
Werfen wir einen Blick auf den Untergang des Weströmischen Reiches. Manch einer möge vielleicht Parallelen zur Gegenwart erkennen. Wobei es sich wohl bei genauer Betrachtung, um einen wiederkehrenden geschichtlichen Prozess handeln dürfte.
So gab es einige Vorfälle und Bedingungen, die den Zerfall des Weströmischen Reiches beschleunigten:
- Die Arbeitsmoral sank, die Preise stiegen laufend.
- Die Bewohner in den Provinzen bekamen für ihre Münzen immer weniger.
- Mache konnten ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen – ihr Eigentum wurde eingezogen, einige sogar als Sklaven verkauft.
- Die Versorgung der Soldaten war nicht mehr geregelt.
- Die Verwaltungskosten stiegen, die Steuern wurden in wenigen Jahren auf das dreifache erhöht.
- Es kam zu gewaltsamen Steuereintreibungen und es entstanden inflationäre Probleme.
Inmitten eines übersteuerten, überverwalteten, durch innere Unruhe bedrohten Gemeinwesens, zogen sich die Reichen auf ihre Besitzungen zurück. Viele brachten ihr Vermögen nach Konstantinopel, ins oströmische Reich, wo man die Werte sicherer aufgehoben sah.
- Die Moral war auf dem Tiefstand.
- Das Volk wollte oder konnte den Verfall nicht erkennen.
- Die Menschen amüsierten sich, saßen in Tavernen und öffentlichen Küchen (damaligen Gasthäuser) herum, spielten an Würfeltischen, besuchten Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe.
- Es gab immer neue Veranstaltungen, um vermeintliche Freiheiten zu genießen.
- Für Sittenlosigkeit und Ausschweifungen gab es keine Grenzen. Täglich trafen sich viele Männer zu Trink-Orgien in Begleitung von Amüsiermädchen.
- Die Höflinge um den Kaiser waren geldgierige Schmarotzer. Sie interessierten sich weder für Staat noch Volk.
Von einem römischen Geschichtsschreiber stammen die Worte:
„Die Römer sterben lachend“.
Golo Mann, der Sohn von Thomas Mann schrieb dazu: „Sie starben tatsächlich, jedenfalls starben ihre Städte und ihre ehrwürdigen sozialen Einrichtungen. Sie waren nur ein Schatten ihrer selbst.“
Der Historiker Zosimus schrieb: „Die Städte verwahrlosten, die Mittelstandskultur zerfiel an der zerrütteten Wirtschaft“.
In über 1000 Jahren war das Land zu einem mächtigen Staat herangewachsen. In nur 100 Jahren versank das Weströmische Reich mit seiner blühenden Zivilisation und den prachtvollen Bauten.
- 476 wird der germanische Heerführer Odoaker ausgerufen. Er setzte den letzten römischen Kaiser ab und besiegelte das Ende des Weströmischen Reiches.
- Auf seinen Trümmern entstanden germanische Königtümer.
- Karl der Große aus dem Stamm der westgermanischen Franken vereinte die einzelnen Königsländer zum großen Frankenreich. Damit erneuerte er auch das alte römische Kaisertum.
- Dieser Riesenstaat wurde später für die Enkelkinder des Kaisers geteilt.
- Aus einem Teil bildeten sich das Römische Reich Deutscher Nation, dass unter der Herrschaft deutscher Kaiser fast 1000 Jahre bestand und erst unter der Gewaltherrschaft Napoleons 1806 zerfiel.