„Eine schmerzenreiche Zeit des neuen Europa, Wikinger auf großer Fahrt und der Anfang der eigentlichen deutschen Geschichte.

Nach dem Zerfall des Frankenreiches dauerten Hader und Zwist fort – auch nach Ludwigs und Karls Tod (876/877). Es ist die schmerzenreiche Zeit des neuen Europa.

„Obwohl die beiden Herrscher verwandt und eines Stammes und auch ihre Völkereng verwandt waren, bildeten sich jetzt scharf umrissene Völkerpersönlichkeiten heraus, deren Nationalstreit die kommende Zeit erfüllte.

In diesen Zeiten der inneren Streitigkeiten um das Erbe des großen Karl brachen von allen Seiten Feinde über die Grenzen: Normannen, Ungarn, Slawen. Damals begannen die Normannen (auch Wikinger genannt) ihre großen Fahrten mit ihren „schaumhalsigen Wellenrossen“.; Färöer, Island, Grönland wurden entdeckt – von dort aus sogar im Jahr 1000 das Vinland in Nordamerika – im Osten gründeten sie Staaten, aus denen später russische Fürstentümer hervorgingen, und in Unteritalien kämpften sie gegen die Araber, die von Süden hervordrangen.

Auch Mitteleuropa wurde von ihnen seit dem 9. Jahrhundert heimgesucht. Sie fuhren den Rhein aufwärts bis nach Mainz. Ihre Raubzüge im Gebiet der Friesen haben ihren Niederschlag in der Gudrunsage gefunden. Zu gleicher Zeit zeigten in Schwaben und Bayern rauchende Dörfer und Höfe die Straße, die das mongolische Reitervolk der Ungarn gezogen war. Östlich der Saale und Elbe hielten die Slawen die Grenze des Reiches in dauernder Unruhe.

Die späteren Karolinger hatten nicht die Kraft, diesen Feinden zu begegnen. Die bedrohten Gebiete mussten zur Selbsthilfe greifen und wählten auch ihre eigenen Führer. So erhob sich Ostfranken (Deutschland) von neuem die Gewalt der Herzöge, die Karl der Große beseitigt hatte.

Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben, Lothringen – Westfranken (Frankreich) spaltete sich in mehrere selbständige Teile, und auch Italien zerfiel in zahlreiche kleine Herrschaftsgebiete.

Mit dem Jahr 911 stehen wir am Anfang der eigentlichen deutschen Geschichte. Denn als in diesem Jahr die Karolinger in Ostfranken aussterben, huldigen die deutschen Stämme nicht etwa den westfränkischen Karolingern, sondern wählen einen einheimischen Herrscher, den Frankenherzog Konrad, zum König und gehen von nun an ihre eigenen Wege.

Konrad I. (911-918) war ein tapferer, edelmütiger Mann, allgemein beliebt und geachtet, aber es ist ihm nicht gelungen, sich durchzusetzen, seine Macht reichte nicht aus, die Herzöge in Gehorsam zu halten.

Er kämpfte vergeblich um seine Anerkennung.

Auf dem Totenbett aber vollbrachte er eine Tat, die dem Reich zu größten Segen wurde und vom Anfang der deutschen Geschichte her weit durch die Jahrhunderte leuchtet: In dem Herzog Heinrich von Sachsen, der sein mächtigster Gegner gewesen war, glaubte er, den Mann erkannt zu haben, der imstande sein würde, das zu leisten, was ihm selbst nicht geglückt war: Das Reich zusammenzuhalten und gegen seine zahlreichen inneren und äußeren Feinde zu schützen.

Darum nahm er seinem Bruder Eberhard in Gegenwart vieler Großer des Reiches das feierliche Versprechen ab, die Reichskleinodien dem Sachsenherzog zu überbringen.

So zeigte er, dass ihm das Wohl des Ganzen höherstand als der Vorteil seines Hauses – „eine unter den eigensinnigen und rechthaberischen Deutschen unerhörte Tat.“

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Und ab morgen erfahren wir dann alles über unsere Sächsischen Kaiser. Freut euch auf einige spannende Kapitel. Den Anfang macht Heinrich I. (919-936).


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