franken, Flandern, Thüringen und der Mark Meißen. Die Siedler rodeten Wälder und machten das Land um Görlitz urbar. Es kamen auch Adlige, die Bauern angeworben mitbrachten. In der Umgebung bildeten sich die typischen Waldhufendörfer. Es entstand eine Handwerkersiedlung. Die Straßennamen lassen heute noch erkennen, welche Handwerker in den kleinen Gassen arbeiteten und wohnten.

Schnell stieg die Einwohnerschaft von Görlitz durch Zuzug und Nachkommenschaft an. Mit dem weiteren Zuzug von Handwerkern, Tuchmachern und Kaufleuten, entwickelte sich Görlitz zu einer wirtschaftlich starken Stadt.

Zwei Handelsstraßen von großer Bedeutung

Zwei Handelsstraßen, die durch die Stadt führten und sich hier kreuzten, trugen zum wirtschaftlichen Aufschwung bei. Es war die Salz-, und Bernsteinstraße, die von Skandinavien bis zum Balkan reichte und der mittelalterliche Verkehrsweg, die Via Regia (Königsstraße, auf manchen Abschnitten auch Hohe Straße oder Reichsstraße genannt), der von Spanien kommend, durch Frankreich, Deutschland bis nach Kiew führte.

Die Via Regia hatte große Bedeutung für den Handel und Warenaustausch in Görlitz. Die Straßenführung der via Regia verlief über die Bautzener Straße – Reichenbacher Tor – Obermarkt – Untermarkt und weiter über die Neißebrücke (erster Brückenbau 1376).

Jährlich fuhren etwa 3000 Wagen auf dieser Fernstraße zwischen Leipzig und Breslau. Wiederholt wurde die Straße auch von Armeen genutzt. In ihrem Einzugsgebiet fanden große Schlachten statt. (Lützen, Hochkirch, Jena, Auerstedt, Bautzen. Leipzig).

Das Geheimnis um den Felsen an der Neiße

Das Meißner Bistum gründete um 1100 die Nikolaikirche (der jetzige Bau stammt aus dem 15. Jahrhundert) als Mittelpunkt der Stadt. Auf einem Felsen an der Neiße wurde zum Schutz der Stadt eine Burg errichtet. Ende des 12. Jahrhunderts musste sie einer Basilika und dem Vogtshof weichen. Dieser wurde Sitz des Stadtvoigts, der im Auftrage des Königs das Gemeinwesen verwaltete und das Amt des Richters ausübte.

Dem Stadtvoigt unterstanden Dienstmannen. Sie gehörten zum Kleinadel und bewohnten Freihöfe, kleine wehrhafte Gebäude mit nebenstehendem Turm. Das Waidhaus, das älteste profane Steingebäude der Stadt, war ein Freihof. Ein weiterer steht an der Ecke Neißstr. (Neidecke )- Hainwald. Auch am Neißeübergang befand sich ein solches Gehöft, das alte Rathaus war einst auch ein Freihof.

Am westlichen Ausgang der Brüderstraße (neben der heutigen Gaststätte Schwibbogen) lag ein Tor. Es grenzte an den Freihof der Herren von Wirsing. Dessen Freihof wurde von den Franziskanern übernommen, die sich 1234 hier niederließen und vor dem ältesten westlichen Stadtzugang Kloster und Kirche gründeten. (Seit 1713Dreifaltigkeitskriche oder auch „Mönch“ genannt.

1565 wurde das Kloster abgerissen und auf dem Grundstück ein Gymnasium errichtet. Der Neubau (1856) wird heute noch als Gymnasium genutzt.

1084 übergab der Kaiser Heinrich IV. das von Deutschen gegründete Görlitz und die Oberlausitz, die bis zum Queis reichte und zu der auch Seidenberg gehörte, (Gebiete östlich der Neiße und seit 1945 in polnischer Hand) als Reichslehen an den böhmischen König.

©KlaraFall

Wer waren die Böhmen und Mähren? In welcher Verbindung steht Görlitz zu diesen Regionen? Das erfahrt ihr in Teil II unserer Görlitz-Reihe.

https://undinepeter.wordpress.com/2023/02/23/gorlitz-meine-wunderschone-heimat-teil-ii-wer-waren-die-bohmen-und-mahren/

https://undinepeter.wordpress.com/2023/02/24/gorlitz-meine-wunderschone-heimat-teil-iii-ein-mittelalterlicher-streifzug/


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